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Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein, als ein langlebiger verschlafener Planet

Ausflüge in Jack Londons Dichtung

Bleibt unnachahmlich: Jack London in seinem Haus in Glen Ellen, Kalifornien.

„Ich will lie­ber Asche sein, als Staub!
Ich will lieber,
dass mein Lebens­fun­ke sich aus­brennt in einer hel­len Flamme,
als dass er in Fäul­nis erstickt.
Ich will lie­ber ein präch­ti­ger Mete­or sein
der in all sei­nen Ato­men zugleich verglüht,
als ein lang­le­bi­ger ver­schla­fe­ner Planet.
Der Mensch ist gemacht, damit er lebt; nicht damit er existiert.
Ich wer­de mei­ne Tage nicht damit ver­geu­den, dass ich sie zu ver­län­gern suche.
Ich wer­de mei­ne Zeit gebrauchen.“

In den nächs­ten Arti­keln möch­te ich ver­mehrt Klas­si­ker der Lite­ra­tur vor­stel­len und mir scheint Jack Lon­don ein guter Anfang zu sein. Ich lie­be das oben genann­te Zitat (hier ori­gi­nal). Aber ich glau­be, dass wir Lon­don unrecht tun, wenn wir in ihm einen Autor von Jugend­li­te­ra­tur sehen. Das hat meist die nega­ti­ve Fol­ge, dass man die Erzäh­lun­gen und Roma­ne Lon­dons nur in stark bear­bei­te­ten „jugend­li­chen“ Vari­an­ten kennt. Dabei ist natür­lich z.b. Alas­ka Kid ein gutes teen­ager­ge­rech­tes Ein­stiegs­werk. Bei Ruf der Wild­nis und Wolf­l­blut mag dies durch das sehr stark posi­ti­ve „para­die­si­sche“ Ende eben­falls zutref­fen. Es wird aber schon deut­lich düs­te­rer, wenn man „den See­wolf“ liest. Wei­ter­le­sen

Die verändernde Macht der Rechtfertigung aus Gnaden

Ein Beitrag von Miroslav Volf

„Vor kur­zem ging ich durch die Stra­ßen von Sand­town. Es fühl­te sich für mich wie das vom Krieg zer­stör­te Vuko­var an, nur dass die­se Zer­stö­rung nicht durch Krieg, son­dern durch ras­si­sche Span­nun­gen, Ver­bre­chen und wirt­schaft­li­chen Nie­der­gang ver­ur­sacht wur­den. Es gab aber auch einen wei­te­ren wich­ti­gen Unter­schied. Zwölf Blö­cke der Stadt wur­den durch die New Song Com­mu­ni­ty zu einem Bereich der Lie­be Got­tes her­aus­ge­schnitzt. Tote Stra­ßen aufs neue mit Leben erfüllt.

Mark Gor­nik, Pas­tor der Gemein­de mach­te die Bemer­kung bei­na­he bei­läu­fig. Als er die Ver­nich­tung der Wohn­ge­bie­te erklär­te, mein­te er, dass die Leh­re von der Recht­fer­ti­gung aus Gna­den die not­wen­di­gen Res­sour­cen für Hei­lung ent­hält. Er muss es wohl wis­sen, dach­te ich, schließ­lich lebt und arbei­tet er hier in Sand­town schon seit mehr als zehn Jahren (…).

Doch für die meis­ten Theo­lo­gen ist die Recht­fer­ti­gung aus Gna­den eine lee­re Dok­trin. Man­che haben sie ver­las­sen und las­sen sie auf dem theo­lo­gi­schen Mist­hau­fen dahin­ros­ten; sie hal­ten sie im All­ge­mei­nen für nutz­los, ja selbst für deut­lich gerin­ge­re sozia­le Patho­lo­gien als wenig hilf­reich, geschwei­ge denn in Fra­gen von Armut, Gewalt und Hoff­nungs­lo­sig­keit. Ande­re ver­fol­gen eine Art anti­qua­ri­sches Inter­es­se an die­ser Leh­re. Sie unter­su­chen und polie­ren ein Arti­fakt des sech­zehn­ten Jahr­hun­derts und zei­gen ihre Samm­lung stolz den sel­te­nen Besu­chern ihrer klei­nen Muse­en. Ob nun ros­tig oder poliert, die Leh­re von der Recht­fer­ti­gung aus Gna­den gam­melt dahin, leer und leb­los. Eine tote Lehre.

