Alle Artikel mit dem Schlagwort: Martin Luther

Luther: Eine einfältige Weise zu beten, für einen guten Freund

Die­ses Werk ist äußerst ori­gi­nell, schrieb doch der berühm­tes­te Pro­fes­sor Euro­pas ein Buch für sei­nen Bar­bier. An die­ser Stel­le möch­te ich einen Aus­schnitt aus einer Buch­be­spre­chung von Pierre Büh­ler hin­zu­fü­gen: „Meis­ter Peter Bes­ken­dorf war Bar­bier und zum Teil wohl auch Arzt. Er gehör­te zu den bes­ten und ältes­ten Freun­den Luthers und sprach gern mit die­sem über theo­lo­gi­sche und reli­giö­se The­men. Es ist anzu­neh­men, dass er von Luther eine Anwei­sung zum Beten begehrt hat­te und Luther sei­nen Wunsch ent­sprach mit die­ser Dar­le­gung „einer ein­fa­chen Wei­se zu beten.“ Die Schrift erschien erst­mals 1535 in Wit­ten­berg, aller Wahr­schein­lich­keit nach in den ers­ten Mona­ten des Jah­res. Auf jeden Fall wird nicht auf das Unglück Bes­ken­dorfs Bezug genom­men: Er erstach am Oster­sams­tag 1535 — wahr­schein­lich im Rausch — sei­nen Schwie­ger­sohn Diet­rich und wur­de dann, von allen bedau­ert, am 30. Juli 1435 zwar begna­digt, aber des Lan­des ver­wie­sen. Die ein­fa­che Wei­se zu beten wird am Leit­fa­den der Bit­ten des Vater­un­sers und der zehn Gebo­te ent­fal­tet. Noch im sel­ben Jahr erschien eine erwei­ter­te Aus­ga­be: Hin­zu­ge­fügt wur­de das Beten der Haupt­stü­cke des Glau­bens­be­kennt­nis­ses. Die­se Schrift lie­fert wich­ti­ge Aspek­te von …

Martin Luther: Von dem Papsttum zu Rom, wider den hochberühmten Romanisten zu Leipzig

Wie­der ein klei­ner erläu­tern­der Aus­schnitt aus einer Werks­ein­füh­rung von Pierre Büh­ler: „Die Bezeich­nung „Roma­nist“ meint hier (…) Röm­ling, Roman­hän­ger, Ver­fech­ter des römi­schen Papst­tum. Ein sol­cher war der Fran­zis­ka­ner­mönch Augus­tin Alfeld (…). Er schrieb im April 1520 eine latei­ni­sche Schrift gegen Luther, mit der Absicht, aus der Bibel zu bewei­sen, dass das Papst­tum zu Rom auf gött­li­chem Recht beru­he. Luther hielt sie nicht einer Erwi­de­rung wert und beauf­trag­te Loni­cer mit einer Ant­wort, die unge­fähr zeit­gleich mit einer wei­te­ren Erwi­de­rung, durch Bern­har­di, erschien. All­felds Schrift hat­te denn auch durch ihre Män­gel in den eige­nen Rei­hen Ent­set­zen gestiftet.

Richard Friedenthal: Martin Luther — Sein Leben und seine Zeit

In mei­nem Bücher­re­gal ste­hen fünf ver­schie­de­ne Bio­gra­phien über Mar­tin Luther. Obwohl ich nicht alle voll­stän­dig gele­sen habe, gefällt mir kei­ne mehr als die von Richard Frie­den­thal. Ich glau­be, heu­te neigt man dazu, an Luther vor allem sei­ne Feh­ler zu sehen, allen vor­an sei­nem Anti­se­mi­tis­mus, der in der Tat abscheu­lich war. Oder sei­nem har­ten Ver­hal­ten gegen­über den Wider­täu­fern, die ja, so will es man­cher wis­sen, die Glau­bens­vor­fah­ren der Bap­tis­ten waren. Doch wie viel Posi­ti­ves man im Leben eines Tho­mas Münt­zers fin­den kann, will auch kei­ner auf­zäh­len. Ande­re ver­meint­lich posi­ti­ve Stim­men sehen einen Rebell, oder einen Frau­en­recht­ler, den Grün­der des Kapi­ta­lis­mus und der „schnel­len“ Presse.

