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Von Prinzessinnen, Prinzen und ihren Untertanen

Was für ein herausfordernder Titel! Ich besitze das Vorrecht, Beat Tanner persönlich zu kennen, einen Menschen, der sich vor allem durch Freundlichkeit und Mitgefühl auszeichnet. Das er aber auch klare Töne finden kann, hat er nun mit diesem handlichen Ratgeber bewiesen. Gibt es aber nicht Erziehungsratgeber, auch christliche, in Hülle und Fülle? Sind wir nicht schon müssig geworden, die nächste neue Erziehungsmethode auszuprobieren? Tanners Büchlein erweist sich vor allem deswegen als erfrischend, weil es wieder ganz zurück, an den Anfang und Ursprung der Schrift führt. Die Lösung, die das Buch für das Gesellschaftsphänomen Machtumkehr (zwischen Eltern und Kindern) anbietet, liegt in einer ausführlichen Besprechung von Eph. 6,1-4. Kreisend entwickelt der Autor einen neuen Zugang zu diesen so altbekannten aber wenig beachteten Versen. Wie oft hält man diese Stelle für veraltet, und meint im grenzenlosen Wünscheerfüllen und Verwöhnen der Kinder einen besseren (und einfacheren) Weg für die Erziehung gefunden zu haben? Ich musste mich beim Lesen so oft an die eigene Nase packen, dass sie rot wurde. Was bei den Kleinsten noch als kontrollierbar erscheint, nimmt schnell unerwartete Formen an. Der Autor berichtet:

„Eltern erzählen mir von ihren erst achtjährigen Kindern, die sie mit Suizidandrohungen erpressen. Ich erinnere mich an einen elfjährigen Jungen, der sich ein Messer an den Hals setzte und seine Mutter anschrie: „Du machst nicht, was ich will! Darum bringe ich mich um! (S. 12 f.)“

Neben der feinfühligen Betrachtung der Bibeltexte, die von einer langjährigen und bewährten Praxiserfahrung zeugen, zeichnet sich das Werk durch ausführliche Besprechung mehrerer Praxisbeispiele aus. Ja, ein abschließendes Beispiel wird sogar in einem eigenen Kapitel diskutiert. Umfassend werden mögliche Schritte zurück zu einer göttlichen Ordnung eines Familienlebens dargestellt. Buße und Glaube nehmen dann konkrete Form an. Der Autor begnügt sich nicht mit „frommen fünf Schritten“, sondern deckt genau auf, dass es uns vor allem an Jesus Christus mangelt.

Der Autor setzt sich auch mit vielen aktuellen wissenschaftlichen Studien zum Thema Familie und Erziehung auseinander und bezieht diese in seine Beobachtungen mit ein. Schließlich aber hat mich B. Tanner durch seine Kenntnisse der Schriften von Luther und Augustinus beeindruckt, durch die deutlich wird, das wir als Christen seit zwei Tausend Jahren den selben Kampf kämpfen. Die Einbettung in einen größeren Rahmen der Erfahrung der Kirche und des Wortes Gottes, macht deutlich, dass auch das Thema Erziehung einem größeren Ziel untergeordnet ist. Es geht um nichts weniger als um die Ehre Gottes und die Jagd nach echter Freude. Zum Schluss möchte ich noch den Autor zu Wort kommen lassen:

„Ich hoffe, dass ich die Ernsthaftigkeit des Themas deutlich genug darlegen konnte; aber auch die Hoffnung, die wir durch das Evangelium „in Jesus Christus“ haben. Die einen würden vielleicht von einem Erziehungsnotstand sprechen. Meine Meinung ist, dass die Wurzeln der Not tiefer – in der fehlenden Gottesfurcht – liegen. Sind wir bereit, zu einem gottesfürchtigen Leben zurückzukehren? Damit meine ich nicht ein gesetzliches Abschotten von der sogenannten Welt und freudloses und asketisches Leben. Nein, ich meine nur ehrlich zu prüfen, ob meine Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis für ein Leben in der Furcht Gottes ausreichen. Dies erfordert Demut und das Erkennen der eigenen Sündhaftigkeit. Es bedeutet immer wieder das Sterben des eigenen „Ichs“, damit Christus in uns wachsen kann.

Wilhelm Busch schrieb einmal, dass es ein „Reich-Gottes Gesetz“ gibt: „Es geht durchs Sterben nur.“ Nur wenn der Samen in den Boden fällt und stirbt, kann Frucht entstehen. Nur wenn Umkehr geschieht, kann die Realität der Erlösung und des Lebens erkannt werden. Andernfalls tappen wir im Dunkeln. (S. 123)“

Buchinfos kompakt: Paperback, 140 S., edition baruch. Erhältlich für 9,90EUR bei cbuch.de

Nun zum Gewinnspiel: Ich verlose 3x  je 1 Exemplar dieses Buches. Teilnehmen kann jeder, der in der Kommentarfunktion bis zum 29.08.2020 (urlaubsbedingt etwas langer Zeitrahmen) mindestens eine der folgenden vier Fragen beantwortet:

a) Seit wann kennst du NIMM-LIES?
b) Was sollte sich auf unserer Seite ändern?
c) Was empfandest du in der Vergangenheit (oder aktuell) als eher störend?
d) Was sollte beibehalten, oder gar ausgebaut werden?

