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„In der Gewissheit, dass unsere Sünden durch Sein Opfer vergeben sind, finden wir Ruhe und Heilssicherheit.“

File:John Calvin 01.jpg

Der junge Jean Calvin

Nach dem Tode Heinrich VIII 1547 wurde Eduard VI, als einziger Sohn Heinrichs bereits mit 9 Jahren König von England und Irland. In diesem Alter hatte er natürlich nur repräsentative Funktionen, die eigentliche Macht hatte in den ersten 2,5 Jahren seiner Herrschaft Eduard Seymor, Duke (in etwa Herzog) of Somerset, in der Funktion eines Lordprotectors mit erweiterten Befugnissen. Diese nutzte er zur Freude der „Evangelicals“ im Land, um die Reformation intensiver voranzutreiben. Kein Wunder, dass den Duke auch ein Schreiben von Jean Calvin erreichte, verfasst am 22. Oktober 1548.  Der Calvin-Biograph Herman J. Selderhuis hält fest: „Calvin war unerschütterlich, opferbereit und kompromisslos. Seine Lehre wies alle Merkmale auf, die zur damaligen Zeit erfolgsversprechend waren: Sie war unkompliziert, biblisch begründet und klar formuliert und deshalb allen Menschen zugänglich. (…) Was Calvin im Jahr 1548 an den Herzog von Somerset schrieb, war tatsächlich schon 1536 (Anm. von mir: In diesem Jahr erschien die erste Auflage seiner berühmten Institutio) seine Lehre gewesen und sollte auch 1564 noch seine Lehre sein (Anm. von mir: Todesjahr Calvins) (…) Zwar schrieb Calvin später noch tausende von seiten mit ausführlicheren Erörterungen hierzu, aber tatsächlich findet sich in den Schriften nichts mehr als das, was auch schon auf dieser halben DIN-A4-Seite formuliert ist. Und das wurde alles durch seinen an Idealismus grenzenden Optimismus getragen.“ (S.75-76)

Datei:Edward Seymour Duke of Somerset.jpg

Edward Seymour Duke of Somerset

Die populäre Darstellung Calvins, der auch erfolgreiche Schriftsteller wie Stefan Zweig erlagen, als die einen freudlosen Zynikers und pessimistischen Eigenbrötler zeichnet, lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn man die zahlreichen Briefe Calvins studiert. Wir finden einen mutigen, ehrlichen Christen, der seine Mitmenschen ernst nimmt. Den Duke of Somerset ermutigt er, der Führung Gottes zu vertrauen, mutig das Evangelium zu verkündigen und in schwierigen Zeiten auszuharren:

„…nämlich das wir Gott als einzigen Herren unserer Seele und sein Gesetz als einzige Regel und geistige Anleitung für unser Gewissen anerkennen, so dass wir Ihm nicht gemäß allerlei törichter menschlicher Anordnungen dienen. Weiter, dass er auf seine Art, im Geiste und mit reinem Herzen, verehrt werden will. Andererseits erkennen wir jedoch, dass wir im Inneren unselig sind, dass wir in all unserem Denken und Handeln verdorben sind, so dass unser Herz ein Abgrund des Bösen ist. Darum verzweifeln wir an uns selbst, weisen jeden Anspruch auf Weisheit, Würde oder Fähigkeit zum Guten ab. Wir wenden uns der Quelle von allem Guten zu, das ist Jesus Christus, und wir nehmen das an, was Er uns gibt, nämlich die Verdienste seines Leidens und Sterbens, damit wir dadurch die Versöhnung mit Gott erfahren. Rein gewaschen durch sein Blut, fürchten wir nun nicht mehr, dass wir aufgrund unserer Sünden vor dem himmlischen Thron keine Gnade finden werden. In der Gewissheit, dass unsere Sünden durch Sein Opfer vergeben sind, finden wir Ruhe und Heilssicherheit. Wir werden durch Seinen Geist geheiligt, um uns so gehorsam der Gerechtigkeit Gottes zu widmen. Gestärkt durch seine Gande werden wir den Teufel, die Welt und das Fleisch überwinden. Als Glieder Seines Körpers zweifeln wir schließlich nicht daran, dass Gott uns zu seinen Kindern zählt und dass wir Ihn voller Vertrauen als unseren Vater anrufen dürfen. Für uns ist es deutlich, dass alles, was in der Kirche gesagt und getan wird, auf dieser Hauptsache basiert, nämlich dass wir der Welt entzogen und in den Himmel hinauffahren werden mit unserem Haupt und unserem Heiland“

Einige Jahre später gelangt Maria I Tudor an die Macht und hinterlässt eine blutige Spur im englischen Protestantismus. Trost und „gute Unterweisung“ haben die Protestanten Englands also mehr als nötig gehabt.

