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„…und ihre Freundschaft zerbrach nicht“
aus "Der Silberne Sessel" von C. S. Lewis

„und ihre Freundschaft zerbrach nicht“ – In der silberne Sessel erfahren Eustachius und Jill von Rilian, dem Sohn Kaspians, der bei einem der zahllosen Versuche sich an der Schlange zu rächen, die seine Mutter ermordet hat, entführt wird.

Dieser Zwischenfall sollte die Freundschaft von Kaspian mit Drinian (der Leibwache des jungen Prinzens) unter starke Spannung setzen. Diese Begebenheit illustriert, wie Freundschaften durch Schicksalsschläge herausgefordert werden und wie Vergebung und Nachsicht eine Freundschaft bewahren können:

„Den Prinzen traf der Tod seiner Mutter natürlich sehr hart. Nach ihrem Tod ritt er ständig in den nördlichen Sümpfen Narnias umher und spürte der Giftschlange nach, um sie zu töten und Rache zu nehmen. Obwohl der Prinz immer mit müdem und verwirrtem Gesicht zurückkehrte, verlor doch niemand viele Worte darüber. Aber etwa einen Monat nach dem Tod seiner Mutter meinten manche, er habe sich verändert. Er hatte den Blick eines Mannes, der Visionen gehabt hat, und obwohl er den ganzen Tag unterwegs war, sah sein Pferd nicht so aus, als wäre es hart geritten worden. Sein bester Freund unter den alten Höflingen war Lord Drinian, der Kapitän des Schiffes, mit dem sein Vater die große Reise zum östlichen Teil der Welt unternommen hatte.

Eines Abends sagte Drinian zum Prinzen: »Hoheit, Ihr müsst Eure Suche nach der Schlange aufgeben. An einem Tier ohne Verstand kann man nicht wie an einem Mann Rache nehmen. Ihr verschwendet Eure Kraft vergebens.« Der Prinz antwortete: »Ich habe in den letzten sieben Tagen die Schlange fast vergessen.« Drinian fragte ihn, warum er dann immer wieder in die nördlichen Wälder reite. »Lord Drinian«, erklärte der Prinz, »dort habe ich das herrlichste Geschöpf gesehen, das je erschaffen wurde.« – »Edler Prinz«, sagte Drinian, »lasst mich morgen mit Euch reiten, damit ich dieses schöne Geschöpf auch sehe.« – »Ja, so soll es geschehen«, antwortete Rilian.

Früh am nächsten Morgen sattelten sie ihre Pferde und ritten in schnellem Galopp zu den Wäldern im Norden, wo sie an der Quelle absaßen, an der die Königin den Tod gefunden hatte. Drinian fand es seltsam, dass der Prinz ausgerechnet diesen Platz wählte um zu verweilen. Dort rasteten sie bis zum hohen Mittag: Und da schaute Drinian auf und erblickte die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Sie stand nördlich der Quelle, sagte kein Wort und machte dem Prinzen mit der Hand ein Zeichen, als wolle sie ihn zu sich bitten. Sie war groß und kräftig und sie trug ein dünnes leuchtendes, giftgrünes Gewand. Und der Prinz starrte sie an wie ein Mann, der den Verstand verloren hat. Doch plötzlich war die Frau verschwunden, wohin wusste Drinian nicht, und die beiden kehrten nach Feeneden zurück. Drinian spürte im Innersten, dass dieses leuchtende grüne Geschöpf böse war.

Drinian fragte sich, ob er nicht dem König von dieser Begebenheit erzählen solle, aber er wollte nicht klatschen und so schwieg er. Doch später wünschte er, er hätte gesprochen. Denn am nächsten Tag ritt Prinz Rilian wieder alleine aus. Am Abend kehrte er nicht zurück und von dieser Stunde an ward er weder in Narnia noch in den angrenzenden Ländern jemals wieder gesehen und weder sein Pferd noch sein Hut, noch sein Mantel, noch irgendetwas anderes wurde je gefunden.

Nun ging Lord Drinian mit Bitterkeit im Herzen zu Kaspian und sagte: »Mein König, erschlagt mich auf der Stelle, denn durch mein Schweigen habe ich das Leben Eures Sohnes verwirkt.« Und er erzählte ihm alles.

Kaspian packte seine Kampfaxt und wollte Drinian töten und Drinian stand regungslos da, um den Todesschlag zu empfangen. Aber als er die Axt erhoben hatte, warf Kaspian sie weg und rief: »Ich habe meine Königin und meinen Sohn verloren: Soll ich auch noch meinen Freund verlieren?« Und er umarmte Lord Drinian und beide weinten und ihre Freundschaft zerbrach nicht.“

 

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