Alle Artikel mit dem Schlagwort: Christologie

Christus in der ganzen Schrift erkennen und verkündigen
Literaturhinweise für ein Bibelstudium mit Christus im Zentrum

Meine Reise in ein Bibellesen mit Christus im Zentrum fing mit Edmund Clowney an. Zuerst bin ich auf die von Clowney mit Tim Keller gemeinsam gehaltene Vorlesung „Preaching Christ in a Postmodern World gestoßen“.  Diese war ein gewisser Startpunkt und später griff ich zur Vorlesung zur biblischen Theology von Clowney, die ebenfalls kostenfrei zugänglich ist. Seine Strategie stellt Clowney in Kürze auch in einem Essay vor, der das Einleitungskapitel zu einem Predigtsammelband von ihm darstellt: Preaching Christ in All of Scripture – Christus aus der ganzen Schrift predigen. Durch Clowney habe ich auch unerwartete Fährten der Schrift entdeckt, die zu Christus führen. In seiner Vorlesung führt Clowney aus, wie z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ auf Christus zeigt: Gott nimmt nicht eine bereits vorhandene Institution der Ehe, um diese als Metapher für die Liebe Christi zu seiner Gemeinde zu verwenden, sondern die Ehe ist ein Abbild einer längst, ja vor Grundlegung der Welt vorhandenen Realität, der dienenden Liebe Christi. Unsere Ehen werden an diesem Anspruch, der im Sohn Gottes zu sehen ist, gemessen. Deswegen …

Aus der Osterpredigt von Melito von Sardes

In der Osterpredigt des Melito von Sardes findet sich bereits ein sehr reifer Umgang mit dem Alten Testament. Melito von Sardes ist so „lange her“ (gest. 180 n.Chr), dass er noch aus der in Offenbarung bekannten Gemeinde Sardes wirkte. Die Predigt zeigt, dass die Kirche bereits sehr früh Christus als das Ziel des Alten Testaments erkannte. Der vollständige Text samt hilfreichen Hintergründen zu Melito und dieser Osterpredigt findet sich hier. Sehr elegant ist die Anwendung des Passahlammes als ein „Vorbild auf Christus“ und besteht doch nicht aus bloßer Typologie, sondern eher in einem Fortschreiten der Offenbarung Gottes: Das Osterlamm zeugt von der gleichen Wahrheit, wie Christus. Melito zieht dabei auch weite Kreise aus anderen Texten des Alten Testamentes, um diese neue Realität zu erklären. In der Auseinandersetzung mit Marcion, ob das Alte Testament auch ein sakraler Text der Kirche sei, war diese Auseinandersetzung mit dem Alten Testament nötig geworden und Melito meisterte diese Aufgabe. Doch überzeugt euch selbst:

Wilhelm Busch über Christus im AT

Erneut erschüttert las ich vor kurzem zum wiederholten Male diesen Text von Wilhelm Busch! Welch harter Kampf hier stattfand! Wie kämpfen wir heute um die Kraft des übenatürlichen Wortes Gottes? Als ich – ein junger Theologe – die Universität verließ, hatte ich in den Vorlesungen über das Alte Testament gelernt, dass man in den fünf Büchern Mose verschiedene Quellen feststellen könne: den Jahwist und den Elohist … Ich hatte älteste und jüngere Bestandteile unterscheiden gelernt … Ich hatte gehört, dass es einen ersten und einen zweiten Jesaja gäbe … Man hatte  mir  gezeigt,  wie  man  die  »unterchristliche Frömmigkeit« des Alten Testaments von der »Lehre Jesu« unterscheiden könne … Kurz  –  das  Alte  Testament  war  ein  höchst zweifelhaftes  Erzeugnis  religiöser  jüdischer Literatur.  So  entließ  mich  die  Universität  in eine große Gemeinde als »Prediger des Wortes Gottes«. »Wort Gottes«?! War das Alte Testament »Wort Gottes«? Man hatte uns gesagt, das Alte Testament sei für uns gültig, »soweit es Christum treibe«.  Nun  schön!  Aber  –  was  »trieb  denn hier Christum«? Selbst das große Kapitel Jesaja 53 war ja – wie man uns gesagt hatte – gar nicht eine messianische Verheißung, sondern es wurde hier »die Idee des stellvertretenden Leidens« ausgesprochen.