Alle Artikel mit dem Schlagwort: Martin Luther

Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Gefun­den in Luthers Tisch­re­den: 214. Das Gesetz und Evan­ge­li­um recht zu unter­schei­den, ist kei­nes Men­schen Kunst Kein Mensch lebt auf Erden, der das Evan­ge­li­um und Gesetz recht zu unter­schei­den weiß. Wir las­sen es uns wohl dün­ken, wenn wir pre­di­gen hören, wir ver­ste­hens; aber es fehlt weit, allein der hei­li­ge Geist kann die­se Kunst. Dem Men­schen Chris­tus hats auch gefehlt am Ölber­ge, so daß ihn ein Engel trös­ten muß­te; der war doch ein Dok­tor vom Him­mel, den­noch wur­de er durch den Engel gestärkt. Ich hät­te auch gemeint, ich könn­te es, weil ich so lan­ge und so so viel davon geschrie­ben habe; aber, wenn es ans Tref­fen geht, so sehe ich wohl, daß mirs weit, weit fehlt! So soll und muß allein Gott der hei­ligs­te Meis­ter sein. 212: Was Gesetz und Evan­ge­li­um sei Das Gesetz ist das, was wir tun sol­len; das Evan­ge­li­um aber han­delt von Gott, von dem, was Gott geben will. Das ers­te kön­nen wir nicht tun; das zwei­te kön­nen wir anneh­men, und zwar mit dem Glau­ben. Aber sie­he, wie die Men­schen sind: das ers­te, was sie nicht …

Wenn es nach dem Willen des Wolfes geht, so ist das Lamm im Unrecht“

„Ein Wolf und Lämm­lein kamen von unge­fähr bei­de an einen Bach zu trin­ken. Der Wolf trank oben am Bach, das Lämm­lein aber fern unten. Da der Wolf des Lämm­leins gewahr ward, rief er zu ihm und sprach: War­um trü­best du mir das Was­ser, dass ich nicht trin­ken kann?“ Das Lämm­lein ant­wor­tet: „Wie kann ich dir das Was­ser trü­ben, trinkst du doch über mir und möch­test es mir wohl trü­ben?“ Der Wolf sprach: „Wie, fluchst du mir noch dazu?“ Das Lämm­lein ant­wor­tet: „Ich flu­che nicht.“ Der Wolf sprach: „Ja, dein Vater tat mir vor sechs Mon­den auch ein solch’s.“ Das Lämm­lein ant­wor­tet: „Bin ich doch dazu­mal nicht gebo­ren gewest, wie soll ich es mei­nem Vater ent­gel­ten?“ Der Wolf sprach: „So hast du mir aber mei­ne Wie­sen und Äcker abge­na­get und ver­der­bet.“ Das Lämm­lein ant­wor­tet: „Wie ist das mög­lich, habe ich doch (noch) gar kei­ne Zäh­ne?“ „Ei“, sprach der Wolf, „und wenn du gleich viel aus­re­den und schwät­zen kannst, will ich den­noch heu­te nicht ohne Fres­sen blei­ben.“ Und wür­get also das unschul­di­ge Lämm­lein und fraß es Leh­re: Der …

„Alle hoffen, dass der Teufel jenseits des Meeres ist und wir Gott in der Tasche haben“

Eigent­lich ist es eine logi­sche Schluss­fol­ge­rung von Luthers rigo­ro­ser Ver­tei­di­gung von sola fide und sola gra­tia, dass man den Sinn des Geset­zes völ­lig in Fra­ge stellt. So tat es auf jeden Fall auch Johan­nes Agri­co­la, ein luthe­ri­scher Theo­lo­ge, auf den Luther so vie­le Hoff­nun­gen setz­te, dass er ihn in sei­nem Heim in Wit­ten­berg ließ, und sich von ihm selbst für Pre­dig­ten und Vor­le­sun­gen ver­tre­ten ließ. Agri­co­la war nun der Ansicht, dass die Pre­digt des Geset­zes für Chris­ten unnö­tig ist, da man nun im neu­en Bund, näm­lich im Bund der Gna­de lebt. Ent­spre­chend gehö­ren „das Gesetz Got­tes bzw. die Zehn Gebo­te aus der Kir­che (…) ver­sto­ßen und in das Rat­haus (…)ver­wie­sen;“ Wie aber soll­te die Pre­digt des Evan­ge­li­ums ohne Gesetz mög­lich sein? „Lie­ber Gott, kann man es denn nicht ertra­gen, dass die hei­li­ge Kir­che sich als Sün­de­rin erkennt, die an die Ver­ge­bung der Sün­den glaubt und dazu im Vater­un­ser um die Ver­ge­bung der Sün­den bit­tet? Woher weiß man aber, was Sün­de ist, wenn es das Gesetz und das Gewis­sen nicht gibt? Und woher will man ler­nen, was Chris­tus ist, …

