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Leserunde: Das Westminster Bekenntnis

Kapitel 3 (Teil 1): Von Gottes Ewigem Ratschluss

Auf­grund der Not­wen­dig­keit einer umfang­rei­chen Ana­ly­se, kon­zen­triert sich die Leserun­de heu­te nur auf Arti­kel 3.1: Got­tes Rat­schluss.

An der Leh­re von Got­tes Ewi­gem Rat­schluss gibt es nichts zu rüt­teln, voll­kom­men egal wel­che theo­lo­gi­sche Posi­ti­on, — und sei es sogar die katho­li­sche oder ortho­do­xe -, du einimmst. Es ist näm­lich klar, dass Gott alle Din­ge vor­her­weiß. Es ist eben­falls klar, dass nichts gegen sei­nen Wil­len gesche­hen kann. Unklar­heit und gro­ßer Streit herr­schen jedoch in der Fra­ge, wel­chen Umfang die­ses Vor­her­wis­sen hat. Plant Gott viel­leicht nur, weil er alles weiß? Hat Gott nur vor­her­ge­wusst oder hat er aktiv vor­her geplant, und was war im Zwei­fel zuerst?

Somit ist der Streit­punkt im zwei­ten Satz des Arti­kels for­mu­liert:

Obwohl Gott alles weiß, was unter allen gege­be­nen Umstän­den gesche­hen soll oder kann, so hat er doch nichts aus dem Grund beschlos­sen, weil er es als zukünf­tig vor­aus­ge­se­hen hat, oder dass es unter bestimm­ten Umstän­den ein­tref­fen wür­de.

Weiß Gott nur im Vor­aus oder hat er einen Plan? Für mich ist die Ant­wort klar, wie ich im fol­gen­den dar­stel­len möch­te:

Das Gott aktiv in die Geschich­te ein­greift, wird dra­ma­tisch an die­sem Bibel­vers deut­lich:

(Am 3:6) Bläst man auch die Posau­ne in einer Stadt, dass sich das Volk davor nicht ent­set­ze? Ist auch ein Unglück in der Stadt, dass der HErr nicht tue?

So wie immer spre­che ich als Laie, aber ich ver­ste­he hier im Bekennt­nis eine Aner­ken­nung von etwas, das „Heils­ge­schich­te“ genannt wird. Ich sel­ber gebrau­che ger­ne, den Begriff „Plan Got­tes“.

Auch die­se Leh­re wird im Leben Chris­ti deut­lich illus­triert. Hat Gott (der Vater) es nur gewusst, dass Chris­tus Mensch wird, dass er sich ernied­ri­gen wird, sogar bis zum Kreuz und dass er ster­ben wird und auf­er­stel­len. Oder hat Gott die­sen Weg geplant? Jeder halb­wegs auf­merk­sa­me Leser wird hier den (akti­ven!) Plan Got­tes erken­nen. Die zahl­rei­chen Pro­phe­zei­hun­gen, von denen sich teil­wei­se dut­zen­de an nur einem Tag erfüll­ten, machen deut­lich, dass Gott sei­ne Pro­phe­ten in sei­nen Plan ein­ge­weiht hat. Ent­spre­chend führt Amos auch aus:

(Am 3:7): — Gott der Herr tut nichts, er offen­ba­re denn sei­nen Rat­schluß den Pro­phe­ten, sei­nen Knech­ten. — 

Wer also behaup­tet, Vor­her­be­stim­mung ist nur ein Syn­onym oder eine Umschrei­bung für Vor­her­wis­sen, den­ke ein­fach immer an den Ret­tungs­plan Got­tes. Ich habe noch kei­nen Chris­ten getrof­fen, der die­sen ablehnt.

Got­tes Rat­schluss lässt sich aber auch  klar in der Geschich­te erken­nen: Wie vie­le unter­schied­li­che Bücher gibt es, die zei­gen, wie die gan­ze Zeit für das Evan­ge­li­um vor­be­rei­tet wur­de. Das Römi­sche Reich hat­te offe­ne Gren­zen, ein funk­ti­ons­fä­hi­ges Stra­ßen­sys­tem, eine ein­heit­li­che Spra­che, rela­tiv hohe Sicher­heit. All das gebrauch­te Gott und das Evan­ge­li­um ver­brei­te­te sich in hun­dert Jah­ren in alle Gren­zen des römi­schen Rei­ches und bald auch außer­halb des­sen. Wer hier kei­nen Plan Got­tes sieht, sieht nichts. Die­sen Plan in der Ver­brei­tung des Evan­ge­li­ums sieht man in gro­ßen und klei­nen Din­gen in so gut wie jeder Mis­si­ons­ar­beit. Sei es die Arbeit der Herrn­hu­ter, sei es die Mis­si­on Careys oder Tay­lors oder wie die zahl­rei­chen Arbei­ter Chris­ti sonst hei­ßen möch­ten. Got­te hat­te einen Plan sein Evan­ge­li­um in die gan­ze Welt zu brin­gen und er hat die­sen aus­ge­führt, obwohl ein beacht­li­cher Teil der Erde von der Chris­ten­heit erst 1500 Jah­re nach Chris­ti Tod ent­deckt wur­de. Was hät­te den den India­nern ihr frei­er Wil­le genützt, wenn sie nicht das Evan­ge­li­um hören konn­ten. Hät­ten Sie es ein­fach nur mehr Wol­len sol­len? Haben die Euro­pä­er, die Deut­schen vor­erst also mehr gewollt als ande­re Völ­ker?

