Alle Artikel mit dem Schlagwort: Seelsorge

„Lasset eure Bitte im Gebet vor Gott kundwerden“

In meiner Bibliothek findet sich schon länger ein Band mit dem Titel „Seelsorge“ vom bekannten Liederdichter und Pfarrer der württembergischen Erweckungsbewegung Johann Christoph Blumhardt. Tatsächlich habe ich mich bisher gescheut zu diesem Band zu greifen, weil ich eine „inflationäre Verwendung schönfärberischer Adjektive“, Sentimentale Nostalgie oder überschwengliche Begeisterung fürchtete. Aber Blumhardt redet Klartext, ist super verständlich und behält doch eine gewisse Poesie in seinem Schreibstil bei. Ein Auszug aus vielen sehr guten Gedanken zum Thema Gebet: „Nun heißt es aber weiter: Lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden. Das ist ein schönes Wort. Es gibt oft Leute, die beten so, als ob der liebe Gott doch nichts nach ihnen frage und sie im Stich ließe, daher mögen sie keine besonderen Bitten mehr aussprechen und noch viel weniger eine Danksagung kundwerden lassen. Das ist aber eine böse Sache, wenn der Herr nie hören darf, Er habe einem auch schon viel Gutes getan und wunderbar geholfen. Wenn die Wohltaten Gottes übersehen werden vor lauter Bitten und Seufzen und Schreien, so gefällt das dem …

Von Prinzessinnen, Prinzen und ihren Untertanen

Was für ein herausfordernder Titel! Ich besitze das Vorrecht, Beat Tanner persönlich zu kennen, einen Menschen, der sich vor allem durch Freundlichkeit und Mitgefühl auszeichnet. Das er aber auch klare Töne finden kann, hat er nun mit diesem handlichen Ratgeber bewiesen. Gibt es aber nicht Erziehungsratgeber, auch christliche, in Hülle und Fülle? Sind wir nicht schon müssig geworden, die nächste neue Erziehungsmethode auszuprobieren? Tanners Büchlein erweist sich vor allem deswegen als erfrischend, weil es wieder ganz zurück, an den Anfang und Ursprung der Schrift führt. Die Lösung, die das Buch für das Gesellschaftsphänomen Machtumkehr (zwischen Eltern und Kindern) anbietet, liegt in einer ausführlichen Besprechung von Eph. 6,1-4. Kreisend entwickelt der Autor einen neuen Zugang zu diesen so altbekannten aber wenig beachteten Versen. Wie oft hält man diese Stelle für veraltet, und meint im grenzenlosen Wünscheerfüllen und Verwöhnen der Kinder einen besseren (und einfacheren) Weg für die Erziehung gefunden zu haben? Ich musste mich beim Lesen so oft an die eigene Nase packen, dass sie rot wurde. Was bei den Kleinsten noch als kontrollierbar erscheint, nimmt …

Mit Christus zu Christus gehen…

Auf  glaubend.de berichte ich über meine Erfahrungen mit der Seeslsorgeausbildung bei der Christlichen Fachstelle für Ehe, Familie und Lebensberatung in Aarau. Ich wünschte ich könnte deutlicher schildern, wie ich von dieser Ausbildung und von den Kontakten mit Beat Tanner profitiert habe und weiterhin profitiere. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf dieses Video von Beat Tanner hinweisen, mit dem er die Ziele der Ausbildung erklärt: Wer meinen Artikel lesen möchte, findet diesen hier: „Welchen Rat kann ich meinem Bruder, meiner Schwester in ihrer Not, ihrer Angst und ihrer Sorge geben. Wie kann dieser Rat wirklich weise sein und Liebe und Wahrheit vermitteln? Was muss ich an mir ändern, damit ich besser auf Christus hinweisen kann? Wie kann ich meinen Bruder besser verstehen? Wie kann ich zwischen Sünde und Scham unterschieden? Wie kann ich Strategien entwickeln, um auch mit einem sehr beunruhigten Menschen ins Gespräch über das Wort Gottes zu kommen? Das sind nur einige der Themen, die ausführlich einschließlich persönlichem Mentoring und zusätzlicher Vorbereitungslektüre im Laufe von zwei Jahren besprochen werden…“ Auch Hanniel hat übrigens …