Könn­te die Hoff­nung für Innen­städ­te auch in der Wie­der­ent­de­ckung der Leh­re von der Recht­fer­ti­gung aus Gna­de lie­gen? Wie kön­nen tote Stra­ßen von einer toten Leh­re belebt werden?

Stell dir ein­mal vor, du hast kei­ne Arbeit, kein Geld und bist von der rest­li­chen Gesell­schaft abge­schnit­ten in einer Welt, die von Armut, Gewalt beherrsch ist (…) Dich umgibt dabei eine Gesell­schaft, die vom eiser­nen Gesetz des Erfolgs regiert wird. Sei­ne glit­zern­den Güter jagen an dei­nen Augen vor­bei, wenn du fern­siehst und auf tau­send­fa­che Wei­se sagt die Gesell­schaft dir tag­aus und tag­ein, dass du wert­los bist, weil du nichts erreicht hast. Du bist ein Ver­sa­ger und du weißt ganz genau, dass du auch wei­ter­hin ein Ver­sa­ger blei­ben wirst, weil es kei­ne Mög­lich­kei­ten gibt, mor­gen das zu errei­chen, was du heu­te nicht erreicht hast. Dei­ne Wür­de ist zer­stört und dei­ne See­le ist gefan­gen in der Fins­ter­nis der Verzweiflung.

Doch das Evan­ge­li­um sagt dir, dass du nicht durch außen­ste­hen­de Kräf­te defi­niert wirst. Es sagt dir, dass du bedin­gungs­los ange­nom­men, ja viel mehr, bedin­gungs­los und unend­lich geliebt wirst, völ­lig unab­hän­gig von dem, was du erreicht hast oder nicht errei­chen konntest. (…)

Stell dir nun vor, dass die­ses Evan­ge­li­um von einer Gemein­schaft nicht bloß ver­kün­digt, son­dern ver­kör­pert wird, die nicht das „Ergeb­nis von Wer­ken“ ist, son­dern eine Gemein­schaft ist, die „in Chris­tus zu guten Wer­ken geschaf­fen wur­de“ (Eph. 2,10). Durch gren­zen­lo­se Gna­de gerecht­fer­tigt, sucht sie die „Recht­fer­ti­gung“ durch Gna­de derer, die durch das unan­ge­brach­te Leis­tungs­ge­setz der Gesell­schaft „unge­recht gemacht wur­den“. (…) Das ist Recht­fer­ti­gung aus Gna­den, ver­kün­digt und gelebt. Eine tote Leh­re? Wohl kaum!“ (…)

Got­tes Lie­be ist die­se unent­behr­li­che Für­sor­ge für die mensch­li­che See­le, von der der Pro­phet spricht, wenn er aus­ruft: „Wohl­an, alle, die ihr durs­tig seid, kommt her zum Was­ser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! (Jes 55,1)“


Aus „Against the Tide“ — Love in a Time of Pet­ty Dreams and Per­sis­ting Enmi­ties von Mir­so­lav Volf (Kind­le Posi­tio­nen 1406 — 1431) — eige­ne Übersetzung

Von der ewigen Vorherbestimmung Gottes

Ein Buch von Johannes Calvin

Cal­vin wid­me­te die­se Schrif­te, deren Tei­le spä­ter auch in die 1559- Auf­la­ge der Insti­tu­tio bil­de­ten, der Stadt Genf. Die Schrift wur­de Anfang 1552 als gemein­sa­me Erklä­rung der Gen­fer Pas­to­ren. Cal­vin setzt sich mit die­ser Schrift mit zwei katho­li­schen Wider­sa­chern, Pig­hi­us und Sicu­lus aus­ein­an­der, aber er stellt sich auch der Ableh­nung der dop­pel­ten Prä­de­sti­na­ti­on im pro­tes­tan­ti­schen Lager. Die Schrift, ist in 47 klei­ne­re Abschnit­te ein­ge­teilt, die immer wie­der für ein „Deja-Vu“ gesorgt haben. Immer wie­der ernüch­ternd fest­zu­stel­len, wie uralt „moder­ne“ Ein­wän­de gegen die Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re sind.