(Röm 10,14) Wie sol­len sie aber hören ohne Pre­di­ger? 

Bei Hel­muth Egel­kraut fand ich fol­gen­den Abschnitt zum The­ma Heils­ge­schich­te:

Die­ses Geschichts­ver­ständ­nis darf weder mit Kis­met, dem Fata­lis­mus des Islam, gleich­ge­setzt wer­den, bei dem der Mensch die Geschich­te nur erlei­den kann, noch mit dem deter­mi­nis­ti­schen Geschichts­ver­ständ­nis des Hin­du­is­mus und Bud­dhis­mus, dem Kar­ma. Der Mensch han­delt von außen gese­hen so, als sei er in sei­nen Ent­schei­dun­gen frei; er bleibt für sein Tun ver­ant­wort­lich. Gele­gent­lich stellt es die Bibel so dar, als sei Jah­we durch das Tun der Men­schen frus­triert. Doch durch alle Feh­ler und Wider­stän­de der Men­schen hin­durch erreicht Gott sein Ziel. Trotz der Macht und des Wider­stands Pha­ra­os führ­te Jah­we Isra­el aus Ägyp­ten. Trotz des Unglau­bens Isra­els brach­te Gott es durch die Wüs­te. Köni­ge und Völ­ker, die den Israe­li­ten den Weg ver­sper­ren woll­ten, konn­ten Gott nicht von sei­nem Weg abbrin­gen. Den Fluch Bileams kehr­te Gott in Segen. Obwohl die Israe­li­ten mein­ten, das Land sei für sie unein­nehm­bar, brach­te Jah­we sie bis an das Ufer des Jor­dans und gab ihnen Anwei­sun­gen für das Leben im Lan­de. Gott kann sich selbst des Unwil­lens der Men­schen bedie­nen, um sein Ziel zu errei­chen. (Das Alte Tes­ta­ment, S. 288)

Sehr ähn­lich hält Spur­ge­on fest:

An der einen Stel­le sehe ich, wie Gott in sei­ner Vor­her­seh­ung über allem steht, und doch sehe ich auch, und ich kann nicht dar­an vor­bei, dass der Mensch han­delt, wie er will, und dass Gott sein Han­deln in einem gro­ßen Maße ihm selbst über­las­sen hat und sei­nem eige­nen frei­en Wil­len. Wenn ich nun auf der einen Sei­te behaup­ten wür­de, dass der Mensch so frei ist in sei­nem Han­deln, dass es kei­ne Kon­trol­le Got­tes über sein Tun gäbe, dann wäre ich sehr gefähr­lich nahe an den Athe­is­mus her­an­ge­kom­men. Wenn ich auf der ande­ren Sei­te erklä­ren wür­de, dass Gott alle Din­ge so sehr über­wacht, dass der Mensch nicht frei genug ist, um selbst ver­ant­wort­lich zu sein, dann wäre ich sofort beim Anti­no­mis­mus oder Fata­lis­mus. Dass Gott vor­her­be­stimmt, und dass der Mensch doch selbst ver­ant­wort­lich ist, sind zwei Tat­sa­chen, die nur weni­ge klar sehen. (C.H. Spur­ge­on, Alles zur Ehre Got­tes, S. 102 f.)

Die­ser Rat­schluss Got­tes ist ein sehr tröst­li­cher Gedan­ke. Wie oft hör­te ich Chrsi­ten bezeug­ten, welch wun­der­sa­me Wege sie Gott führ­te, damit sie geret­tet wer­den. Oft­mals gegen Ihren Wil­len und Ver­lan­gen hör­ten Sie die Bot­schaft, wur­den ergrif­fen und erneu­ert und wur­den Chris­ten. Glaub­ten das Evan­ge­li­um. Durch wun­der­sa­me Füh­run­gen wur­de auch ich auf die Fro­he Bot­schaft auf­merk­sam. Selbst die größ­ten Nie­der­la­gen und Schwä­chen nutz­te er für sein Wir­ken. Selt­sa­mer­wei­se schei­nen aber vie­le Chris­ten zu den­ken, die­se Füh­rung gilt nur bis zur Bekeh­rung, bis zum Gläu­big­wer­den. Von nun an sei­en sie auf sich selbst gestellt. Die Schrift lehrt uns jedoch in Röm 5,10:

Denn so wir Gott ver­söhnt sind durch den Tod sei­nes Soh­nes, da wir noch Fein­de waren, viel mehr wer­den wir selig wer­den durch sein Leben, so wir nun ver­söhnt sind.

Gott  aus­ge­lie­fert zu sein ist weder Schick­sal noch Zufall. Er ist einer der hilft, er hat auch ein Plan für dein Leben. Wann lie­ferst du dich ihm aus? Wann suchst und rufst du nach ihm? Wann lässt du die irdi­schen Sor­gen fal­len und ant­wor­test auf sei­ne Rat­schlü­ße mit dem Ver­trau­en eines Kin­des?

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