Kirchengeschichte
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Handbook of Evangelical Theologians

ein ungewöhnliches Wörterbuch

Amazon.com: Handbook of Evangelical Theologians (9780801032127): Elwell,  Walter A.: BooksWas bedeu­tet eigent­lich „evan­ge­li­kal“? Hier ein­fach auf die (ehe­mals) ein­heit­li­che Hal­tung zur Unfehl­bar­keit der Hei­li­gen Schrift zu ver­wei­sen, trifft nicht zu, da auch Zeu­gen Jeho­vas und Adven­tis­ten in die­ser Hin­sicht „bibel­treu“ sind. Es gibt auch die Mög­lich­keit „Evan­ge­li­kal“ als Syn­onym für den gan­zen Pro­tes­tan­tis­mus zu sehen, so wie es immer­hin nie­mand Gerin­ge­res als der Oxfor­der His­to­ri­ker Diar­maid Mac­Culloch in sei­ner Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te tut. Hier tut die Spra­che ihr Übri­ges. Evan­ge­lisch ist im Eng­li­schen bekannt­lich auch „evan­ge­li­cal“. Doch wäre der gro­ße Vor­sit­zen­de des Rates der EKD Herr Bed­ford-Strohm, so den­ke ich, alles ande­re als glück­lich dar­über, wenn man ihn als evan­ge­li­kal bezeich­nen wür­de.…

In Deutsch­land ver­bin­det man Evan­ge­li­ka­lis­mus wie­der­um häu­fig mit einer bap­tis­ti­schen Tauf­pra­xis, dass wie­der­um vor allem dem angel­säch­si­schen kon­ser­va­ti­ven Evan­ge­li­ka­lis­mus, ja selbst dem Fun­da­men­ta­lis­mus nicht gerecht wird, wenn man hier an die Bedeu­tung des Pres­by­te­ria­nis­mus denkt. Ist es viel­leicht das Fest­hal­ten an einem Kurz-Zeit-Crea­tio­nis­mus? Auch hier wür­de dann min­des­tens War­field, Packer und wahr­schein­lich auch Kel­ler aus dem Rah­men fal­len.

So muss auch Elwell, der Her­aus­ge­ber des Hand­books of Evan­ge­li­cal Theo­lo­gi­ans zuge­ben: „Was ist eigent­lich Evan­ge­li­ka­lis­mus? (…) Es soll­te kei­ne ein­fa­che ein­zel­ne auf die­se Ant­wort zu geben. Jeder scheint auf eine intui­ti­ve Wei­se zu wis­sen, was Evan­ge­li­ka­lis­mus bedeu­tet, doch wenn es dar­auf ankommt sei­ne Bedeu­tung nie­der­zu­schrei­ben, las­sen sich kei­ne zwei iden­ti­schen Defi­ni­tio­nen fin­den.“

Den­noch ist Elwell eine gute Aus­wahl gelun­gen. Dabei schränkt er den Rah­men sei­nes Lexi­kons wei­ter ein: Es wer­den nur Per­sön­lich­kei­ten betrach­tet, die zumin­dest einen Teil ihrer Kar­rie­re im letz­ten Jahr­hun­dert hat­ten, die sich mit der evan­ge­li­ka­len Bewe­gung iden­ti­fi­zie­ren konn­ten, und die ihr vor­nehm­li­ches Inter­es­se an der Theo­lo­gie, statt an bibli­schen Stu­di­en besa­ßen. Damit erstreckt sich Elwells Rah­men immer noch über zahl­rei­che Deno­mi­na­tio­nen, ob nun armi­nia­nisch, cal­vi­nis­tisch, cha­ris­ma­tisch, luthe­risch oder bap­tis­tisch. Ent­ps­re­chend erstreckt sich die­ses Hand­buch auf Per­so­nen wie Augus­tus Strong (immer­hin 1836 gebo­ren), Fran­zis­kus Piper, Cor­ne­li­us Van Til, aber auch Hel­mut Thieli­cke und John Wal­voord.

