Erzählungen
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Gefährliche Zuflucht

Band 1 der Cape Refuge-Reihe von Terri Blackstock

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Bild­quel­le: boas-verlag.de

Die letz­te Nacht war viel kür­zer als üblich. Nicht weil ich nicht schla­fen konn­te, son­dern weil ich nicht schla­fen woll­te. Ich habe mich am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de an einen Roman gewagt. Und er war der Grund, war­um mir nicht nach Schla­fen zumu­te war. Ich muss­te noch unbe­dingt die letz­ten 100 Sei­ten lesen. Und die waren unheim­lich span­nend und mit­rei­ßend. An Schla­fen war nicht mehr zu den­ken. Ich las den Roman „Gefähr­li­che Zuflucht“. Es ist der bis­her zwei­te Roman  aus dem recht jun­gen Boas Ver­lag. Ich muss geste­hen, dass ich sehr sel­ten Roma­ne lese. Anfang des Jah­res begann ich einen his­to­ri­schen Roman zu lesen, bewäl­tig­te inner­halb eini­ger Mona­te nur ca. 23 des Buches. Letz­tes Wochen­en­de habe ich es dann wie­der gewagt und wuss­te nach eini­gen Sei­ten, das ich Band 1 der Cape Refu­ge-Rei­he auf jeden Fall zu Ende lesen wer­de. Dass ich aber schon nach weni­gen Tagen mit der Lek­tü­re fer­tig sein wür­de, das habe ich nicht erwar­tet.

Ok, um was geht es also im Roman? Cape Refu­ge, die Insel der Zuflucht, wird von einem Dop­pel­mord an dem tief­gläu­bi­gen Ehe­paar Owens erschüt­tert. Auch gera­de das von den Owens geführ­te Hano­ver Hou­se, das ehe­ma­li­gen Straf­ge­fan­ge­nen und ande­ren Men­schen in Not einen Zufluchts­ort bie­tet, ist zum Schre­ckens­ort gewor­den. Des­sen Bewoh­ner ste­hen nach und nach unter Ver­dacht, den Mord began­gen zu haben. Der Stadt­rat und anschei­nend auch die meis­ten Bewoh­ner der Insel sind fest ent­schlos­sen, die­sen gefähr­li­chen „Zufluchts­ort“ zu schlie­ßen. Ver­leum­dun­gen und Mani­pu­la­tio­nen sol­len das Ihre dazu bei­tra­gen. Doch wie sol­len Mor­gan und Blair, die bei­den Töch­ter der Owens, damit umge­hen? Mor­gan fühlt die Beru­fung zu blei­ben und in die Fuß­stap­fen ihrer Eltern zu tre­ten. Blair, die intel­lek­tu­el­le Zwei­fel an dem Glau­ben an einen sou­ve­rä­nen Gott pla­gen, wür­de am liebs­ten die Insel ver­las­sen, um woan­ders neu anzu­fan­gen. Doch solan­ge der Täter nicht ding­fest gemacht wor­den ist, sind die­se Sor­gen zweit­ran­gig? Wenn die Unge­wiss­heit über die Iden­ti­tät des Mör­ders doch bald ein Ende fän­de… Die Haupt­per­so­nen sind die Schwes­tern Mor­gan und Blair. Sie haben schwe­re Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, durch­le­ben gefähr­li­che Situa­tio­nen und quä­len sich mit Rache­ge­dan­ken.

Es gibt vie­le gute Grün­de kei­ne Roma­ne zu lesen. Ich den­ke dabei zunächst an Inhal­te, die mit bibl­si­chen Aus­sa­gen im Kon­flikt ste­hen. Aber auch die Gestal­tung des Covers spielt kei­ne unbe­deu­ten­de Rol­le. Ich muss zuge­ben, dass ich die­ses Cover etwas anstö­ßig und auf­rei­zend fin­de. Ich wünsch­te mir ein ande­res Bild. Aber es gibt sicher eini­ge Grün­de, gute Roma­ne zu lesen. Ich möch­te im Fol­gen­den erklä­ren, war­um „Gefähr­li­che Zuflucht“ trotz dem Cover ein guter Roman ist.

