Gedichte/Lyrik, Zitate
Schreibe einen Kommentar

Ein christliches Lied, das Deutschland zur Buße ermahnt

Ein Lied von Johann Walter aus dem Jahr 1561

Es ist schon eini­ge Jahr­hun­der­te her, es war im Jahr 1561, da ver­fass­te Johann Wal­ter im Rück­blick auf die damals gera­de von Gott geschenk­te Refor­ma­ti­on das fol­gen­de Gedicht:

 1. Wach auf, wach auf, du deut­sches Land!
Du hast genug geschla­fen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaf­fen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir ver­traut sein höchs­tes Pfand,
drum magst du wohl auf­wa­chen.

2. Gott hat dich, Deutsch­land, hoch geehrt
mit sei­nem Wort der Gna­den.
Ein gro­ßes Licht dir auch beschert
und hat dich las­sen laden
zu sei­nem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn gela­den bist,
will hei­len dei­nen Scha­den.

3. Gott hat dir Chris­tus, sei­nen Sohn,
die Wahr­heit und das Leben,
sein lie­bes Evan­ge­li­um
aus lau­ter Gnad gege­ben;
denn Chris­tus ist allein der Mann,
der für der Welt Sünd gnug getan,
kein Werk hilft sonst dane­ben.

4. Du lagst zuvor im Fins­tern gar
mit Blind­heit hart gekrän­ket.
Bei dir kein Licht der Wahr­heit war.
Dein Herz war gar gelen­ket
zur Lüge und Abgöt­te­rei,
falsch Got­tes­dienst und Heu­che­lei
ins Teu­fels Reich ver­sen­ket.

5. Du hast zuvor den Anti­christ,
sein Teu­fels Lehr gehö­ret.
Und sei­ne Lügen, Stank und Mist
als gött­lich Ding geeh­ret.
Du gabst ihm noch als dei­nem Herrn
dein Leib und Gut auch wil­lig gern,
der keins dich nicht beschwe­ret.

6. Von sol­cher Lügen fal­schem Schein
hat Gott dein Herz getren­net.
Durch Luther, den Pro­phe­ten dein,
ganz Deutsch­land solchs beken­net.
Hat dich gezo­gen gnä­dig­lich
zu sei­nem Reich gar väter­lich.
wohl dem, der’s recht erken­net.

7. Für sol­che Gnad und Güte groß
sollst du Gott bil­lig dan­ken.
Nicht lau­fen aus sei’m Gna­den Schoß
von sei­nem Wort nicht wan­ken!
Dich hal­ten wie sein Wort dich lehrt.
Dadurch wird Got­tes Reich gemehrt,
gehol­fen auch den Kran­ken.

8. Du soll­test brin­gen gute Frucht,
so du recht­gläu­big wärest.
In Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solch’s selbst begeh­rest.
In Got­tes Furcht dich hal­ten fein
und suchen Got­tes Ehr allein,
dass du nie­mand beschwe­rest.

9. Ob du solchs tust, das ist am Tag,
darf nicht erwei­set wer­den.
Es zeugt jetzt die gemei­ne Klag’,
dass ärger nie auf Erden,
auch weil die Welt gestan­den ist,
noch nie gewest solch Tück’ und List,
in Wor­ten und Gebär­den.

10. Es ist nicht aus­zu­spre­chen mehr
die Bos­heit, Sünd und Schan­de,
die grau­sam Got­tes Läst’rung schwer,
so jetzt in deut­schem Lan­de.
Solch Sün­de ist so hoch gebracht,
dass auch dafür der Him­mel kracht,
erschüt­tert sei­ne Ban­de.

11. Gott hat sein Wort gege­ben drum,
dass wir uns zu ihm wen­den.
So kehrt Deutsch­land das Blätt­lein um,
tut sei­nen Namen schän­den.
Ist ärger wor­den denn zuvor,
all Sün­de schwebt jetzt hoch empor.
Drum wird Gott Stra­fen sen­den!

12. Der Wucher, Geiz, Betrü­ge­rei
wird jetzt als Kunst gelo­bet,
Ehe­bruch, Unzucht und Völ­le­rei,
wird auch noch wohl bega­bet.
Falsch Tück und List, Ver­rä­te­rei,
Untreu, Falsch­heit, groß Bübe­rei
ihr viel jetzt hoch erhe­bet.

