Musik/Lieder
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Reformiertes Liedgut

Ein bisschen sowas wie eine Humoresque

Liederbuch ohne Noten (1311 Lieder)Heu­te habe ich eine refor­mier­te Gemein­de besucht und ich muss­te doch sehr schmun­zeln, als ich fest­stell­te, dass die­se Gemein­de ein Lie­der­buch besitzt, wel­ches ins­ge­samt 38 Lie­der beinhal­tet. Doch etwas wenig. Gibt es denn in der Tat nur so weni­ge Lie­der mit guter Leh­re? Da lobe ich mir das Lie­der­buch mei­ner Gemein­de, wel­ches hier bestellt wer­den kann. Übri­gens,  fin­den sich hier 1311 Lie­der.

Nur mal eini­ge Bei­spie­le:

Heilsgewissheit

Über hun­dert Lie­der the­ma­ti­sie­ren die Heils­ge­wiss­heit, so der bekann­te Klas­si­ker: „Kei­ner wird zuschan­den“. Wie jubelt mei­ne See­le, wenn wir die­ses Lied als Gemein­de sin­gen und es heißt:

Kei­ner wird zuschan­den, wel­cher Got­tes harrt
sollt ich sein der ers­te, der zuschan­den ward?
Nein, das ist unmög­lich, du getreu­er Hort
Eher fällt der Him­mel, eh mich täuscht dein Wort

Du hast zuge­sa­get: Wer da bit­tet, nimmt
wer da sucht, soll fin­den, was ihm Gott bestimmt
wer im fes­ten Glau­ben mutig klop­fet an
dem wird ohne Zwei­fel end­lich auf­ge­tan

Hier fin­det sich auch eini­ges von Gus­tav Knak, so das Lied „Wer sich dem Hei­land mit bren­nen­dem Her­zen erge­ben“, dort heißt es

3. Woll­te der Teu­fel mit trüg­li­chen Ehren ihm win­ken,
lässt der Herr Jesus die Kro­ne des Lebens ihm blin­ken;
beut ihm die Welt
irdi­sche Freu­den und Geld,
bringt sie ihn doch nicht zum Sin­ke

Welch Moti­va­ti­on und Ermun­te­rung es ist, mit der Gemein­de zu sin­gen, ist gar nicht zu ver­mit­teln.

Freie Gnade und Erwählung

War das zu viel Frei­er Wil­le? Dann gefällt dir viel­leicht Karl Bern­hard Gave bes­ser, der in Lied Nr. 702 singt:

1. Wel­che Wahl! Aus frei­en Gna­den
zum Bun­de sei­nes Volks gela­den,
zur Kind­schaft aus­er­wählt zu sein -
sich des Hei­lands freu’n zu kön­nen,
vor Tau­sen­den sich sein zu nen­nen
und froh zu rüh­men:
Er ist mein!
Welch unschätz­ba­rer Bund!
Und wenn sich in den Grund
Ber­ge sen­ken –
Er wan­ket nicht;
Er strahlt im Licht,
wenn aller Son­nen Bau zer­bricht!

2. Könnt‘ auch eine Mut­ter des­sen,
den sie im Schö­ße trug, ver­ges­sen,
der Herr ver­gisst doch dei­ner nicht!
Wenn dich sei­ne Hand nicht führ­te,
Sein Geist nicht dei­nen Geist regier­te
mit sei­nem heil’gen Recht und Licht,
ach, ohne Trost und Rat
ver­lörst du Weg und Pfad -
Hal­le­lu­ja!
Sein Ange­sicht
bleibt unser Licht,
Sein Wort der Stab, der nie zer­bricht!

