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Sehnsucht nach Pastor Latzel

Mal wie­der war es Vik­tor von Chris­tus­al­lein der hier der aus­lö­sen­de Trig­ger war. Er hat mich auf eine Pre­digt von Lat­zel auf­merk­sam gemacht (und was für eine, höre hier). Bis dahin habe ich wei­test­ge­hend nur ame­ri­ka­ni­sche Pre­dig­ten ange­hört (vor­nehm­lich Tim Kel­ler, sie­he hier für mei­ne Lieb­lings­aus­wahl an Kel­lers Pre­dig­ten), und woll­te vor allem des­we­gen etwas dar­an ändern, damit wir als Fami­lie auch gemein­sam Pre­dig­ten hören können.

Mir ist es wich­tig, bei so etwas Kon­ti­nui­tät zu besit­zen und ich habe nur weni­ge Pre­di­ger auf mei­ner Lis­te, dafür die­se dann mög­lichst umfas­send. Olaf Lat­zel  haben wir gleich ger­ne ange­hört und es war das gege­ben, was mir wich­tig ist: Refor­mier­te Leh­re, ein­fa­che und ver­ständ­li­che Ver­kün­di­gung, sowohl Gemein­de wie Welt­men­schen im Blick.

Schon bald wur­de Lat­zel zum Haus und Hof-Pre­di­ger, als im ers­ten Coro­na-Lock­down kei­ne Got­tes­diens­te mög­lich waren. Ein Höhe­punkt dabei war auch das digi­ta­le Abend­mahl irgend­wann im April 2020. Auf jeden Fall haben wir sehr pro­fi­tiert, nicht nur von den Pre­dig­ten Lat­zels, son­dern auch von denen von Koch, Bier­baum und den ande­ren Pre­di­gern der Martini-Gemeinde.

Doch schon bald zogen dunk­le Schat­ten­wol­ken auf den Hori­zont und plötz­lich konn­te Pas­tor Lat­zel nicht mehr pre­di­gen. Vor­nehm­lich weil es sei­ne Kir­chen­vor­ge­setz­ten so for­dern, etwas aus einer Welt, die mir als Frei­kirch­ler eher fremd und gewöh­nungs­be­dürf­tig ist.

Wie gesagt: Jetzt ein­fach zur Tages­ord­nung zu über­ge­hen und ein­fach den nächs­ten Pre­di­ger zu strea­men, wäre leicht mög­lich. Als kon­ser­va­ti­ve Vari­an­te wählt man dann gar einen Pre­di­ger, der längst ver­stor­ben ist. Nur son­der­lich christ­lich wäre das nicht. Wir lei­den als Fami­lie seit nun bald einem Jahr mit Pas­tor Lat­zel mit.

Das bewegt mich, auch mal den Fin­ger auf unse­re Moti­ve zu legen. Könn­te es sein, dass das evan­ge­li­ka­le Rau­nen um die Cau­sa Lat­zel gar nicht im brü­der­li­chen Zusam­men­hal­ten wur­zelt, son­dern, weil vor­nehm­lich auf­grund der gegen­wär­ti­gen Poli­tik? Was nützt das Rau­nen „Lat­zel darf jetzt nicht pre­di­gen“ mit erns­ten Mie­nen und wohl­wei­sen­dem Hin­wei­sen, dass „die Welt immer fins­te­rer wird“, wenn wir als Brü­der­ge­meind­ler, Men­no­ni­ten oder Evan­ge­li­ums­chris­ten unse­re Kan­zeln vor Lat­zel eben­falls weg­sper­ren wür­den? Geht es uns womög­lich gar nicht dar­um, als Chris­ten in einer käl­te­ren Umge­bung näher zusam­men­zu­rü­cken, son­dern viel­mehr die Nase vor einer unlieb­sa­men Ideo­lo­gie zu rümp­fen? Mei­ne Fra­ge wäre dann: Reicht es dann? Wäre das Soll christ­li­cher Ein­heit damit bereits erfüllt? So ein­fach also?