Das Buch ist sicher­lich eines der anspruchs­volls­ten Bücher, die ich in letz­ter Zeit gele­sen habe, das aber weni­ger durch das gewähl­te The­ma zurück­zu­füh­ren ist, als dar­auf, dass Cal­vin stän­dig Bezug auf die The­sen sei­ner Kri­ti­ker Pig­hi­us und Sicu­lus nimmt. Man müss­te eigent­lich ihre Wer­ke eben­falls zur Hand haben. Aus die­sem Grun­de muss­te ich regel­mä­ßig Abschnit­te wie­der­holt durch­le­sen und kam rela­tiv lang­sam durch das Werk voran.

Den­noch emp­fin­de ich das Buch in mehr­fa­cher Hin­sicht als Bereicherung:

1.Wenn Cal­vin davon spricht, dass „Augus­ti­nus totus nos­ter“ (Augus­ti­nus völ­lig unser) sei, dann ist das weni­ger ein Schmü­cken mit Federn der Kichen­vä­tern son­dern tat­säch­lich sat­tel­fes­te Kennt­nis der unter­schied­lichs­ten Wer­ke von Augus­ti­nus. Bestimmt nimmt er etwa hun­dert Mal Bezug zu den Wer­ken Augus­tins. Das spie­gelt auch Cal­vins Absicht wie­der, kei­ne ori­gi­nel­len theo­lo­gi­schen Kon­zep­te ent­wi­ckeln zu wol­len, son­dern „klas­si­sches Chris­ten­tum“ zu ver­mit­teln. Eine Köst­lich­keit aus Augustinus´Enchiridion, dass ich durch Cal­vins Werk ent­deckt habe:

„Es geschieht also nichts, wenn nicht der All­mäch­ti­ge will, dass es geschieht, sei es, indem er zulässt, dass es geschieht, oder indem er es selbst tut (…) Und man darf nicht zwei­feln, dass Gott gut tut, indem er gesche­hen lässt, was Böses geschieht. Denn er lässt es nur nach gerech­tem Gerich­te zu… Obgleich also nun das Böse, inso­fern es böse ist, nicht gut ist, so ist es den­noch gut, dass es nicht nur Gutes, son­dern auch Böses gibt. Denn wenn es nicht gut wäre, dass auch Böses ist, so wür­de auf kei­ne Wei­se von dem guten All­mäch­ti­gen zuge­las­sen wer­den, dass Böses wäre. Ihm ist es ohne Zwei­fel eben­so leicht, zu tun, was er will, wie nicht zuzu­las­sen, was er nicht will. wenn wir dies nicht glau­ben, so ist der Anfang unse­res Glau­bens selbst in Gefahr, mit dem wir an den all­mäch­ti­gen Gott zu glau­ben bekennen.“

Nach der Lek­tü­re habe ich unter­schied­li­che Wer­ke von Augus­ti­nus auf mei­ne Lese­lis­te genom­men. Wei­ter­le­sen

Stories with Intent

Ein Handbuch der Gleichnisse Christi von Klyne Snodgrass

Gegrif­fen habe ich zu die­sem Buch, weil mir auf­fiel, wie häu­fig Jona­than Edwards über Gleich­nis­se pre­dig­te und ich mich hier zunächst sel­ber damit aus­ein­an­der­set­zen woll­te. Das Buch ist Teil mei­ner Logos Biblio­thek und so ist mir womög­lich nicht gleich auf­ge­fal­len, was für ein dicker Wäl­zer das ist. Das ist aber bereits mein ers­tes Lob für die­ses Werk: Es ist wirk­lich com­pre­hen­si­ve, also ver­ständ­lich und leicht zu lesen. Bereits nach weni­gen Tagen habe ich einen Groß­teil des Ein­lei­tungs­ka­pi­tels durch­ge­le­sen sowie die Bespre­chung meh­re­rer Gleichnisse.

