Biblische Lehre, Bücher zur Bibel
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Reading the Word of God in the Presence of God

Ich war schon länger auf der Suche nach einem hilfreichen Buch für hermeneutische Fragen und griff zunächst zu Berkhof. Doch sein wirklich hochwertiges Werk war einfach zu schwer und zu herausfordernd für mich. Eine geeignete Ergänzung und einen passenderen Einstieg in die Hermeneutik fand ich in diesem Buch von Vern S. Poythress, der am WTS unter anderem auch Hermeneutik unterrichtet. Einige gelernte Lektionen:

Gesamtaufbau:

Die über 30 Kapitel des Buches wendet er immer am selben Text von 1 Sam 22,1-2 an: David versteckt sich in der Höhle Adullam. Ich finde die Textwahl sehr treffend, ist doch der erste Impuls, dass es zu diesem Text nichts zu sagen und zu lernen gebe. Vor allem gelingt es Poythress den Schaden einer rein historischen Betrachtung des AT aufzuzeigen!

Drei einfache Schritte zum besseren Textverständnis

Poythress liest sich ungemein leicht und er schreibt sehr verständlich. Ich kenne kaum einen Autor, der sich derart flüssig und angenehm liest. Man kommt wirklich sehr schnell voran. Seine Agenda ist sehr klar und gut vorbereitet. So auch in diesem Buch. Da sich der Schwierigkeitslevel von Kapitel zu Kapitel steigert spürt man geradezu, dass man an Verständnis zunimmt.

Am Anfang erläutert Poythress ein Modell, welches helfen soll, biblische Texte besser zu verstehen: Er nennt diese drei Schritte: Beobachten, Interpretieren, Anwenden. Dafür empfiehlt er auf ein Blatt mit einer Vierspaltigen Tabelle vorzugehen:

Bibeltext Beobachten Interpretieren Anwenden

Da jeder, eher einen persönlichen Schwerpunkt hat, und neigt etwas zu betonen (z.B. das Beobachten) und anderes Auszulassen (z.B. Anwenden) schützt eine systematische Vorgehensweise vor leichtfertiger Bibelauslegung. Im Verlauf des Buches greift Poythress immer wieder auf einen dieser drei Grundblöcke zurück um diesen mit weiteren Hinweisen zu füllen.  An dieser Stelle untersucht er auch ausführlich den zu besprechenden Bibeltext aus 1. Sam. 22. Diese Methode eignet sich auch gut für Bibelbetrachtungen in Jugendkreisen und Kleinen Gruppen

Heilsgeschichtlicher Ansatz

Klar Reformatorisch zeigt sich das Werk mit seinem Ansatz einen roten Faden der Heilsgeschichte in der Bibel zu entdecken, und den besprochenen Text damit zu verknüpfen. Was sagt mir dieser Text über das Heil in Christus? Poythress geht von einer sehr christozentrischen Auslegung aus, und kommt entsprechend viel auf das Thema Analogien, Symbole und Typologien zu sprechen. Er deckt auf, dass oftmals viel zu einfach mit Typologien umgegangen wird. Ein typischer roter Faden ist dabei natürlich der Bundesgedanke der Schrift.

Clowneys Dreieck der Typologie

Sehr interessant war die Idee, die heilsgeschichtliche Entwicklung mit der Typologie zu verbinden. So muss das Bild bereits im AT den Lesern die selbe Botschaft darstellen, wie die Offenbarung im NT. Ein Beispiel im Bereich der Opfer habe ich hier eingefügt:Ein Typos hat neben einer symbolischen Referenz auch eine typoligische Referenz, die in der Offenbarungsgeschichte entwickelt wird. Ich denke, dass dieser Ansatz vor abenteuerlicher Typologie schützen kann (Poythress bespricht an ausführlichen Beispielen mögliche Fehlinterpretationen)

Bewertung

Das Bewertungskapitel ist ebenfalls ein interessanter Teil des Buches. In diesem vergleicht er seinen Vorschlag mit unterschiedlichen weiteren Ansätzen zur  Hermeneutik.

Beispiele

Interessant ist auch, dass er für drei weitere Bibelstellen (Sprüche 10,1; Psalmen 4,8;  Amos 1,3) die vorher besprochenen Ideen noch einmal illustriert. Dadurch kann man wirklich im Bereich des Bibelverständnisses reifen. Anhangskapitel bieten zudem weiteren Ausblick und Diskussionsgrundlagen.

Das Buch kann man kostenfrei downloaden, oder bei Amazon erwerben. Ich verweise an dieser Stelle zudem darauf, dass der Hermeneutik Kurs am WTS frei zugänglich ist.

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