Ehe/Familie/Erziehung, Kirchengeschichte
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„Die höchste Gnade Gottes ist es, wenn in der Ehe die Liebe dauernd blüht…“

Lyndal Roper stellt in ihrer Biographie über Martin Luther schlüssig dar, mit welcher Leichtigkeit Luther ein tausend Jahre altes Verständnis über Ehe und vor allem über Sexualität zur Seite wischte. Liest man seine zahlreichen Aussagen über die Ehe, wird schnell deutlich, dass Luther deswegen derart revolutionär, faszinierend fortschrittlich und mutig anti-kulturell ist, dabei aber praktisch und in sich schlüssig bleibt, weil er beharrlich und immer wieder zum Wort Gottes zurückkehrt.  Im Folgenden eine kleine Auswahl; die Quellennachweise habe ich dabei gesondert gesammelt(download).

Zum Aufwärmen einige Aussagen aus den Tischreden:

„Es ist sehr gut, daß Gott nicht will, daß die Ehe zerrissen werde, denn sonst würde sie zugrunde gehen und aufhören, die Sorge für die Kinder würde in Gefahr geraten und der Hausstand würde fallen, und danach würde auch das Weltregiment und die Religion vernachlässigt werden. Es ist aber die Ehe die Grundlage des Hauswesens, der öffentlichen Ordnung, der Religion.“ [1]

„Über die Ehe, diese ehrwürdige und göttliche Stiftung, sagte er (Luther) vieles Ausgezeichnete: daß sie nach dem Gottesdienst um vieler Ursachen willen der wichtigste Stand sei, aber die Menschen, das Vieh auf dem Felde und die Hefe dieser Welt fliehen sie um der (damit verbundenen) persönlichen Unbequemlichkeit willen. Sie wollen dem Regen entlaufen und fallen dabei ins Wasser. Deshalb muß man es im Namen des Herrn wagen und das Kreuz auf sich nehmen. Man muß die Ordnung Gottes beachten, wegen der Aufgabe, Kinder zu zeugen. Wenn es diesen Grund nicht gäbe, so sollten wir doch bedenken, daß sie ein Mittel gegen die Sünde ist.“ [2]

Eine kurze Anmerkung dazu: Mit „Sünde“ meint Luther an dieser Stelle den Geschlechtsverkehr.

Am Tage nach Neujahr schrie das Kind des Doktor Martinus so sehr, daß es sich von niemandem zur Ruhe bringen ließ. Da saß der Herr Doktor eine ganze Stunde traurig mit seiner Frau. Dann sagte er: Das sind die Nöte der Ehe, um derentwillen sich jeder vor der Ehe scheut. Wir fürchten uns alle vor dem Eigensinn der Frauen, vor dem Geschrei der Kinder, vor den Sorgen und vor schlechten Nachbarn. Deshalb wollen wir gern frei sein und nicht gebunden. Wir wollen freie Herren bleiben und gehen (lieber) zu einer Dirne. Außerdem haben die Väter auch nichts Bemerkenswertes über die Ehe geschrieben. [3]

„Die höchste Gnade Gottes ist es, wenn in der Ehe die Liebe dauernd blüht. Die erste Liebe ist feurig, eine trunkene Liebe, mit der wir geblendet werden und wie die Trunkenen hinangehen. Wenn wir die Trunkenheit ausgeschlafen haben, dann bleibt in den Frommen die echte Eheliebe, die Gottlosen aber haben die Reue.“ [4]

„Daß die Ehe eine Ehe, die Hand eine Hand und Reichtum Reichtum ist, das begreifen alle Menschen und glauben es. Aber zu glauben, daß die Ehe von Gott gestiftet, daß die Hand eine Hand ist durch die Schöpfung Gottes, und daß die Nahrung, die ich genieße und alles andere zu meinem Gebrauch mir von Gott gegeben und Gottes Schöpfung ist – das zu glauben ist nicht ein Werk der Menschen sondern Gottes an den Menschen.“ [31]

Auch über seine eigene Ehe berichtet Luther gerne und regelmäßig. So schreibt er über seine ersten Ehejahre:

„Das erste Jahr der Ehe macht einem seltsame Gedanken. Denn wenn er am Tische sitzt, denkt er: Vorher war ich allein, nun bin ich zu zweit. Wenn er im Bette erwacht, sieht er ein Paar Zöpfe neben sich liegen, welche er früher nicht sah. Ebenso verursachen die Frauen ihren Männern, wenn diese auch noch so sehr beschäftigt sind, viele unnötige Störungen. So fragte meine Katharina mich zuerst, da sie bei mir saß, als ich ernstlich studierte und sie spann: Herr Doktor, ist der Hochmeister (des Deutschen Ritterordens) des Markgrafen (Albrecht) Bruder?“ [5]

An einer anderen Stelle berichtet er noch offenherziger:

„Luther sprach von seiner Heirat: Wenn ich vor vierzehn Jahren hätte heiraten wollen, dann hätte ich mir die Ave von Schönfeld, die jetzige Frau des Basilius Axt, ausgesucht. Die meine habe ich (damals) gar nicht geliebt; ich hatte sie immer in Verdacht, sie sei hochmütig. Aber Gott hat es so gewollt, daß ich mich der gänzlich Verlassenen erbarmte. Und durch Gottes Gnade schlug mir diese Ehe zum großen Glück aus. Ich habe eine treue Frau, wie Salomo (Spr. 31, 11) sagt: »Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen.« Sie verdirbt mirs nicht. Ach, lieber Herrgott, die Ehe ist nicht etwas Natürliches oder Naturbedingtes, sondern sie ist ein Geschenk Gottes. Sie ist ein überaus liebliches Leben, ja sie ist ganz und gar keusch und steht höher als jeder Zölibat. Wenns aber übel gerät, so ist es die Hölle. Obwohl die Frauen sich im allgemeinen sehr auf die Kunst verstehen, die Männer mit Weinen, Lügen und Reden zu betören und sie alles fein verdrehen können, trotzdem – wenn diese drei Stücke im Ehestand bleiben: Treue, Kindersegen und göttliche Stiftung – dann ist der Ehestand reich gesegnet. Ach, wie sehnte ich mich in Schmalkalden, als ich auf den Tod krank lag, nach den Meinen! Ich dachte schon, ich würde Frau und Kinder nie wiedersehen. Wie schmerzlich war mir diese Trennung! Jetzt glaube ich gern, daß auch die Sterbenden solche natürlichen Neigungen empfinden. Aber nachdem ich nun wieder gesund geworden bin, liebe ich meine Frau und die Kinder nur um so mehr. Niemand ist so geistlich, daß er solche natürliche Liebe nicht fühlte. Denn das Bündnis zwischen einem Mann und einer Frau ist eine große Sache, sie beruht nämlich auf dem Naturgesetz und auf der göttlichen Ordnung und Einsetzung.“ [6]

Frisch aus der Wartburg zurückkehrend und noch ganz Mönch veröffentlicht Luther 1522 ein kurzes Werk über  „das eheliche Leben“. Ich habe es mit Genuß gelesen. In aller Kürze entwickelt Luther ein evangelisches Verständnis der Ehe. Er erkennt auch in diesem Thema das Spaltungspotential zu Rom:

„Mir graut und ich predige nicht gern vom ehelichen Leben, deshalb, weil ich befürchte: wo ichs einmal recht anrühre, wirds mir und andern viel zu schaffen geben. Denn der Jammer ist durch das päpstliche verdammte Gesetz so schändlich verwirrt, dazu haben sich durch das nachlässige Regiment des geistlichen wie des weltlichen Schwerts so viel greuliche Mißbräuche und irrige Fälle darin begeben, daß ich nicht gern drein sehe, noch gern davon höre. Aber angesichts der Not hilft kein Scheuen, ich muß hinan, die elenden, verwirrten Gewissen zu unterrichten und frisch dreingreifen. Ich teile diese Predigt in drei Teile.“ [7]

Dabei war der Bruch mit Rom auch bei diesem Thema bereits initiiert worden. Denn 1520 verwarf Luther in der explosiven Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ das Sakramentalverständnis Roms:

„Weiter: weil die Ehe von Anfang der Welt bestanden hat und (selbst) bei den Ungläubigen noch bis zum Augenblick besteht, so gibt es keinen Grund dafür, daß die Ehe ein Sakrament des neuen Gesetzes und der Kirche allein genannt werden kann. Denn die Ehen der Väter waren nicht weniger heilig als unsere,und die Ehen der Ungläubigen sind nicht weniger echte Ehen als die der Gläubigen – und doch halten sie es bei denen (den Ungläubigen) nicht für ein Sakrament. Außerdem sind bei den Gläubigen auch gottlose Eheleute, die viel gottloser sind als die Heiden selbst. Warum soll denn hier die Ehe ein Sakrament genannt werden, aber nicht bei den Heiden?“ [8]