Deutschsprachige Beiträge zu den goldenen Honigtöpfen

Viel­leicht kennt jemand mei­nen Bei­trag über die gol­de­nen Honig­töp­fe. Dar­un­ter ver­ste­he ich Mate­ri­al, dass hilft die Bibel bes­ser zu ver­ste­hen und den Wil­len Got­tes zu erken­nen. Pre­dig­ten, Bei­trä­ge, Bücher, Zeit­schrif­ten die auf Chris­tus hin­wei­sen und die Ehre Got­tes hoch­schät­zen. Es gibt eine wun­der­ba­re Men­ge davon! Welch Segen! Zuneh­mend ver­su­che ich dar­an zu arbei­ten, sol­ches Mate­ri­al auch auf Deutsch zugäng­lich zu machen und auch zu ver­brei­ten.  Ent­spre­chend möch­te ich heu­te auf drei deutsch­spra­chi­ge Pod­casts hin­wei­sen. Kom­men­tar zum Hei­del­ber­ger Kate­chis­mus von Han­ni­el Stre­bel Ich bin dank­bar dafür, dass ich Han­ni­el über­zeu­gen konn­te, sei­ne wert­vol­len Bei­trä­ge auch in das Pod­­cast-For­­mat zu brin­gen.  Ich mei­ne: Wer nutzt schon Sound­cloud? Ich habe mir ehr­lich gesagt  nur aus Lie­be zu Han­ni­el dafür einen Zugang beschafft 🙂 . Neu­er­dings gibt es jetzt Han­niels Kom­men­tar zum Hei­del­ber­ger Kate­chis­mus auch als Pod­cast! Höre unter: Spo­ti­fy iTu­nes Goog­le Pod­cast Android Email RSS-Feed Blub­rry War­um soll­te man gera­de die­sen Pod­cast hören? Jeder, der allei­ne oder in Grup­pe den Hei­del­ber­ger Kate­chis­mus durch­ar­bei­tet fin­det hier zahl­rei­che Hin­wei­se, his­to­ri­sche Hin­ter­grün­de und prak­ti­sche Anwen­dun­gen. Wenn Gott Gna­de schenkt wer­den in weni­gen Tagen auch …

„Die höchste Gnade Gottes ist es, wenn in der Ehe die Liebe dauernd blüht…“

Lyn­dal Roper stellt in ihrer Bio­gra­phie über Mar­tin Luther schlüs­sig dar, mit wel­cher Leich­tig­keit Luther ein tau­send Jah­re altes Ver­ständ­nis über Ehe und vor allem über Sexua­li­tät zur Sei­te wisch­te. Liest man sei­ne zahl­rei­chen Aus­sa­gen über die Ehe, wird schnell deut­lich, dass Luther des­we­gen der­art revo­lu­tio­när, fas­zi­nie­rend fort­schritt­lich und mutig anti-kul­­tu­­rell ist, dabei aber prak­tisch und in sich schlüs­sig bleibt, weil er beharr­lich und immer wie­der zum Wort Got­tes zurück­kehrt.  Im Fol­gen­den eine klei­ne Aus­wahl; die Quel­len­nach­wei­se habe ich dabei geson­dert gesam­melt(down­load). Zum Auf­wär­men eini­ge Aus­sa­gen aus den Tisch­re­den: „Es ist sehr gut, daß Gott nicht will, daß die Ehe zer­ris­sen wer­de, denn sonst wür­de sie zugrun­de gehen und auf­hö­ren, die Sor­ge für die Kin­der wür­de in Gefahr gera­ten und der Haus­stand wür­de fal­len, und danach wür­de auch das Welt­re­gi­ment und die Reli­gi­on ver­nach­läs­sigt wer­den. Es ist aber die Ehe die Grund­la­ge des Haus­we­sens, der öffent­li­chen Ord­nung, der Reli­gi­on.“ [1] „Über die Ehe, die­se ehr­wür­di­ge und gött­li­che Stif­tung, sag­te er (Luther) vie­les Aus­ge­zeich­ne­te: daß sie nach dem Got­tes­dienst um vie­ler Ursa­chen wil­len der wich­tigs­te Stand …