Das Buch besteht aus vier Tei­len: In der Ein­füh­rung bespricht der Autor die Aus­le­gungs­ge­schich­te der Gleich­nis­se, die von zwei Extre­men geprägt ist Einer­seits ein rigo­ro­ses Alle­go­ri­sie­ren aller ein­zel­nen Ele­men­te in einem Gleich­nis. Berühmt dürf­te hier Augus­ti­nus Aus­le­gung des Gleich­nis­ses vom Barm­her­zi­gen Sama­ri­ter sein: Jeri­cho (= Mond) steht für unse­re Sterb­lich­keit und Jeru­sa­lem ist die himm­li­sche Stadt. Der Über­fal­le­ne ist Adam und die Räu­ber sind der Satan und sei­ne Dämo­nen. Der gute Sama­ri­ter ist Chris­tus und der Wirt Apos­tel Pau­lus. (Übri­gens: Snod­grass weist dar­auf hin, dass das Alle­go­ri­sie­ren der Kir­chen­vä­ter im Rah­men der damals übli­chen vier­fa­chen Aus­le­gung statt­fand und nicht als Grund­la­ge für dog­ma­ti­sche Posi­tio­nen). Auf der ande­ren Sei­te steht der Ratio­na­lis­mus, der sich wei­ger­te, Alle­go­rie in der Bibel per se anzu­er­ken­nen. Ein Über­rest die­ser Posi­ti­on ist noch in der Mei­nung zu fin­den, in jedem Gleich­nis gibt es nur einen Haupt­ge­dan­ken! Das führt oft dazu, dass man ein kom­ple­xe­res Fazit über­sieht. In die­sem Kapi­tel geht der Autor der Fra­ge nach was eine Alle­go­rie ist, bespricht Her­an­ge­hens­wei­sen an Alle­go­rien, aber auch die Rezep­ti­on der Gleich­nis­se in der his­to­risch-kri­ti­schen Metho­de. Wei­ter­le­sen

„Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.“

Unerwartete Einblicke aus §218 und §219 Strafgesetzbuch

Blog­ger Vik­tor (ich emp­feh­le sei­nen exzel­len­ten Arti­kel über die Petrus­schlüs­sel) hat mich auf den exak­ten Wort­laut der zwei Para­gra­phen zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen gemacht. Ich stau­ne über den uner­war­te­ten Pro-Life Wort­laut. So heißt es in §219, Absatz 1:

“ Die Bera­tung dient dem Schutz des unge­bo­re­nen Lebens. Sie hat sich von dem Bemü­hen lei­ten zu las­sen, die Frau zur Fort­set­zung der Schwan­ger­schaft zu ermu­ti­gen und ihr Per­spek­ti­ven für ein Leben mit dem Kind zu eröff­nen; sie soll ihr hel­fen, eine ver­ant­wort­li­che und gewis­sen­haf­te Ent­schei­dung zu tref­fen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Unge­bo­re­ne in jedem Sta­di­um der Schwan­ger­schaft auch ihr gegen­über ein eige­nes Recht auf Leben hat und daß des­halb nach der Rechts­ord­nung ein Schwan­ger­schafts­ab­bruch nur in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen in Betracht kom­men kann, wenn der Frau durch das Aus­tra­gen des Kin­des eine Belas­tung erwächst, die so schwer und außer­ge­wöhn­lich ist, daß sie die zumut­ba­re Opfer­gren­ze über­steigt. Die Bera­tung soll durch Rat und Hil­fe dazu bei­tra­gen, die in Zusam­men­hang mit der Schwan­ger­schaft bestehen­de Kon­flikt­la­ge zu bewäl­ti­gen und einer Not­la­ge abzu­hel­fen. Das Nähe­re regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.“

Zur Gegen­über­stel­lung: nur 3 % der mehr als 100.000 (in Wor­ten: Ein hun­dert Tau­send Schwan­ge­schafts­ab­brü­che 2019 wur­de von Min­der­jäh­ri­gen vor­ge­nom­men. Das ist kei­ne Pro-Life Pro­pa­gan­da, son­dern offi­zi­el­le Daten des sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes. Ich habe bei die­sen hohen Zah­len Mühe zu glau­ben, dass die Bera­tung der Frau­en wirk­lich im Kon­text von §219 statt­fand. Wei­ter­le­sen

„Groß sind die Werke des Herrn“

Spurensuche vom Kinderlesebund

Bildergebnis für bioteenyWir wur­den mehr­fach gebe­ten, die Spu­ren­su­che, das Video­pro­gramm des Kin­der­le­se­bunds zu bespre­chen. Die­sem möch­te ich hier­mit nach­kom­men. Zunächst die Punk­te, die unbe­dingt posi­tiv her­vor­ge­ho­ben wer­den müssen:

Nach einer kos­ten­lo­sen Regis­trie­rung bekommt man Zugang zu mitt­ler­wei­le weit mehr als 30 abend­fül­len­den Filmen.Diese bestechen durch her­vor­ra­gen­de Qua­li­tät, aber auch durch die durch­gän­gig hoch­wer­ti­ge Mode­ra­ti­on. Vor allem ist es eine Wohl­tat für die Ohren, einen Tier­film anzu­schau­en, in dem nicht jeder zwei­te Satz mit „Die Evo­lu­ti­on hat XX in XX Mil­lio­nen Jah­ren ent­wi­ckelt.“ „Die Natur hat sich dabei etwas gedacht…“ Wie macht doch die­ser grau­sig unauf­rich­ti­ge Natu­ra­lis­mus die ansons­ten hohe Qua­li­tät von z.b. den Doku­men­ta­tio­nen der BBC zunich­te. Wirk­lich, wenn ich von Wohl­tat spre­che, dann mei­ne ich es so: Ich lie­be es, die Wun­der in der Natur und Schöp­fung Got­tes zu betrach­ten. Eine Doku, die mit „Am Anfang war das Wort“ anfängt, hat sich ein­fach schon einen Plus­punkt extra verdient.

Man muss dabei im Blick haben, dass die Leu­te das alles ehren­amt­lich machen und unglaub­lich viel Zeit, Mühe, Geduld und Arbeit rein­ste­cken. Was dann ensteht, ist ein 50-minu­ti­ges Video, im Sti­le einer Kin­der­stun­de , in dem etwa die Hälf­te einer Bibel­ar­beit und die ande­re Hälf­te der Tier­do­ku­men­ta­ti­on gewid­met ist. Eini­ge der Dokus (z.B. die über die Buckel­wa­le und über die Sand­ku­gel­kreb­se) wur­den gar voll­stän­dig in Eigen­re­gie erstellt. Ich kann nur spe­ku­lie­ren, wie viel Zeit so etwas erfor­dert und kann die­sen Ein­satz nicht genug wür­di­gen, der ja gera­de in der Coro­na-Zeit äußerst gele­gen kommt. Wei­ter­le­sen

Not a Fan!

Wider den Personenkult

Ich habe mir schon län­ger über­legt über die­ses The­ma einen Arti­kel zu schrei­ben. Der Skan­dal um Ravi Zacha­ri­as macht mir deut­lich, dass ich eher unnö­tig lang gezö­gert habe:

Und sollt nie­mand Vater hei­ßen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Him­mel ist. (Mt. 23,9)

Was kann aus Naza­reth schon Gutes kom­men? (Joh. 1,46)

Manch­mal fra­ge ich mich, ob gera­de die Abwe­sen­heit eines for­mel­len Papst­tums uns Evan­ge­li­ka­le der­art anfäl­lig für den Per­so­nen­kult macht? Bevor ich hier über­haupt wage, auf jemand ande­ren mit dem Fin­ger zu zei­gen, wird mir mein göt­zen­die­ne­ri­sches Herz auf beschä­men­de Wei­se bewusst.

Mir ist es neu­lich beim Lesen von„Schmeckt und Seht“ auf­ge­fal­len, dass John Piper völ­lig über­flüs­si­ge und unnö­ti­ge Hin­wei­se auf C.S. Lewis gibt. Auf S. 76 und 78 z.B. fin­det sich zuerst ein Ver­weis dar­über, wie wich­tig es ist über die „gewöhn­li­che all­täg­li­che Schöp­fung“, wie Bäu­me zu stau­nen, und im zwei­ten Fall, wie wich­tig es ist, gute Bücher zu lesen. In bei­den Fäl­len hielt Piper einen Ver­weis auf Lewis für not­wen­dig, obwohl der Arti­kel expli­zit über das Leben eines völ­lig ande­ren Theo­lo­gen han­del­te (Cly­de Kil­by). Ist das Stau­nen über Bäu­me des­we­gen so wich­tig, weil Lewis es tat? Ist das Lesen alter Bücher vor allem des­we­gen so nütz­lich, weil Lewis das nahe­legt? Mir ist beim Lesen auf­ge­fal­len, dass die bes­se­ren Argu­men­te dafür, war­um man bei­des (also Bäu­me bestau­nen und alte Bücher lesen) tun soll­te, dadurch nicht erwähnt wur­den, weil man sich auf einen Ver­weis auf eine Auto­ri­tät beschränk­te. Beim Lesen auf­ge­fal­len?! Eigent­lich ist mir das nur bewusst gewor­den, weil ich an dem Abend zu vie­le Nüs­se geges­sen habe, schlecht schla­fen konn­te und mir nachts der gele­se­ne Arti­kel immer wie­der vor Augen kam. Beim Lesen selbst war mein domi­nie­ren­der Gedan­ke: Ich muss unbe­dingt mehr von Lewis lesen, immer­hin schwärmt ja Piper von die­sem Autor! Wei­ter­le­sen

