Die kleine Seelsorgereihe

Wer das CCEF auch nur oberflächlich verfolgt, erfährt welch großartige Arbeit Welch, Tripp und bis zu seinem viel zu frühen Tod Powlison im Bereich der Seelsorge geleistet haben. Gott gab ihnen Gnade, dass Seelsorge wieder zum Dienst der Gemeinde an ihren Gliedern, zur Hilfe von Christ am Mitchrist wird. Vor allem, die Neuentdeckung des Kampfplatz des Herzens dürfte reformierte Theologie in einer feinfühligen Anwendung sein. Praktisch bedeutet es, dass man Leidende, Trauernde, Depressive, Schizophrene, Pornosüchtige, Menschen mit Wahnvorstellungen, Ängsten, Zwängen und aller Nöte, die es sonst geben kann, zum Kreuz Christi führt und nicht einfach nur mit bloßen Plattitüden abspeist oder was noch schlimmer wäre, denke, dass ein Verweis auf einen Nervenarzt bereits der vollständige Akt christlicher Nächstenliebe sei. Tatsache ist: Wird man mit Leiden unserer Geschwister und Freunde konfrontiert, dann liegt zwar tatsächlich ein schneller Rat auf der Zunge, im Sinne von: „Stell dich nicht so an!“, „Oh, du Arme!“, „Mach doch einfach das und das….“, „So schlimm ist das nicht, habe ich auch gehabt“. Doch genau solche Ratschläge erteilt dir schließlich auch jeder beliebige Mensch, denn du zufällig aus dem Telefonbuch wählen würdest. Das es besser gehen muss, wird schnell klar. Mit der zahlreichen Literatur, die der 3L Verlag schon seit Jahren in diesem Bereich herausgibt, ist bereits gutes Material gegeben. Mit der kleinen Seelsorgereihe ist nun weiteres interessantes Material dazugekommen: 24 Heftchen, die sich auch gut als Verteil- oder Auslegematerial für Beratungsstellen und Gemeinden eignen. Ich habe ein paar gelesen:

  • Pornografie – Sieg über den Drachen: Dieses Heftchen eignet sich sehr gut, zur Weitergabe, an Betroffene, da es ein Interview zwischen Powlison und einem Bruder ist, der über 20 Jahre lang mit der Pornographie kämpfte. Sehr ehrlich und ergreifend schildert der Bruder, wie Gott sein böses Herz enttarnte
  • Heilung nach Ehebruch: Sowohl der Täter, wie das Opfer benötigen Erlösung, um nicht in Gier, Unzufriedenheit, Schuld, Verzweiflung, Scham oder Rache unterzugehen.
  • Häusliche Gewalt: Die Situation ist verzwickt: „Paare, die in der Öffentlichkeit friedlich zusammen auf den Kirchenbänken sitzen, könnten trotzdem im Streit miteinander liegen. (….) bei dieser Art Krieg finden wir auf beiden Seiten Schuld; doch wenn Gewalt im Spiel ist, unterdrückt üblicherweise der stärkere Mann seine Frau“. Das Buch deckt die verzwickten Irrwege der Selbstrechtfertigung im Denken des Aggressors geschickt auf.
  • Eine Traumehe: „Hören Sie auf mir zu sagen, dass Gott mich liebt! Ich will hören, dass mein Mann mich liebt“ gestand eine Frau dem Seelsorger. Auch in einer kaputten Ehe kann man Freude finden.
  • Teens und Sex: Tripp deckt zurecht auf, dass die Kirche hier versagt, dem starken säkularen Sog entgegenzutreten und bespricht in Kürze zahlreiche Strategien zum Einleiten von Gegenmaßnahmen.

Ein Heft ist in etwas mehr als einer halben Stunde durchgearbeitet und somit eignen sich diese Hefte sehr gut als „Gute-Nacht-Lektüre“ vor dem Schlafengehen. Die Auswahl und Bandbreite ist zudem für vielfältige Lebensbereiche (z.B.: Leid, ADHS, Selbstverletzung, Vergebung…) ausgelegt, was die Bücher sehr nützlich macht. Ich vermisse einen (entsprechend kostengünstigeren) Gesamtband, der als eine Art Handbuch der Seelsorge realisiert ist. Dies könnte auch als Logos-Modul erfolgen.

Ein letzter Hinweis: Wenn du dich selbst in einer schwierigen Situation befindest und Rat und Hilfe suchst, ermutige ich dich, dir Unterstützung und Gebet in der Gemeinde und bei Christen zu suchen. Gerne darfst du mich auch unter pauli @ glaubend.de  oder auch auf anderen Wegen kontaktieren.

 

2 Kommentare zu „Die kleine Seelsorgereihe“

  1. Du bist hier nicht ganz konsistent. Zwei Artikel weiter hinten zum Buch „Ist das Gehirn schuld?“ schreibst du bezgl. Schizophrenie-Kranken: „Auch dabei dürfte die Ursache darin liegen, dass man nicht zwischen Sünde (des Herzens) und Schwäche (des Leibes) unterscheidet.“ Hier meinst du nun, man solle sie nicht zum Nervenarzt schicken. Wohin denn sonst? Bei Schizophrenie helfen nach meiner sehr leidvollen Erfahrung (in der Familie) genau wie bei schweren Depressionen nur Medikamente, und die verschreibt nur ein Psychiater.

  2. Ruth, vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast aller wahrscheinichkeit nach Recht. Im Buch „Ist das Gehirn schuld“ spricht sich Welch nicht gegen oder für Medikamente aus. Ich habe Schizophrenie in einem eher einfachen Stadium beobachten dürfen, wo ich persönlich denke, dass medikamentöse Gabe fehl am Platz war. Ich kann leider nicht viel über schwere Fälle sagen. Ich danke dir für den Hinweis und werde das im obigen Artikel korrigieren. Im Blick hatte ich eine Situation, in der man mit Gesten der Liebe und mit weisen Worten mehr geholfen hätte als mit der Gabe von Medikamenten.

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