Mission und Evangelisation
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Die Zeit auskaufen

Die folgenden Zeilen fand ich in „Vom Knast zur Kanzel – Das Leben des Wolfgang Dyck“ (S.117 ff.)

Müßiggang ist aller Laster Anfang, sagt das Sprichwort. Es muss ja gleich nicht alles so dick kommen; es fängt meist klein an. Meine Frau und ich machten einen kleinen Spaziergang die Bahrenfelder Chaussee runter. Da sahen wir auf der anderen Seite die Reklame der Bahrenfelder Lichtspiele: »Der brave Soldat Schweijk«. Ein Film, den ich schon früher einmal in der ostzonalen Fassung gesehen hatte. Da ich nun einmal für mein Leben gern lache und wir nichts vor hatten, gingen wir nach langer, langer Zeit zum ersten Mal ins Kino. Ausgerechnet wurde an diesem Abend als Vorfilm ein kurzer Streifen gezeigt: »Der Sonntag der anderen«. Dieser Film berichtete von der Arbeit der Heilsarmee. Alle Akteure kannte ich persönlich. Ich sagte zu meiner Frau: »Da muss ich ausgerechnet ins Kino gehen, um mir zeigen zu lassen, was ich in meiner freien Zeit zu tun habe.« Eine Bank hinter uns spotteten einige junge Leute beim Anblick der Heilsarmee. Mit ein paar gezielten Worten brachte ich sie zum Schweigen. So hatte mein Kinobesuch einen doppelten Dienst getan. Eigentlich hatte ich ja gar kein Recht, mich über das verkehrte Verhalten anderer Leute aufzuregen, wo ich ja selber verkehrt gehandelt hatte. Als wir dann zu Hause ankamen, bekam ich eine zweite Zurechtweisung. Ich öffnete den Briefkasten und zog einen Umschlag hervor, in dem ein Exemplar »Herold Seines Kommens« lag. Ausgerechnet in diesem Blatt stand ein Leitartikel unter der Überschrift: »Jesus als Straßenprediger«. In dieser Nacht wurde mir unumstößlich klar, dass mein Platz am Hamburger Hauptbahnhof ist. So begannen wir am nächsten Sonntag um 19 Uhr wie gewohnt unsere Straßenpredigten. Seit dieser Lektion habe ich sehr auf meine Zeit achtgegeben. Ich habe mir dann auch keinen Kinobesuch mehr geleistet. Natürlich möchte ich daraus kein Gesetz für andere machen, denn ich kann von anderen nicht fordern, was für mich gilt. Dennoch sollten wir bedenken, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht. Zeit haben heißt Leben haben und unser Leben gehört Gott. Es sollte immer zu seiner Verfügung stehen. Ansonsten sollte man sich erholen und ausruhen, um so bereit zu sein für den nächsten Dienst.

Wolfgang Dyck wurde schon als Jugendlicher wiederholt straffällig und verbrachte 11 Jahre seines Lebens hinter Gefängnismauern. Durch den Kontakt zur Heilsarmee erlebte er seine Umkehr zu Jesus Christus, die sein Leben total veränderte. Aus dem ehemaligen Schwerverbrecher wurde nun ein leidenschaftlicher Rufer zu Jesus Christus. In Kneipen und Nachtlokalen, in Zuchthäusern und auf der Straße verkündigte er in rastlosem Einsatz die Botschaft vom Kreuz. Wo er erschien, gab es Schlagzeilen in den Zeitungen und Tumult unter den Christen. Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte ist ein Beweis dafür, dass es bei Gott keine unmöglichen Fälle gibt.

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