13. Die Jugend wird gezo­gen jetzt
in Mut­will frech gewäh­net,
dass sie in Schalk­heit so ver­schmitzt,
was ehr­lich ist, ver­höh­net.
Ihr Klei­dung muss fein bübisch sein.
Das Weibs­volk gibt sehr bösen Schein,
mit Zier­lich­keit beschö­net.

14. Denn wel­cher Christ solch Kleid anblickt,
der wird vor Trau­er kla­gen.
Sein Herz vor Got­tes Zorn erschrickt.
Wird bei ihm selbst oft sagen:
Ach Gott, Deutsch­land, das drin­get dich!
Das du musst stra­fen här­tig­lich
mit schwe­ren gro­ßen Pla­gen.

15. All Ständ’ sind jetzt so gar
Will nie­mand sich erken­nen
mit gutem Schein, doch so gefärbt,
tun all sich Chris­ten nen­nen.
Und wird der gött­lich Name teu’r
zur Sünd‘ gebraucht so ungeheu’r,
Deutsch­land wird sich abbren­nen.

16. Was vor­mals Unrecht, Sünd’ und Schand’,
das tut man jetzt gut prei­sen.
Was vor­mals Blei und Zinn genannt,
das heißt man jetzt hart Eisen.
All Ding’ han sich so gar ver­kehrt.
Unrecht hat sich sehr hoch gemehrt.
Solch’s tut die Tat erwei­sen.

17. Die Wahr­heit wird jetzt unter­drückt,
will nie­mand Wahr­heit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwö­ren;
dadurch wird Got­tes Wort ver­acht’,
die Wahr­heit höh­nisch auch ver­lacht,
die Lüge tut man ehren.

18. Die­weil denn Deutsch­land gar nicht will
an Got­tes Wort sich keh­ren
und häuft der Sün­den täg­lich viel,
es lässt ihm nie­mand weh­ren,
so wird auch Gott ein schar­fe Rut,
viel Stra­fen sen­den wie ein Flut
und Deutsch­land Mores leh­ren.

19. Wer Augen hätt’ und sehen könnt,
der wür­de frei­lich spü­ren
an Him­mel, Erde, Luft und Wind
die Got­tes­stra­fe rüh­ren.
Viel Zei­chen lässt gesche­hen Gott.
Für­wahr er was im Sin­ne hat:
Will uns zur Buße füh­ren.

20. Mar­ti­nus Luther, Got­tes Mann,
hat Deutsch­land oft ver­mah­net.
Es sollt von Sün­den abelan,
ein gro­ße Straf ihm ahnet.
Gott würd an Deutsch­land stra­fen hart
den Undank an seim Gna­den­wort,
keins Undanks Gott sich scho­net.

21. Wach auf, Deutsch­land, ’s ist hohe Zeit,
du wirst sonst über­eilet,
die Straf dir auf dem Hal­se leit,
ob sich’s gleich jetzt ver­weilet.
Für­wahr, die Axt ist ange­setzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein feh­let.

22. Gott war­net täg­lich für und für,
das zeu­gen sei­ne Zei­chen,
denn Got­tes Straf ist vor der Tür;
Deutsch­land, lass dich erwei­chen,
tu rech­te Buße in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir rei­chen.

23. Das hel­fe Gott uns allen gleich,
dass wir von Sün­den las­sen,
und füh­re uns zu sei­nem Reich,
dass wir das Unrecht has­sen.
Herr Jesu Chris­te, hilf uns nu’
und gib uns dei­nen Geist dazu,
dass wir dein War­nung fas­sen.

24. O Gott gib, dass der Name dein
durch fal­sche Lehr nicht g’schändet!
Von dei­nem Wort und Leh­re rein
nicht wer­den abge­wen­det.
Dein Wil­le dämpf all’ Men­schen Tand,
so von der Wahr­heit abge­wandt,
durch Teu­fels List ver­blen­det.

25. Amen spricht, der dies Lied gemacht.
Gott trös­te, die Not lei­den,
und stür­ze bald der Lügen Pracht,
so Wahr­heit stets tut nei­den,
und mach zuschand, was Unrecht ist.
Stärk unsern Glau­ben, Jesu Christ,
wenn wir von hin­nen schei­den.

Kategorie: Gedichte/Lyrik, Zitate

von

Alexander Rempel (1986), verheiratet mit Jennifer, ein Sohn und drei Töchter. Liebhaber christlicher Medien, eBook-Fan und Gründer des ersten christlichen eBook-Verlags, ceBooks.de.

Hinterlasse einen Kommentar!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.