Martin Luther: Ob man vor dem Sterben fliehen möge

1525 wüte­te in Bres­lau die Pest. Wer konn­te, floh vor der Seu­che und ver­ließ die Stadt. So ent­stand auch bei evan­ge­li­schen Pfar­rern das Pro­blem, ob man vor die­sem Ster­ben flie­hen dür­fe? Man stell­te die­se Fra­ge Luther zur Klä­rung, und er ver­fass­te die­se Schrift. Als die Pest zwei Jah­re spä­ter auch in Wit­ten­berg aus­brach, blieb Luther und ver­sorg­te als Seel­sor­ger die Bedürf­ti­gen. H.C. Knuth schreibt dazu: „Die Schrift zeigt klar, wie der Glau­be die Frei­heit zum Han­deln, die Lie­be aber die Frei­heit zum Lei­den gibt. Luther geht einen Weg, der Feig­heit genau­so wie Fata­lis­mus ver­mei­det.“ Dies ist ein äußerst inter­es­san­tes Werk, dass ich vor län­ge­rer Zeit eigent­lich nur des inter­es­san­ten Titels hal­ber gele­sen habe.  Für unser Jubi­lä­ums­jahr möch­te ich das Buch jeder­mann ans Herz legen, gelingt es doch Luther aus die­ser äußerst spe­zi­fi­schen Fra­ge, einen wich­ti­gen Grund­satz her­zu­lei­ten: Hat ein Mensch Ver­ant­wor­tung zu sei­nem nächs­ten, da er z. B. Bür­ger­meis­ter oder Pfar­rer ist, so darf er sei­ne Schäf­chen nicht ver­las­sen, denn er wür­de Ihnen scha­den und nicht nach der Lie­be handeln.

Tipp: Simon und der geheimnisvolle Mönch

Das Buch Simon und der geheim­nis­vol­le Mönch ist ganz aktu­ell 2016 erschie­nen. Das Leben des Refor­ma­tors Mar­tin Luther wird in Form eines his­to­ri­schen, nicht zu umfang­rei­chen Romans Kin­dern im Alter zwi­schen 10 und 13 Jah­ren nahe gebracht. Die Geschich­te spielt sich im Deutsch­land des Jah­res 1521 ab. Die Haupt­per­son ist der 11-jäh­­ri­­ge Simon, des­sen Mut­ter an der zu der Zeit gras­sie­ren­den Pest stirbt. Der Tod sei­ner Mut­ter stürzt den Jun­gen in Ver­zweif­lung. Er macht sich rie­si­ge Sor­gen um sie. Sei­ne Gedan­ken krei­sen um die Fra­ge: Wo ist sie wohl jetzt? Im Him­mel bei Gott oder in der Höl­le? Er setzt sich zum Ziel, Geld zu ver­die­nen und für sei­ne Mut­ter einen teu­ren Ablass­brief zu kau­fen, um ihre Zeit im Fege­feu­er zu ver­kür­zen und ihr ein Leben im Him­mel zu ermög­li­chen. Die Sor­gen des Jun­gen spie­geln die dama­li­ge Leh­re der Kir­che wider. Es zeigt deut­lich auf, wie unsi­cher die Men­schen bezüg­lich der Ewig­keit waren. Da die meis­ten weder schrei­ben noch lesen konn­ten, waren sie den Leh­ren der Kir­che hilf­los ausgeliefert.

Tipp: Außer Thesen nichts gewesen?