Die Gewinner werden per Zufall ermittelt, hier am 30.08 genannt und erhalten das Buch dann per Post.

10 Kommentare

  1. Anita S sagt

    Ich kenne Nimm und Lies schon seit einigen Jahren. Ich schätze an diesem Blog, dass es immer wieder neue Anregungen in geistlicher Literatur gibt.

    Man könnte sich etwas mehr auf aktuelle Geschehnisse konzentrieren und auch die Artikel in diese Richtung schreiben.

  2. Timotheus Kuhs sagt

    a) Seit wann kennst du NIMM-LIES?
    Seit ca. 3-4 Jahren erhalte ich als Abonnent alle Emails und profitiere meist sehr davon.

    b) Was sollte sich auf unserer Seite ändern?
    Da es sich ja um eine Seite handelt, die Bücher bespricht/rezensiert, trifft sie ja genau ihren Zweck. Verändern muss sich also eigentlich nichts. Es wäre vielleicht toll, noch von mehr Autoren zu lesen – mittlerweile postet ja meist nur noch Sergej Pauli. Aber ich weiß natürlich auch, dass die jeweilige Situation es vielleicht nicht immer zulässt.

    c) Was empfandest du in der Vergangenheit (oder aktuell) als eher störend?
    Häufig sind in einigen Texten sehr viele Rechtsschreibfehler gewesen, was das Lesevergnügen etwas getrübt hat – allerdings ist das auch schon viel besser geworden. Großes Lob!

    d) Was sollte beibehalten, oder gar ausgebaut werden?
    Thematisch finde ich die Auswahl überwiegend gut und vielseitig (zB auch Kinderbücher).

    Danke für euren Dienst!
    Euer treuer und verbundener Leser

  3. Vlad sagt

    a) Seit wann kennst du NIMM-LIES?
    Schon immer – also seit dem ersten Tag, ich weiß es nicht mehr genau aber soviel ich weiß wurde die Seite über cbuch newsletter beworben und sofort habe ich euch per RSS abonniert.

    b) Was sollte sich auf unserer Seite ändern?
    Design? Interessiert mich nicht, da ich nur über einen rss Reader die Beiträge konsumiere.
    Inhalt? siehe c+d

    c) Was empfandest du in der Vergangenheit (oder aktuell) als eher störend?
    Fühle mich als nicht calvinist manchmal diffamiert 😉

    d) Was sollte beibehalten, oder gar ausgebaut werden?
    Empfehlungen für Hörspiele (Kinder/Teenys) durch euch haben meine Kinder die Rothstein-Kids kennengelernt.
    Früher gab es mehr Interviews mit verschiedenen Autoren, das bitte noch ausbauen. Auch gerne fremdsprachige Autoren (zb Redakteur Международная христианская газета) interviewen.

    Halte fest das Vorbild der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind! Bewahre das schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt! 2Tim113-14

  4. Daniel sagt

    Ich kenne diese Blog-Seite seit ca drei Jahre und schaue seitdem regelmäßig vorbei.

    Macht weiter so!

  5. Hallo,
    ich kenne diesen Blog noch nicht wirklich lange – ehrlich gesagt, habe ich sporadisch immer mal wieder per Zufall hier etwas gelesen.
    Ich lese aber den Hanniel Strebel schon lange (https://hanniel.ch/). Er hat ja das Vorwort zu diesem Buch geschrieben und mich „auf den Geschmack gebracht“.
    Ich habe dann danach gegoogelt, um zu sehen, ob es eine digitale Version davon gibt. Weil ich in Paraguay lebe, ist das Bestellen physischer Bücher immer so eine Sache. Jetzt in der Corona-Zeit geht so gut wie gar nichts mehr per Post.
    Und dann brachte mich einer der Google-Treffer auf diese Seite.
    Ich nehme mit diesem Kommentar zwar an der Verlosung teil (und würde mich als 3-facher Familienvater mit Kindern zwischen 0-4 auch riesig über dieses Buch freuen) gehe aber nicht wirklich davon aus, dass ich eine reale Chance habe, es zu bekommen.
    Falls aber jemand weiß, wo man es digital kriegen könnte, wäre ich über einen Hinweis dankbar.
    VG
    Marc Franz

  6. Sabrina Schmidheiny sagt

    Eure Seite habe ich heute entdeckt, weil ich dieses Buch suchte und nun diese super Rezension gefunden habe! Hört sich so spannend an, möchte also gerne am Gewinnspiel teilnehmen. Eure Seite schaue ich mir dann auch gerne an, kann ja gar nichts zu den anderen Fragen sagen

  7. Sergej Pauli sagt

    Wir haben eine Lösung gefunden! ich melde mich direkt per E-mail gleich bei dir!

  8. Sergej Pauli sagt

    Die Gewinner wurden ermittelt und lauten: Anita S; Vlad und Marc Franz. Für das „Paraguay-Liefer-Problem habe ich eine Lösung gefunden. Urlaubsbedingt werde ich die Bücher erst in einer Woche verschicken können und kontaktiere die Gewinner um die Adresse ermitteln zu können. Grüße

  9. Sergej Pauli sagt

    Danke; und an meinen Diskriminierungs-Eskapaden will ich arbeiten!

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