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem theologische Bücher reformierter Prägung. Als Familie wohnen wir im Südschwarzwald!

7 Kommentare

  1. „Die populäre Darstellung Calvins…..“
    Nun, es ist nicht ungewöhnlich bei einem Menschen zwei Gesichter vorzufinden. Feinsinnigkeit in seinen Briefen und dogmatische Härte, bis hin zur tödlichen Verfolgung von Häretikern, schließen sich nicht aus. Auffallend oft lese ich in letzter Zeit erstaunliche Versuche Calvin einen Persilschein auszustellen, indem sein Denken und seine Taten relativiert werden. So ist in seinen Briefen auch folgendes überliefert:

    „Servet hat mir vor kurzem geschrieben und seinem Brief einen dicken Band seiner wahnwitzigen Lehren
    beigefügt – mit der aufgeblasenen Prahlerei, ich werde darin Dinge zum Staunen, ja Unerhörtes zu entdecken
    haben. Wenn es mir zusagt, will er nach Genf kommen. Doch ich garantiere für nichts. Denn kommt er
    wirklich hierher, so lasse ich ihn, wenn mein Einfluss etwas bewirkt, nicht wieder lebendig fortziehen“

    Wahrlich ein “mutiger und ehrlicher Christ, der seine Mitmenschen ernst nimmt“, so ernst, dass sie es nicht überleben.
    Auch damals galt das Gebot du sollst nicht töten, eine Entschuldigung in den Umständen der damaligen Zeit zu suchen, ist daher erfolglos.
    Wie angedeutet ist es nicht ungewöhnlich, dass Worte und Taten deutlich auseinanderfallen und damit die Verfolgung und Denunziation von ‚Ketzern‘ und ‚Hexen‘ keineswegs die Fähigkeit zum Guten in Christus abbildet.
    Einem Wahn Gottes Werk auf Erden zu vollziehen, da Ketzer und Andersgläubige sowieso von Gott verurteilt seien ist eine persönliche Rechtfertigung die schaudern macht.

    Man fragt sich, wie man einem solchen Menschen Lobreden halten kann, von dem Glauben seiner unbiblischen Lehren einmal ganz abgesehen, die ja bis heute für Verwirrung stiften.

  2. Sergej Pauli sagt

    Hallo M.B, ich tue mich mit Ihrem Kommentar etwas schwer.
    Ich verstehe nicht, was das Gebot „Du sollst nicht töten“ mit Ablehnung von Totesstrafe zu tun hat. Die Bibel fordert an vielen, wirklich zahlreichen Stellen den Tod des Verbrechers ein. Angefangen beim Bund mit Noah (Wer Blut vergießt…), bis später wiederholt im Gesetz Moses (z.B. bei Ehebruch, eben erneut bestätigt bei Mord etc…). In einem anderen Fall beschreibt die Bibel ausführlich, wie jemand für den Bruch des Sabbats gesteinigt wurde.
    Bricht hier Gott sein eigenes Gebot oder was? Ich würde akzeptieren, dass man hier kulturgeschichtlich argumentiert im Sinne von, Todesstrafe war nötig, da man einfach keine Gefängniskultur besaß und man ersetzt dies heute mit einer lebenslänglichen Haft. Aber zwischen Mord und der Ausübung staatsrechtlicher Strafe zu unterscheiden, darf man auch vom durchschnittlichen Pazifisten des 21ten Jahrhundert erwarten.
    Hier einen krassen Umbruch im Neuen Testament darin zu sehen, weil Jesus z.B. der Ehebrecherin vergibt, geht einfach am Kontext vorbei. Ich habe im Neuen Testament an keiner Stellen den Eindruck, dass Rechtstaatlichkeit irgendwo angegriffen oder angezweifelt wird.
    Den Reformatoren war diese Trivialität durchaus klar: Verbrechen müssen bestraft werden. Wo man sich wirklich streiten kann, und da gebe ich Ihnen recht, ist die Frage ob der Staat auch Glaubensverbrechen bestrafen soll. Im Mittelalter sah man aber den Staat auch in der Pflicht, wenn Ketzer auftraten. Man konnte sich kaum etwas schlimmeres vorstellen, als einen Menschen, der sagt, dass es keinen Gott gibt (oder im Falle von Servetus, dass es keine Dreieinigkeit gibt). Zudem: Würden wir wirklich denken, dass es Menschen gibt, die gemeinsame Sache mit Satan machen und Fluch, Pest und Cholera auf das Christenvolk heraufbeschwören, würden Sie und ich als erstes eine Petition an unseren Bundestag schreiben, damit doch endlich was gegen diese Hexerei unternommen wird.

