Literatur, Zeitgeschehen
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Nachruf für Helmuth Egelkraut

Prof. Dr. Helmuth Egelkraut verstorben

Quelle: http://www.liebenzell.org

Am 2. November 2018 ist Prof. Dr. Helmuth Egelkraut (02.05.1938 – 02.11.2018) plötzlich verstorben. Die Nachricht ereilte mich unerwartet. Denn er war noch wenige Tage und Wochen vorher aktiv und unterwegs, um in Seminaren und Gemeinden Vorträge zu halten. Ich bin Gott sehr dankbar, ihn in drei Seminaren als Lehrer gehabt zu haben. Es waren intensive Zeiten und sehr lehrreiche Stunden gewesen. Immer wieder betonte er sein Diktum:

Kein Bibelverständnis ohne Bibelkenntnis!

So bestand ein großer Teil der Hausaufgaben aus Bibellektüre. Und wenn er am Pult stand, dann war seine kleine zerlesene und stark markierte Lutherbibel im Zentrum. Bei ihm kamen Bibelkenntnis und Bibelverständnis zusammen. Bei jeder Frage, die ihm gestellt wurde, stand die Antwort ganz im Zeichen der Schrift, auch wenn er immer wieder zusätzlich auf seinen reichen Erfahrungsfundes zurückgreifen konnte. Wenn er von seiner Bekehrung erzählte und der ersten Zeit im Bibelkreis, dann strahlten seine Augen.

Wenn er dann aus seinem nächsten Lebensabschnitt als Missionar in Papua-Neuguinea berichtete, dann sah er diese Zeit im Nachhinein als Vorbereitung auf die spätere Ausbildung von Missionaren. Und ich fragte mich oft, wie viele Missionare waren und sind immer noch weltweit unterwegs, die diese Prägung von Helmuth Egelkraut mitbekommen haben: Kein Bibelverständnis ohne Bibelkenntnis.

Während seiner Promotion in Princeton USA war er auch gleichzeitig als Lehrer für Deutsch tätig. Und dann ab 1973 bis zu seinem Tod war er vor allem Bibellehrer an verschiedenen Seminaren und Schulen. Und in den vielen Jahren studierte er die Bibel, forschte, schrieb Bücher, lehrte – und war zusätzlich aktiv in vielen Bereichen der evangelischen Landeskirche, in den Gemeinschaften und weit darüber hinaus.

Ich habe ihn als bibeltreuen Lehrer kennengelernt. Mein erster Kurs mit ihm hieß: „Könige und Propheten: Einführung in Geschichte und Theologie Israels“. Helmuth Egelkraut verstand es ausgezeichnet, rote Linien quer durch die biblischen Bücher aufzuzeigen. Er betrieb ausgezeichnete Biblische Theologie.

Im zweiten Kurs führte er ins sein Lieblingsbuch Jeremia ein: „Jeremia: Der Prophet und sein Buch – Prophetie zwischen göttlichem Auftrag und menschlichem Widerstand“. Es war herausfordernd und immer höchst interessant. Man merkte, wie er unzählige Stunden mit dem Studium dieses Buches verbrachte. Und selbst Beiläufiges und Marginalien griff er auf, und suchte nach Erklärungen. Sein Wunsch, seine Studien zu Jeremia in einem Buch zusammenzufassen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Er plante dafür ca. 2-3 Jahre, doch Gott hat ihm diese Aufgabe abgenommen.

Der dritte Kurs, den er im Oktober 2018 einem Monat vor seinem Tod beendete, hieß: „Römerbrief – Manifest der Missionstheologie des Paulus“. Frisch im Geist, hoch motiviert und immer mit Humor und einer tiefen Ernsthaftigkeit stand er am Pult und man merkte, dass er nicht nur ein Alttestamentler war, sondern auch den Römerbrief durchforscht hat und in seiner Laufbahn mehrmals unterrichtete.

Besondere Höhepunkte im Seminar waren die Gelegenheiten für Fragen. Er nahm seine Studenten ernst. Er hörte zu. Oft atmete er tief durch und stieg dann in die Beantwortung ein. Klar, stringent und immer mit der Bibel in der Hand legte er seine Antwort vor. Und wenn er meinte, dass es genüge, fragte er: „Können wir es dabei belassen?“ Selten kam ein Nein. Doch oft hieß es für mich: „Ich muss mich noch mehr damit befassen.“ Dieses Ergebnis bei den Schülern kennzeichnet sicher einen guten Lehrer.

