Ehe/Familie/Erziehung, Kirchengeschichte
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„Die höchste Gnade Gottes ist es, wenn in der Ehe die Liebe dauernd blüht…“

Martin Luther über Ehe, Sexualität und Scheidung

Lyn­dal Roper stellt in ihrer Bio­gra­phie über Mar­tin Luther schlüs­sig dar, mit wel­cher Leich­tig­keit Luther ein tau­send Jah­re altes Ver­ständ­nis über Ehe und vor allem über Sexua­li­tät zur Sei­te wisch­te. Liest man sei­ne zahl­rei­chen Aus­sa­gen über die Ehe, wird schnell deut­lich, dass Luther des­we­gen der­art revo­lu­tio­när, fas­zi­nie­rend fort­schritt­lich und mutig anti-kul­tu­rell ist, dabei aber prak­tisch und in sich schlüs­sig bleibt, weil er beharr­lich und immer wie­der zum Wort Got­tes zurück­kehrt.  Im Fol­gen­den eine klei­ne Aus­wahl; die Quel­len­nach­wei­se habe ich dabei geson­dert gesam­melt(down­load).

Zum Auf­wär­men eini­ge Aus­sa­gen aus den Tisch­re­den:

„Es ist sehr gut, daß Gott nicht will, daß die Ehe zer­ris­sen wer­de, denn sonst wür­de sie zugrun­de gehen und auf­hö­ren, die Sor­ge für die Kin­der wür­de in Gefahr gera­ten und der Haus­stand wür­de fal­len, und danach wür­de auch das Welt­re­gi­ment und die Reli­gi­on ver­nach­läs­sigt wer­den. Es ist aber die Ehe die Grund­la­ge des Haus­we­sens, der öffent­li­chen Ord­nung, der Reli­gi­on.“ [1]

„Über die Ehe, die­se ehr­wür­di­ge und gött­li­che Stif­tung, sag­te er (Luther) vie­les Aus­ge­zeich­ne­te: daß sie nach dem Got­tes­dienst um vie­ler Ursa­chen wil­len der wich­tigs­te Stand sei, aber die Men­schen, das Vieh auf dem Fel­de und die Hefe die­ser Welt flie­hen sie um der (damit ver­bun­de­nen) per­sön­li­chen Unbe­quem­lich­keit wil­len. Sie wol­len dem Regen ent­lau­fen und fal­len dabei ins Was­ser. Des­halb muß man es im Namen des Herrn wagen und das Kreuz auf sich neh­men. Man muß die Ord­nung Got­tes beach­ten, wegen der Auf­ga­be, Kin­der zu zeu­gen. Wenn es die­sen Grund nicht gäbe, so soll­ten wir doch beden­ken, daß sie ein Mit­tel gegen die Sün­de ist.“ [2]

Eine kur­ze Anmer­kung dazu: Mit „Sün­de“ meint Luther an die­ser Stel­le den Geschlechts­ver­kehr.

Am Tage nach Neu­jahr schrie das Kind des Dok­tor Mar­ti­nus so sehr, daß es sich von nie­man­dem zur Ruhe brin­gen ließ. Da saß der Herr Dok­tor eine gan­ze Stun­de trau­rig mit sei­ner Frau. Dann sag­te er: Das sind die Nöte der Ehe, um derent­wil­len sich jeder vor der Ehe scheut. Wir fürch­ten uns alle vor dem Eigen­sinn der Frau­en, vor dem Geschrei der Kin­der, vor den Sor­gen und vor schlech­ten Nach­barn. Des­halb wol­len wir gern frei sein und nicht gebun­den. Wir wol­len freie Her­ren blei­ben und gehen (lie­ber) zu einer Dir­ne. Außer­dem haben die Väter auch nichts Bemer­kens­wer­tes über die Ehe geschrie­ben. [3]

„Die höchs­te Gna­de Got­tes ist es, wenn in der Ehe die Lie­be dau­ernd blüht. Die ers­te Lie­be ist feu­rig, eine trun­ke­ne Lie­be, mit der wir geblen­det wer­den und wie die Trun­ke­nen hin­an­ge­hen. Wenn wir die Trun­ken­heit aus­ge­schla­fen haben, dann bleibt in den From­men die ech­te Ehe­lie­be, die Gott­lo­sen aber haben die Reue.“ [4]

„Daß die Ehe eine Ehe, die Hand eine Hand und Reich­tum Reich­tum ist, das begrei­fen alle Men­schen und glau­ben es. Aber zu glau­ben, daß die Ehe von Gott gestif­tet, daß die Hand eine Hand ist durch die Schöp­fung Got­tes, und daß die Nah­rung, die ich genie­ße und alles ande­re zu mei­nem Gebrauch mir von Gott gege­ben und Got­tes Schöp­fung ist – das zu glau­ben ist nicht ein Werk der Men­schen son­dern Got­tes an den Men­schen.“ [31]

Auch über sei­ne eige­ne Ehe berich­tet Luther ger­ne und regel­mä­ßig. So schreibt er über sei­ne ers­ten Ehe­jah­re:

