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Vom Passa von Melito von Sardes
Die älteste christliche Osterpredigt

St. Melito of Sardis - Saints & Angels - Catholic OnlineIm Rah­men mei­ner Vor­be­rei­tung einer Pre­digt zu Chris­tus im Alten Tes­ta­ment habe ich rela­tiv aus­führ­li­che Recher­chen gemacht. Dabei bin ich auch auf die­se Oster­pre­digt von Meli­to von Sar­des gesto­ßen. Das Werk selbst wur­de erst vor etwas mehr als 150 Jah­ren ent­deckt und ist über­ra­schend gut erhal­ten. Dabei han­delt es sich um ein sehr frü­hes Werk der Kir­chen­ge­schich­te. Ja, die­ser Meli­to kam tat­säch­lich aus dem Sar­des, dass wir aus der Offen­ba­rung ken­nen. Sehr lesens­wer­te Hin­wei­se zum Hin­ter­grund der Schrift fin­den sich in der Ein­lei­tung von Blank zu die­sem Werk. Auch die notier­ten Par­al­lel­stel­len  rechts neben dem Pre­digt­text sind eine Hil­fe für den Hin­ter­grund die­ser Predigt.

Das Werk ist  rele­vant für das Ver­ständ­nis der Bezie­hung von Altem und Neu­en Tes­ta­ment, dass in der Alten Kir­che spä­tes­tens durch den Ein­fluss von Mar­ci­on, der das Alte Tes­ta­ment als nicht kano­nisch ablehn­te, rele­vant wurde.

Dabei ist das Werk von Meli­to auch homi­le­tisch bzgl. der ver­wen­de­ten Sprach­fi­gu­ren inter­es­sant, so arbei­tet Meli­to häu­fig mit Auf­zäh­lun­gen oder Gegen­über­stel­lun­gen. Zwei Beispiele:

Die­se Anwen­dung sieht Meli­to in den bit­te­ren Kräu­tern, die zum Pas­sah­lamm gereicht wurden:

„Daher ist bit­ter geworden
dir das Fest der unge­säu­er­ten Brote,
wie von dir geschrie­ben steht:
Ihr wer­det Unge­säu­er­tes mit Bit­ter­kräu­tern essen.
Bit­ter sind dir die Nägel, die du zuge­spitzt hast;
bit­ter die Zun­ge, die du geschärft hast;
bit­ter die fal­schen Zeu­gen, die du auf­ge­stellt hast;
bit­ter die Stri­cke, die du bereit­ge­legt hast;
bit­ter die Gei­seln, die du gefloch­ten hast;
bit­ter Judas, den du gekauft hast;“

oder an einer ande­ren Stel­le, an dem die Sym­bo­lik des AT mit der Prä­senz des Neu­en Tes­ta­ments ver­gli­chen wird:

Denn wert­voll war einst die Schlach­tung des Schafes,
nun ist sie wert­los wegen des Lebens des Herrn.
Wert­voll war der Tod des Schafes,
nun ist er wert­los wegen des Hei­les des Herrn.
Wert­voll war einst das Blut des Schafes,
nun ist es wert­los wegen des Geis­tes des Herrn.
Wert­voll war einst das stum­me Lamm,
nun ist es wert­los wegen des schuld­lo­sen Sohnes.
Wert­voll war der Tem­pel unten,
nun ist er wert­los wegen des Chris­tus droben.
Wert­voll war das unte­re Jerusalem,
nun ist es wert­los wegen des
obe­ren Jerusalem

Die Oster­pre­digt ist des­we­gen inter­es­sant, weil es ein sehr frü­hes Zeug­nis dafür ist, wie die Kir­chen­vä­ter das Evan­ge­li­um in der Bot­schaft des Alten Tes­ta­ments erkann­ten und anwen­de­ten. Meli­to geht von der Bezie­hung von Vor­bild (Typos) und Wahr­heit (Ale­t­heia) aus. Dabei hat aber schon das Typos das Mys­te­ri­um der eigent­li­chen Bot­schaft in sich. Das Bei­spiel, dass Meli­to wählt, um die­se Bezie­hung zu illus­trie­ren fand ich dabei beson­ders stark. Meli­to geht der Fra­ge nach, was den Engel davon abhielt, die Erst­ge­burt derer, die ihre Haus­pfor­te mit Lam­mes Blut stri­chen, zu schla­gen. Sei­ne Ant­wort: es ist die Wahr­heit hin­ter dem Sym­bol, die wirkt:

O unsäg­li­ches Mysterium!
Die Schlach­tung des Schafes
wur­de als die Ret­tung des Vol­kes erfunden,
und der Tod des Schafes
wur­de des Vol­kes Leben
und das Blut
schreck­te den Würg­engel ab.
Sage mir, Engel,
wovor schrakst du zurück?
Vor der Schlach­tung des Schafes,
oder vor dem Leben des Herrn?
Vor dem Tod des Schafes,
oder vor dem Vor­bild des Herrn?
Vor dem Blut des Schafes,
oder vor dem Geist des Herrn?
Offen­sicht­lich warst du erschrocken,
weil du das Mys­te­ri­um des Herrn
in dem Schaf gesche­hen sahst,
das Leben des Herrn
in der Schlach­tung des Schafes,
das Vor­bild des Herrn
in dem Tod des Schafes;
dar­um schlugst du Isra­el nicht,
son­dern mach­test nur Ägyp­ten kinderlos.
Was ist das für ein neu­es Mysterium?
Ägyp­ten wird geschla­gen zum Verderben,
Isra­el wird behü­tet zum Heil!

Ins­ge­samt ein gelun­ge­nes Werk. Als radi­ka­ler Pro­tes­tant freue ich mich jedes mal über so viel Kon­gru­enz mit den Kir­chen­vä­tern. Chris­tus als her­me­neu­ti­scher Schlüs­sel zum Alten Tes­ta­ment wird von Meli­to hilf­reich und weg­wei­send ange­wandt. Die Fra­ge wie nun aber die Bezie­hung von Isra­el und Gemein­de gegen­wär­tig sind, bleibt aber etwas unbe­ant­wor­tet, was aber offen­sicht­lich auch nicht die Absicht die­ses Pre­di­gers war.

Wer aus­führ­li­cher in das The­ma „Chris­tus aus dem alten Tes­ta­ment pre­di­gen“ ein­stei­gen möch­te, wird sicher­lich in Sid­ney Grey­da­nus Buch „Preaching Christ from the Old Tes­ta­ment“ einen guten Beglei­ter finden.

 

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