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„Ich bin ein in seltenem Maße ausgeprägtes Polizeitalent“

In der präch­ti­gen Dom­kir­che tritt der hoch­wohl­ge­bo­re­ne, hoch­wür­di­ge gehei­me Gene­ral-Ober­hof­­pre­­di­­ger auf, der aus­er­wähl­te Günst­ling der vor­neh­men Welt, er tritt auf vor einem aus­er­wähl­ten Kreis von Aus-erwähl­­ten, und pre­digt gerührt über den von ihm selbst aus­ge­wähl­ten Text: »Gott hat aus­er­wählt das Gerin­ge vor der Welt und das Ver­ach­te­te« – und da ist nie­mand, der lacht. (S. Kier­ke­gaard, Tat­ort Chris­ten­heit S. 92) Wenn der Katho­li­zis­mus ent­ar­tet, wel­che Form von Ver­derb­nis wird sich dann zei­gen? Die Ant­wort ist leicht: Schein­hei­lig­keit. Wenn der Pro­tes­tan­tis­mus ent­ar­tet, wel­che Form von Ver­derb­nis wird sich dann zei­gen? Die Ant­wort ist nicht schwie­rig: geist­lo­se Welt­lich­keit. (ebd. S. 95) »Da die Türen ver­schlos­sen waren, kam Chris­tus zu den Jün­gern.« Der­ge­stalt müs­sen die Türen ver­schlos­sen sein, ver­schlos­sen vor der Welt – dann kommt Chris­tus hin­ein, durch ver­schlos­se­ne Türen, er kommt ja auch von inwen­dig her. Als das Chris­ten­tum stritt, da waren die Türen stets ver­schlos­sen –die Ungleich­ar­tig­keit des Christ­li­chen. In der Chris­ten­heit hat man die Türen sperr­an­gel­weit offen ste­hen las­sen – Gleich­ar­tig­keit mit der Welt –, dann kommt Chris­tus auch nicht. (ebd. S. 65) Von Nichts kann man nicht …

Buchvorstellung: Tatort Christenheit

Gott schafft Alles aus Nichts — und Alles, was Gott gebrau­chen will, macht er zuerst zu Nichts. Die­ses tief­sin­ni­ge Zitat stammt von Søren Kier­ke­gaard, (* 5. Mai 1813 in Kopen­ha­gen †  11. Novem­ber 1855 eben­da), dem bekann­ten däni­schen Theo­lo­gen und Phi­lo­soph. Bis heu­te wird Kier­ke­gaard unter den Evan­ge­li­ka­len mit gemisch­ten Gefüh­len auf­ge­nom­men. Gar man­cher sieht in ihm sogar den „Vater der moder­nen Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie“. Tat­säch­lich hat Kier­ke­gaard zeit­le­bens für das rei­ne Chris­ten­tum gekämpft. Er sel­ber drück­te das so aus:  Will einer zu mir spre­chen: „Was du sagst, ist unwahr, du hast eine ver­wirr­te feh­ler­haf­te Vor­stel­lung vom Christ­sein“, so ant­wor­te ich: „Mach mir das klar, so wer­de ich mei­ne Auf­fas­sung ändern; wo nicht, natür­lich kei­nen Tüt­tel.“ (…) Um ein Wort über mich selbst zu sagen: Ich bin nicht, was die Zeit viel­leicht for­dert, ein Refor­ma­tor, auf kei­ne Wei­se, auch nicht ein spe­ku­la­ti­ver, tief­sin­ni­ger Geist, ein Seher, ein Pro­phet, nein, ich bin — mit Ver­laub — ich bin ein in sel­te­nem Maße aus­ge­präg­tes Polizeitalent.