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„Deshalb könnt ihr kühn zum Vater treten und getrost bitten“

Martin Luther über das Gebet

„Es gibt außer­dem noch eini­ges ande­re, das anschei­nend zu den Sakra­men­ten gerech­net wer­den könn­te, näm­lich all das, dem eine Ver­hei­ßung Got­tes zuteil gewor­den ist: dazu gehö­ren das Gebet, das Wort, das Kreuz. Denn Chris­tus hat den Beten­den an vie­len Stel­len (der Schrift) Erhö­rung zuge­sagt, beson­ders Luk. 11, 5 ff., wo er uns mit vie­len Gleich­nis­sen zum Beten ein­lädt.“(Von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che 1520).

War­um sol­len wir beten? Weil Gott es befoh­len hat. So führt es Luther in sei­nem gro­ßen Kate­chis­mus in der Bespre­chung des Vater Unsers aus:

„Dar­um bit­ten wir und ver­mah­nen aufs flei­ßigs­te jeder­mann, daß man sol­ches zu Her­zen neh­me und auf kei­ne Wei­se unse­re Gebe­te ver­ach­te. Denn man hat bis­her ins Teu­fels Namen so geleh­ret, daß nie­mand sol­ches geach­tet und gemei­net hat, es wäre genug, daß das Werk getan wäre, Gott erhö­rets oder höret es nicht. Das heißt das Gebet auf gut Glück ver­sucht und ins Blaue hin­ein gemur­ret; dar­um ist es ein ver­lo­re­nes Gebet. Denn wir las­sen uns durch sol­che Gedan­ken beir­ren und abschre­cken: ich bin nicht hei­lig noch wür­dig genug; wenn ich so fromm und hei­lig wäre wie Petrus oder Pau­lus, so woll­te ich beten. Aber nur weit hin­weg mit sol­chen Gedan­ken, denn eben das Gebot, das Pau­lus getrof­fen hat, das trifft mich auch, und um mei­net­wil­len ist eben­so­wohl das zwei­te Gebot gege­ben wie um sei­net­wil­len, daß er kein bes­se­res noch hei­li­ge­res Gebot zu rüh­men hat. Dar­um sollst Du so sagen: mein Gebet, das ich tue, ist eben so köst­lich, hei­lig und Gott gefäl­lig wie das des Pau­lus und der Aller­hei­ligs­ten. – Grund: ich will ihn gern der Per­son hal­ber hei­li­ger sein las­sen, aber des Gebo­tes hal­ber nicht, weil Gott das Gebet nicht der Per­son hal­ber ansie­het, son­dern sei­nes Worts und Gehor­sams hal­ber.“ (Der Gro­ße Kate­chis­mus, 1529)

Auf die Fra­ge wie wir beten sol­len geht Luther in der „Deut­schen Aus­le­gung des Vater­un­sers für die ein­fäl­ti­gen Lai­en (1519)“ ein:

„Die Wei­se ist die: daß man wenig Wor­te mache, aber viel und tie­fe Absicht oder Besin­nung (damit ver­bin­de). Je weni­ger Wor­te, des­to bes­se­res Gebet; je mehr Wor­te, des­to schlech­te­res Gebet: wenig Wor­te und viel Sinn ist christ­lich, vie­le Wor­te und wenig Sinn ist heid­nisch. Dar­um sagt er: ihr sollt nicht wie die Hei­den viel reden, wenn ihr betet. Eben­so sprach er Joh. 4, 24 zu dem heid­ni­schen Weib­lein: »Wer Gott anbe­ten will, der muß in dem Geist und in der Wahr­heit anbe­ten«. Denn sol­che Anbe­ter suchet der Vater. Nun, »in dem Geist beten« oder »geist­lich beten«, ist so im Gegen­satz zu dem leib­li­chen Gebet genannt, und »in der Wahr­heit beten« im Gegen­satz zu dem schein­ba­ren Gebet genannt. Denn das schein­ba­re und leib­li­che Gebet ist das äußer­li­che Mur­meln und Plap­pern mit dem Mun­de ohne alle Auf­merk­sam­keit. Denn das schei­net vor den Leu­ten (etwas) und geschieht mit dem leib­li­chen Mun­de und nicht wahr­haf­tig.“ (Mar­tin Luther: Deut­sche Aus­le­gung des Vater­un­sers für die ein­fäl­ti­gen Lai­en (1519))

Über­haupt ist das The­ma Gebet für Luther so wich­tig, dass er sei­nem Bar­bier das Werk „Eine ein­fäl­ti­ge Wei­se zu beten“ wid­met. In die­sem klei­nen Buch erklärt er, wie er vor­geht, wenn er kei­ne Lust zum Gebet hat:

„Ers­tens, wenn ich füh­le, daß ich durch frem­de Geschäf­te oder Gedan­ken kalt und unlus­tig zu beten gewor­den bin, wie denn das Fleisch und der Teu­fel alle­zeit das Gebet weh­ren und hin­dern, so neh­me ich mein Psäl­ter­lein, lau­fe in die Kam­mer, oder, wenn es der Tag und die Zeit ist, in die Kir­che zur Gemein­de und fan­ge an, die zehn Gebo­te, das Glau­bens­be­kennt­nis und, je nach­dem ich Zeit habe, etli­che Sprü­che, des Pau­lus oder (der) Psal­men münd­lich für mich selbst zu spre­chen, ganz wie es die Kin­der tun.“ (Eine ein­fäl­ti­ge Wei­se zu beten, für einen guten Freund (1535))

Aus die­ser Selbst­er­kennt­nis her­aus ergibt sich die Wahl der Gegen­maß­nah­men:

„Dar­um ists gut, daß man früh­mor­gens das Gebet das ers­te und des Abends das letz­te Werk sein las­se, und sich mit Fleiß vor die­sen fal­schen, betrü­ge­ri­schen Gedan­ken hüte, die da sagen: War­te ein wenig, in einer Stun­de will ich beten, ich muß dies oder das zuvor fer­tig machen. Denn mit sol­chen Gedan­ken kommt man vom Gebet in die Geschäf­te, die hal­ten und umfan­gen einen dann, daß aus dem Gebet den Tag über nichts wird.“ (ebd.)

Aus­ge­hend von die­sem Beten anhand des Bibel­tex­tes ergibt sich ein „vier­fa­ches Kränz­lein“: „Ich neh­me näm­lich ein jeg­li­ches Gebot an zum ers­ten als eine Leh­re, wie es das ja wirk­lich an sich ist, und beden­ke, was unser Herr Gott dar­in so ernst­lich von mir for­dert. Zum zwei­ten mache ich eine Dank­sa­gung draus, zum drit­ten eine Beich­te, zum vier­ten ein Gebet“ Im Gebet ent­steht also die Ver­än­de­rung des Her­zens, denn plötz­lich ist unser kal­tes Herz auf­ge­wärmt: „Wer geübt ist, kann hier wohl an einem Tag die Zehn Gebo­te, am ande­ren einen Psalm oder ein Kapi­tel aus der Schrift als sol­ches Feu­er­zeug neh­men und in sei­nem Her­zen damit ein Feu­er anzün­den.“ (ebd.)

Als Mar­tin Luther über Joh 16,23−30 gepre­digt hat, besprach er das The­ma Gebet auch in einer Pre­digt: „Unser lie­ber Herr Jesus Chris­tus ver­mahnt in die­sem Evan­ge­li­um herz­lich zum Gebet. Denn das ist nach dem Pre­digt­amt der höchs­te Got­tes­dienst bei den Chris­ten, daß man bete. Sol­ches lehrt der Herr hier sei­ne Jün­ger und uns und sagt über die Maßen tröst­lich, daß sie zu sol­chem Werk kühn und uner­schro­cken sein sol­len. Denn, sagt er, ich brau­che den Vater für euch nicht zu bit­ten. Ob ich schon für euch gebe­ten habe und noch bit­te und beten wer­de am Kreuz und zur Rech­ten Got­tes, da ich euch ohne Unter­laß und in Ewig­keit ver­tre­ten will, bedürft ihr doch mei­nes Gebets für euch nicht, weil ihr den Vater selbst bit­ten könnt. Denn weil ihr mich liebt und an mich glaubt, so hat euch der Vater lieb und erhört euch um mei­net­wil­len, wenn ihr selbst bit­tet. Des­halb könnt ihr kühn zum Vater tre­ten und getrost bit­ten; ihr sollt auch nicht zwei­feln, euer Gebet sei erhört.“

Da Gott das Gebet also so oft befiehlt, wird es auch ger­ne erhö­ren. Das bestä­tigt Luther regel­mä­ßig in sei­nen Tisch­re­den:

„Alle, die Gott im Glau­ben mit Ernst von Her­zen anru­fen, wer­den erhört und emp­fan­gen, was sie begehrt haben, wenn auch nicht zur sel­ben Stun­de, Zeit, Maß oder eben das, dar­um sie bit­ten; doch krie­gen sie viel ein Bes­se­res und Herr­li­che­res, als sie haben hof­fen dür­fen. Wie Römer 8, 26 bezeugt: »Denn wir wis­sen nicht, was wir bit­ten«, sin­te­mal wir nicht wis­sen, was oder wie es bes­ser wäre. Wenn ich z.B. bete, daß Her­zog Georg von Sach­sen ster­be, und nicht erhört wer­de, dar­an soll ich mich nicht keh­ren, als sei mein Gebet ver­ge­bens und umsonst; denn es ist viel­leicht bes­ser, daß ein gott­lo­ser Fürst lebt, als wenn er gestor­ben, nach ihm sechs, sie­ben oder mehr gott­lo­se Regen­ten an sei­ner Statt wären. Dar­um erhört Gott gewiß, die im Glau­ben bit­ten, obwohl nicht zur sel­ben Stun­de, noch auf die Wei­se und in der Sache, die sie vor­schrei­ben; son­dern wann und wie es ihm gefällt, und er weiß, daß es uns nüt­ze ist. Des­halb sol­len wir gewiß sein: Wenn es zur Hei­li­gung sei­nes Namens und zur Meh­rung und Ehre sei­nes Rei­ches, auch nach sei­nem Wil­len ist, so erhört er uns gewiß. Wenn wir aber ent­ge­gen die­sen Stü­cken bit­ten, so wer­den wir nicht erhört, denn Gott tut nichts wider sei­nen Namen, Reich und Wil­len.“(Tisch­re­de Nr. 240)