Das beun­ru­higt mich sehr. Es beun­ru­higt mich auch des­we­gen, weil Lat­zel und St. Mar­ti­ni durch kla­ren Stil und (auch durch den Pro­zess beding­te) Berühmt­heit auch in der Tat eine Men­ge an radi­ka­len Freaks anzieht. Um sich des­sen zu ver­ge­wis­sern muss man nur einen Blick auf die unter­schied­li­chen Kom­men­ta­re auf face­book wer­fen (ich ver­zich­te auf genaue Zita­te, sucht sel­ber hier). Das dünkt mich unfass­bar her­aus­for­dernd zu sein: Einer­seits klar die Wahr­heit zu beken­nen und sich doch von den Radi­ka­len abzu­gren­zen! Ohne ech­te Got­tes­furcht dürf­te es kaum mög­lich sein.

Ande­rer­seits: Es lässt sich kaum leug­nen, dass sich auch aus­rei­chend Kon­ser­va­ti­ve sich schon längst in Sicher­heit gebracht haben. Es scheint mir, dass die Hal­tung hier sich auf einen Mix die­ser bei­den oben genann­ten Argu­men­te fußt: Einer­seits muss man sich nicht ein­deu­tig posi­tio­nie­ren, da es ja nur einen in der EKD trifft und man ja schon längst wuss­te, dass die EKD gott­los und abge­fal­len ist und die Gen­der-Poli­tik leh­ne man ja natür­lich genau­so ab wie Lat­zel. Ande­rer­seits hat man immer die gemüt­li­che Keu­le auf die Radi­ka­len im eige­nen Lager ein­zu­schla­gen, ob nun „AfD-Wäh­ler oder schlim­mer“… Und eine Ideo­lo­gie, als ob sie denn wirk­lich so fass­bar wäre. Man ist also ziem­lich fein raus aus dem Schnei­der und „schweigt um des Frie­dens wil­len“. Posi­tio­nen die die Gemein­de (im Sin­ne einer Orts­ge­mein­de) nun anders sieht als der Main­stream wer­den so nicht mehr klar benannt, son­dern nur noch im wohl­wis­sen­den Sin­ne still­schwei­gend als sowie­so kla­res und bekann­tes All­ge­mein­gut ange­nom­men. Nach dem Mot­to, wir dür­fen zwar nicht drü­ber reden, aber es ist ja sowie­so jedem klar, wie wir dar­über den­ken! Wie lan­ge soll so etwas aber funk­tio­nie­ren? Sicher nicht län­ger als eine ein­zi­ge Generation!

Noch ein letz­ter wich­ti­ger Punkt was das „Pre­digt­ver­bot“ angeht: Es  muss uns klar sein, dass es hier um viel mehr geht, näm­lich um „vor­läu­fi­ge Dienstent­he­bung“ (Vgl. hier das Doku­ment vom 20.12.2020). Das bedeu­tet für Pas­tor Lat­zel: Kei­ne Pre­dig­ten, weder in Mar­ti­ni, noch anders­wo, noch im Inter­net, kei­ne Evan­ge­li­sa­ti­on, kei­ne Kran­ken­be­su­che, kei­ne Seel­sor­ge­ar­beit, kein Kon­fir­man­den­un­ter­richt, ja nicht ein­mal ein öffent­li­ches Äußern zur Sache. So war für NIMM-LIES.de nicht ein­mal ein Inter­view mit Pas­tor Lat­zel mög­lich. Es muss uns wirk­lich klar sein, wie krass die Ein­schrän­kun­gen sind, die Pas­tor Lat­zel hier erfährt! Unfass­bar uner­träg­lich. Gleich­zei­tig als „Hass-Pre­di­ger“ zu gelten.