Es ist eigent­lich genau das  Wör­ter­buch, was ich schon län­ger gesucht habe. Die bio­gra­phi­schen Arti­kel geben nicht nur Sta­tio­nen im Leben der Per­so­nen wie­der, son­dern kon­zen­trie­ren sich in beson­de­rer Wei­se auf die Rezep­ti­on ihres Wer­kes und ihres Ein­flus­ses im Evan­ge­li­ka­lis­mus. Z.B. bekommt man beim sehr weit­rei­chen­den Werk von Carl F.H. Hen­ry, einem Theo­lo­gen, der in Deutsch­land nie die Bedeu­tung erreicht hat, die ihm zuste­hen­den soll­te, so über­haupt einen Zugang. In einem ande­ren Fall, näm­lich Lou­is Berk­hof, war es mir zum ers­ten Mal über­haupt mög­lich, eine der­art aus­führ­li­che Bio­gra­phie, mit so vie­len aus­führ­li­chen Infor­ma­tio­nen zu Per­son, Werk und Ein­fluss die­ses Dog­ma­ti­kers zu fin­den. Es ist erfri­schend zu sehen, wel­che Gigan­ten das oft so belä­chel­te zwan­zigs­te Jahr­hun­dert auch im Evan­ge­li­ka­lis­mus her­aus­ge­bracht hat.

Das Werk besitzt auch eini­ge Schwä­chen. So ver­misst man schnell eini­ge Per­so­nen, Bavinck z.B. Auch wären Arti­kel, die sich nicht auf ein­zel­ne Per­so­nen kon­zen­trie­ren, son­dern eine ver­bin­den­de oder eine Trans­fer-Funk­ti­on besit­zen, hilf­reich. Nun kann es auf­grund der har­ten poli­ti­schen Situa­ti­on in Chi­na kaum aka­de­misch täti­ge Evan­ge­li­ka­le geben (und gege­ben haben), bedeu­tet das aber zwangs­läu­fig, dass der chi­ne­si­sche (oder auch korea­ni­sche) Evan­ge­li­ka­lis­mus für das zwan­zigs­te Jahr­hun­dert nichts zu sagen hät­te? Das Wör­ter­buch ent­hält so eine zu sehr angel­säch­si­sche, eine zu wenig glo­ba­le Note. Rela­tiv offen wer­den his­to­ri­sche Ent­schei­dun­gen im Leben der Per­so­nen dar­ge­stellt, aber auch hier wären Trans­fer­ar­ti­kel hilf­reich. Nicht nur die bespro­che­nen Per­so­nen waren ent­schei­dend für den Auf­stieg des Dis­pen­sa­tio­na­lis­mus in den USA oder die Kri­se des Fun­da­men­ta­lis­mus nach dem ers­ten Welt­krieg. Das wären fei­ne Arti­kel gewor­den, wenn man sie sau­ber recher­chiert hät­te. Ähn­lich wären auch Arti­kel über die Ent­wick­lung von Bil­dungs­ein­rich­tun­ge, aber auch Zeit­schrif­ten und Ver­la­gen denk­bar.

Das letz­te Man­ko, rein tech­ni­scher Natur. Es blieb bei der ers­ten Auf­la­ge, die bereits über 25 Jah­re alt ist. Eine Aktua­li­sie­rung müss­te dann auch Theo­lo­gen wie Car­son oder Piper ein­bin­den.

Die­ses Hand­buch ist übri­gens nicht das ein­zi­ge Lexi­kon, dass Elwell her­aus­gab. Bei Logos lässt sich ein acht­bän­di­ges Set erwer­ben. Auch das von mir bespro­che­ne Werk ist Teil mei­ner Logos Biblio­thek und ist jedem emp­feh­len der sich an einen der Väter des Evan­ge­li­ka­lis­mus wagen möch­te und nach einem Start­punkt sucht, wo er anfan­gen kann! Es ist ein rei­ches Erbe, das hier auf uns war­tet!

 

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