Der Ver­lag CLV, bekannt für kos­ten­güns­ti­ge evan­ge­lis­ti­sche Medi­en, hat zum Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um ein sehr schö­nes Ver­teil­heft her­aus­ge­ge­ben. Der Autor Jan Klein for­mu­liert in gut ver­ständ­li­chen Sät­zen die Wie­der­ent­de­ckung Mar­tin Luthers: Die Sün­den­ver­ge­bung allein aus Gna­de durch Glau­ben an Jesus Chris­tus. Zen­tra­le Begrif­fe sind im Text farb­lich her­vor­ge­ho­ben. Der Text ver­wen­det den per­sön­li­chen „Du“-Stil und ist leben­­dig-zei­t­­ge­­mäß geschrie­ben, ver­mei­det es aber, fla­p­­sig-cool zu klin­gen. Es eig­net sich also für nahe­zu jedes Erwach­­se­­nen-Alter. Jede zwei­te Sei­te ist gra­fisch sehr attrak­tiv gestal­tet, das gan­ze Heft macht einen hoch­wer­ti­gen Ein­druck. Das Heft hat ein hand­li­ches For­mat (12 x 12 cm), 32 Sei­ten und kos­tet ein­zeln 1,50 EUR. Die Men­gen­prei­se begin­nen mit 0,50 EUR/Stück.

Wie Gott einen Reformator beruft

  Wenn mir der Herr in sei­nem Wort begeg­net, Wenn ich die gro­ßen Gna­den­ta­ten seh, Wie er das Volk des Eigen­tums geseg­net. Wie er’s geliebt, begna­digt je und je, Dann jauchzt mein Herz dir, gro­ßer Herr­scher zu Wie groß bist du, wie groß bist du! Dann jauchzt mein Herz dir, gro­ßer Herr­scher zu Wie groß bist du, wie groß bist du! Carl Gus­taf Boberg Als der schwe­di­sche Pas­tor Carl Gus­taf Boberg (1859−1940) auf einem Spa­zier­gang war, brach jäh­lings ein Gewit­ter los, beglei­tet von hef­ti­gen Win­den und Don­ner­grol­len. Nach­dem sich das Gewit­ter gelegt hat­te und Ruhe ein­ge­kehrt war, hör­te Boberg in der Fer­ne die Glo­cken sei­ner Kir­che läu­ten. Die Wor­te „Wie groß bist Du“ wur­den in sein Herz gelegt, und dar­aus ent­stand das Lied Du gro­ßer Gott, wenn ich die Welt betrach­te. Gott benutz­te ein Unwet­ter, um das Herz eines Pas­tors zu bewe­gen, ein Kir­chen­lied zu dich­ten, das bis heu­te gesun­gen wird. Dass Gus­taf Boberg die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums der Gna­de im Her­zen er- und begrif­fen hat­te, bewei­sen sei­ne Wor­te: „Wenn mir der Herr in sei­nem Wort begeg­net … “ Boberg gehör­te der Svenska …

Besprechung: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal

»Trost­bü­cher« wur­den vor allem im Mit­tel­al­ter ver­wen­det um Kran­ken im Lei­den und Ster­ben Trost zu spen­den. Sie sind etwas aus der Mode gekom­men und könn­ten mit die­ser Aus­ga­be von Mar­tin Luther etwas von ihrer frü­he­ren Popu­la­ri­tät zurück­ge­win­nen. Rund 100 kur­ze Tex­te beinhal­tet das vor­lie­gen­de Buch »Und ob ich schon wan­der­te im fins­tern Tal«. Die alt­deut­sche Spra­che Luthers ist behut­sam an die heu­ti­ge ange­passt, so dass immer wie­der Luther-typi­­sche For­mu­lie­run­gen erkenn­bar wer­den. Die Tex­te sind kurz aber auch kna­ckig und bie­ten daher viel Anstoß zum Nach­den­ken über die trös­ten­den und biblisch-beleh­­ren­­den Wor­te. Es wäre kein Luther-Buch, wenn es bil­li­ge Trost­flos­keln beinhal­ten wür­de. Es nährt kein Selbst­mit­leid. Statt­des­sen weist er dar­auf hin, dass Gott die Men­schen durch das Leid irdi­schen Leben zur »Reue und Buße wegen unse­rer Sün­den bewe­gen will«. Er lenkt den Blick weg vom lei­den­den Men­schen und auf Chris­tus hin. Jede Sei­te endet mit einem Bibel­text aus den Sprü­chen und einem Vers »Zum Nach­den­ken«. Der Ver­lag hat erfreu­li­cher Wei­se Wert auf eine hoch­wer­ti­ge Druck­aus­ga­be (7,90 EUR) gelegt. Es ist als Hard­co­ver gebun­den und ver­fügt über ein Lese­bänd­chen. Damit eig­net es …