Know the Heretics

Ein Buch von Justin S. Holcomb

Wer hat nicht schon mal die­ses Bild gehört, wenn man von der Drei­ei­nig­keit spricht: Die­se kön­ne man mit Was­ser ver­glei­chen, da die­ses eben­falls drei For­men (fest, flüs­sig, gas­för­mig) annimmt. Obwohl ich lie­ber eine schlech­te Ana­lo­gie für die Drei­ei­nig­keit begrüs­sen wür­de, als voll­stän­di­ges Schwei­gen dar­über, fal­len die Schwä­chen die­ses Models schnell ins Auge: In der Drei­ei­nig­keit sind Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist immer gleich­zei­tig gegen­wär­tig und erfreu­en sich an der Gegen­sei­ti­gen Gemein­schaft. Alle sind zudem glei­cher­wei­se Gott, ohne Abstri­che an der „Gött­lich­keit“. Dabei ist das Was­ser-Model eines, dass in der Kir­chen­ge­schich­te schon ein­mal dis­ku­tiert und von der Kir­che ver­dammt wur­de, näm­lich dass des Moda­lis­mus: Gott ist immer einer, der unter­schied­li­che For­men annimmt: Im AT wäre es der Vater in den Evan­ge­li­um Jesus der Sohn und nun im Leben der Gläu­bi­gen der Hei­li­ge Geist. Moda­lis­mus , aber auch der Doke­tis­mus (der lehrt, dass Jesu Mensch­lich­keit nur eine Schein­ba­re sei) sind Bei­spie­le für irri­ge Lehr­mei­nun­gen, die auch bis heu­te all­zu schnell in unser Den­ken und Spre­chen über die bibli­schen Wahr­hei­ten hineinschleichen.

Dabei — so die The­se des Autors — dürf­te gera­de eine kla­re Posi­tio­nie­rung dar­über, was wirk­lich Häre­sie ist, auch hel­fen, den Vor­wurf der Ket­ze­rei nicht so schnell zu zie­hen und ein Wach­sen im Glau­ben und in der Erkennt­nis zu ermög­li­chen. Natür­lich ver­kün­digt die Bibel eine abso­lut rich­ti­ge und zuver­läs­si­ge Leh­re, aber das Rin­gen in der Kir­chen­ge­schich­te zeigt auch, dass es oft­mals leich­ter war, fal­sche Posi­tio­nen zu wider­le­gen als rich­ti­ge zu defi­nie­ren.  Da der Autor strikt chro­no­lo­gisch vor­geht gelingt es ihm auch, dar­zu­stel­len wie die Kir­che gera­de durch den Ein­fluss der Irr­leh­rer dazu gebracht wur­de, genau­er in die Bibel zu bli­cken und ihre Posi­tio­nen zu unter­mau­ern: So z.B. bei der Fra­ge des Kanons. Die­sen über­haupt irgend­wie fest­zu­le­gen, war nicht son­der­lich nötig, so lan­ge alle das glei­che lasen. Als aber im 2 Jhdt. Mar­ci­on auf­trat, des­sen Kanon 10 Brie­fe des Pau­lus und Tei­le des Lukas-Evan­ge­li­ums ent­hielt, wur­de eine Posi­tio­nie­rung nötig. Ähn­lich kämpf­te man um eine prä­zi­se­re For­mu­lie­rung der Tri­ni­tät und der inner tri­ni­ta­ri­schen Bezie­hun­gen in Gott, als die Aria­ner auf­tra­ten (Durch Bekennt­nis­schrif­ten in den Kon­zi­len von Nizäa und Kon­stan­ti­no­pel). Wei­ter­le­sen

Meine Real Life Story (und die Sache mit Gott) 