Dabei, muss Lat­zel die­se Maß­nah­men alle sprü­ren und ertra­gen, selbst wenn er das Urteil akzep­tiert und durch das Urteil nicht ein­mal als „vor­be­straft“ gel­ten wür­de. Als Vor­be­straft gilt man bekannt­lich erst mit einer Geld­stra­fe von mehr als 90 Tages­sät­zen. Obwohl also selbst bei Akzep­tanz des Urteils kei­ne Vor­be­stra­fung vor­liegt, ist das Urteil der BEK und ihrer mäch­ti­gen Funk­tio­nä­re ein­deu­tig. (Im Übri­gen ja auch völ­lig unab­hän­gig vom Akzep­tie­ren des Urteils. Man kann nur dar­über spe­ku­lie­ren, wie man über Lat­zel her­fal­len wür­de, wenn er das Urteil akzep­tie­ren würde…)

Also: Es las­sen sich so vie­le Grün­de fin­den, sich nicht posi­tio­nie­ren ja fest­le­gen zu müs­sen. Könn­te man die Cau­sa Lat­zel nicht als eine Ange­le­gen­heit von Welt­men­schen mit einem Welt­men­schen abtun? Ich mei­ne, Lat­zels Frau trägt Hosen, Mar­ti­ni besteht nicht auf der Kopf­be­de­ckung, er ist Kin­der­täu­fer und über Isra­el hat er auch schon lan­ge nicht mehr gepre­digt… Wenn wir also „wohl­weis­lich schwei­gen“ und uns mit einem Kopf­schüt­teln über die all­ge­mei­ne Gott­lo­sig­keit begnü­gen dann ist durch­aus zu fra­gen, ob wir damit nicht schon eine Ent­schei­dung für die Gegen­sei­te getrof­fen haben! Und wie die­se sich posi­tio­niert, lässt sich leicht durch Goog­le News her­aus­fin­den. Ich zitie­re ein­fach ein paar Überschriften:

  • So war es Sei­ner Exzel­lenz Hoch­wür­den Bed­ford-Strohm ein­fach sich fest­zu­le­gen. Laut Queer.de ließt er Lat­zel die Levi­ten (und das Bereits Früh­jahr 2020).
  • Ein Bre­mer Pas­tor bezeich­net Lat­zel-Anhän­ger als „brau­nen Mob“, dass er damit auch mich als Migran­ten belei­digt, gilt selt­sa­mer­wei­se nicht als Volksverhetzung.
  • Ande­re „Theo­lo­gen“ wer­den „rich­tig zor­nig“. (P.S.: Es fällt mir in der Tat etwas schwer nicht über den Zorn eines Büro­men­schen zu schmunzeln)
  • Es ist völ­lig nor­mal gewor­den Lat­zel als „homo­pho­ben Pre­di­ger“, als „Hass-Pre­di­ger“, als radi­kal u.Ä. dar­zu­stel­len. (Bit­te ver­gleicht dafür die Ergeb­nis­se von Goog­le News)

Posi­tio­nie­ren wir uns in die­ser Fra­ge nur ober­fläch­lich, oder „sach­lich all­ge­mein“ ste­hen wir in der Gefahr, in Wirk­lich­keit mit der hier auf­ge­lis­te­ten Het­ze mit­zu­ma­chen oder die­se zumin­dest zu dul­den. Kön­nen wir das guten Gewissens?

So vie­le Fra­gen und Her­aus­for­de­run­gen! Ehr­lich, am liebs­ten wür­de ich mich auch ver­krie­chen. War­um soll­te gera­de ich mich posi­tio­nie­ren? Wo kann ich mich in Sicher­heit brin­gen? Brau­che ich das, mich für Lat­zel aus­zu­spre­chen? War­um kann ich das nicht Par­zany über­las­sen, der wird sich schließ­lich um die Pfän­dung sei­ner Pen­si­on kaum fürch­ten zu brau­chen? Was mich ermu­tigt hat, war die letz­te Pre­digt des Jugend­pas­tors Koch in Mar­ti­ni, der über die Freu­de sprach.

Wie könn­te eine Posi­tio­nie­rung aus­se­hen? Ein guter Aus­gangs­punkt: Im Rah­men des Arti­kels habe ich ent­deckt, dass am 26.03.2021 ein Gebets  und Fast­tag statt­fin­den wird. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den sich hier.

 

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