„Das ers­te Jahr der Ehe macht einem selt­sa­me Gedan­ken. Denn wenn er am Tische sitzt, denkt er: Vor­her war ich allein, nun bin ich zu zweit. Wenn er im Bet­te erwacht, sieht er ein Paar Zöp­fe neben sich lie­gen, wel­che er frü­her nicht sah. Eben­so ver­ur­sa­chen die Frau­en ihren Män­nern, wenn die­se auch noch so sehr beschäf­tigt sind, vie­le unnö­ti­ge Stö­run­gen. So frag­te mei­ne Katha­ri­na mich zuerst, da sie bei mir saß, als ich ernst­lich stu­dier­te und sie spann: Herr Dok­tor, ist der Hoch­meis­ter (des Deut­schen Rit­ter­or­dens) des Mark­gra­fen (Albrecht) Bru­der?“ [5]

An einer ande­ren Stel­le berich­tet er noch offen­her­zi­ger:

„Luther sprach von sei­ner Hei­rat: Wenn ich vor vier­zehn Jah­ren hät­te hei­ra­ten wol­len, dann hät­te ich mir die Ave von Schön­feld, die jet­zi­ge Frau des Basi­li­us Axt, aus­ge­sucht. Die mei­ne habe ich (damals) gar nicht geliebt; ich hat­te sie immer in Ver­dacht, sie sei hoch­mü­tig. Aber Gott hat es so gewollt, daß ich mich der gänz­lich Ver­las­se­nen erbarm­te. Und durch Got­tes Gna­de schlug mir die­se Ehe zum gro­ßen Glück aus. Ich habe eine treue Frau, wie Salo­mo (Spr. 31, 11) sagt: »Ihres Man­nes Herz darf sich auf sie ver­las­sen.« Sie ver­dirbt mirs nicht. Ach, lie­ber Herr­gott, die Ehe ist nicht etwas Natür­li­ches oder Natur­be­ding­tes, son­dern sie ist ein Geschenk Got­tes. Sie ist ein über­aus lieb­li­ches Leben, ja sie ist ganz und gar keusch und steht höher als jeder Zöli­bat. Wenns aber übel gerät, so ist es die Höl­le. Obwohl die Frau­en sich im all­ge­mei­nen sehr auf die Kunst ver­ste­hen, die Män­ner mit Wei­nen, Lügen und Reden zu betö­ren und sie alles fein ver­dre­hen kön­nen, trotz­dem – wenn die­se drei Stü­cke im Ehe­stand blei­ben: Treue, Kin­der­se­gen und gött­li­che Stif­tung – dann ist der Ehe­stand reich geseg­net. Ach, wie sehn­te ich mich in Schmal­kal­den, als ich auf den Tod krank lag, nach den Mei­nen! Ich dach­te schon, ich wür­de Frau und Kin­der nie wie­der­se­hen. Wie schmerz­lich war mir die­se Tren­nung! Jetzt glau­be ich gern, daß auch die Ster­ben­den sol­che natür­li­chen Nei­gun­gen emp­fin­den. Aber nach­dem ich nun wie­der gesund gewor­den bin, lie­be ich mei­ne Frau und die Kin­der nur um so mehr. Nie­mand ist so geist­lich, daß er sol­che natür­li­che Lie­be nicht fühl­te. Denn das Bünd­nis zwi­schen einem Mann und einer Frau ist eine gro­ße Sache, sie beruht näm­lich auf dem Natur­ge­setz und auf der gött­li­chen Ord­nung und Ein­set­zung.“ [6]

Frisch aus der Wart­burg zurück­keh­rend und noch ganz Mönch ver­öf­fent­licht Luther 1522 ein kur­zes Werk über  „das ehe­li­che Leben“. Ich habe es mit Genuß gele­sen. In aller Kür­ze ent­wi­ckelt Luther ein evan­ge­li­sches Ver­ständ­nis der Ehe. Er erkennt auch in die­sem The­ma das Spal­tungs­po­ten­ti­al zu Rom:

„Mir graut und ich pre­di­ge nicht gern vom ehe­li­chen Leben, des­halb, weil ich befürch­te: wo ichs ein­mal recht anrüh­re, wirds mir und andern viel zu schaf­fen geben. Denn der Jam­mer ist durch das päpst­li­che ver­damm­te Gesetz so schänd­lich ver­wirrt, dazu haben sich durch das nach­läs­si­ge Regi­ment des geist­li­chen wie des welt­li­chen Schwerts so viel greu­li­che Miß­bräu­che und irri­ge Fäl­le dar­in bege­ben, daß ich nicht gern drein sehe, noch gern davon höre. Aber ange­sichts der Not hilft kein Scheu­en, ich muß hin­an, die elen­den, ver­wirr­ten Gewis­sen zu unter­rich­ten und frisch drein­grei­fen. Ich tei­le die­se Pre­digt in drei Tei­le.“ [7]

Dabei war der Bruch mit Rom auch bei die­sem The­ma bereits initi­iert wor­den. Denn 1520 ver­warf Luther in der explo­si­ven Schrift „Von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che“ das Sakra­men­tal­ver­ständ­nis Roms:

„Wei­ter: weil die Ehe von Anfang der Welt bestan­den hat und (selbst) bei den Ungläu­bi­gen noch bis zum Augen­blick besteht, so gibt es kei­nen Grund dafür, daß die Ehe ein Sakra­ment des neu­en Geset­zes und der Kir­che allein genannt wer­den kann. Denn die Ehen der Väter waren nicht weni­ger hei­lig als unsere,und die Ehen der Ungläu­bi­gen sind nicht weni­ger ech­te Ehen als die der Gläu­bi­gen – und doch hal­ten sie es bei denen (den Ungläu­bi­gen) nicht für ein Sakra­ment. Außer­dem sind bei den Gläu­bi­gen auch gott­lo­se Ehe­leu­te, die viel gott­lo­ser sind als die Hei­den selbst. War­um soll denn hier die Ehe ein Sakra­ment genannt wer­den, aber nicht bei den Hei­den?“ [8]

Doch zurück zur Schrift „Vom ehe­li­chen Leben“. Ich habe sie mit soviel Freu­de gele­sen, dass ich mich kaum ent­schei­den konn­te, wel­che Zita­te ich wäh­len soll, so dass ich sie an die­ser Stel­le zahl­reich ein­fü­ge. Die Schrift ist in drei Tei­le auf­ge­teilt. Im ers­ten Teil geht Luther der Fra­ge nach, „wel­che Per­so­nen mit­ein­an­der die Ehe schlie­ßen kön­nen“:

„Aufs ers­te wol­len wir sehen, wel­che Per­so­nen mit­ein­an­der die Ehe schlie­ßen kön­nen. Und auf daß wir dazu einen pas­sen­den Ein­gang machen, neh­men wir uns den Spruch 1. Mose 1, 27 vor: »Gott schuf den Men­schen, als Mann und Weib.« Auf Grund die­ses Spru­ches sind wir sicher, daß Gott die Men­schen in die zwei Tei­le geteilt hat: daß Mann und Weib oder ein Er und Sie sein soll. Und das hat ihm so gefal­len, daß ers selbst ein gutes Schöp­fungs­werk nennt (1. Mose 1, 31). Dar­um wie Gott sei­nen Leib einem jeden von uns geschaf­fen hat, so muß er ihn haben, und es steht nicht in unse­rer Gewalt, daß ich mich zu einem Weibs­bild oder du dich zu einem Manns­bil­de machest, son­dern wie er mich und dich gemacht hat, so sind wir: ich ein Mann, du ein Weib. Und solch gutes Schöp­fungs­werk will er geehrt und als sein gött­lich Werk unver­ach­tet (gehal­ten) haben, daß der Mann das Weibsbild1 nicht ver­ach­te noch ver­spot­te, und umge­kehrt (auch) das Weib den Mann nicht, son­dern daß ein jeg­li­cher des andern Bild und Leib als ein gött­lich gut Werk ehre, das Gott selbst wohl­ge­fällt.“ [9]

Luthers Hin­weis dar­auf, dass die Schöp­fungs­ord­nung mehr ist als ein­fach ein Gebot, emp­fin­de ich als sehr tref­fend und hilf­reich:

„Denn dies Wort, da Gott spricht: »Seid frucht­bar und meh­ret euch«, ist nicht ein Gebot, son­dern mehr als ein Gebot, näm­lich ein gött­lich Werk, das zu ver­hin­dern oder zu unter­las­sen nicht bei uns steht, son­dern es ist eben­so not­wen­dig, wie daß ich ein Manns­bild sei und not­wen­di­ger als Essen und Trin­ken, Rei­ni­gung des Leibes,Schlafen und Wachen. Es ist eine (dem Men­schen) ein­ge­pflanz­te Natur und Art eben­so­wohl wie die Glied­ma­ßen, die dazu gehö­ren. Dar­um gleich­wie Gott nie­mand gebie­tet, daß er Mann oder Weib sei, son­dern es schafft, daß sie so sein müssen,ebenso gebie­tet er auch nicht, sich zu meh­ren, son­dern schafft es, daß sie sich meh­ren müs­sen. Und wo man dem weh­ren will, da ists den­noch unge­wehrt und geht doch durch Hure­rei, Ehe­bruch und stum­me Sün­de sei­nen Weg, denn es ist Natur und nicht frei­es Ermes­sen hier­in.“ [10]

Luther erkennt drei Men­schen an, die aus der Schöp­fungs­ord­nung aus­ge­nom­men wer­den.

„Aus die­ser Schöp­fungs­ord­nung hat er drei­er­lei Men­schen selbst aus­ge­nom­men: Matth. 19, 12, da er sagt: »Etli­che ent­hal­ten sich der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unfä­hig sind; etli­che ent­hal­ten sich, weil sie von Men­schen zur Ehe untaug­lich gemacht sind; und etli­che ent­hal­ten sich, weil sie um des Him­mel­reichs wil­len auf die Ehe ver­zich­ten.« Über die­se drei (Grup­pen) hin­aus ver­mes­se sich kein Mensch, ohne ehe­lich Gemahl zu sein. Und wer sich nicht in die­ser drei (Grup­pen) Zahl befin­det, der den­ke nur auf das ehe­li­che Leben, denn da wird nichts ande­res draus, du bleibst nicht recht­schaf­fen, es ist unmög­lich. Son­dern das Wort Got­tes, das dich geschaf­fen und gesagt hat: Sei frucht­bar und meh­re dich, das bleibt und regiert in dir, und du kannst dich ihm mit­nich­ten ent­zie­hen, oder du wirst greu­li­che Sün­de ohne Auf­hö­ren tun müs­sen.“ [11]

