Kirchengeschichte, Rezensionen
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Know the Heretics

Ein Buch von Justin S. Holcomb

Wer hat nicht schon mal die­ses Bild gehört, wenn man von der Drei­ei­nig­keit spricht: Die­se kön­ne man mit Was­ser ver­glei­chen, da die­ses eben­falls drei For­men (fest, flüs­sig, gas­för­mig) annimmt. Obwohl ich lie­ber eine schlech­te Ana­lo­gie für die Drei­ei­nig­keit begrüs­sen wür­de, als voll­stän­di­ges Schwei­gen dar­über, fal­len die Schwä­chen die­ses Models schnell ins Auge: In der Drei­ei­nig­keit sind Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist immer gleich­zei­tig gegen­wär­tig und erfreu­en sich an der Gegen­sei­ti­gen Gemein­schaft. Alle sind zudem glei­cher­wei­se Gott, ohne Abstri­che an der „Gött­lich­keit“. Dabei ist das Was­ser-Model eines, dass in der Kir­chen­ge­schich­te schon ein­mal dis­ku­tiert und von der Kir­che ver­dammt wur­de, näm­lich dass des Moda­lis­mus: Gott ist immer einer, der unter­schied­li­che For­men annimmt: Im AT wäre es der Vater in den Evan­ge­li­um Jesus der Sohn und nun im Leben der Gläu­bi­gen der Hei­li­ge Geist. Moda­lis­mus , aber auch der Doke­tis­mus (der lehrt, dass Jesu Mensch­lich­keit nur eine Schein­ba­re sei) sind Bei­spie­le für irri­ge Lehr­mei­nun­gen, die auch bis heu­te all­zu schnell in unser Den­ken und Spre­chen über die bibli­schen Wahr­hei­ten hineinschleichen.

Dabei — so die The­se des Autors — dürf­te gera­de eine kla­re Posi­tio­nie­rung dar­über, was wirk­lich Häre­sie ist, auch hel­fen, den Vor­wurf der Ket­ze­rei nicht so schnell zu zie­hen und ein Wach­sen im Glau­ben und in der Erkennt­nis zu ermög­li­chen. Natür­lich ver­kün­digt die Bibel eine abso­lut rich­ti­ge und zuver­läs­si­ge Leh­re, aber das Rin­gen in der Kir­chen­ge­schich­te zeigt auch, dass es oft­mals leich­ter war, fal­sche Posi­tio­nen zu wider­le­gen als rich­ti­ge zu defi­nie­ren.  Da der Autor strikt chro­no­lo­gisch vor­geht gelingt es ihm auch, dar­zu­stel­len wie die Kir­che gera­de durch den Ein­fluss der Irr­leh­rer dazu gebracht wur­de, genau­er in die Bibel zu bli­cken und ihre Posi­tio­nen zu unter­mau­ern: So z.B. bei der Fra­ge des Kanons. Die­sen über­haupt irgend­wie fest­zu­le­gen, war nicht son­der­lich nötig, so lan­ge alle das glei­che lasen. Als aber im 2 Jhdt. Mar­ci­on auf­trat, des­sen Kanon 10 Brie­fe des Pau­lus und Tei­le des Lukas-Evan­ge­li­ums ent­hielt, wur­de eine Posi­tio­nie­rung nötig. Ähn­lich kämpf­te man um eine prä­zi­se­re For­mu­lie­rung der Tri­ni­tät und der inner tri­ni­ta­ri­schen Bezie­hun­gen in Gott, als die Aria­ner auf­tra­ten (Durch Bekennt­nis­schrif­ten in den Kon­zi­len von Nizäa und Konstantinopel).

Beim Hören (ich habe das vom Autor selbst gele­se­ne Hör­buch gehört) der ins­ge­samt 14 Tei­le des Hör­buchs ist mir auf­ge­fal­len, dass die Posi­ti­on der Kir­che von Fall zu Fall domi­nan­ter wur­de und ein Ket­zer zuneh­mend schwie­ri­ge Kon­se­quen­zen fürch­ten muss­te. Ent­spre­chend ver­lor aber auch die ortho­do­xe Ant­wort zuneh­mend (wie ich fin­de) an Über­zeu­gungs­kraft und All­ge­mein­gül­tig­keit. Ob man Maria nun wirk­lich als Got­tes­ge­bä­re­rin bezeich­nen muss (um die Gött­lich­keit Chris­ti zu erhal­ten), emp­fin­de ich immer noch pro­ble­ma­tisch. Von den 14 bespro­che­nen Kon­flikt­si­tiua­tio­nen fin­det sich eine bereits aus­führ­lich in der Bibel (der Kon­flikt der Apos­tel mit den Juda­is­ten) und die meis­ten ande­ren in der Anti­ke, ange­fan­gen mit der Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gnos­ti­kern bis hin zur Debat­te zwi­schen Augus­ti­nus und Pela­gius. Obwohl geschicht­lich nur eine Debat­te bis in die Neu­zeit reicht (die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Sozi­nia­nern), gelingt es dem Autor in jeder Situa­ti­on sowohl eine sau­be­re bibli­sche Hin­ter­grund­ar­beit zu lie­fern, wie die Bedeu­tung der Debat­ten für heu­te auf­zu­ar­bei­ten. Als Hörer fra­ge ich mich letzt­lich aber, war­um der Kon­flikt mit dem Moder­nis­mus bzw. der Bibel­kri­tik gescheut wur­de? Kann man Bibel­kri­tik nicht als Ket­ze­rei ein­stu­fen, weil hier­für ein öku­me­ni­sches Bekennt­nis fehlt? Reicht dann die Chi­ca­go-Erklä­rung nicht aus? Auch in die­sem Fall könn­te man das Hig­her Cri­ti­cism ja gut in sei­ner Geschich­te, aber auch in unter­schied­li­chen Rand­er­schei­nun­gen auf­zeich­nen. Das der Autor die­sen ablehnt, fand sich zwar in zwar in zahl­rei­chen impli­zi­ten Sei­ten­pfa­den wie­der, nicht aber in einer expli­zi­ten Darstellung.

Wer bereits ers­te Ein­bli­cke in die frü­he Kir­chen­ge­schich­te besitzt, dürf­te von die­sem (Hör)buch deut­lich pro­fi­tie­ren, das vor allem die Ideen­ge­schich­te die­ser Zeit ver­folgt. Die Kür­ze des Wer­kes ermög­licht das Über­bli­cken zahl­rei­cher The­men. Die zahl­rei­chen Zita­te und Lite­ra­tur­an­ga­ben kön­nen zudem ein Start­punkt für ein ver­tief­tes Ein­stei­gen in das Werk der Kir­chen­vä­ter wer­den. Das die Kir­che vor allem das Got­tes­bild und das Werk und Amt Chris­ti ver­tei­dig­te, zeigt, wo das frucht­bars­te (aber auch die beschüt­zens­wer­tes­te) Erbe des Chris­ten­tums zu fin­den ist.

Hin­weis: Die­ses Werk ist Teil einer acht-tei­li­gen Rei­he, mit einem his­to­risch-theo­lo­gi­schen Kon­text: Know…

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