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„Mir scheint der Teil der christlichen Lehre welcher von der Prädestination handelt, nicht der schwierigste zu sein…“

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So habe ich neu­lich ein Schrei­ben von Ursi­nus an einen (zu die­sem Zeit­punkt) luthe­risch-huma­nis­ti­schen Theo­lo­gen namens Jakob Monau gefun­den, der sich mit der Leh­re von der Prä­de­sti­na­ti­on aus­ein­an­der­setzt. Gan­ze 14 DINA4-Sei­ten ist der Brief lang und wur­de offen­sicht­lich in einer Nacht fer­tig­ge­stellt. Eine gan­ze Sei­te lang zitiert Ursi­nus Bibel­ver­se, wie Gott auch im „Bösen“ wirkt. Wie gesagt, ohne jeg­li­che digi­ta­len Mit­tel, im Grun­de aus dem Stand her­aus. Obwohl nicht immer ganz freund­lich im Ton, bleibt Ursi­nus sach­lich und leicht ver­ständ­lich. Er schreibt:

„Mir scheint der Teil der christ­li­chen Leh­re wel­cher von der Prä­de­sti­na­ti­on han­delt, nicht, wie Du schreibst, der schwie­rigs­te zu sein; wofern wir nur die hei­li­ge Schrift ohne Vor­ur­tei­le lesen und­oh­ne Lei­den­schaft mit dem erns­ten Stre­ben, nicht etwa Gott nach unse­ren Phan­ta­sie­ge­bil­den umzu­ge­stal­ten, son­dern von Ihm selbst über Ihn zu ler­nen und ihm allein alle Ehre zu geben und von uns ab zu Ihm hin zu wen­den. So ist mir vie­les leicht gewor­den, was schwie­rig zu sein schien, so lan­ge ich auf das Anse­hen der Men­schen mich stütz­te, wel­che weder sich, noch mir hal­fen. Es gibt kein Stück der hei­li­gen Leh­re, über wel­ches sich in den pro­phe­ti­schen und apos­to­li­schen Schrif­ten mehr Stel­len fin­den, als eben von der Vor­se­hung, von der Erwäh­lung und dem frei­en Wil­len, so daß es mich Wun­der nimmt, wie gelehr­te und christ­li­che Män­ner hier nicht vor­wärts können.

Tue, was ich getan habe. Ich habe näm­lich, um alles, was sowohl in Aus­sprü­chen als auch in
Bei­spie­len der heil. Schrift über die­se Fra­ge ent­hal­ten ist, zu sam­meln, zu erwä­gen und zusam­men­zu­stel­len, die Bibel mit gro­ßem Fleiß von der Gene­sis bis zum Schluß der Apo­ka­lyp­se durch­ge­le­sen. Als ich sol­ches getan hat­te, belä­chel­te ich teils, teils aber ver­wünsch­te ich jenen Keh­richt von Dis­pu­ta­tio­nen und die­sen Dunst von Sophis­men, wel­che ver­ge­bens die­sem Blitz ent­ge­gen­ge­stellt wer­den. Man­che, auch Gut­ge­sinn­te, hat­ten hier­zu wirk­lich kei­ne Muße, sonst hät­ten sie sich gewiß nicht so ver­irrt. Das aber hal­te mir fest! Wenn nicht gleich Alles Dir klar und deut­lich wird, so las­se Dich dadurch nicht ver­wir­ren, son­dern den­ke ernst­lich in Dei­nem Gemü­te nach, Gott um Bei­stand anru­fend und jene Grund­la­ge, wel­che bei den From­men außer aller Fra­ge steht, fest­hal­tend: Daß näm­lich nicht Du, son­dern Gott der Urhe­ber Dei­nes Heils und alles des­sen ist, was Du bist, hast und Gutes ent­we­der Gro­ßes oder Klei­nes tust. So wirst Du nie­mals mit Gefahr Dei­nes Gewis­sens oder Hei­les irren, wenn Du auch nicht Alles auf­lö­sen und ent­wir­ren kannst, was Du wohl möch­test. Das Wis­sen bläht auf, die Lie­be aber erbaut.“

Ursi­nus, einer der Autoren des Hei­del­ber­ger Kate­chis­mus bril­liert als Meis­ter­theo­lo­ge. Im Übri­gen beweist die­ser Brief auch, dass all die Fra­gen, die heu­te dis­ku­tiert wur­den, bereits vor knapp 500 Jah­ren dis­ku­tiert wur­den. Von Ursi­nus wer­de ich sicher mehr lesen.

 

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