Damit ist für Luther die Ehe­lo­sig­keit als Ent­schei­dung für einen Chris­ten­men­schen nur dann mög­lich, wenn er sich für das Reich Got­tes weiht. Er führt aus:

„Ich will lie­ber am Him­mel­reich, das ist am Evan­ge­li­um, schaf­fen und (die Zahl der) geist­li­chen Kin­der meh­ren. Die­se sind sel­ten, und unter tau­send Men­schen ist nicht einer, denn sie sind Got­tes beson­de­res Wun­der­werk, des­sen sich nie­mand unter­win­den soll, Gott rufe ihn denn beson­ders wie Jere­mia (Jer. 1, 5; 16, 2), oder er fin­de Got­tes Gna­de so mäch­tig in sich, daß jenes Wort Got­tes »Seid frucht­bar und meh­ret euch« kei­ne Stät­te in ihm habe.“ [12]

Künst­lich oder Gewalt­tä­tig gegen den Sexu­al­trieb vor­zu­ge­hen lehnt Luther ab:

„Das ist die (…)Wei­se, der Natur zu weh­ren, daß sie nicht sich same noch meh­re, Got­tes ein­ge­pflanz­tem Werk und Art ent­ge­gen, gera­de als wäre es in unse­rer Hand und Macht, Jung­frau­schaft zu haben wie Klei­der und Schu­he. Aber wenn man mit eiser­nen Git­tern und Schlös­sern Got­tes Schöp­fung und Wort weh­ren könn­te, so hof­fe ich, wir woll­ten auch so dicke und gro­ße eiser­ne Git­ter davor­set­zen, daß aus Wei­bern Män­ner wür­den oder aus Men­schen Stein und Holz.“ [13]

Luther bespricht in die­ser kur­zen Schrift auch drei Grün­de, die eine Schei­dung recht­fer­ti­gen. Dies stellt den zwei­ten Teil sei­ner Schrift dar:

„Drei Ursa­chen weiß ich, die Mann und Weib von­ein­an­der schei­den. Die ers­te, von der jetzt und oben gere­det wird: wenn Mann oder Weib der Glied­ma­ßen oder der Natur hal­ber untüch­tig zur Ehe ist (wie das sein kann, davon ist genug gere­det). Die zwei­te ist der Ehe­bruch. Von die­ser Ursa­che haben die Päps­te geschwie­gen, dar­um müs­sen wir Chris­tus Matth. 19, 3 ff. hören (…) (Anm.: An die­ser Stel­le bespricht Luther die genann­te Stel­le aus­führ­li­cher) (…) Die drit­te Ursa­che (für eine Schei­dung) ist, wenn sich eins dem andern selbst beraubt und ent­zieht, daß es die ehe­li­che Pflicht nicht zah­len noch bei ihm sein will. Wie man wohl so ein hals­star­rig Weib fin­det, das sei­nen Kopf auf­setzt, und soll­te der Mann zehn­mal in Unkeusch­heit fal­len, so fragt sie nicht danach.Hier ist es Zeit, daß der Mann sage: Willst du nicht, so will eine ande­re, will die Frau nicht, so kom­me die Magd. Aber doch so, daß der Mann es ihr zuvor zwei- oder drei­mal sage und sie war­ne und es vor ande­re Leu­te kom­men las­se, daß man öffent­lich ihre Hals­star­rig­keit wis­se und vor der Gemein­de stra­fe. Will sie dann nicht, so laß sie von dir und laß dir eine Esther geben und die Vas­thi fah­ren, wie der König Ahas­ver­os tat (Esth. 1, 12 ff.).“ [14]

Für das kon­ser­va­ti­ve evan­ge­li­ka­le Ver­ständ­nis, dass nach einer Schei­dung eine Wie­der­hei­rat aus­schließt, hät­te Luther die­se Erklä­rung:

“ Dar­um hat Gott im Gesetz gebo­ten, die Ehe­bre­cher zu stei­ni­gen, daß sie die­ser Fra­ge nicht bedürf­ten. So soll auch (heu­te) noch das welt­li­che Schwert und die Obrig­keit die Ehe­bre­cher töten. Denn wer sei­ne Ehe bricht, der hat sich schon selbst geschie­den und ist für einen toten Men­schen zu ach­ten. Dar­um kann sich das ande­re wie­der ver­hei­ra­ten, gleich als wäre ihm sein Gemahl gestor­ben, wo er nach dem Recht ver­fah­ren und ihm nicht Gna­de erzei­gen will. Wo aber die Obrig­keit säu­mig und läs­sig ist und nicht tötet, mag sich der Ehe­bre­cher in ein ande­res fer­nes Land fort­ma­chen und daselbst frei­en, wo er sich nicht ent­hal­ten kann, aber es wäre bes­ser: Tot, tot mit ihm, um das böse Bei­spiel zu mei­den.“ [15]

Man mag die­sen Ton als scho­ckie­rend emp­fin­den, den­noch ist Luther kor­rekt in der Ein­schät­zung, dass das Alte Tes­ta­ment da sehr deut­lich ist, indem es Mord und Ehe­bruch glei­cher­ma­ßen als Kapi­tal­ver­bre­chen ein­s­tufft. Luther wird sogar noch deut­li­cher:

„Wird dies aber jemand anfech­ten und wird er sagen: damit wird allen bösen Män­nern und Wei­bern Luft und Raum gege­ben, von­ein­an­der weg­zu­lau­fen und sich in frem­dem Land wie­der zu ver­hei­ra­ten. Ant­wort: was kann ich dafür? Es ist der Obrig­keit Schuld, war­um tötet man die Ehe­bre­cher nicht? Dann brauch­te ich einen sol­chen Rat nicht zu geben. Es ist ja unter zwei bösen (Din­gen) eins bes­ser, näm­lich daß nicht Hure­rei gesche­he, als einen Ehe­bre­cher sich in andern Län­dern wie­der ver­hei­ra­ten und mei­nen las­sen, er sei auch vor Gott sicher, weil ihm sein Leben gelas­sen wird und er sich doch nicht ent­hal­ten kann. Lau­fen aber nach die­sem Bei­spiel auch ande­re von­ein­an­der, so las­se sie lau­fen, sie haben nicht Ursa­che wie die­ser, denn sie wer­den nicht ver­trie­ben noch gezwun­gen. Gott und ihr Gewis­sen wird sie zu sei­ner Zeit fin­den, wer kann aller Bos­heit weh­ren?“ [16]

Neben den drei genann­ten Anläs­sen für eine Schei­dung, dis­ku­tiert Luther auch die Mög­lich­keit, dass eine Tren­nung für die Part­ner gele­gent­lich eine sinn­vol­le Maß­nah­me sein könn­te. Offen­sicht­lich hat er hier Gewalt­si­tua­tio­nen im Blick:

„Über die­se drei Ursa­chen ist noch eine, die Mann und Weib von­ein­an­der schei­den läßt, aber doch so, daß bei­de hin­fort ohne Ehe blei­ben oder sich wie­der ver­söh­nen müs­sen. Die ist, wenn Mann und Weib sich nicht wegen der ehe­li­chen Pflicht, son­dern um ande­rer Sachen wil­len nicht ver­tra­gen. Davon spricht Pau­lus 1. Kor. 7, 10 f.; »Den Ehe­li­chen aber gebie­te nicht ich, son­dern der Herr, daß die Frau sich nicht schei­de von dem Man­ne, hat sie sich aber geschie­den, soll sie ohne Ehe blei­ben oder sich mit dem Man­ne ver­söh­nen, und daß der Mann die Frau nicht von sich schi­cke.« Über sol­che Wei­ber klagt auch Salo­mo viel Pred. 7, 27 ff. und sagt, er habe ein Weib gefun­den, das sei bit­te­rer als der Tod. Eben­so fin­det man (aber) auch man­chen wüs­ten, wil­den, uner­träg­li­chen Mann.
Nun wenn hier eins von christ­li­cher Stär­ke wäre und trü­ge des andern Bos­heit, das wäre wohl ein fein seli­ges Kreuz und ein rich­ti­ger Weg zum Him­mel. Denn ein solch Gemahl erfüllt wohl eines Teu­fels Amt und fegt den Men­schen rein, der es aner­ken­nen und tra­gen kann. Kann ers aber nicht, so laß er sich lie­ber schei­den, ehe er denn Ärge­res tut, und blei­be ohne Ehe sein Leben lang. Daß er aber sagen woll­te, es sei nicht sei­ne Schuld, son­dern die des andern und er woll­te ein ander ehe­lich Gemahl neh­men, das gilt nicht, denn er ist schul­dig, Übel zu lei­den, oder sich allein durch Gott vom Kreuz neh­men zu las­sen, weil die Ehe­pflicht nicht ver­sagt wird. Es gilt hier das Sprich­wort: Wer das Feu­er haben will, muß den Rauch auch lei­den.“ [18]

„Wie denn, wenn jemand ein krank Gemahl hat, das ihm zur ehe­li­chen Pflicht unbrauch­bar gewor­den ist, darf der nicht ein ande­res neh­men? Bei­lei­be nicht, son­dern er die­ne Gott in dem Kran­ken und war­te sein, den­ke, daß dir Gott an ihm etwas in dein Haus9 geschickt hat, womit du den Him­mel erwer­ben sollst. Selig und aber selig bist du, wenn du sol­che Gabe und Gna­de erkennst und dei­nem Gemahl so um Got­tes wil­len dienst. Sagst du aber: ja, ich kann mich nicht ent­hal­ten? Da lügst du! Wirst du mit Ernst dei­nem kran­ken Gemahl die­nen und aner­ken­nen, daß dirs Gott zuge­sandt hat, und ihm (dafür) dan­ken, so laß ihn sor­gen: gewiß wird er dir Gna­de geben, daß du nicht mehr tra­gen mußt als du kannst. Er ist viel zu treu dazu, daß er dich dei­nes Gemahls so mit Krank­heit berau­ben und dich nicht auch dafür aus des Flei­sches Mut­wil­len her­aus­neh­men soll­te, sofern du dei­nem Kran­ken treu­lich dienst.“ [19]

Im drit­ten Teil schließ­lich fin­det Luther offen­sicht­lich nicht genug  Super­la­ti­ve um den Ehe­stand „aufs löb­lichs­te zu ehren“ und zu ver­tei­di­gen. Eine Aus­wahl:

„Die­weil aber dies Gebot so unmit­tel­bar auf den Ehe­stand gerich­tet ist und Ursa­che gibt davon zu reden, sollst du wohl fas­sen und mer­ken: zum ers­ten, wie Gott die­sen Stand so herr­lich ehret und prei­set damit, daß er ihn durch sein Gebot sowohl bestä­tigt und bewahret.“[17]

