Biografien
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Dorsett: Voller Leidenschaft für Gott — Das Leben von A.W. Tozer

Man kann sehr wohl behaup­ten, dass Aiden Wil­son Tozer zu den beein­dru­ckends­ten evan­ge­li­ka­len Per­sön­lich­kei­ten aus dem 20. Jahr­hun­dert gehört. Als ich mal in unse­rer ört­li­chen Buch­hand­lung stö­ber­te, viel mir ein Buch von ihm auf. Ich las ein paar Sei­ten und war von der schar­fen Denk­wei­se gefes­selt. Als dann die Bio­gra­fie erschien, nahm ich es gleich auf mei­ne men­ta­le Lese­lis­te.

Der Autor Lyle W. Dor­sett hat mit allen Kin­dern von Tozer und vie­len Bekann­ten, Freun­den und ande­ren Zeit­ge­nos­sen im Vor­feld Inter­views geführt. Es ist nicht ver­wun­der­lich, dass dabei eine sehr per­sön­li­che Bio­gra­fie ent­stan­den ist. In den meis­ten Bio­gra­fi­en wird mit Kri­tik, oder bes­ser gesagt, mit der Nen­nung von Schwä­chen gespart. Oft ent­steht dabei ein ver­klär­tes und unwah­res Bild von Die­nern Got­tes. Hier jedoch ganz anders.

Aiden und sei­ne Frau Ada haben kei­ne beson­ders gute Ehe geführt. Oft fühl­te sich Ada allein und unge­liebt. Das lag wohl vor allem an Aidens küh­lem Tem­pe­ra­ment und Emo­ti­ons­lo­sig­keit. Auch in sei­nem Dienst als Pas­tor und Pre­di­ger lehn­te er den „Ruf nach vor­ne“ ab, da er kei­ne „Bekeh­run­gen“ durch Emo­tio­nen her­vor­ru­fen woll­te. Sei­ne sie­ben Kin­der hat­ten fast durch­ge­hend nur wenig Kennt­nis von ihrem Vater. Die Bezie­hun­gen blie­ben zeit­le­bens kühl. Ganz im Gegen­teil dazu such­te er oft den Kon­takt zu den Kin­dern in der Gemein­de und nahm sich Zeit für sie. Beim Lesen fällt auf, wie oft die ungu­ten Bezie­hun­gen Tozers zu sei­ner Fami­lie Erwäh­nung fin­den.

Nach dem Tode Aidens und der erneu­ten Hei­rat von Ada beschrieb sie ihre Sicht der Din­ge:

„Nie in mei­nem Leben bin ich glück­li­cher gewe­sen. Aiden lieb­te Jesus Chris­tus, aber Leo­nard Odam liebt mich.“

Zum Glück ist das nur eine Facet­te Tozers und so wird bald klar, dass Tozer ein gro­ßer Freund von guter Lite­ra­tur war. Ganz im Gegen­satz zu der typi­schen Land­be­völ­ke­rung aus sei­ner Kind­heit such­te er die intel­lek­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung und ermu­tig­te ande­re zu Lesen.

Tozer war ein Mensch, der nicht das Ram­pen­licht und nicht die Öffent­lich­keit such­te. Immer wie­der sprach er sich in pro­phe­ti­scher Wei­se gegen fal­sche Ent­wick­lun­gen der (ame­ri­ka­ni­schen) Evan­ge­li­ka­len aus. Den auf­stre­ben­den Glau­ben an Metho­den in der Ver­kün­di­gung erkann­te er früh als einen Irr­weg und mach­te sich dabei nicht immer nur Freun­de.

Vol­ler Lei­den­schaft mit Gott ist der Titel der Bio­gra­fie. Und die­se Lei­den­schaft wird beson­ders in sei­nen Büchern deut­lich. Sein Buch „Got­tes Nähe suchen“ schrieb er nachts auf einer Zug­rei­se. Weil er ein fal­sches Got­tes­bild bei vie­len Chris­ten fest­stell­te, ver­fass­te er das aktu­ell lei­der ver­grif­fe­ne Buch „Das Wesen Got­tes“.

Ich bin über­zeugt, dass die­se Bio­gra­fi­en für alle inter­es­sant sein wird, die Tozer bereits aus sei­nen zahl­rei­chen Büchern ken­nen. Es ist ein ehr­li­ches Buch das zum Nach­den­ken und zur Selbst­re­fle­xi­on her­aus­for­dert. Wie ist mein Ver­hält­nis zur eige­nen Fami­lie und zum Dienst? Wel­che Prio­ri­tä­ten habe ich gesetzt?

Aiden Wil­son Tozer ist ein Pro­phet mit aus­ge­präg­ten Feh­lern gewe­sen. Aber sei­ne Bücher sind es unbe­dingt wert, gele­sen zu wer­den. Und die­se Bio­gra­fie zeich­net ein ein­drück­li­ches Bild die­ses Man­nes.

Daten
Titel: Vol­ler Lei­den­schaft für Gott — Das Leben von A.W. Tozer
Autor/Herausgeber: Lyle W. Dor­sett
Sei­ten: 256
For­mat: 14 x 21 cm
Ein­band: Paper­back
Jahr: 2009
Ver­lag: SCM Hänssler
Preis: 6,95 EUR
erhält­lich bei: www.scm-shop.de, www.cbuch.de

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