Die kleine Seelsorgereihe

Wer das CCEF auch nur oberflächlich verfolgt, erfährt welch großartige Arbeit Welch, Tripp und bis zu seinem viel zu frühen Tod Powlison im Bereich der Seelsorge geleistet haben. Gott gab ihnen Gnade, dass Seelsorge wieder zum Dienst der Gemeinde an ihren Gliedern, zur Hilfe von Christ am Mitchrist wird. Vor allem, die Neuentdeckung des Kampfplatz des Herzens dürfte reformierte Theologie in einer feinfühligen Anwendung sein. Praktisch bedeutet es, dass man Leidende, Trauernde, Depressive, Schizophrene, Pornosüchtige, Menschen mit Wahnvorstellungen, Ängsten, Zwängen und aller Nöte, die es sonst geben kann, zum Kreuz Christi führt und nicht einfach nur mit bloßen Plattitüden abspeist oder was noch schlimmer wäre, denke, dass ein Verweis auf einen Nervenarzt bereits der vollständige Akt christlicher Nächstenliebe sei. Tatsache ist: Wird man mit Leiden unserer Geschwister und Freunde konfrontiert, dann liegt zwar tatsächlich ein schneller Rat auf der Zunge, im Sinne von: „Stell dich nicht so an!“, „Oh, du Arme!“, „Mach doch einfach das und das….“, „So schlimm ist das nicht, habe ich auch gehabt“. Doch genau solche Ratschläge erteilt dir schließlich auch jeder …

Neuanfang – von David Powlison

– Im Folgenden eine Rezension von meinem Freund und Bruder Viktor, der mir die Genehmigung erteilt hat, diese Besprechung auch hier zu veröffentlichen. Wie Viktor richtig hinweist, hat das Buch eine weitaus größere Zielgruppe als Opfer sexueller Übergriffe. Für mich persönlich war es in vielen Bereichen eine Hilfestellung –  Ich möchte in diesem Artikel ein Buch von David Powlison empfehlen, in dem es sowohl um sexuelle Übertretung als auch um das dadurch entstandene Leid geht: Manche Bücher sind mit der Absicht geschrieben worden, Menschen im Kampf gegen ihre unmoralischen sexuellen Impulse zu helfen. Andere Bücher verfolgen das Ziel, Menschen in ihrem Kampf gegen die Auswirkungen von sexueller Untreue, Belästigung und Gewalt zu helfen. Doch dieses Buch soll bewusst in beide Richtungen blicken. Sünde und Leid sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge. Was Sie tun und was Ihnen geschieht, könnte nicht unterschiedlicher sein. Doch beides vermischt sich in der DNA der menschlichen Natur. Alle menschliche Erfahrung ist von einer Doppelhelix der Finsternis durchzogen. Die meisten Bücher über sexuelle Heiligung behandeln das Problem der Sünde und widmen sich höchstens am …

„Wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht…“

„Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert“ („2. Kor 4,16). Das lesen der Bücher von Welch oder Powlison erinnert mich regelmäßig an die Puritaner. Warum? Ähnlich wie die Puritaner kreisen diese sehr lange und intensiv um einzelne wenige Bibelabschnitte. Etwas was ich zunächst als lästig und überflüssig empfand, empfinde ich nun zunehmend als hilfreich. Warum? Weil es mir hilft in ersten überwältigenden Situationen den Überblick zu behalten und einen Startpunkt zu haben: Es kommt jemand auf dich zu und überschüttet dich mit einer Notsituation, z.B. den Bericht über ADHS. In Kürze kommen eine Menge vielschichtiger Probleme auf einen zu, so dass man kaum noch klar sehen kann. Sich in einer solchen Situation an eine Schriftstelle festhalten zu können, ist wie die Eroberung eines Stückchen „Linsenfeld“ (2. Sam. 23,11) in all dem Chaos. Dabei bietet das Buch von Welch weitreichende Hilfe für sehr unterschiedliche Situationen. Vor allem seine konsequente Verteidigung der biblischen Dichotomie dürfte eine notwendige Handreichung sein. Die Unterscheidung …