Doch als Mensch – und ich möchte auch sagen – als Freund habe ich ihn im Griechischkurs kennengelernt, den wir im Februar 2018 mit einigen Brüdern begonnen haben und leider nicht mehr mit ihm beenden werden. Ja auch deswegen hat mich die Nachricht von seinem Tod tief getroffen. Angefangen hatten wir mit einer Intensivwoche und setzen dann mit Kompaktwochenenden fort. Wer mit 80 Jahren noch die Motivation aufbringt, Neutestamentliches Griechisch einer kleinen Gruppe zu lehren, der muss eine Größere Vision haben, als einfach nur Lehrer zu sein. Er hat es mit viel Elan und Freude gemacht. Er hatte Geduld, arbeitete aber auch zielstrebig durch die Lektionen. Noch nie war Grammatik so interessant und einprägsam wie bei ihm, der es verstand immer wieder Bezüge zu bekannten Stellen im Neuen Testament herzustellen. So bleibt für mich noch viel zu lernen. Er kann es jetzt dabei belassen. Seine Aufgabe ist erledigt. Gott sei Dank!

Was bleibt sind seine Bücher. Und eines möchte ich besonders hervorheben: Das Alte Testament – Entstehung – Geschichte – Botschaft. Mit diesem Magnum Opus von über 1200 Seiten liegt eine für jeden Christen verständliche Einführung in das Alte Testament vor. Dieses Werk darf bei keinem Bibelschüler, Theologiestudent oder Mitarbeiter im Gemeindedienst fehlen. Es beginnt mit der Entstehung des Alten Testaments, erklärt die Besonderheiten der Literaturgattungen, beantwortet Einleitungsfragen und stellt mögliche Gliederungen vor. Hervorheben möchte ich aber vor allem die zahlreichen Exkurse zur theologischen Bedeutung der biblischen Bücher. Einzelne Themen werden exemplarisch im Rahmen der Biblischen Theologie durch die ganze Bibel nachgezogen, um den ganzen Ratschluss Gottes besser zu verstehen. Ich wünsche diesem Lebenswerk von Helmuth Egelkraut noch viele weitere Auflagen.

Dr. Helmut Egelkraut (Hrsg.) Das Alte Testament Entstehung - Geschichte - Botschaft

Kategorie: Literatur, Zeitgeschehen

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NIMM UND LIES - dieser Aufforderung möchte ich selbst nachkommen und andere dazu motivieren und anleiten. NIMM UND LIES zuerst die Bibel und dann gute christliche Literatur. Denn beim Lesen lässt es sich vortrefflich denken (nach Leo Tolstoi). Ich lebe mit meiner Frau und unseren fünf Kindern in Baden-Württemberg.

4 Kommentare

  1. Andre Machel sagt

    Ich habe durch dich, Eduard, gerade vom „Heimgang“ von Dr. Egelkraut erfahren. Er war auch mein Lehrer in Korntal – seine online Predigten habe ich immer sehr genossen. Ja, er war für mich ein Mensch, in dem „Bibelblut“ floss. Auch, dass er in Korntal noch bis letztes Jahr so lebendig unterrichtete. Seine Abschluss-Vorlesung war die „Offenbarung“. Bin bewegt von seinem plötzlichem Tod – aber es ist nur ein „Heimgang“. Er darf nun schauen, was er geglaubt und gelehrt hat. Bin Missionar in Thailand. Ja, Mission war das leidenschaftliche Thema von Dr. Egelkraut. Danke für die Mitteilung!

  2. Ulrich Gäbler. sagt

    Der Tod von Helmuth Egelkraut haben meine Frau und mich tief bewegt. Denn er und seine Frau gehören für uns wesentlich zu unserem Schatz von guten Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit in Princeton 1971/72. Beide halfen uns beim Einleben in der neuen Umgebung und begleiteten unseren weiteren dortigen Weg. Wir denken in Dankbarkeit an ihn zurück.
    Möge der Herr diesem, seinem treuen Diener schenken, woran er geglaubt hat.
    Prof. em. Dr. Dr.theol. h.c. Ulrich Gäbler
    Alt-Rektor der Universität Basel

  3. Eduard Klassen sagt

    Lieber Herr Gäbler, vielen Dank für Ihre Worte. Übrigens, ich werde mir Ihr Buch zu Zwingli näher anschauen. Dann kann ich Sie als Autor auch kennenlernen.

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