„Man fin­det auch noch täg­lich Eltern (die ihre Krank­heit ver­ges­sen und des Mehls, wie die Maus, nun satt sind), die ihre Kin­der vom ehe­li­chen Stand zur Pfaf­fe­rei und Non­ne­rei anhal­ten und anrei­zen, die Mühe und bösen Tage im ehe­li­chen Leben vor­ge­ben, und so ihre eige­nen Kin­der dem Teu­fel heim­brin­gen, wie wir täg­lich sehen, und ihnen gute Tage dem Lei­be nach, aber die Höl­le an den See­len ver­schaf­fen.“ [20]

„1. Mose 2, 18 sagt: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehil­fin machen, die um ihn sei.« Da siehst Du, daß er das Weib gut und eine Gehil­fin nennt. Stellst Du es aber anders fest, so ist es bestimmt Dei­ne Schuld, daß Du Got­tes Wort und Werk nicht ver­stehst noch glaubst. Sie­he, mit die­sem Spruch Got­tes stopft man allen das Maul, die über die Ehe kla­gen und schel­ten.“ [21]

„Die Welt sagt von der Ehe: Eine kur­ze Freu­de und eine lan­ge Unlust. Aber laß sie sagen, was sie will: was Gott schafft und haben will, das muß ihr ein Spott sein. Was sie auch für Lust und Freud außer­halb der Ehe hat, mei­ne ich, wer­de sie am bes­ten im Gewis­sen gewahr. Es ist ein völ­lig“ [22]

„Die sinds aber, die es erken­nen, die fest glau­ben, daß Gott die Ehe selbst ein­ge­setzt, Mann und Frau zusam­men­ge­ge­ben, Kin­der­zeu­gen und ‑war­ten ver­ord­net hat. Denn sie haben 1. Mose 1, 28 Got­tes Wort dar­auf, so daß sie sicher sind, daß er nicht lügt. Des­halb sind sie auch sicher, daß ihm der Stand an sich mit allem sei­nem Wesen, sei­nen Wer­ken und Lei­den und was drin­nen ist, gefällt. Nun sage mir: wie kann ein Herz grö­ßer Gut, Frie­de und Lust haben als in Gott, wenn es sicher ist, daß sein Stand, Wesen und Werk Gott gefällt? Sie­he, das bedeu­tet: »ein Weib fin­den«. Vie­le haben Wei­ber, aber weni­ge »fin­den Wei­ber«. War­um? Sie sind blind, kön­nen nicht mer­ken, daß es Got­tes Werk ist und Gott wohl­ge­fal­le, was sie mit einer Frau leben und tun. Wenn sie das fän­den, so wür­de ihnen kei­ne Frau so häß­lich, so böse, so unar­tig, so arm, so krank sein, dar­an sie nicht die Lust (ihres) Her­zens fän­den“ [23]

So auch die fol­gen­de Aus­sa­ge, die im heu­ti­gen Blick ger­ne als Anti­fe­mi­nis­mus Luthers gewer­tet wird, was weder der Schrift noch der Absicht der sel­ben gerecht wird:

So soll auch das Weib bei sei­nen Wer­ken den­ken: wenn sie das Kind säugt, wiegt, badet und ande­re Wer­ke mit ihm tut, und wenn sie sonst arbei­tet und ihrem Mann hilft und gehor­sam ist. Es sind alles lau­ter gol­de­ne, edle Wer­ke. So soll man auch ein Weib in Kin­des­nö­ten trös­ten und stär­ken, nicht mit Legen­den und andern när­ri­schen Wei­ber­wer­ken umge­ben, son­dern so zu ihr spre­chen: Den­ke dar­an, lie­be Gre­ta, daß du ein Weib bist und Gott dies Werk an dir gefällt, getrös­te dich fröh­lich sei­nes Wil­lens und laß ihm sein Recht an dir. Gib das Kind her und tue (das Dei­ne) mit aller Macht dazu; stirbst du drü­ber, so fahr hin: wohl dir, denn du stirbst bestimmt bei einem edlen Werk und im Gehor­sam Got­tes.“ [24] 

Am Schluss hat Luther wie so oft sehr prak­ti­sche Rat­schlä­ge parat:

„Des­halb (um die­se Schrift) zu beschlie­ßen: Wer sich nicht zur Keusch­heit geschickt fin­det, der tue bei­zei­ten (etwas) dazu, daß er etwas schaf­fe und zu arbei­ten habe, und wage es danach in Got­tes Namen und grei­fe zur Ehe (ein Jüng­ling aufs spä­tes­te, wenn er zwan­zig, ein Mägd­lein, wenn es gegen fünf­zehn oder acht­zehn Jah­re alt ist, so sind sie noch gesund und geschickt) und las­se Gott sor­gen, wie sie mit ihren Kin­dern ernährt wer­den. Gott macht Kin­der, der wird sie auch wohl ernäh­ren. Hebt er dich und sie nicht hoch auf Erden, so laß dir dar­an genü­gen, daß er dir eine christ­li­che Ehe gege­ben und dich hat erken­nen las­sen, daß er dich dort hoch erhe­be, und sei ihm dank­bar für solch sei­ne Güter und Gaben. (…)Aber mit all die­sem Preis des ehe­li­chen Lebens will ich nicht der Natur zuge­ge­ben haben, daß dort kei­ne Sün­de sei, son­dern ich sage, daß Fleisch und Blut, durch Adam ver­derbt, in Sün­den emp­fan­gen und gebo­ren wird, wie Ps. 51, 7 lau­tet, und daß kei­ne Ehe­pflicht ohne Sün­de geschieht. Aber Gott ver­schont sie aus Gna­de des­halb, weil die ehe­li­che Ord­nung sein Werk ist, und behält auch mit­ten und durch die Sün­de hin­durch all das Gute, das er dar­ein gepflanzt und geseg­net hat. “ [25]