Eine Theologie der Seelsorge

Beat A. Tanners Dissertation war das erste Buch zum Thema Seelsorge, an dass ich mich getraut habe. Das ich gleich so einen Wälzer wählte, lag daran, dass ich den Autor persönlich kennen lernen durfte. Das erste Kapitel erschlug mich auch zunächst mit vielen Fachwörtern, aber von Seite zu Seite stieg meine Begeisterung. Der Autor versucht die Seelsorge aus der bettelnden Erniedrigung vor der Psychologie aufzuzeigen, und zeigt auch den Weg dahin: Die Flucht nach vorne zu Christus! Mit den Reichtümern Ägyptens verlieren wir nur unsere Schätze bei Christus. Dafür liefert der Autor zahlreiche Hinweise dafür, wie man Seelsorge auf Grundlage der Rechtfertigung in Christus aufbauen kann: Unterscheiden, aber nicht trennen! Das ist eine These auf die der Autor regelmäßig hinweist: Unterscheiden kann man gut zwischen Hirn und Herz, Körper und Seele, und doch trennt die Psychoanalyse diese zu sehr, manchmal soweit, dass die Existenz des inneren Menschen völlig geleugnet wird. Schuld und Scham: „Scham und Sünde sind zwei verschiedene Aspekte der Folgen des Sündenfalles, die sich voneinander nicht trennen lassen. Es lohnt sich jedoch, Sünde …

Motivationen – Warum tun wir, was wir tun?

Warum liest du gerade diese Rezension? Oder warum besuchst du generell diese Seite? Oder noch weiter ausgeholt: Warum, um alles in der Welt, tust du, was du tust? Im dritten Band der kleinen Seelsorgereihe geht Edward T. Welch auf gerade diese Fragen ein und hat ein Heft geschrieben welches heißt: Motivationen – Warum tun wir, was wir tun? Unser ganzes Leben wird von unseren Motivationen nicht nur beeinflusst, sondern sogar komplett gesteuert. Hinter allem was wir tun, steckt ein Motiv. Welch zeigt in dem Buch, dass alle Gründe, warum wir etwas tun, aus unserem Herzen kommen. Unser Herz kann jedoch eine regelrechte „Götzenfabrik“ sein, in der wir viele „Ich will“-Götzen erschaffen, welche dann unseren Zwecken dienen sollen: „Ich will Erfolg im Beruf“, „Ich will Ansehen haben“, „Ich will finanziell gut aufgestellt sein“, „Ich will …“.

Tripp: Leid – Die Ewigkeit macht den Unterschied

Das 2. Büchlein der kleinen Seelsorgereihe vom 3L-Verlag behandelt das Thema Leid auf gut zwei Dutzend Seiten. Paul David Tripp geht hier auf das persönliche Leid ein, welches einem widerfährt: Scheidung, Verlust von geliebten Personen, Arbeitsplätzen und persönlichem Besitz. Tripp beschreibt, dass es für uns Christen oft so aussieht, dass wir viel mehr Nachteile gegenüber unseren Mitmenschen haben, die keine Christen sind. Die allermeisten reichen Leute sind keine Christen, andere haben großen Erfolg im Beruf, privat geht es ihnen blendend und sie haben viel mehr Zeit für ihre eigenen Hobbys, weil sie viel weniger Verpflichtungen haben (wie zum Beispiel Gemeinde).

Welch: Depression – Die hartnäckige Dunkelheit

Band 1 der Buchreihe „Die kleine Seelsorgereihe“ vom 3L-Verlag behandelt das Thema Depression. Edward T. Welch beschreibt sehr persönlich auf 23 Seiten, wie man als Christ aus der Dunkelheit der Depression ausbrechen kann. Depression wird oft als Krankheit bezeichnet, welche nur medikamentös behandelbar ist oder unter Einsatz von Psychotherapie. Welch zeigt hier jedoch einen anderen Weg. Er fordert dazu auf, dass man sich selbst prüfen und unter Gottes Wort stellen soll, denn in erster Linie muss man nicht die Symptome der Depression behandeln, sondern die Ursache muss angegangen werden. So können mögliche Ursachen sowohl Krankheiten als auch Nebenwirkungen von Medikamenten sein. Was aber wohl die häufigste Ursache ist, ist Sünde und die Angst davor, damit konfrontiert zu werden. Welch zeigt Fragestellungen, welche man sich selbst stellen sollte, um an den Kern der Depression zu kommen. Er zeigt anschließend den Weg auf, um daraus auszubrechen. Zur Ermutigung kommen Menschen zu Wort, die selbst an Depression litten.