    Schließlich aber, hat obiger Artikel überhaupt nichts mit Servetus zu tun. Wollen Sie etwa vorschlagen, dass ich bei jedem Artikel über Calvin eine Fußnote zu seinem unpassenden Verhalten gegenüber Servet anbringen? Was ist denn das überhaupt für eine Haltung!

    P.S.: Völlig unklar bleibt mir der Vorwurf der unbiblischen Lehren. Was soll es denn sein? Die Verteidigung des protestantischen Kanons? Das Festhalten an der Dreieinigkeit? Die Betonung und Wertschätzung des AT? Das Beharren auf kirchlicher Disziplin? Eine christologische Theologie? Natürlich ist mir klar, was Sie meinen: Die Lehre der Prädestination. Aber selbst dieser Vorwurf scheint mir unpassend, denn Prädestination war einfach nicht das zentrale Thema seiner Schriften. Unabhängig davon, verstehe ich seine Lehre an dieser Stelle (was ja auch obiges Zitat zeigt) vor allem so: Gott sorgt, denn er hat über alles die Kontrolle! Christen dürfen ihm bedingungslos vertrauen. Nun ja, wahrlich eine unbliblische Lehre…

  3. Sergej, nun geht es mir mit Ihrem Kommentar genauso, ich tue mich recht schwer, wirklich zu glauben was ich dort lese.
    Sehen Sie es tatsächlich für Rechtsstaatlichkeit und somit als Verbrechen an in Glaubensdingen eine andere Meinung zu vertreten? Ein Unrecht sehen Sie nicht darin?
    Selbst damals war eine solche Vorgehensweise die damit verbunden war, nämlich Verfolgung, Folter und Mord (die genauere Betrachtung der Motivlage ergibt, dass es sich um Mord gehandelt hat) unter Kritik und wurde in Kirchenkreisen in der Weise diskutiert, dass es Gegner dieser Praxis gab. Biblisch hätte auch Calvin zu diesem Schluss kommen können oder kommen müssen, denn die entsprechenden Argumente waren ihm nicht fremd.
    Der damals dominanten Meinung, dass es sich bei Häretikern und Ketzern sowie Hexen sowieso um Verdammte in Gottes Augen handelt und deren Tötung damit als gottgefällig angesehen wurde, kann sich doch kein echter Christ anschließen. Damals nicht und heute erst recht nicht.

    Ich erinnere mich noch an die Verteidigung eines Hans Filbinger, der den Satz geprägt hatte, was damals Recht war kann heute nicht Unrecht sein. Doch, kann es und ist es.

    Nach der gleichen Argumentation müßte man auch die Christenverfolgung der frühen Christen für Rechtens erklären, denn es gab tatsächlich Gesetze, die Christen als Unruhestifter brandmarkten und dies unter Strafe stellen. Würden Sie auch hier behaupten wollen es gäbe keine Schuldigen, weil nur nach der Gesetzeslage vorgegangen wurde?

    Unrecht kann keine Rechtsstaatlichkeit erzeugen, das sollte eigentlích keine Diskussion auslösen.

    Sicher war Servetus nicht ihr Thema, aber wer die Despotie Calvins kennt und dann solchen Satz „Wir finden einen mutigen, ehrlichen Christen, der seine Mitmenschen ernst nimmt. “ liest, dem stößt es sauer auf. Es gibt als noch eine dunkle Seite an Calvin, die nicht zugedeckt werden kann durch tendenziöse und beschönigende Formulierungen seiner Frömmigkeit. Das wäre ungefähr so, als wenn ich nur die säuselnden Liebesbriefe Maos für sein Persönlichkeitsprofil heranziehe und die Millionen Tote seiner Machtausübung unter den Tisch fallen lasse.

    Diese Haltung entspringt einem Gerechtigkeitsinn, der die Realitäten benennt und Bemäntelung und Bagatellisierung für unangemessen hält. Wer eine Würdigung oder gar Huldigung ausspricht und die durchaus vorhandenen dunklen Seiten unerwähnt läßt, muß unweigerlich mit Kritik rechnen.

    Für die unbiblischen Lehren bleibt in einer Kommentarrubrik zu wenig Raum (von der Zeit mal abgesehen), aber die Kritikpunkte werden Ihnen auch so geläufig sein. Natürlich überrascht es nicht, mit verbaler Darstellungskunst kritische Lehren zu entschärfen, um doch noch etwas biblisches zu entdecken. Doch sicher ist dies nichts für meinen Geschmack.

