Alle Artikel mit dem Schlagwort: Tim Keller

Vom Glück, selbstlos zu leben

Im kon­ser­va­ti­ven Milie­au ließt man Kel­ler natür­lich nur heim­lich. Jeder weiß dabei wohl wis­sent­lich, dass man „mit die­sem Pre­di­ger auf­pas­sen müs­se“. Man habe das ja in einem Arti­kel von Beta­ni­en gele­sen. Falls man jetzt denkt, dass das kei­ne sinn­vol­le Rezen­si­ons­ein­lei­tung ist; — auf­ge­passt! Ich erzäh­le regel­mä­ßig davon, dass ich Kel­lers Pre­dig­ten ger­ne höre und die Reak­ti­on von einem ganz bestimm­ten Typus Gesprächs­part­ner ist dabei immer iden­tisch (und so banal vor­her­sag­bar): „Was, Kel­ler? Ich habe da mal einen Arti­kel von Beta­ni­en gele­sen…“ Ich glau­be ich habe die­se Reak­ti­on schon ca. ein hal­bes Dut­zend mal erlebt. Ursprüng­lich ver­such­te ich zu argu­men­tie­ren, war­um ich Kel­ler den­noch für einen hilf­rei­chen Pre­di­ger und Autor hal­te, aber ich habe fest­ge­stellt, das sich die­se Ein­wän­de viel ein­fa­cher und ziel­füh­ren­der ent­kräf­ten las­sen, näm­lich durch die Fra­ge: „Was waren die genann­ten Ein­wän­de?“ Sie­he da! Kei­ner konn­te die­se wirk­lich nen­nen. Ich den­ke an die­ser Stel­le wird wirk­lich ein Pro­blem sicht­bar. Wir sind oft so not­geil dar­auf, Pro­ble­me und Schwie­rig­kei­ten der ande­ren zu erfah­ren und Feh­ler mit einem schwar­z­­licht-neon­­far­­be­­nen Glit­zer­stift zu mar­kie­ren, damit ja kei­ner die­se über­se­hen kann. …

„Jeder tat, was ihn recht dünkte“

Da man der­zeit auch Kin­der­stun­de von zu Hau­se machen muss, habe ich mir über­legt, die Lek­tio­nen aus dem Buch Rich­ter mit den Kin­dern zu bespre­chen. Ich bin dar­über gestol­pert, da das Buch Rich­ter ein­fach als his­to­ri­sche Tat­sa­che wahr­ge­nom­men wird. Geist­li­che Lek­ti­on?- zumeist Fehl­an­zei­ge! Oder mal eine Pre­digt außer­halb der übli­chen Zyklen Gide­on und Sim­son gehört? Eine Ursa­che dürf­te unse­re mora­lis­ti­sche Les­art sein: Die meis­ten Rich­ter tau­gen höchs­tens als nega­ti­ves Bei­spiel. Der Ansatz von Kel­ler ist eine Wohl­tat. Rich­ter ist hoch­ak­tu­ell für unse­re Zeit: „Trotz der Lücke von mehr als drei Tau­send Jah­ren, gibt es vie­le Par­al­le­len zwi­schen unse­rer Situa­ti­on und der Zeit des Buches der Rich­ter (…) Es war eine Zeit des geist­li­chen Plu­ra­lis­mus“.  Eine düs­te­re Geschich­te — wo blei­ben da die Hel­den? Das Buch der Rich­ter erzählt das Evan­ge­li­um, die Bibel ist kein „Buch der Wer­te“: „Sie ist nicht voll inspi­rie­ren­der Erzäh­lun­gen. War­um? Weil die Bibel (im Gegen­satz zu den Büchern auf die sich ande­re Reli­gio­nen beru­fen) nicht dar­über han­delt, wie man mora­li­schen Bei­spie­len nach­folgt. Sie han­delt über einen Gott der Gna­de und Lang­mut, der fortschreitend …

E. S. Williams: Wer sind die „Neuen Calvinisten?“

Vie­le kön­nen mit dem Cal­vi­nis­mus nichts anfan­gen. Ande­re freu­en sich dar­über, dass der Cal­vi­nis­mus in Deutsch­land immer mehr an Akzep­tanz gewinnt. Was aber ist der „Neue Cal­vi­nis­mus“ und wel­che füh­ren­den Per­so­nen sind damit gemeint? Muss davor gewarnt wer­den? Oder soll­te man sich dar­über freu­en? E.S. Wil­liams hielt auf der dies­jäh­ri­gen School of Theo­lo­gy im Metro­po­li­tan Taber­na­cle in Lon­don zwei Vor­trä­ge über die Neu­en Cal­vi­nis­ten. Die­se Vor­trä­ge hat der Beta­ni­en Ver­lag vor Kur­zem als Bro­schü­re her­aus­ge­ge­ben. Dies ist ein muti­ger Schritt, weil in die­ser Schrift zwei berühm­te ame­ri­ka­ni­sche Pas­to­ren und Autoren kri­ti­siert wer­den, die in den letz­ten zwei Jah­ren Deutsch­land mit ihren Vor­trä­gen besuch­ten. Die Rede ist von Tim Kel­ler der 2011 Vor­trä­ge in Ber­lin hielt und John Piper, der die­ses Jahr in Ham­burg auf der Evan­­ge­­li­u­m­21-Kon­­fe­­renz sprach. Bei­de Per­so­nen wer­den in Deutsch­land durch ihre Bücher  immer popu­lä­rer. Bei­de sind neben Mark Dis­croll und Albert Moh­ler die füh­ren­den Per­so­nen der neu­en Cal­vi­nis­ten in den USA. Doch längst nicht nur dort ist ihr Ein­fluss auf die Chris­ten­heit enorm. Wer deren Web­sei­ten unter­sucht, stellt fest, dass sie welt­weit aktiv sind.