Eine Rezension von Alex Schild

Phil­ipp Micken­be­cker ist 23 Jah­re alt; mit sei­nem Bru­der Johan­nes und Freun­den betreibt er einen You­Tube Kanal mit Mil­lio­nen­reich­wei­te (The Real Life Guys). Auf ihrem Kanal bau­en sie ein U‑Boot, brin­gen eine Bade­wan­ne zum Flie­gen, oder kon­stru­ie­ren eine Ach­ter­bahn in einem Bau­markt. Dabei wol­len sie Jugend­li­che dazu moti­vie­ren, statt ihre Zeit vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, sich zurück ins rea­le Leben zu bege­ben, und sel­ber Din­ge zu unter­neh­men. Ihr Mot­to: «Do Some­thing». Phil­ipp bekam Mit­te 2020 sei­ne drit­te Krebs­dia­gno­se. Kurz davor ver­öf­fent­lich­te er sei­ne per­sön­li­che Real Life Sto­ry. Ich habe das Hör­buch dazu auf Spoti­fy ange­hört, dass der Autor sel­ber vor­liest.  

Phil­ipp wuchs in einem christ­li­chen Eltern­haus auf und wur­de anfangs zu Hau­se unter­rich­tet. Doch ab der vier­ten Klas­se muss­ten er und sei­ne Geschwis­ter (neben sei­nem Zwil­lings­bru­der Johan­nes hat­te er noch eine Schwes­ter) an eine offi­zi­el­le Schu­le wech­seln, weil Home­schoo­ling in Deutsch­land nicht erlaubt ist. Zuhau­se lern­ten sie aus Inter­es­se. An der neu­en Schu­le wur­de die­ses Prin­zip umge­kehrt: die Leh­rer ver­ord­ne­ten den Lern­stoff. Die Schu­le wur­de, wie er schreibt, für sie zum Gefäng­nis. Aus Lan­ge­wei­le gestal­te­ten sie sich den Schul­all­tag selbst span­nen­der, und began­nen mit Expri­men­ten und Strei­chen. So hack­ten sie sich bei­spiels­wei­se in das gesam­te IT-Netz der Schu­le. In die­ser Zeit bekam Phil­ipp die ers­te Krebs­dia­gno­se. Als er wäh­rend der Che­mo die Bibel zu lesen begann, mach­te er ers­te Erfah­run­gen mit Gott. Meh­re­re Ver­se spra­chen ihn an, und er fand Par­al­le­len zwi­schen Lei­der­fah­run­gen der bibli­schen Per­so­nen und ihm. Doch als es ihm lang­sam wie­der bes­ser ging, ver­gass er die­se Erfah­run­gen, und stürz­te sich in neue Pro­jek­te. Nach gut vier Jah­ren kam der Krebs wie­der. Die­ses Mal hat­te er kei­ne Kraft mehr für eine wei­te­re Che­mo. So pro­bier­te er vie­le alter­na­ti­ve Behand­lungs­me­tho­den aus. Auch begann er wie­der, die Bibel zu lesen, und for­der­te von Gott ein Zei­chen als Beweis für des­sen Exis­tenz. Immer wie­der sprach Gott durch Ver­se in der Bibel zu ihm. Durch ein sol­ches Erleb­nis kam er zum Glau­ben. Vor­her hat­te er den Sinn des Lebens in den ver­rück­ten Aben­teu­ern gesucht, doch fand er ihn erst in Chris­tus. Er beschreibt sich als einen ratio­nal den­ken­den Men­schen. Damit meint er, dass sein Ver­stand in den Glau­ben ein­ge­schlos­sen sein muss. In den fol­gen­den Zei­len beschreibt er tref­fend, was ihn vom Chris­ten­tum fern­hielt: 

«Am meis­ten gestört habe ich mich an den Chris­ten, die mich mit ihrem Leben ein­fach nicht über­zeu­gen konn­ten. Ich kann­te ja die­se gan­zen Ver­spre­chen aus der Bibel, und habe über­all nach erfüll­ten, glück­li­chen Men­schen gesucht, die ein­an­der lie­ben und ein Licht in der Welt sind. Statt­des­sen begeg­ne­ten mir Bes­ser­wis­ser und Spass­brem­sen, Ver­klemm­te und Vor­schrifts­po­li­zis­ten, die sich selbst und ande­ren das Leben schwer mach­ten.»   Wei­ter­le­sen

Ist der Glaube ein Geschenk von Gott?

eine unerwartete Entdeckung in den Artikeln der arminianischen Remonstranten

Es ist immer wie­der berei­chernd, manch­mal aber auch ernüch­ternd kon­fes­sio­nel­le Schrif­ten zu stu­die­ren. So bin ich erst jetzt dazu gekom­men, die fünf Punk­te der Remons­tran­ten von 1610 zu lesen und habe doch etwas uner­war­tet Über­ra­schen­des ent­deckt. Ich über­setz­te aus der latei­ni­schen und hol­län­di­schen Ver­si­on, die ich von P. Schaff besitze:

