Alle Artikel mit dem Schlagwort: Johannes Calvin

Von der ewigen Vorherbestimmung Gottes

Calvin widmete diese Schrifte, deren Teile später auch in die 1559- Auflage der Institutio bildeten, der Stadt Genf. Die Schrift wurde Anfang 1552 als gemeinsame Erklärung der Genfer Pastoren. Calvin setzt sich mit dieser Schrift mit zwei katholischen Widersachern, Pighius und Siculus auseinander, aber er stellt sich auch der Ablehnung der doppelten Prädestination im protestantischen Lager. Die Schrift, ist in 47 kleinere Abschnitte eingeteilt, die immer wieder für ein „Deja-Vu“ gesorgt haben. Immer wieder ernüchternd festzustellen, wie uralt „moderne“ Einwände gegen die Prädestinationslehre sind. Das Buch ist sicherlich eines der anspruchsvollsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, das aber weniger durch das gewählte Thema zurückzuführen ist, als darauf, dass Calvin ständig Bezug auf die Thesen seiner Kritiker Pighius und Siculus nimmt. Man müsste eigentlich ihre Werke ebenfalls zur Hand haben. Aus diesem Grunde musste ich regelmäßig Abschnitte wiederholt durchlesen und kam relativ langsam durch das Werk voran. Dennoch empfinde ich das Buch in mehrfacher Hinsicht als Bereicherung: 1.Wenn Calvin davon spricht, dass „Augustinus totus noster“ (Augustinus völlig unser) sei, dann ist das weniger …

„Aber wenn es um Gottes Urteil ginge, habe jeder freilich eine Ausrede…“

„Calvin nämlich äußerte sehr heftige Kritik an seiner Hörerschaft. Er fragte sich, ob sie wohl überhaupt zuhörten. Gewiss, in Genf werde das Evangelium gepredigt, „aber was hat man davon, wenn niemand was damit anfängt“(1)? Die Menschen gingen einzig zur Kirche, weil sie es so gewohnt seien. Es sei ein Ritual geworden, und daher  „kommen sie so wieder heraus, wie sie hineingegangen sind“ (2). Calvin zufolge ging man mit den Predigten um, als ob es Märchen wären (3). Daher seien die Menschen auch unwissend. Sollte man beispielsweise um Weihnachten herum fragen, „wisst ihr, was es bedeutet, dass Gott sich im Fleisch offenbart hat, dann dürfte man mit großer Mühe einen unter zehn finden, der zu wiederholen imstande ist, was er als kleines Kind bezüglich seines Glaubens gelernt hat“ (4). Sie seien gerade wie die Tiere, die gewohnheitsmäßig zur Fütterung liefen. „Denn sobald sie zum Abendmahl, zur Taufe oder einer Hochzeit wegen zur Kirche gehen, wissen sie eigentlich nicht einmal, worum sie bitten müssen“ (5). Die Glocke läute jeden Tag, aber man reagiere nicht darauf. Am Sonntag …

Herborner Bibelwerk von Johannes Piscator

Die Piscator-Bibel gehörte einst zu den wichtigsten Druckwerken, die in der Herborner Corvinschen Druckerei erschienen sind. Die Piscator-Bibel ist die erste in Deutschland gedruckte reformierte Bibel. Zwischen 1602 und 1654 wurde sie in Herborn viermal aufgelegt. Spätere Ausgaben erschienen in der Schweiz, in Duisburg und bei Hamburg. Durch die Wirren des 30jährigen Kriegs sind viele der in Herborn aufgelegten Bibelausgaben verschollen, so dass Originale echte Raritäten sind. Wegen ihrer sprachlichen Qualität und Textgenauigkeit galt diese Bibel als Vorbild für andere textgenaue Übersetzungen unserer Zeit. Die Lehre Johannes Calvins, dessen Geburtstag sich 2009 zum 500. Mal jährte, bildet die Grundlage für dieses imposante Gesamtwerk. In vielen reformierten Gemeinden in aller Welt prägte die Piscator-Bibel das kirchliche Leben entscheidend.