Doch zurück zur Schrift „Vom ehelichen Leben“. Ich habe sie mit soviel Freude gelesen, dass ich mich kaum entscheiden konnte, welche Zitate ich wählen soll, so dass ich sie an dieser Stelle zahlreich einfüge. Die Schrift ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil geht Luther der Frage nach, „welche Personen miteinander die Ehe schließen können“:

„Aufs erste wollen wir sehen, welche Personen miteinander die Ehe schließen können. Und auf daß wir dazu einen passenden Eingang machen, nehmen wir uns den Spruch 1. Mose 1, 27 vor: »Gott schuf den Menschen, als Mann und Weib.« Auf Grund dieses Spruches sind wir sicher, daß Gott die Menschen in die zwei Teile geteilt hat: daß Mann und Weib oder ein Er und Sie sein soll. Und das hat ihm so gefallen, daß ers selbst ein gutes Schöpfungswerk nennt (1. Mose 1, 31). Darum wie Gott seinen Leib einem jeden von uns geschaffen hat, so muß er ihn haben, und es steht nicht in unserer Gewalt, daß ich mich zu einem Weibsbild oder du dich zu einem Mannsbilde machest, sondern wie er mich und dich gemacht hat, so sind wir: ich ein Mann, du ein Weib. Und solch gutes Schöpfungswerk will er geehrt und als sein göttlich Werk unverachtet (gehalten) haben, daß der Mann das Weibsbild1 nicht verachte noch verspotte, und umgekehrt (auch) das Weib den Mann nicht, sondern daß ein jeglicher des andern Bild und Leib als ein göttlich gut Werk ehre, das Gott selbst wohlgefällt.“ [9]

Luthers Hinweis darauf, dass die Schöpfungsordnung mehr ist als einfach ein Gebot, empfinde ich als sehr treffend und hilfreich:

„Denn dies Wort, da Gott spricht: »Seid fruchtbar und mehret euch«, ist nicht ein Gebot, sondern mehr als ein Gebot, nämlich ein göttlich Werk, das zu verhindern oder zu unterlassen nicht bei uns steht, sondern es ist ebenso notwendig, wie daß ich ein Mannsbild sei und notwendiger als Essen und Trinken, Reinigung des Leibes,Schlafen und Wachen. Es ist eine (dem Menschen) eingepflanzte Natur und Art ebensowohl wie die Gliedmaßen, die dazu gehören. Darum gleichwie Gott niemand gebietet, daß er Mann oder Weib sei, sondern es schafft, daß sie so sein müssen,ebenso gebietet er auch nicht, sich zu mehren, sondern schafft es, daß sie sich mehren müssen. Und wo man dem wehren will, da ists dennoch ungewehrt und geht doch durch Hurerei, Ehebruch und stumme Sünde seinen Weg, denn es ist Natur und nicht freies Ermessen hierin.“ [10]

Luther erkennt drei Menschen an, die aus der Schöpfungsordnung ausgenommen werden.

„Aus dieser Schöpfungsordnung hat er dreierlei Menschen selbst ausgenommen: Matth. 19, 12, da er sagt: »Etliche enthalten sich der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unfähig sind; etliche enthalten sich, weil sie von Menschen zur Ehe untauglich gemacht sind; und etliche enthalten sich, weil sie um des Himmelreichs willen auf die Ehe verzichten.« Über diese drei (Gruppen) hinaus vermesse sich kein Mensch, ohne ehelich Gemahl zu sein. Und wer sich nicht in dieser drei (Gruppen) Zahl befindet, der denke nur auf das eheliche Leben, denn da wird nichts anderes draus, du bleibst nicht rechtschaffen, es ist unmöglich. Sondern das Wort Gottes, das dich geschaffen und gesagt hat: Sei fruchtbar und mehre dich, das bleibt und regiert in dir, und du kannst dich ihm mitnichten entziehen, oder du wirst greuliche Sünde ohne Aufhören tun müssen.“ [11]

Damit ist für Luther die Ehelosigkeit als Entscheidung für einen Christenmenschen nur dann möglich, wenn er sich für das Reich Gottes weiht. Er führt aus:

„Ich will lieber am Himmelreich, das ist am Evangelium, schaffen und (die Zahl der) geistlichen Kinder mehren. Diese sind selten, und unter tausend Menschen ist nicht einer, denn sie sind Gottes besonderes Wunderwerk, dessen sich niemand unterwinden soll, Gott rufe ihn denn besonders wie Jeremia (Jer. 1, 5; 16, 2), oder er finde Gottes Gnade so mächtig in sich, daß jenes Wort Gottes »Seid fruchtbar und mehret euch« keine Stätte in ihm habe.“ [12]

Künstlich oder Gewalttätig gegen den Sexualtrieb vorzugehen lehnt Luther ab:

„Das ist die (…)Weise, der Natur zu wehren, daß sie nicht sich same noch mehre, Gottes eingepflanztem Werk und Art entgegen, gerade als wäre es in unserer Hand und Macht, Jungfrauschaft zu haben wie Kleider und Schuhe. Aber wenn man mit eisernen Gittern und Schlössern Gottes Schöpfung und Wort wehren könnte, so hoffe ich, wir wollten auch so dicke und große eiserne Gitter davorsetzen, daß aus Weibern Männer würden oder aus Menschen Stein und Holz.“ [13]

Luther bespricht in dieser kurzen Schrift auch drei Gründe, die eine Scheidung rechtfertigen. Dies stellt den zweiten Teil seiner Schrift dar:

„Drei Ursachen weiß ich, die Mann und Weib voneinander scheiden. Die erste, von der jetzt und oben geredet wird: wenn Mann oder Weib der Gliedmaßen oder der Natur halber untüchtig zur Ehe ist (wie das sein kann, davon ist genug geredet). Die zweite ist der Ehebruch. Von dieser Ursache haben die Päpste geschwiegen, darum müssen wir Christus Matth. 19, 3 ff. hören (…) (Anm.: An dieser Stelle bespricht Luther die genannte Stelle ausführlicher) (…) Die dritte Ursache (für eine Scheidung) ist, wenn sich eins dem andern selbst beraubt und entzieht, daß es die eheliche Pflicht nicht zahlen noch bei ihm sein will. Wie man wohl so ein halsstarrig Weib findet, das seinen Kopf aufsetzt, und sollte der Mann zehnmal in Unkeuschheit fallen, so fragt sie nicht danach.Hier ist es Zeit, daß der Mann sage: Willst du nicht, so will eine andere, will die Frau nicht, so komme die Magd. Aber doch so, daß der Mann es ihr zuvor zwei- oder dreimal sage und sie warne und es vor andere Leute kommen lasse, daß man öffentlich ihre Halsstarrigkeit wisse und vor der Gemeinde strafe. Will sie dann nicht, so laß sie von dir und laß dir eine Esther geben und die Vasthi fahren, wie der König Ahasveros tat (Esth. 1, 12 ff.).“ [14]

Für das konservative evangelikale Verständnis, dass nach einer Scheidung eine Wiederheirat ausschließt, hätte Luther diese Erklärung:

“ Darum hat Gott im Gesetz geboten, die Ehebrecher zu steinigen, daß sie dieser Frage nicht bedürften. So soll auch (heute) noch das weltliche Schwert und die Obrigkeit die Ehebrecher töten. Denn wer seine Ehe bricht, der hat sich schon selbst geschieden und ist für einen toten Menschen zu achten. Darum kann sich das andere wieder verheiraten, gleich als wäre ihm sein Gemahl gestorben, wo er nach dem Recht verfahren und ihm nicht Gnade erzeigen will. Wo aber die Obrigkeit säumig und lässig ist und nicht tötet, mag sich der Ehebrecher in ein anderes fernes Land fortmachen und daselbst freien, wo er sich nicht enthalten kann, aber es wäre besser: Tot, tot mit ihm, um das böse Beispiel zu meiden.“ [15]

Man mag diesen Ton als schockierend empfinden, dennoch ist Luther korrekt in der Einschätzung, dass das Alte Testament da sehr deutlich ist, indem es Mord und Ehebruch gleichermaßen als Kapitalverbrechen einstufft. Luther wird sogar noch deutlicher:

„Wird dies aber jemand anfechten und wird er sagen: damit wird allen bösen Männern und Weibern Luft und Raum gegeben, voneinander wegzulaufen und sich in fremdem Land wieder zu verheiraten. Antwort: was kann ich dafür? Es ist der Obrigkeit Schuld, warum tötet man die Ehebrecher nicht? Dann brauchte ich einen solchen Rat nicht zu geben. Es ist ja unter zwei bösen (Dingen) eins besser, nämlich daß nicht Hurerei geschehe, als einen Ehebrecher sich in andern Ländern wieder verheiraten und meinen lassen, er sei auch vor Gott sicher, weil ihm sein Leben gelassen wird und er sich doch nicht enthalten kann. Laufen aber nach diesem Beispiel auch andere voneinander, so lasse sie laufen, sie haben nicht Ursache wie dieser, denn sie werden nicht vertrieben noch gezwungen. Gott und ihr Gewissen wird sie zu seiner Zeit finden, wer kann aller Bosheit wehren?“ [16]

Neben den drei genannten Anlässen für eine Scheidung, diskutiert Luther auch die Möglichkeit, dass eine Trennung für die Partner gelegentlich eine sinnvolle Maßnahme sein könnte. Offensichtlich hat er hier Gewaltsituationen im Blick:

„Über diese drei Ursachen ist noch eine, die Mann und Weib voneinander scheiden läßt, aber doch so, daß beide hinfort ohne Ehe bleiben oder sich wieder versöhnen müssen. Die ist, wenn Mann und Weib sich nicht wegen der ehelichen Pflicht, sondern um anderer Sachen willen nicht vertragen. Davon spricht Paulus 1. Kor. 7, 10 f.; »Den Ehelichen aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß die Frau sich nicht scheide von dem Manne, hat sie sich aber geschieden, soll sie ohne Ehe bleiben oder sich mit dem Manne versöhnen, und daß der Mann die Frau nicht von sich schicke.« Über solche Weiber klagt auch Salomo viel Pred. 7, 27 ff. und sagt, er habe ein Weib gefunden, das sei bitterer als der Tod. Ebenso findet man (aber) auch manchen wüsten, wilden, unerträglichen Mann.
Nun wenn hier eins von christlicher Stärke wäre und trüge des andern Bosheit, das wäre wohl ein fein seliges Kreuz und ein richtiger Weg zum Himmel. Denn ein solch Gemahl erfüllt wohl eines Teufels Amt und fegt den Menschen rein, der es anerkennen und tragen kann. Kann ers aber nicht, so laß er sich lieber scheiden, ehe er denn Ärgeres tut, und bleibe ohne Ehe sein Leben lang. Daß er aber sagen wollte, es sei nicht seine Schuld, sondern die des andern und er wollte ein ander ehelich Gemahl nehmen, das gilt nicht, denn er ist schuldig, Übel zu leiden, oder sich allein durch Gott vom Kreuz nehmen zu lassen, weil die Ehepflicht nicht versagt wird. Es gilt hier das Sprichwort: Wer das Feuer haben will, muß den Rauch auch leiden.“ [18]

„Wie denn, wenn jemand ein krank Gemahl hat, das ihm zur ehelichen Pflicht unbrauchbar geworden ist, darf der nicht ein anderes nehmen? Beileibe nicht, sondern er diene Gott in dem Kranken und warte sein, denke, daß dir Gott an ihm etwas in dein Haus9 geschickt hat, womit du den Himmel erwerben sollst. Selig und aber selig bist du, wenn du solche Gabe und Gnade erkennst und deinem Gemahl so um Gottes willen dienst. Sagst du aber: ja, ich kann mich nicht enthalten? Da lügst du! Wirst du mit Ernst deinem kranken Gemahl dienen und anerkennen, daß dirs Gott zugesandt hat, und ihm (dafür) danken, so laß ihn sorgen: gewiß wird er dir Gnade geben, daß du nicht mehr tragen mußt als du kannst. Er ist viel zu treu dazu, daß er dich deines Gemahls so mit Krankheit berauben und dich nicht auch dafür aus des Fleisches Mutwillen herausnehmen sollte, sofern du deinem Kranken treulich dienst.“ [19]

Im dritten Teil schließlich findet Luther offensichtlich nicht genug  Superlative um den Ehestand „aufs löblichste zu ehren“ und zu verteidigen. Eine Auswahl:

„Dieweil aber dies Gebot so unmittelbar auf den Ehestand gerichtet ist und Ursache gibt davon zu reden, sollst du wohl fassen und merken: zum ersten, wie Gott diesen Stand so herrlich ehret und preiset damit, daß er ihn durch sein Gebot sowohl bestätigt und bewahret.“[17]

„Man findet auch noch täglich Eltern (die ihre Krankheit vergessen und des Mehls, wie die Maus, nun satt sind), die ihre Kinder vom ehelichen Stand zur Pfafferei und Nonnerei anhalten und anreizen, die Mühe und bösen Tage im ehelichen Leben vorgeben, und so ihre eigenen Kinder dem Teufel heimbringen, wie wir täglich sehen, und ihnen gute Tage dem Leibe nach, aber die Hölle an den Seelen verschaffen.“ [20]

„1. Mose 2, 18 sagt: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.« Da siehst Du, daß er das Weib gut und eine Gehilfin nennt. Stellst Du es aber anders fest, so ist es bestimmt Deine Schuld, daß Du Gottes Wort und Werk nicht verstehst noch glaubst. Siehe, mit diesem Spruch Gottes stopft man allen das Maul, die über die Ehe klagen und schelten.“ [21]

„Die Welt sagt von der Ehe: Eine kurze Freude und eine lange Unlust. Aber laß sie sagen, was sie will: was Gott schafft und haben will, das muß ihr ein Spott sein. Was sie auch für Lust und Freud außerhalb der Ehe hat, meine ich, werde sie am besten im Gewissen gewahr. Es ist ein völlig“ [22]

„Die sinds aber, die es erkennen, die fest glauben, daß Gott die Ehe selbst eingesetzt, Mann und Frau zusammengegeben, Kinderzeugen und -warten verordnet hat. Denn sie haben 1. Mose 1, 28 Gottes Wort darauf, so daß sie sicher sind, daß er nicht lügt. Deshalb sind sie auch sicher, daß ihm der Stand an sich mit allem seinem Wesen, seinen Werken und Leiden und was drinnen ist, gefällt. Nun sage mir: wie kann ein Herz größer Gut, Friede und Lust haben als in Gott, wenn es sicher ist, daß sein Stand, Wesen und Werk Gott gefällt? Siehe, das bedeutet: »ein Weib finden«. Viele haben Weiber, aber wenige »finden Weiber«. Warum? Sie sind blind, können nicht merken, daß es Gottes Werk ist und Gott wohlgefalle, was sie mit einer Frau leben und tun. Wenn sie das fänden, so würde ihnen keine Frau so häßlich, so böse, so unartig, so arm, so krank sein, daran sie nicht die Lust (ihres) Herzens fänden“ [23]

So auch die folgende Aussage, die im heutigen Blick gerne als Antifeminismus Luthers gewertet wird, was weder der Schrift noch der Absicht der selben gerecht wird:

So soll auch das Weib bei seinen Werken denken: wenn sie das Kind säugt, wiegt, badet und andere Werke mit ihm tut, und wenn sie sonst arbeitet und ihrem Mann hilft und gehorsam ist. Es sind alles lauter goldene, edle Werke. So soll man auch ein Weib in Kindesnöten trösten und stärken, nicht mit Legenden und andern närrischen Weiberwerken umgeben, sondern so zu ihr sprechen: Denke daran, liebe Greta, daß du ein Weib bist und Gott dies Werk an dir gefällt, getröste dich fröhlich seines Willens und laß ihm sein Recht an dir. Gib das Kind her und tue (das Deine) mit aller Macht dazu; stirbst du drüber, so fahr hin: wohl dir, denn du stirbst bestimmt bei einem edlen Werk und im Gehorsam Gottes.“ [24] 

Am Schluss hat Luther wie so oft sehr praktische Ratschläge parat:

„Deshalb (um diese Schrift) zu beschließen: Wer sich nicht zur Keuschheit geschickt findet, der tue beizeiten (etwas) dazu, daß er etwas schaffe und zu arbeiten habe, und wage es danach in Gottes Namen und greife zur Ehe (ein Jüngling aufs späteste, wenn er zwanzig, ein Mägdlein, wenn es gegen fünfzehn oder achtzehn Jahre alt ist, so sind sie noch gesund und geschickt) und lasse Gott sorgen, wie sie mit ihren Kindern ernährt werden. Gott macht Kinder, der wird sie auch wohl ernähren. Hebt er dich und sie nicht hoch auf Erden, so laß dir daran genügen, daß er dir eine christliche Ehe gegeben und dich hat erkennen lassen, daß er dich dort hoch erhebe, und sei ihm dankbar für solch seine Güter und Gaben. (…)Aber mit all diesem Preis des ehelichen Lebens will ich nicht der Natur zugegeben haben, daß dort keine Sünde sei, sondern ich sage, daß Fleisch und Blut, durch Adam verderbt, in Sünden empfangen und geboren wird, wie Ps. 51, 7 lautet, und daß keine Ehepflicht ohne Sünde geschieht. Aber Gott verschont sie aus Gnade deshalb, weil die eheliche Ordnung sein Werk ist, und behält auch mitten und durch die Sünde hindurch all das Gute, das er darein gepflanzt und gesegnet hat. “ [25]

Das Thema Ehe kehrt für Luther noch einmal zurück als er das sechste („du sollst nicht ehebrechen“) Gebot bespricht. Auch hier verteidigt er den Ehestand, auch mit dem Verweis darauf, dass das Gebot in besonderer Weise die Ehe schützt:

Darum hat ihn auch Gott vor allen Ständen aufs reichlichste gesegnet, dazu alles, was in der Welt ist, darauf gewandt und ihm verliehen, daß dieser Stand ja wohl und reichlich versorget würde; so daß es kein Scherz noch Fürwitz, sondern treffliches Ding und göttlicher Ernst ist um das eheliche Leben. Denn es liegt ihm vor allem daran, daß man Leute aufziehe, die der Welt dienen und helfen zu Gottes Erkenntnis, seligem Leben und allen Tugenden, wider die Bosheit und den Teufel streiten. (…) Und es ist nicht allein äußerlich die Tat verboten, sondern auch alle Ursache, Reizung und Mittel dazu; so daß Herz, Mund und der ganze Leib keusch sei, keinen Raum, Hilfe noch Rat zur Unkeuschheit gebe, und nicht allein das, sondern auch wehre, schütze und rette, wo die Gefahr und Not ist, und umgekehrt helfe und rate, daß sein Nächster bei Ehren bleibe. Denn wo Du solches unterlässest, so Du es verhüten könntest, oder durch die Finger siehest, als gings Dich nicht an, bist Du eben sowohl schuldig wie der Täter selbst. Also ist, aufs kurze zu fassen, so viel gefordert, daß ein jeglicher für sich selbst keusch lebe und dem Nächsten auch dazu helfe; so daß Gott durch dies Gebot eines jeglichen ehelich Gemahl will geschützt und bewahret haben, daß sich niemand daran vergreife.“ [26]

Nur wenige sind zur Ehelosigkeit berufen, wie Luther oft unterstreicht:

„Denn wo die Natur gehet, wie sie von Gott eingepflanzt ist, ist es nicht möglich, außerhalb der Ehe keusch zu bleiben; denn Fleisch und Blut bleibt Fleisch und Blut, und die natürliche Neigung und Reizung gehet ungewehret und unverhindert, wie jedermann siehet und fühlet. Deshalb, auf daß es desto leichter wäre, Unkeuschheit einigermaßen zu meiden, hat auch Gott den Ehestand befohlen, daß ein jeglicher sein ihm beschiedenes Teil habe und sich daran genügen lasse; wiewohl noch Gottes Gnade dazu gehöret, daß das Herz auch keusch sei.“ [27]

Auch das klösterliche Leben wird einem dabei nicht gegen unkeusche Gedanken helfen:

„Und, in Kürze gesagt, ob sie gleich des Werks sich enthalten, so stecken sie doch im Herzen voll unkeuscher Gedanken und böser Lust, daß da ein ewiges Brennen und heimliches Leiden ist, welches man im ehelichen Leben umgehen kann. Darum ist durch dies Gebot aller unehelichen Keuschheit Gelübde verdammt und der Abschied gegeben, ja auch allen armen gefangenen Gewissen, die durch ihre Klöstergelübde betrogen sind, geboten, daß sie aus dem unkeuschen Stand ins eheliche Leben treten, in Anbetracht dessen, daß (ob sonst gleich das Klosterleben göttlich wäre) es doch nicht in ihrer Kraft stehet, Keuschheit zu halten, und sie, wo sie darin bleiben, nur mehr und weiter wider dies Gebot sündigen müssen.“ [28]