Dass der Men­sche den selig machen­den Glau­ben nicht aus sich sel­ber besitzt, noch aus Kraft sei­nes frei­en Wil­lens, da er im Zustand der Auf­leh­nung und der Sün­de nichts Gutes (was ja ins­be­son­de­re der selig­ma­chen­de Glau­be ist) aus sich her­aus den­ken, wol­len oder tun kann. Es ist aber not­wen­dig, dass er von Gott, in Chris­tus durch sei­nen Hei­li­gen Geist wie­der­ge­bo­ren und in der Wie­der­ge­burt, in Ver­nunft, den Affek­ten, des Wil­len und allen Kräf­ten neu belebt wird, damit er nach dem Wort Chris­ti rich­tig ver­ste­hen, den­ken, wol­len und das wah­re Gute voll­brin­gen kann. Wie auch Joh. 13,5 sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“

Bei der Recher­che ist mir auf­ge­fal­len, dass die eng­li­sche Über­set­zung von Schaff, die auch im Weg Grund­la­ge für zahl­rei­che ver­öf­fent­lich­te Ver­sio­nen ist, das hol­län­di­sche „´t salich­maecken­de Ghe­loo­ve“ (bzw. in der latei­ni­schen Fas­sung die­ser fünf Punk­te mit „sal­vi­fi­cam fidem“) inter­es­san­ter­wei­se mit „saving grace“ wie­der­gibt. Dadurch geht m.E. der doch wich­ti­ge Punkt ver­lo­ren, dass die Remons­tran­ten an die­ser Stel­le wirk­lich vom Glau­ben als Geschenk spra­chen. Latei­nisch, was auch so weit ich das ver­ste­he die Ver­öf­fent­li­chungs­spra­che war, ist die Sache ein­deu­tig aus­ge­drückt: „Homo sal­vi­fi­cam fidem non habet a se“ — Der Mensch hat den ret­ten­den Glau­ben nicht aus sich selbst.

Noch span­nen­der aber: Sie spre­chen davon, dass der Glau­be auf die Wie­der­ge­burt folgt.

Das bringt mich zu die­ser Über­le­gung: Was meint man eigent­lich damit, wenn man meint, dass man „sich nicht fest­le­gen möch­te“ und weder „Cal­vi­nist noch Armi­nia­ner“ sei, son­dern irgend­wo in der Mit­te ste­he, da man „bei­den Sei­ten der Medail­le“ recht geben möch­te. Die­se möch­te ich dann bit­ten mir zu sagen, war­um selbst die „armi­nia­ni­sche“ Posi­ti­on für sie zu deter­mi­nis­tisch ist?  (z.B. hier auf apologia.net). Natür­lich ist obi­ger Punkt auch im geschicht­li­chen Kon­text zu sehen, z.B. dar­in, dass die gan­ze Debat­te um die „Fünf Punk­te“ eigent­lich nur in einem refor­mier­ten Kon­text statt­fin­den kann, und der Armi­nia­nis­mus nur in einem sol­chen Kon­text ent­steht. Oder auch dar­in, dass die luthe­ri­sche Beto­nung der Gna­den­leh­re auf­grund der völ­li­gen Ver­derbt­heit hier ent­spre­chend eine Anschluß­punkt sah.

Was mir aber aufs neue auf­ging, wie furcht­bar ratio­nal wir von der frei­en Selbst­be­stim­mung des Men­schen aus­ge­hen. Der Mensch ist Herr über sein Schick­sal und selbst die Him­mel sol­len sich ihm fügen. Glau­be ein Geschenk? Wie­der­ge­burt als Grund­la­ge für irgend etwas Gutes? Im Bekennt­nis mei­ner Gemein­de klingt es anders. Hier ist die Rede davon, dass Gott uns die Wie­der­ge­burt schenkt, wenn wir uns zu ihm bekeh­ren. Ein Den­ken, dass im Evan­ge­li­ka­lis­mus weit ver­brei­tet sein dürf­te.  Ob wir dann noch Armi­nia­ner und nicht viel­mehr längst Pela­gia­ner ist dann  ja die eigent­li­che Frage.

„Homo sal­vi­fi­cam fidem non habet a se“