Gebet Martin Luthers auf dem Reichstag zu Worms

Am 21ten April 1521 muss­te Mar­tin Luther sich vor dem Reichs­tag und dem Kai­ser in Worms für sei­ne Schrif­ten recht­fer­ti­gen. Gefor­dert war der­Wi­der­ruf sei­ner sämt­li­chen Schrif­ten. Mit­ten im Ver­hör bat Luther noch um einen Tag Bedenk­zeit, der ihm nur wider­wil­lig gewährt wur­de. In die­ser Nacht bete­te er, laut Über­lie­fe­rung, fol­gen­des: All­mäch­ti­ger, ewi­ger Gott! Wie ist es nur ein Ding um die Welt! Wie sperrt sie den Leu­ten die Mäu­ler auf! Wie klein und gering ist das Ver­trau­en der Men­schen auf Gott! Wie ist das Fleisch so zart und schwach, und der Teu­fel so gewal­tig und geschäf­tig durch sei­ne Apos­tel und Welt­wei­sen! Wie zieht sie so bald die Hand ab und schnurrt dahin, läuft die gemei­ne Bahn und den wei­ten Weg zur Höl­le zu, da die Gott­lo­sen hin­ge­hö­ren; und sie­het nur allein bloß an, was präch­tig und gewal­tig, groß und mäch­tig ist und ein Anse­hen hat. Wenn ich auch mei­ne Augen dahin wen­den soll, so ist’s mit mir aus, die Glo­cke ist schon gegos­sen und das Urteil gefällt. Ach Gott! ach Gott! o du mein Gott! Du mein …

Die Fabeln Martin Luthers

Ein Hahn schar­ret auf dem Mist und fand eine köst­li­che Per­le. Als er die­sel­be im Kot so lie­gen sah, sprach er: „Sie­he, du fei­nes Ding­lein, liegst hier so jäm­mer­lich. Wenn dich ein Kauf­mann fän­de, der wür­de dei­ner froh wer­den und du wür­dest zu gro­ßen ‚Ehren kom­men. Aber du bist mir und ich dir, kein (nichts) nüt­ze. Ich neh­me ein Körn­lein oder Wür­meln und lie­ße ihm alle Per­len. Leh­re: Die­se Fabel leh­ret, dass dies Büch­lein, bei Bau­ern und gro­ßen Leu­ten unwert ist, wie denn alle Kunst und Weis­heit bei sel­bi­gen ver­ach­tet ist. Wie man spricht: Kunst gehet nach Brot. Sie warnt aber, dass man die Leh­re nicht ver­ach­ten soll Nur weni­ge wis­sen, wie viel­sei­tig der Refor­ma­tor Luther tat­säch­lich war. Neben sei­ner Arbeit als Bibel­über­set­zer, war er ein geschick­ter Pre­di­ger, ein treu­er Seel­sor­ger, ein fei­ner Lie­der­dich­ter und zuletzt auch bemüht die All­ge­mein­bil­dung des „gemei­nen“ Vol­kes auf­recht zu erhal­ten. So über­setz­te er auch eine Viel­zahl der Fabeln Äsops ins Deut­sche, da „heu­te nie­mand die Wahr­heit hören möch­te“, ver­trägt man es bes­ser, wenn „ein Wolf oder Bär oder Löwe im Buch …