Luthers Fazit in aller Kürze:

„Solches sage ich nun darum, daß man das junge Volk dazu anhalte, daß sie Lust zum Ehestand gewinnen und wissen, daß er ein seliger Stand und Gott gefällig ist.“ [29]

Das man Ehelosigkeit als die heiligere Alternative zum Ehestand ausspielt, verwirft Luther erneut, als er die Schmalkaldischen Artikel 1537 veröffentlich. Auch in dieser Spätschrift bleibt ein polemischer Luther hitziger Verteidiger des Ehestandes:

„Daß sie die Ehe verboten und den göttlichen Stand der Priester mit dauernder Ehelosigkeit beschwert haben, dazu haben sie weder Fug noch Recht gehabt, sondern haben als die antichristlichen, tyrannischen, ruchlosen Buben gehandelt, und damit für allerlei erschreckliche, greuliche, unzählige Sünden der Unkeuschheit Ursache gegeben, worin sie denn noch (jetzt) stecken. So wenig nun uns oder ihnen Macht gegeben ist, aus einem Mann eine Frau oder aus einer Frau einen Mann zu machen69 oder den Unterschied zwischen beiden ganz aufzuheben, so wenig haben sie auch Macht gehabt, solche Ordnung Gottes70 zu scheiden oder zu verbieten, daß sie nicht ehrlich und ehelich beieinander wohnen sollten. Darum wollen wir in ihren leidigen Zölibat (Verbot der Priesterehe) nicht einwilligen und ihn auch nicht leiden, sondern die Ehe frei haben, wie sie Gott geordnet und gestiftet hat. Und wir wollen sein Werk nicht zerreißen noch hindern; denn Paulus sagt 1. Tim. 4, 1, es sei eine teuflische Lehre.“ [30]

Insgesamt fällt auf, dass Luther nicht sonderlich zwischen Ehe und Familie unterscheidet. Das das oben zusammengefasste für Luther nicht bloße Theorie war, aber er dennoch als Kind der Zeit an den Umgebungsbedingungen gescheitert ist, wird vor allem deutlich, wenn man das Testament Luthers betrachtet, in dem Luther alles an seine Frau vermacht, die aber (gemäß der damals üblichen Gesetzsprechung) nach seinem Tod dennoch arm und mittellos wurde. Bereits 1542 hält Luther dieses fest. Er möchte unbedingt sicherstellen, dass seine Frau gut dasteht. Er blickt auf mögliche Schulden zurück und möchte Rechtssicherheit erreichen. Unter anderem schreibt er:

„Zum dritten und am allermeisten deshalb, weil ich will, sie müsse nicht den Kindern, sondern die Kinder sollen ihr in die Hände sehen, sie in Ehren halten und ihr unterworfen sein, wie Gott geboten hat. Denn ich habe wohl gesehen und erfahren, wie der Teufel gegen dies Gebot die Kinder durch böse und neidische Mäuler hetzet und reizet, wenn sie gleich fromm sind, besonders wenn die Mütter Witwen sind, und die Söhne Ehefrauen und die Töchter Ehemänner kriegen und umgekehrt (die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter, die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter usw.). Denn ich glaube, daß die Mutter ihren eigenen Kindern der beste Vormund sein und solch Gütlein und Leibgeding nicht zu der Kinder Schaden oder Nachteil, sondern zu ihrem Nutzen und Besserung brauchen werden, als die ihr Fleisch und Blut sind und die sie unter ihrem Herzen getragen hat. Auch bitt ich alle meine guten Freunde, wollten meiner lieben Käthe Zeugen sein und sie verteidigen helfen, wo etliche unnütze Mäuler sie beschweren oder verleumden wollten, als sollte sie etwa eine Barschaft beiseitegebracht haben, die sie den armen Kindern entwenden oder unterschlagen würde. Ich bin dessen Zeuge, daß kein Kapital da ist außer den Bechern und Kleinoden, droben im Leibgedinge aufgezählet. Und zwar kann solches bei jedermann das Nachrechnen öffentlich ergeben, weil man weiß, wieviel ich Einkommens von m. gnädigsten Herrn gehabt habe, und sonst habe ich nicht einen Heller noch Körnlein von jemand einzukommen gehabt, außer was Geschenk gewesen ist, welches droben unter den Kleinoden, zum Teil auch noch in der Schuld steckt und zu finden ist.“ [32]

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