Das The­ma Ehe kehrt für Luther noch ein­mal zurück als er das sechs­te („du sollst nicht ehe­bre­chen“) Gebot bespricht. Auch hier ver­tei­digt er den Ehe­stand, auch mit dem Ver­weis dar­auf, dass das Gebot in beson­de­rer Wei­se die Ehe schützt:

Dar­um hat ihn auch Gott vor allen Stän­den aufs reich­lichs­te geseg­net, dazu alles, was in der Welt ist, dar­auf gewandt und ihm ver­lie­hen, daß die­ser Stand ja wohl und reich­lich ver­sor­get wür­de; so daß es kein Scherz noch Für­witz, son­dern treff­li­ches Ding und gött­li­cher Ernst ist um das ehe­li­che Leben. Denn es liegt ihm vor allem dar­an, daß man Leu­te auf­zie­he, die der Welt die­nen und hel­fen zu Got­tes Erkennt­nis, seli­gem Leben und allen Tugen­den, wider die Bos­heit und den Teu­fel strei­ten. (…) Und es ist nicht allein äußer­lich die Tat ver­bo­ten, son­dern auch alle Ursa­che, Rei­zung und Mit­tel dazu; so daß Herz, Mund und der gan­ze Leib keusch sei, kei­nen Raum, Hil­fe noch Rat zur Unkeusch­heit gebe, und nicht allein das, son­dern auch weh­re, schüt­ze und ret­te, wo die Gefahr und Not ist, und umge­kehrt hel­fe und rate, daß sein Nächs­ter bei Ehren blei­be. Denn wo Du sol­ches unter­läs­sest, so Du es ver­hü­ten könn­test, oder durch die Fin­ger sie­hest, als gings Dich nicht an, bist Du eben sowohl schul­dig wie der Täter selbst. Also ist, aufs kur­ze zu fas­sen, so viel gefor­dert, daß ein jeg­li­cher für sich selbst keusch lebe und dem Nächs­ten auch dazu hel­fe; so daß Gott durch dies Gebot eines jeg­li­chen ehe­lich Gemahl will geschützt und bewah­ret haben, daß sich nie­mand dar­an ver­grei­fe.“ [26]

Nur weni­ge sind zur Ehe­lo­sig­keit beru­fen, wie Luther oft unter­streicht:

„Denn wo die Natur gehet, wie sie von Gott ein­ge­pflanzt ist, ist es nicht mög­lich, außer­halb der Ehe keusch zu blei­ben; denn Fleisch und Blut bleibt Fleisch und Blut, und die natür­li­che Nei­gung und Rei­zung gehet unge­weh­ret und unver­hin­dert, wie jeder­mann sie­het und füh­let. Des­halb, auf daß es des­to leich­ter wäre, Unkeusch­heit eini­ger­ma­ßen zu mei­den, hat auch Gott den Ehe­stand befoh­len, daß ein jeg­li­cher sein ihm beschie­de­nes Teil habe und sich dar­an genü­gen las­se; wie­wohl noch Got­tes Gna­de dazu gehö­ret, daß das Herz auch keusch sei.“ [27]

Auch das klös­ter­li­che Leben wird einem dabei nicht gegen unkeu­sche Gedan­ken hel­fen:

„Und, in Kür­ze gesagt, ob sie gleich des Werks sich ent­hal­ten, so ste­cken sie doch im Her­zen voll unkeu­scher Gedan­ken und böser Lust, daß da ein ewi­ges Bren­nen und heim­li­ches Lei­den ist, wel­ches man im ehe­li­chen Leben umge­hen kann. Dar­um ist durch dies Gebot aller unehe­li­chen Keusch­heit Gelüb­de ver­dammt und der Abschied gege­ben, ja auch allen armen gefan­ge­nen Gewis­sen, die durch ihre Klös­ter­ge­lüb­de betro­gen sind, gebo­ten, daß sie aus dem unkeu­schen Stand ins ehe­li­che Leben tre­ten, in Anbe­tracht des­sen, daß (ob sonst gleich das Klos­ter­le­ben gött­lich wäre) es doch nicht in ihrer Kraft ste­het, Keusch­heit zu hal­ten, und sie, wo sie dar­in blei­ben, nur mehr und wei­ter wider dies Gebot sün­di­gen müs­sen.“ [28]

Luthers Fazit in aller Kür­ze:

„Sol­ches sage ich nun dar­um, daß man das jun­ge Volk dazu anhal­te, daß sie Lust zum Ehe­stand gewin­nen und wis­sen, daß er ein seli­ger Stand und Gott gefäl­lig ist.“ [29]