1. „Gefähr­li­che Zuflucht“ ist span­nend von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te. Nun, das haben viel­leicht die meis­ten Kri­mis so an sich. Doch die­ser Roman ver­bin­det Span­nung mit fun­da­men­ta­len Lebens­fra­gen und die Ant­wor­ten dar­auf, kön­nen durch­aus über­ra­schen. Und das macht ihn so beson­ders. Die mit Bedacht gewähl­ten Sze­nen­wech­sel, irri­tie­ren zuwei­len, las­sen aber die Phan­ta­sie nicht in die fal­sche Rich­tung lau­fen. Die Auto­rin Ter­ri Black­stock ver­steht es, den Leser emo­tio­nal in die ver­schie­de­nen Rol­len schlüp­fen zu las­sen, mit­zu­den­ken und mit­zu­lei­den.

2. Der Dop­pel­mord der Eltern wirft (nicht nur) bei den zurück­ge­blie­be­nen Töch­tern vie­le Fra­gen auf. Von Mor­gan und ihrem Mann kann man ler­nen, dass man als Christ mit solch einer Tra­gö­die umge­hen kann. Der Glau­be an den sou­ve­rä­nen Gott macht es mög­lich. Aus Blairs Gedan­ken­welt erfah­ren wir, wel­che Schwie­rig­kei­ten ein ungläu­bi­ger Mensch mit der Sou­ve­rä­ni­tät Got­tes hat. Die Dia­lo­ge und Gedan­ken­fet­zen zu die­sem The­ma sind sehr gehalt­voll. An vie­len Stel­len des Buches hat die Auto­ren tief­ge­hen­de Theo­lo­gie in das Buch gelegt.

Was könn­te man z.B. auf die­se Vor­wür­fe von Blair ant­wor­ten:

„Wie kann irgend­je­mand dar­in [im Tod] etwas Gutes sehen? Mei­ne Eltern waren so über­zeugt von einem sou­ve­rä­nen Gott. Also hat die­ser sou­ve­rä­ne Gott geplant, mei­ne Eltern aus­zu­schal­ten, obwohl sie so viel Gutes für so vie­le Men­schen getan haben?“ (S. 205)

3. Der Tod setzt gewis­ser­ma­ßen unter vie­le Din­ge im Leben einen Schluss­strich. Wel­che Kon­se­quen­zen hat das? Zum einen ist eine Ver­söh­nung mit einem Toten ist unmög­lich. Aber wie man trotz­dem zum Frie­den fin­det, ist The­ma im Roman. Zwei­tens: Din­ge und Fra­gen, die man wäh­rend des Lebens nicht geklärt hat, kön­nen den Hin­ter­blie­be­nen ordent­lich zuset­zen. Was man lan­ge zu ver­ber­gen ver­such­te, kann nach dem Tod auf­ge­deckt wer­den. Drit­tens: Wel­chen Ruf und wel­che Spu­ren lässt man nach dem Tod zurück?  Vier­tens: Die Zeit lässt sich nicht zurück­dre­hen. Ich zitie­ren eini­ge Gedan­ken, die Mor­gan wäh­rend der Beer­di­gung ihrer Eltern hat­te.

„Oft hat­te sie sich gewünscht, dass Gott jedem eine Chan­ce geben wür­de, die Zeit zurück­zu­dre­hen, eine ein­zi­ge Chan­ce, etwas anders zu machen. […] Aber wenn sie es geschafft hät­te, ihre Chan­ce bis zum Alter von acht­und­zwan­zig Jah­ren nicht zu ver­brau­chen, hät­te sie dann gewusst, wie weit sie die Uhr zurück­dre­hen müss­te, um die Mor­de an ihren Eltern zu ver­hin­dern? […] Doch Gott war so gnä­dig, uns die­se Mög­lich­keit nicht zu geben, ver­mu­te­te sie. Denn sie war nicht wei­se genug, sie gut zu nut­zen.“ (S. 123)

