Interviews
Schreibe einen Kommentar

Fisch und Frosch – Hand in Hand im Kon­sum

In­ter­view mit Han­ni­el Stre­bel

Der Fisch merkt nicht, dass er nass ist. Der Fisch sieht auch nicht den Frosch, der im hei­ßer wer­den­den Was­ser sitzt. Wir sind der Fisch, der Kon­sum ist das Was­ser. Lang­sam wer­den wir zu Frö­schen. Das ist die Evo­lu­ti­on des Kon­sums.

Mein Freund Han­ni­el Stre­bel hat sich inten­siv mit dem The­ma Kon­sum beschäf­tigt. Ich dan­ke ihm für sei­ne Ant­wor­ten!

1. Was ist Kon­sum? Was bedeu­tet die Aus­sa­ge, dass der Wes­ten eine Kon­sum­ge­sell­schaft ist?

Ich sehe den Kon­su­mis­mus als welt­wei­tes, nicht nur als west­li­ches Phä­no­men. Ich den­ke da an den kürz­lich erschie­ne­nen Bericht von den Chi­ne­sen, die am „Tag der Sin­gles“ online Rekord­käu­fe tätig­ten. Die Zei­tun­gen spra­chen von einem „Kon­sum­rausch“.

Nor­bert Bolz, Medi­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­theo­re­ti­ker, beschreibt in sei­nem Buch „Das kon­su­mis­ti­sche Mani­fest“ den Kon­sum als Ersatz­re­li­gi­on. Er ist für den Kon­su­men­ten „Wie­der­ver­zau­be­rung einer ent­zau­ber­ten Welt“. Das Waren­an­ge­bot dient als Bei­hil­fe zur Selbst­täu­schung. Bolz spricht vom „Kult der Ware“. All­täg­li­che Waren wer­den mit „spi­ri­tu­el­lem Mehr­wert“ auf­ge­la­den. Geld wird zum „tech­ni­schen Ersatz für Gott“, weil sie „uni­ver­sa­le Quel­le der Moti­va­ti­on“ ist.

Die Hab­sucht wird zur Tugend erklärt, denn sie zähmt die ande­ren Lei­den­schaf­ten. Da Geld den ein­zi­gen Sinn habe aus­ge­ge­ben zu wer­den, sto­ße sie im Kon­su­men­ten „Dau­er­re­fle­xi­on auf Kon­sum­mög­lich­kei­ten“ an. Städ­te sind Schau­plät­ze einer reli­giö­sen Insze­nie­rung des „spi­ri­tu­el­len Mehr­wer­tes“. Die Unter­neh­men spe­zia­li­sie­ren sich auf das „Emo­tio­nal Design“. Sie tre­ten auf dem Markt der Gefüh­le auf und bie­ten eine pas­sen­de „Sto­ry“ an. Der Kon­su­ment kon­su­miert selbst den Kon­sum, denn er ist im Grun­de genom­men stän­dig auf der Flucht vor der Lan­ge­wei­le.

Die Lust des Neu­en hängt am Kauf­akt, nicht am Besitz. „Kon­sum ist die ritu­el­le Hand­lung, die aus all­ge­mei­nen Waren das indi­vi­du­el­le Wah­re schafft.“ Der Kon­su­ment betreibt stän­dig „Self-fashio­n­ing“. Sein Leben wird zum Stoff eines Kunst­werks. Der Wunsch nach einem Wunsch hat den eigent­li­chen Wunsch ersetzt. Der Kon­su­ment will ver­führt wer­den. Kon­su­mie­ren braucht Zeit, und dar­um ist Kon­sum vor allem Zeit­kon­sum. Kon­su­mie­ren muss beschleu­nigt wer­den: Der ers­te Ein­druck zählt, und die Kun­den müs­sen zu einer raschen Ent­schei­dung ver­führt wer­den.

…wei­ter­le­sen bei www.josiablog.de

Hinterlasse einen Kommentar!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.