„Deshalb könnt ihr kühn zum Vater treten und getrost bitten“

„Es gibt außer­dem noch eini­ges ande­re, das anschei­nend zu den Sakra­men­ten gerech­net wer­den könn­te, näm­lich all das, dem eine Ver­hei­ßung Got­tes zuteil gewor­den ist: dazu gehö­ren das Gebet, das Wort, das Kreuz. Denn Chris­tus hat den Beten­den an vie­len Stel­len (der Schrift) Erhö­rung zuge­sagt, beson­ders Luk. 11, 5 ff., wo er uns mit vie­len Gleich­nis­sen zum Beten ein­lädt.“(Von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che 1520). War­um sol­len wir beten? Weil Gott es befoh­len hat. So führt es Luther in sei­nem gro­ßen Kate­chis­mus in der Bespre­chung des Vater Unsers aus: „Dar­um bit­ten wir und ver­mah­nen aufs flei­ßigs­te jeder­mann, daß man sol­ches zu Her­zen neh­me und auf kei­ne Wei­se unse­re Gebe­te ver­ach­te. Denn man hat bis­her ins Teu­fels Namen so geleh­ret, daß nie­mand sol­ches geach­tet und gemei­net hat, es wäre genug, daß das Werk getan wäre, Gott erhö­rets oder höret es nicht. Das heißt das Gebet auf gut Glück ver­sucht und ins Blaue hin­ein gemur­ret; dar­um ist es ein ver­lo­re­nes Gebet. Denn wir las­sen uns durch sol­che Gedan­ken beir­ren und abschre­cken: ich bin nicht hei­lig noch wür­dig genug; wenn ich …

„Ruhm dem Luther! Ewiger Ruhm dem teuren Manne…“

Durch Hei­ko A. Ober­mans Bio­gra­phie über Mar­tin Luther bin ich auf ein unge­wöhn­li­ches Werk Hein­rich Hei­nes auf­merk­sam gewor­den: Zur Geschich­te der Reli­gi­on und Phi­lo­so­phie in Deutsch­land. Das Werk ist in drei Tei­le auf­ge­teilt, des­sen ers­ter Teil die Reli­gi­ons­ge­schich­te in Deutsch­land bis ein­schließ­lich Luther beschreibt. Hier schil­dert Hei­ne Luther als einen Natio­nal­held, der das Chris­ten­tum über­haupt nach Deutsch­land brach­te. Gleich­zei­tig möch­te er (da er der­zeit als Flücht­ling in Frank­reich lebt) zei­gen, dass die radi­ka­len ratio­na­lis­ti­schen Frei­heits-bewe­­gun­­­gen Frank­reichs bei wei­tem nicht so viel „Frei­heit“ errei­chen wer­den, weil sie nur alter Katho­li­zis­mus im säku­la­ren Gewand blei­ben: „Jene Per­si­fla­ge aber, nament­lich die Vol­taire­sche,  hat in Frank­reich ihre Mis­si­on erfüllt, und wer sie  wei­ter fort­set­zen woll­te, han­del­te eben­so unzeit­ge­mäß wie unklug. Denn wenn man die letz­ten sicht­ba­ren Res­te des Katho­li­zis­mus ver­til­gen wür­de, könn­te es  sich leicht ereig­nen, daß die Idee des­sel­ben sich in  eine neue Form, gleich­sam in einen neu­en Leib flüch­tet und, sogar den Namen Chris­ten­tum able­gend, in  die­ser Umwand­lung uns noch weit ver­drieß­li­cher beläs­ti­gen könn­te als in ihrer jet­zi­gen gebro­che­nen, rui­nier­ten und all­ge­mein dis­kre­di­tier­ten Gestalt. Ja, es hat …

„Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Maria Schoß“

Luther hat das Magni­fi­kat Mari­as (gemeint ist Luk. 1,46−55) mit­ten im hef­tigs­ten Bruch mit der Katho­li­schen Kir­che, noch von der Wart­burg aus ver­öf­fent­licht. R. Frie­den­thal schreibt dazu in sei­ner Bio­gra­phie über Luther (S. 366): „Noch ist er Mönch, die Mari­en­ver­eh­rung ist ihm sehr leben­dig geblie­ben. Mit­ten unter dem Tumult der Vor­la­dung nach Worms hat­te er bereits begon­nen, das Magni­fi­kat, den Lob­ge­sang der Mut­ter Got­tes, aus­zu­le­gen. Jetzt voll­endet er das Werk. Das ist ein völ­lig ande­rer Luther. Er don­nert und tobt nicht. (…) Er sieht Maria in der Tracht und Umge­bung sei­ner Zeit, ein „gerin­ges, armes Dirn­lein“, nicht bes­ser als eine Haus­magd, und auch als der Engel ihr die Ver­kün­di­gung über­bracht hat, bleibt sie demü­tig, „ruft nicht aus, wie sie Got­tes Mut­ter gewor­den wäre, for­dert kei­ne Ehre, geht hin und schafft im Haus wie vor­hin, melkt die Kühe, kocht, wäscht Schüs­sel, keh­ret, tut wie eine Haus­magd oder Haus­mut­ter tun soll in gerin­gen, ver­ach­te­ten Wer­ken.““. Frie­den­thal weist zurecht dar­auf­hin, dass die­ser „Respekt“ vor Maria noch bis in die Zeit Bachs wirk­te, der das Magni­fi­kat ver­ton­te. Tat­säch­lich ist …

„Zur Pestzeit kannst du vor Furcht nichts beginnen…“

Die Pest gras­sier­te noch regel­mä­ßig zur Zeit Luthers. Im April 1517 lockt der neue Ablaß von Papst Leo X. die von der Pest heim­ge­such­ten Bür­ger von Wit­ten­berg über die Gren­ze, was eine Ver­brei­tung befeu­ert [1]. 1527 und 1528 ging in Wit­ten­berg erneut die Pest umher. Dies­mal war die Stadt durch aus­län­di­sche Stu­den­ten deut­lich gewach­sen. Dies­mal kos­te­te die Pest auch Luthers Toch­ter Eli­sa­beth das Leben [2]. In Wit­ten­berg kommt das öffent­li­che Leben zum Erlie­gen. Die Uni­ver­si­tät z.B. wird kur­zer­hand ver­legt. Luthers Erfah­run­gen mit die­ser Zeit präg­ten selbt sei­ne Aus­füh­run­gen im gro­ßen Kate­chis­mus, der 1529 erscheint. Zum zwei­ten Gebot führt er aus: „Dar­um haben wir auch zu Lohn, was wir suchen und ver­die­nen: Pesti­lenz, Krieg, Teu­rung, Feu­er, Was­ser, unge­ra­ten Weib, Kin­der, Gesin­de und aller­lei Unrat. Wo soll­te sonst des Jam­mers so viel her­kom­men? Es ist noch gro­ße Gna­de, daß uns die Erde trägt und näh­ret.“ 1527, als die Pest am anschwel­len ist, besteht für vie­le Pfar­rer und sons­ti­ge Bür­ger aus der sozia­len Ober­schicht die Mög­lich­keit in eher siche­re Qua­ran­­tä­­ne-Zustän­­de zu flie­hen. Da Luther hier mehr­fach um Rat gefragt …

„Denn ohne Leiden, Kreuz und Todesnöte kann man die Vorherbestimmung nicht ohne Schaden und heimlichen Zorn wider Gott behandeln.“

Mar­tin Luther ist ein Theo­lo­ge des Kreu­zes. Auch Fra­gen nach der Prä­de­sti­na­ti­on ver­band er mit dem Kreuz Chris­ti. In sei­ner Vor­re­de zum Brief des Pau­lus an die Römer (1522) schreibt er: „Im neun­ten, zehn­ten und elf­ten Kapi­tel leh­ret er von der ewi­gen Vor­her­be­stim­mung Got­tes, woher es ursprüng­lich fließt, wer glau­ben oder nicht glau­ben soll, wer von Sün­den los oder nicht los­wer­den kann, womit es ja ganz aus unsern Hän­den genom­men und allein in Got­tes Hand gege­ben sei, daß wir fromm wer­den. Und das ist auch aufs aller­höchs­te not. Denn wir sind so schwach und unge­wiß, daß, wenns bei uns stün­de, frei­lich nicht ein Mensch selig wür­de, der Teu­fel wür­de sie gewiß­lich alle über­wäl­ti­gen. Aber nun Gott gewiß ist, daß ihm das, was er vor­her­be­stimmt, nicht fehl­ge­het, noch jemand ihm weh­ren kann, haben wir noch Hoff­nung wider die Sün­de. Aber hier ist den fre­vel­haf­ten und hoch­fah­ren­den Geis­tern eine Gren­ze zu ste­cken, die ihren Ver­stand zuerst hier­her füh­ren und damit anfan­gen, zuvor den Abgrund gött­li­cher Vor­her­be­stim­mung zu erfor­schen und sich damit ver­geb­lich beküm­mern, ob sie vor­her­be­stimmt sind. …