4. Der Roman ver­mit­telt an vie­len Stel­len ganz klar bibli­sche Wer­te. Ich möch­te nur ein Bei­spiel anfüh­ren. In einem Gespräch zwi­schen Mor­gan und ihren Eltern Way­ne und Thel­ma, wird eine Situa­ti­on aus­dis­ku­tiert, die Auf­schluss gibt über das bibli­sche Ver­ständ­nis von der Bezie­hung zwi­schen Ehe­mann und Ehe­frau. Jona­than, Mor­gans Ehe­mann, möch­te sei­ne Frau vor den Gefah­ren des Hano­ver Hou­ses schüt­zen. Er besteht dar­auf, dass ein ver­däch­ti­ger Bewoh­ner das Haus ver­las­sen soll. Wenn das nicht geschieht, wür­de er mit sei­ner Frau aus­zie­hen. Hier ein Aus­zug aus einem Gespräch vor dem Dop­pel­mord:

„Ich möch­te nicht umzie­hen“, sag­te sie. „Das ist lächer­lich. Was mache ich, wenn er [Jona­than] dar­auf besteht?“

„Dann musst du es tun“, ant­wor­te­te Thel­ma. „Er ist dein Ehe­mann.“

„Aber wenn er unrecht hat?“

„Er hat unrecht“, sag­te Way­ne. „Aber du musst den Frie­den zwi­schen euch bewah­ren.“

„Aber wenn er ver­an­lasst, dass wir aus­zie­hen, wird er auch wol­len, dass ich mei­ne Arbeit hier auf­ge­be.“

„Dann müs­sen wir ohne dich zurecht­kom­men.“ (S. 60)

5. Und nicht zuletzt ist der Roman eine prak­ti­sche Anwen­dung eines Bibel­ver­ses aus den Psal­men: „Kost­bar ist in den Augen des HERRN der Tod sei­ner From­men“ (Psalm 116,15). Ter­ry Blackstone, die selbst den Ver­lust naher Men­schen kumu­liert erle­ben muss­te, ver­deut­licht im Roman, wel­chen Trost die­ser Bibel­vers schen­ken kann. In einem sehr bewe­gen­den Nach­wort gibt die Auto­rin einen Ein­blick in ihre rea­len Erfah­run­gen mit dem Tod aus ihrem nahen Umfeld. Sie schließt das Buch und das Nach­wort mit fol­gen­den Gedan­ken:

Wir bekom­men kei­ne Ant­wort auf unse­re War­ums. Aber wir ver­trau­en dar­auf, dass es einen Grund gibt. Gott hat alles in der Hand und er steht uns in unse­rem Schmerz lie­bend zur Sei­te.

Und so heißt es in einem Lied: „Das Leben ist hart, aber Gott ist gut.“ Wie kost­bar ist die­se Güte und wie reich­lich sein Trost. Und wie ergrei­fend sind sei­ne Ver­spre­chen über sein Wie­der­kom­men.

Kom­me bald, Herr Jesus!

Titel: Gefähr­li­che Zuflucht (Cape Refu­ge-Rei­he Band 1)
Autor: Ter­ri Black­stock
Sei­ten: 384
For­mat: 13,5 x 20,5 cm
Ein­band: Paper­back
Jahr: 1. Auf­lage 2011
Ver­lag: BOAS-Ver­­lag
Preis: 14,95 € (eBook: 8,99 €)
erhält­lich bei: BOAS-Ver­lag
auch als eBook erhält­lich: ceBooks.de
Lese­pro­be bei: BOAS-Ver­lag

Kategorie: Erzählungen

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren vier Kindern in Baden-Württemberg.

12 Kommentare

  1. Das klingt inter­es­sant. Mei­ne Frau hat sich das Buch bereits vor­ge­nom­men :).

  2. Das Cover ver­spricht eher „Pulp Fic­tion“ als einen christ­li­chen Roman. Wür­de mir mehr Pro­fes­sio­na­li­tät in der gra­fi­schen Dar­stel­lung von Boas wün­schen … naja, ich weiß ich muss weni­ger nör­geln 😀

  3. Kei­nes­wegs. Sehe ich genau­so. Auch das ers­te Buch „Auf getrenn­ten Wegen“ war von der Gestal­tung her schwach. Der Inhalt ist aber deut­lich bes­ser :).