  4. Sergej Pauli sagt

    Nun ja, ich sehe, dass die Fronten verhärtet sind. Ich gebe Ihnen recht, dass der Satz, den sie kritisieren „Wir finden einen…“ in der Tat tendenziös ist. Unabhängig davon, sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass ich in jedem Menschen ein Kind des gefallenen Adams und eine „total depraved“ Kreatur sehe, die nur aufgrund von Erlösung durch Christus lebt.
    Definitiv nicht recht geben kann ich der pauschalen Verurteilung mit „unbiblischen Lehren“. Ich habe doch hoffentlich mehr als ausreichend Punkte genannt, in denen jeder moderne Evangelikale der mir so über den Weg läuft (einschließlich mir und Ihnen) von Calvin lernen können. Defintiv irritierend ist der Vergleich zwischen Mao und Calvin. Ich dachte in Deutschland wären wir über Hitler-(und hitlerähnliche) Vergleiche heraus…
    Insgesamt habe ich aber nicht den Eindruck, dass sie auf meine Einwände wirklich eingegangen sind. Ich schlage deswegen und wegen dem im ersten Satz genannten Grund vor, die Diskussion diesbezüglich an dieser Stelle zu beenden.

  5. Nun, lieber Sergey, es war kein Vergleich zwischen Calvin und Mao, sondern ich beschrieb eine Vorgehensweise, die selektiv selbst aus einen Menschen wie Mao ein liebreizenden und sympathischen Mann machen könnte. Selbst bei einem so extremen Beispiel würde es funktionieren. Damit habe ich keinen Vergleich zwischen Calvin und Mao geschaffen.

    Das die Fronten verhärtet sind, sehe ich nicht, denn unterschiedliche Meinungen und sogar Dissonanzen sind auch unter Christen biblisch überliefert. Aber ich weiß, dass Sie sich schnell zurückziehen, wir hatten ja schon mal eine Diskussion über die Zeugen Jehovas, von der Sie sich schnell verabschiedeten. Hatten wir uns da nicht auch geduzt?

    Ich wage mal zu behaupten, dass kein Mensch Calvin braucht, um etwas über biblische Grundsätze, dem Evangelium oder der Errettung durch Jesus zu lernen. Im Gegenteil, ich kenne genug Leute die mir mittlerweile Calvin und auch Luther als Beispiele ethisch-moralischen Fehlverhaltens entgegenhalten. Das Zeugnis ihrer Worte und Taten ist nicht dazu angetan, dem Glauben vorurteilsfrei entgegenzutreten und das ist ein trauriges Ergebnis.

    Auch wenn Sie das Gefühl haben, nicht ausdrücklich auf alle Ihre Einwände eingegangen zu sein, dann konnte ich durch meine Argumente immerhin das Tendenziöse vor Augen führen.
    Das Sie mir, was die Gedanken über die Rechtsstaatlichkeit angehen, zustimmen, davon gehe ich aus, denn wer Unrecht zu Recht erklärt und damit die Durchsetzung von Gewalt befürwortet, hat die biblischen Grundsätze nicht verinnerlicht, die zeitlich und universell Gültigkeit haben.
    Natürlich muß man sagen, eine brutalisierte Welt, stellt besondere Herausforderungen, doch wir haben auch die Märtyrer als Beispiel, die das lebten was und woran sie glaubten und friedlich in Wort und Geist blieben, wie es der Glaube und die Nachfolge Jesu verlangen.

    Dann bedanke ich mich für die Diskussion und folge Ihrem Vorschlag hier an dieser Stelle die Diskussion zu beenden.

    Gruß

    🙂

  6. Schade dass die Diskussion so abrupt beendet wird . Ich war einst auf einer Osterfreizeit welche von Reformierten organisiert worden ist. Der Calvin wurde dort in Vorträgen, Predigten und persönlichen Gesprächen durchgehend angehimmelt. Bücher Empfehlungen waren entweder von Calvin, über Calvin oder enthielten Inhalte die starken Bezug zu Calvin hatten. Für mich ist Calvin und Luther und viele andere einfach nur Menschen wie jeder gläubige auch. Ich habe im Alltag übrigens im Bezug auf Jesus Christus und meinen Glauben das meiste von meinem mich umgebenden Christen gelernt und schon vor Jahren war mir klar das ich weder Mennonit noch Lutheraner noch Calvinist sein möchte.

  7. Sergej Pauli sagt

    Vlad, danke für deinen Kommentar! Ich kann deinen Empfindungen gut nachfühlen. Ich fühle mich auch immer so, wenn irgendjemand anderes als Christus durchgehend angehimmelt wird. Ich hoffe dies bei meinen Artikeln auf nimm-lies bisher vermieden haben. Dieser obige Artikel war aber wohl angesetzt, um die wirklich krass kritische Sicht der Evangelikalen zu korrigieren… In letzer Konsequenz vertrauen wir nur Christus, und sind für jedes Wegzeichen dankbar, das auf IHN zeigt!

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