Auch als Luther 1530 an sei­nen vier­jäh­ri­gen Hans einen Brief schreibt, ermahnt er die­sen zum Gebet: „Dar­um, lie­ber Sohn Häns­chen, ler­ne und bete ja getrost, und sage es Lip­pus und Jos­ten auch, daß sie auch ler­nen und beten, so wer­det Ihr mit­ein­an­der in den Gar­ten kom­men. Hier­mit sei dem lie­ben Gott befoh­len “

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir Man kann Luthers Hal­tung zum The­ma Gebet nicht betrach­ten, ohne dar­über nach­zu­den­ken, wie er selbst gebe­tet hat. Das wird wohl am Bes­ten in sei­nem Gebet vor dem Bekennt­nis auf dem Reichs­tag in Worms deut­lich (als Audio hier):

„All­mäch­ti­ger, ewi­ger Gott! Wie ist es nur ein Ding um die Welt! Wie sperrt sie den Leu­ten die Mäu­ler auf! Wie klein und gering ist das Ver­trau­en der Men­schen auf Gott! Wie ist das Fleisch so zart und schwach, und der Teu­fel so gewal­tig und geschäf­tig durch sei­ne Apos­tel und Welt­wei­sen! Wie zieht sie so bald die Hand ab und schnurrt dahin, läuft die gemei­ne Bahn und den wei­ten Weg zur Höl­le zu, da die Gott­lo­sen hin­ge­hö­ren; und sie­het nur allein bloß an, was präch­tig und gewal­tig, groß und mäch­tig ist und ein Anse­hen hat. Wenn ich auch mei­ne Augen dahin wen­den soll, so ist’s mit mir aus, die Glo­cke ist schon gegos­sen und das Urteil gefällt. Ach Gott! ach Gott! o du mein Gott! Du mein Gott, ste­he du mir bei, wider alle Welt Ver­nunft und Weis­heit. Tue du es; du mußt es tun, du allein. Ist es doch nicht mei­ne, son­dern dei­ne Sache. Hab ich doch für mei­ne Per­son all­hie nichts zu schaf­fen und mit die­sen gro­ßen Herrn der Welt zu tun. Wollt ich doch auch wohl gute geru­hi­ge Tage haben und unver­wor­ren sein. Aber dein ist die Sach, Herr, die gerecht und ewig ist. Ste­he mir bei, du treu­er, ewi­ger Gott! Ich ver­las­se mich auf kei­nen Men­schen. Es ist umsonst und ver­ge­bens, es hin­ket alles, was fleisch­lich ist und nach Fleisch schmeckt. Gott, o Gott! Hörest du nicht, mein Gott? Bist du tot? Nein, du kannst nicht ster­ben, du ver­birgst dich allein. Hast du mich dazu erwäh­let? Ich fra­ge dich, wie ich es denn gewiß weiß; ei, so walt es Gott! denn ich mein Leben­lang nie wider sol­che gro­ße Herrn gedacht zu sein, habe mir es auch nie vor­ge­nom­men. Ei, Gott, so ste­he mir bei in dem Namen dei­nes lie­ben Sohns Jesu Chris­ti, der mein Schutz und Schirm sein soll, ja, mei­ne fes­te Burg, durch Kraft und Stär­kung dei­nes Hei­li­gen Geis­tes. Herr, wo blei­best du? Du, mein Gott, wo bist du? Komm, komm, ich bin bereit, auch mein Leben dar­um zu las­sen, gedul­dig, wie ein Lämm­lein. Denn gerecht ist die Sache und dein; so will ich mich von dir nicht abson­dern ewig­lich. Das sei beschlos­sen in dei­nem Namen. Die Welt muß mich über mein Gewis­sen wohl unge­zwun­gen las­sen, und wenn sie noch vol­ler Teu­fel wäre, und soll­te mein Leib, der doch zuvor dei­ner Hän­de Werk und Geschöpf ist, dar­über zu Grund und Boden, ja zu Trüm­mern gehen; dafür mir aber dein Wort und Geist gut ist. Und ist auch nur um den Leib zu tun; die See­le ist dein und gehört dir zu, und blei­bet auch bei dir ewig, Amen. Gott helf mir, Amen.“

Wei­ter­ge­hen­de Lek­tü­re: Aus der Tie­fe rufe ich, Herr, zu dir.

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem theologische Bücher reformierter Prägung. Als Familie wohnen wir im Südschwarzwald!

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