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Vortrag: „Nimm und lies …“ Gedanken über Buch und Bildung

Anläss­lich der Wie­der­eröff­nung der Johan­nes a Las­co Biblio­thek in Emden hielt Micha­el Beint­ker, Pro­fes­sor und Direk­tor am Semi­nar für Refor­mier­te Theo­lo­gie in Müns­ter, einen Vor­trag am 30. April 2010, in dem er sei­ne Gedan­ken über Buch und Bil­dung sehr anschau­lich dar­stell­te. Ich emp­feh­le, sei­nen Vor­trag auch trotz sei­ner Län­ge ganz zu lesen. Er spricht über Biblio­the­ken als sinn­li­che und inspi­rie­ren­de Orte, über Lese­tech­ni­ken und „Papier­säu­fer“, über lebens­dien­li­ches und schäd­li­ches Lesen und über den Geruch von Büchern und E-Books.

Er spricht ganz aus mei­ner See­le, wenn er sagt:

Biblio­the­ken kön­nen Orte sein, die einem wie­der Lust auf den Umgang mit leib­haf­ti­gen Büchern wecken. Schon das Rascheln von Sei­ten, die Mase­run­gen des Papiers, die tast­ba­ren Spu­ren der Blei­let­tern, die Anmut des Ein­bands – das unwi­der­steh­li­che Emp­fin­den, dass sich uns hier eine „Tür in der Zeit“  öff­net –, neh­men uns für das tra­di­tio­nel­le Buch ein. „Nichts ver­leiht einem Zim­mer so viel Wär­me wie ein Bücher­re­gal“, bemerk­te unlängst der Com­pu­ter­wis­sen­schaft­ler David Gelern­te […]

Er schließt sei­ne Rede mit einem Gedicht von Robert Gern­hardt:

Ums Buch ist mir nicht ban­ge. Das Buch hält sich noch lan­ge.
Man kann es bei sich tra­gen und über­all auf­schla­gen.
Sofort und ohne War­ten, kann man das Lesen star­ten.
Im Sit­zen, Lie­gen, Kni­en, ganz ohne Bat­te­ri­en.
Beim Flie­gen, Fah­ren, Gehen – Ein Buch bleibt nie­mals ste­hen.
Beim Essen, Kochen, Wür­zen. Ein Buch kann nicht abstür­zen.
Die meis­ten and­ren Medi­en, tun sich von selbst erle­di­gen.
Kaum sind sie ein­ge­schal­tet, heißts schon: Die sind ver­al­tet!
Und nicht mehr kom­pa­ti­bel – Marsch in den Abfall­kü­bel
zu Bän­dern, Fil­men, Plat­ten, die wir einst ger­ne hat­ten,
und die nur noch ein Dreck sind. Weil die Gerä­te weg sind
und nie­mals wie­der­keh­ren, gibts nichts zu sehn, zu hören.
Es sei denn, man ist klü­ger und hält sich gleich an Bücher,
die noch in hun­dert Jah­ren, das sind, was sie stets waren:
Schön les­bar und beguck­bar, so stehn sie unver­ruck­bar
In Schrän­ken und Rega­len und die Benut­zer strah­len:
Hab’n die sich gut gehal­ten! Das Buch wird nicht ver­al­ten.

6 Kommentare

  1. Ich bin sicher dass das gedruck­te Buch auch wei­ter über­le­ben wird, kei­ne Fra­ge. Die Ent­wick­lung des eBooks ist aber unauf­halt­sam und wird vor­an­schrei­ten. Ich ver­mu­te es wird eine fried­li­che Koexis­tenz geben (solan­ge die Prei­se sich wie jetzt in waa­ge (Preis­bin­dung) hal­ten).

  2. @Ich ver­mute es wird eine fried­li­che Koexis­tenz geben

    …Zumin­dest solan­ge wie wir Strom gelie­fert bekom­men 😉

  3. eddi sagt

    Um ehr­lich zu sein, schie­le ich auch schon seit eini­ger Zeit auf Kind­le und Co. Ebook-Reader haben eben Vor­tei­le, die nor­ma­le Bücher nicht bie­ten. Wegen des gerin­gen Ange­bots wer­de ich aber noch etwas abwar­ten.

  4. Joschie sagt

    E-Books wer­den noch lan­ge Zeit ein sehr west­li­ches Phä­no­men bleiben.Der Grund dafür ist sehr ein­fach, weil vie­le Men­schen dafür ein­fach nicht die mate­ri­el­len und tech­ni­schen Grund­la­gen haben.

  5. eddi sagt

    Joschie, du hast abso­lut recht. Auch wenn die Prei­se für E-Book-Reader sin­ken und E-Books ca. 30% güns­ti­ger als gedruck­te Bücher sind, sind es zunächst nur weni­ge, die umstei­gen. Die Inves­ti­ti­ons­kos­ten sind am Anfang recht hoch. Für gedruck­te Bücher braucht man zwar irgend­wann ein Bücher­re­gal. Das ist aber in der Regel güns­ti­ger als ein guter Reader. Wie auch immer: ich bin auf die Ent­wick­lung gespannt.

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