Oder neh­men wir F.H. Krü­ger, der singt:

1. Gna­de muss es sein -
Gna­de ganz allein!
Alles and­re geht in Stü­cke,
ist nur eine schlech­te Krü­cke.
Gna­de hält allein.
Gna­de muss es sein!
2. Aller eig­ne Wert
nur den Hoch­mut nährt.
Alles, was ich selbst erwor­ben,
hat die Sün­de ganz ver­dor­ben.
Gna­de muss es sein.
Gna­de ganz allein!
3. Wenn zu herb der Schmerz
und schier bricht das Herz,
wenn im Tal es düs­ter dun­kelt,
schau ich auf.
Trotz allem fun­kelt
mir der Gna­de Schein.
4. Also Gnad‘ allein -
Gna­de muss es sein!
Gnad‘ zum Blei­ben, Gnad‘ zum Gehen,
Gnad‘, getrost beim Herrn zu ste­hen.
Nichts als Gnad‘ allein -

Loblieder

Wem das  zu theo­lo­gisch ist, der wird sich viel­leicht mehr an die­sen Zei­len erfreu­en:

„Lobe den Her­ren, du mei­ne begna­dig­te See­le! Nichts ist ja herr­li­cher, was ich zu prei­sen erwäh­le. Drin­ge her­für, was da nur lebet in mir! Lobe doch, rühm‘ und erzäh­le!“(…)

Ande­re Lob­lie­der sind natür­lich zur Genü­ge vor­han­den, man den­ke nur an Luthers berühm­tes Lied: „Eine fes­te Burg ist unser Gott“

Passionslieder

Vor allem die Lie­der, wel­che die Lei­den Chris­ti besin­gen gehen mir durch Mark und Bein, man den­ke nur an Paul Ger­hardts „O Haupt voll Blut und Wun­den“, hier ein­mal die ers­ten bei­den Stro­phen:

1) O Haupt voll Blut und Wun­den,
voll Schmerz und vol­ler Hohn,
o Haupt, zum Spott gebun­den
mit einer Dor­nen­kron, o Haupt,
sonst schön gezieret
mit höchs­ter Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimp­fieret:
gegrü­ßet seist du mir!

2) Du edles Ange­sich­te,
davor sonst schrickt
und scheut das gro­ße Welt­ge­wich­te:
wie bist du so bespeit,
wie bist du so erblei­chet!
Wer hat dein Augen­licht,
dem sonst kein Licht nicht glei­chet,
so schänd­lich zuge­richt‘?

Wei­te­re Namen sind:

Chris­ti­an Fried­rich Rich­ter, Ben­ja­min Schmolck,  Albert Knapp, Graf Zin­zen­dorf, H. v. Redern, W. Horn, Jona­than Paul, E. Geb­hard und vie­le mehr. Vor mei­nem geis­ti­gen Auge sehe ich, wie sich „Fei­ert Jesus“ schluch­zend in die Ecke ver­kriecht.

Russische Lieder

Ein letz­tes Kapi­tel noch. Das Lie­der­buch hat etwa 70 Lie­der (soweit ich rich­tig gezählt habe), die aus dem rus­si­schen über­setzt wur­den. Nicht immer ist die Über­set­zung gelun­gen, aber für jeden deut­schen Chris­ten ist die­ser Teil allei­ne schon kul­tu­rell inter­es­sant. An die­ser Stel­le möch­te ich mein liebs­tes Lied rus­si­scher Quel­len auf­füh­ren. Niko­lai Mel­ni­kov, ein Christ, der für sei­nen Glau­ben 7 Jah­re im Gefäng­nis saß (sicher wer­de ich dar­über mal mehr schrei­ben), schrieb das Lied:

1) Ich besin­ge dich, mein Hei­land! Du bist mei­ner See­le Lied.
Auf dem Weg durch Schmerz und Trä­nen die­ses Lied mich zu Dir zieht.

Chor: Die­ses Lied gibt Trost und Freu­de, Her­zens­frie­den, tie­fe Ruh‘. Hier find‘ ich die Kraft, zu gehen. Die­ses Lied, mein Herr, bist Du!

2) Ist der Weg auch steil und dor­nig — die­ses Lied hilft mir, zu geh’n
auf dem Pfad zur ew’gen Hei­mat jedem Feind zu widersteh’n.

3) Und wenn ewig ich zu Hau­se, die­ses Lied in mir erklingt.
Dann von heil’gem, ew’gen Leben es in mei­nem Her­zen singt.

Wer die Lie­der ler­nen möch­te, fin­det zu jedem davon einen vier­stim­mi­gen Satz in der Vari­an­te des Lie­der­buchs mit Noten.

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