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Tipp: Helmuth Egelkraut: Das Alte Testament

Ich bin Eduard zu großem Dank verpflichtet, dass er mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Nachdem ich J. Gresham Machens Buch „New Testament: An Introduction to its History and Literature“ gelesen habe und durch dasselbe deutlich in der Schrifterkenntnis gewachsen bin, war ich auf der Suche nach einem ähnlichen Werk für das Alte Testament. Mit diesem Buch ist meine Suche vorerst beendet.

Warum Einführungen in die Bibel?

Ist die Bibel etwa nicht klar verständlich? In den ersten Glaubensjahren scheute ich mich vor derartigen Büchern. Heute schätze ich sie mehr als einen entsprechenden Kommentar. Hat man z. B. Anliegen und Thema eines Briefes ausgearbeitet, bekommt man schneller Zugang zu einer deutlichen Anwendung desselben. Hier im Blog haben wir mehrmals zur systematischer Theologie aufgerufen. Der erste Schritt zu einer solchen ist eine saubere Bibelkunde. Was ist das Anliegen der Bibel, wie wird der rote Faden erarbeitet etc.? Am besten arbeitet man mit solchen Büchern und mit einem zusätzlichen Notizbuch und erstellt über jedes Bibelbuch eine Übersicht. Egelkraut vereinfacht einem diese Aufgabe, indem jedes einzelne Kapitel (zu jedem Buch des AT mindestens eins) mit Fragen „zur Wiederholung, Vertiefung und Weiterstudium“ aufhört.

Anliegen des Autors

Dem Autor geht es ganz deutlich darum, das Alte Testament mit den Augen eines Christen zu sehen. Dieser sieht Gottes Plan mit seinem Volk:

Wie man das Neue Testament nicht ohne das Alte verstehen kann, so auch nicht das Alte ohne das Neue. Altes und Neues Testament legitimieren und interpretieren sich gegenseitig. Dass sich dabei manches im Alten Testament als sperrig, unzugänglich und alt erweist, ist geradezu ein Zeichen dafür, dass Gott seine Offenbarung in konkrete Situationen seines Volkes hineingab. Die Verheißung ist eben noch nicht die Erfüllung, auch wenn über beiden der eine Gott steht (aus dem Vorwort des Autors, S. 13)

Der Rote Faden des AT

Was ist eigentlich der Rote Faden im Alten Testament?

Bereits in der Urgeschichte wird die Sehnsucht nach dem groß, der das Problem der zerstörten Beziehung zu Gott wieder lösen kann. Der verheißene Same bricht sich bahn:

Dazwischen steht Gen 5 die von Adam bis Noah reichende Genealogie: 10 Generationen, bei allen bis auf einer (5,24) heißt es: „und starb“; die Sünde und damit der Tod sind zu allen Menschen durchgedrungen (Röm 5,12). Dennoch zeigt das Geschlechtsregister auch auf, wie nach den dramatischen Ereignissen von Kap. 3 und 4 das Leben weitergeht: Die „Gottesebenbildlichkeit“ wird von Adam auf seinen Sohn Seth „weitervererbt“ – dadurch wird theologisch klar gemacht, das Würde und Auftrag Adams nicht nur für ihn, sondern allen Menschen gelten. Die hohen Lebensdaten bis an die Grenze von „tausend Jahren“ zeigen, dass immer noch sehr viel vom ursprünglichen Segen erhalten ist. Henoch in der 7. Position der Liste darf gar den Tod überwinden – ein Zeichen der Hoffnung auf das Heil, das Gott vorbereitet (S. 136f.)

Diese Hoffnung auf das Heil, wird bei den Erzvätern zur Hoffnung auf den verheißenen Nachkommen.

Die Familiengeschichte Isaaks (…) nahm ihren Ausgang darin, dass statt des einen verheißenen Nachkommen plötzlich zwei zur Verfügung standen: Die Zwillinge Jakob und Esau. Davon ausgehend stellt die Geschichte die Frage, welcher von beiden der Erwählte sein kann. Esau, der Ältere hat von Geburt an das Recht auf den Segen. Davon abgesehen zeigte sich an seinem Charakter jedoch wenig, was dieser ihm damit zugesprochenen Würde entsprechen würde. So war er ein wenig gesitteter Mensch und streifte gerne auf den Feldern umher. Aus seinem Erstgeburtsrecht schien er sich nicht viel zu machen – er überließ es seinem Bruder für eine Mahlzeit. Auch dass er kanaanäische Frauen nahm und sich so mit den Menschen der Umgebung vermischte, steht im Konflikt mit der Erwählung. Jakob dagegen war nichts wichtiger als der Segen. Er wandte all sein Können und List an, zu seinem Ziel zu gelangen. Der Bruder war in einem schwachen Moment leicht überredet; den Segen des Vater erschlich er sich durch Täuschung. Doch was würde Gott dazu sagen? … (S. 178)

Wer ist der Verheißene Erbe. Diese Frage zieht sich durch die Schrift des Alten Testaments. So auch unter Davids Kindern.

Der Kampf um die Nachfolge brach erstmals offen aus, als Amnon, der sich als Davids ältester Sohn wohl als „Kronprinz“ betrachtete (3,2) seine Halbschwester Tamar vergewaltigte und dann verschmähte, obwohl er sie als Ehefrau hätte haben können (13,1-22). Absalom, Tamars Bruder und für ihre Ehre verantwortlich nahm die Gelegenheit wahr, um die geschändete Ehre seiner Schwester zu rächen und seine Eigeninteressen durchzusetzen, indem er den Thronrivalen aus dem Weg räumte…

Dies ist eine der Linien des AT. Die Frage nach der endgültigen Erlösung ist ein Motiv dass immer stärker wird, je weiter man zu den Propheten kommt. Die Erwartung des Messias wird immer stärker und wiederholt sich in den unterschiedlichsten Motiven.

Weiteres

Eine besondere Stärke des Buches ist seine akribische Auseinandersetzung mit bibelkritischen Aussagen, die aus der Bibel ein politisches Werk einer religiösen Elite in der babylonischen Gefangenschaft machen will. An vielen Stellen gelingt dies Egelkraut überaus überzeugend. Manche Fragen lässt der Autor offen, was ich hier ebenfalls anerkennend erwähnen möchte.

Sehr gelungen sind die Kapitel zum Kanon und zur Inspiration der Texte. Überhaupt werden Abschnitte des Alten Testaments immer wieder gebündelt analysiert, so natürlich der Pentateuch aber auch das Zwölfprophetenbuch. Überhaupt wird die Betrachtung der einzelnen Teile der Bibel immer wieder für tiefergehende Analysen unterbrochen, so z. B. über die biblische Chronologie, über die hebräische Dichtkunst oder die biblische Geographie. Die zahlreichen Fußnoten mit einer Unmenge an Querverweisen auch zu Online-Quellen sind wertvolle Hinweise für weitere und vertiefende Recherchen.

1264 Seiten sind für 70 EUR bei Brunnen erhältlich.

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