  4. René sagt

    Mei­ne Reak­ti­on zum Cover war auch wenig schmei­chel­haft … Auf den ers­ten Blick dach­te ich: „Oh weh, was ist das denn? Kann nichts Gutes sein. Sicher ein christ­li­cher Kitsch­ro­man.“ Soviel zum The­ma Vor­ur­tei­le … Als ich dann las, dass Eddi nicht schla­fen konn­te, son­dern lesen muss­te, da war ich dann noch neu­gie­rig … klingt inter­es­sant, dan­ke für Hin­weis!

    LG René

  5. Da bin ich mit mei­ner Ein­schät­zung zum Cover doch nicht der ein­zi­ge. Viel­leicht erscheint die nächs­te Auf­la­ge mit einem pas­sen­de­rem Cover. Dazu muss aber lei­der zunächst die ers­te Auf­la­ge ver­kauft wer­den. Das könn­te etwas dau­ern…
    Falls noch jemand das Buch gele­sen hat, wür­de mich eure Mei­nung zum Inhalt inter­es­sie­ren.

  6. Joschie sagt

    Den bes­ten Bibli­sch­ro­man den ich gele­sen habe ist „Moses-Der Gott hat gege­ben von Scha­lom Asch.Ich per­sön­lich kann die­sen gan­zen Christ­li­chen Roman­wel­le nichs abgewinnen.In der Rück­schau dien­ten die Roma­ne von Frank E. Peret­ti und die Roma­ne der Final­rei­he von Tim LaHaye Jer­ry und B. Jenk­ins dazu spe­zi­el­le Lehr­aus­sa­gen zu verbreiten.Jetzt kann man davon aus­ge­hen gibt es einen neu­en Trend bei den Roma­nen im ganz nor­ma­len Bücher­markt, kommt er mit Sicher­heit mit eini­ger Ver­spä­tung auch bei den christ­li­chen Roma­nen an.Mir wie­der­strebt es, per­sön­lich Geld und Zeit für sol­che Bücher zu ver­geu­den.

  7. Ich lese eigent­lich auch recht sel­ten Roma­ne. Aber es gibt (genau­so wie beim Essen) immer wie­der mal Zei­ten, wo ich kei­ne inhalts­rei­che und tief­ge­hen­de Kost mag, weil mein Kopf so voll ist. Dann lese ich christ­li­che Roma­ne. Da gibt es schon him­mel­wei­te Unter­schie­de…

    Eddi, ich fra­ge mich, ob die­se Buch etwas für einen 16-Jäh­ri­gen wäre, der sei­nen Vater vor 6 Jah­ren ver­lo­ren hat?

  8. Das Buch ist bestimmt für einen sech­zehn­jäh­rin­gen geeig­net. Im Roman sind es zwar zwei Frau­en, die den Ver­lust ihrer Eltern ver­ar­bei­ten müs­sen. Aber das wird bei Män­nern nicht wirk­lich anders sein.

  9. Weil ich nun einen Bücher­tisch betrei­be, inter­es­siert mich, wel­che Roma­ne ihr wei­ter­emp­feh­len könnt. Viel­leicht schreibt ihr mir eine Email? Wür­de mich sehr freu­en, weil ich in die­ser Spar­te kaum sehr gute Lite­ra­tur ken­ne.

  10. Joschie sagt

    @Viktor J. An wel­che Alters­grup­pe und an was für eine Leser­schaft hast du gedacht?

  11. Der Bücher­tisch ist nicht auf eine bestimm­te Alters­grup­pe aus­ge­rich­tet. Ich suche also gute christ­li­che Roma­ne aller Alters­grup­pen…

  12. Vik­tor, ich kann dir lei­der nichts emp­feh­len, weil ich seber sehr, sehr sel­ten Roma­ne lesen. Auf eini­gen eng­li­schen Blog habe ich gele­sen, dass der Roman „Gilead“ von Mari­lyn­ne Robin­son sehr gut sein soll.

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