Das man Ehe­lo­sig­keit als die hei­li­ge­re Alter­na­ti­ve zum Ehe­stand aus­spielt, ver­wirft Luther erneut, als er die Schmal­kal­di­schen Arti­kel 1537 ver­öf­fent­lich. Auch in die­ser Spätschrift bleibt ein pole­mi­scher Luther hit­zi­ger Ver­tei­di­ger des Ehe­stan­des:

„Daß sie die Ehe ver­bo­ten und den gött­li­chen Stand der Pries­ter mit dau­ern­der Ehe­lo­sig­keit beschwert haben, dazu haben sie weder Fug noch Recht gehabt, son­dern haben als die anti­christ­li­chen, tyran­ni­schen, ruch­lo­sen Buben gehan­delt, und damit für aller­lei erschreck­li­che, greu­li­che, unzäh­li­ge Sün­den der Unkeusch­heit Ursa­che gege­ben, wor­in sie denn noch (jetzt) ste­cken. So wenig nun uns oder ihnen Macht gege­ben ist, aus einem Mann eine Frau oder aus einer Frau einen Mann zu machen69 oder den Unter­schied zwi­schen bei­den ganz auf­zu­he­ben, so wenig haben sie auch Macht gehabt, sol­che Ord­nung Gottes70 zu schei­den oder zu ver­bie­ten, daß sie nicht ehr­lich und ehe­lich bei­ein­an­der woh­nen soll­ten. Dar­um wol­len wir in ihren lei­di­gen Zöli­bat (Ver­bot der Pries­ter­ehe) nicht ein­wil­li­gen und ihn auch nicht lei­den, son­dern die Ehe frei haben, wie sie Gott geord­net und gestif­tet hat. Und wir wol­len sein Werk nicht zer­rei­ßen noch hin­dern; denn Pau­lus sagt 1. Tim. 4, 1, es sei eine teuf­li­sche Leh­re.“ [30]

Ins­ge­samt fällt auf, dass Luther nicht son­der­lich zwi­schen Ehe und Fami­lie unter­schei­det. Das das oben zusam­men­ge­fass­te für Luther nicht blo­ße Theo­rie war, aber er den­noch als Kind der Zeit an den Umge­bungs­be­din­gun­gen geschei­tert ist, wird vor allem deut­lich, wenn man das Tes­ta­ment Luthers betrach­tet, in dem Luther alles an sei­ne Frau ver­macht, die aber (gemäß der damals übli­chen Gesetz­spre­chung) nach sei­nem Tod den­noch arm und mit­tel­los wur­de. Bereits 1542 hält Luther die­ses fest. Er möch­te unbe­dingt sicher­stel­len, dass sei­ne Frau gut dasteht. Er blickt auf mög­li­che Schul­den zurück und möch­te Rechts­si­cher­heit errei­chen. Unter ande­rem schreibt er:

„Zum drit­ten und am aller­meis­ten des­halb, weil ich will, sie müs­se nicht den Kin­dern, son­dern die Kin­der sol­len ihr in die Hän­de sehen, sie in Ehren hal­ten und ihr unter­wor­fen sein, wie Gott gebo­ten hat. Denn ich habe wohl gese­hen und erfah­ren, wie der Teu­fel gegen dies Gebot die Kin­der durch böse und nei­di­sche Mäu­ler het­zet und rei­zet, wenn sie gleich fromm sind, beson­ders wenn die Müt­ter Wit­wen sind, und die Söh­ne Ehe­frau­en und die Töch­ter Ehe­män­ner krie­gen und umge­kehrt (die Schwie­ger­mut­ter gegen die Schwie­ger­toch­ter, die Schwie­ger­toch­ter gegen die Schwie­ger­mut­ter usw.). Denn ich glau­be, daß die Mut­ter ihren eige­nen Kin­dern der bes­te Vor­mund sein und solch Güt­lein und Leib­ge­ding nicht zu der Kin­der Scha­den oder Nach­teil, son­dern zu ihrem Nut­zen und Bes­se­rung brau­chen wer­den, als die ihr Fleisch und Blut sind und die sie unter ihrem Her­zen getra­gen hat. Auch bitt ich alle mei­ne guten Freun­de, woll­ten mei­ner lie­ben Käthe Zeu­gen sein und sie ver­tei­di­gen hel­fen, wo etli­che unnüt­ze Mäu­ler sie beschwe­ren oder ver­leum­den woll­ten, als soll­te sie etwa eine Bar­schaft bei­sei­te­ge­bracht haben, die sie den armen Kin­dern ent­wen­den oder unter­schla­gen wür­de. Ich bin des­sen Zeu­ge, daß kein Kapi­tal da ist außer den Bechern und Klein­oden, dro­ben im Leib­ge­din­ge auf­ge­zäh­let. Und zwar kann sol­ches bei jeder­mann das Nach­rech­nen öffent­lich erge­ben, weil man weiß, wie­viel ich Ein­kom­mens von m. gnä­digs­ten Herrn gehabt habe, und sonst habe ich nicht einen Hel­ler noch Körn­lein von jemand ein­zu­kom­men gehabt, außer was Geschenk gewe­sen ist, wel­ches dro­ben unter den Klein­oden, zum Teil auch noch in der Schuld steckt und zu fin­den ist.“ [32]

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