Jahr: 2022

Russisch-Orthodoxe Seelsorge bei Starez Sossima
Aus die Brüder Karamasow von F.M. Dostojewski

„Die Brü­der Kara­ma­sow“ ist ein Meis­ter­werk in unter­schied­lichs­ter Hin­sicht. Viel­leicht ergibt sich auf die­sem Blog einst die Mög­lich­keit zu einer aus­führ­li­chen Bespre­chung die­ses letz­ten Romans von F.M. Dos­to­jew­ski. Im Zwei­ten Kapi­tel des zwei­ten Buches des Ers­ten Teils die­ses umfang­rei­chen Wer­kes (mein rus­si­sches Hör­buch ist über 45h lang) kön­nen wir Sta­rez Sossi­ma (Ein Sta­rez ist so etwas wie eine Art „Über-Abt“ eines ortho­do­xen Klos­ters) bei Gesprä­chen mit unter­schied­li­chen Rat­su­chen­den beob­ach­ten. Ich fin­de in sei­nen Ant­wor­ten viel Weis­heit, auch wenn man man­ches „ins Evan­ge­li­sche“ über­set­zen soll­te. Aus dem hal­ben Dut­zend Gesprä­chen (hier ab S. 34) habe ich drei aus­ge­sucht. Die Sze­nen sind in sich abge­schlos­sen, und bis auf eine haben sie auch kei­ne wei­te­re Bedeu­tung für den Ver­lauf des Romans, kön­nen also in sich gele­sen wer­den. Ich habe sehr aus­führ­li­che Zita­te gewählt, um auch die gezeich­ne­ten Rah­men­be­din­gun­gen auf­zu­zei­gen: Kann schwe­re Sün­de ver­ge­ben wer­den? Beach­tet das Fein­ge­fühl, mit dem der Sta­rez das Pri­va­te pri­vat sein lässt aber vor allem den Hin­weis auf das Evan­ge­li­um am Schluss. In Dos­to­jew­skis Bei­spie­len fin­det sich zudem immer ein Zusam­men­hang zwi­schen kör­per­li­chem und …

J.I. Packer in seiner Einführung zu Owens Werk über das Sühneopfer Christi
Was ist biblisches Evangelium?

Man­che Dia­man­ten sind gut ver­steckt. Das gilt unbe­dingt für den Ein­lei­tungs­es­say, den J.I. Packer (Vgl. für einen Lebens­lauf die­sen Arti­kel) 1958 als Ein­füh­rung in eine Neu­auf­la­ge von John Owens Buch „The Deaht of Death in the Death of Christ“ ver­fasst hat. Der Arti­kel fin­det sich im Web oder deutsch­spra­chig als Teil die­ser gekürz­ten Über­set­zung von John Owens Klas­si­ker. Neu­lich griff ich wie­der­holt zur Ein­füh­rung von Packer, eigent­lich weil ich mich für Owens Werk auf­wär­men woll­te: Bis­her habe ich nichts ver­gleich­ba­res gele­sen, dass prä­zi­ser den Unter­schied von Armi­nia­nis­mus und Cal­vi­nis­mus auf­zeigt. Häu­fig kann man den Ein­druck bekom­men, als mei­ne man das sel­be, und betrach­te zwei unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven. Weit gefehlt, folgt man der Argu­men­ta­ti­on von Packer (eige­ne Über­set­zung): „Es gibt zwei kohä­ren­te Inter­pre­ta­tio­nen des bibli­schen Evan­ge­li­ums, die in einem kla­ren Gegen­satz zuein­an­der sind. Der Unter­schied zwi­schen den bei­den sind nicht bloß unter­schied­li­che Schwer­punk­te, son­dern der Inhalt. Ein Evan­ge­li­um ver­kün­digt einen Gott, der ret­tet, das ande­re spricht von einem Gott, der den Men­schen befä­higt, sich selbst zu ret­ten. Das eine ver­kün­digt die drei gro­ßen Hand­lun­gen der Hei­li­gen Dreieinigkeit …

Lesenswerte Blog-Artikel September 2022

In Zukunft pla­ne ich, regel­mä­ßig auf lesens­wer­te Blog-Arti­­kel hin­zu­wei­sen.  Das lief bei mir über den Bild­schirm in den letz­ten Wochen. Wel­che Arti­kel habt ihr die letz­ten Wochen gele­sen? Wel­ches The­ma bewegt euch? Zu wel­chem The­ma hät­tet ihr ger­nen einen Arti­kel? Hin­ter­lasst mir ger­ne eure Kom­men­ta­re! O Beard, Whe­re art Thou? Wie man es von Greg Mor­se gewöhnt ist, ein mit aus­rei­chend Iro­nie aus­ge­stat­te­ter Arti­kel, der Männ­lich­keit und Bär­te und Schöp­fung dis­ku­tiert. Sein Aus­gangs­punkt: War­um war es für die Män­ner Davids eine so gro­ße Schan­de, als sie Zwangs­ra­siert wur­den? (2. Sam. 10, 11ff) Erschie­nen am 22.08.2022 bei desi­ring­God. How the 5 Solas Do More Than Respond to Catho­li­cism Der Arti­kel, den Micha­el Kru­ger am 29.08.2022 auf sei­nem Blog michaeljkruger.com ver­öf­fent­lich hat, ging mir in die­ser Wei­se eben­falls durch den Kopf. Aus­ge­hend von den 5 Solis kann man leicht auf­zeich­nen, was es bedeu­tet „typisch evan­ge­lisch zu sein“. Wie häu­fig bei Kru­ger emp­fin­de ich sei­ne Arti­kel als etwas zu kurz, so dass die wirk­lich bren­nen­den Fra­gen nicht aus­rei­chend tief genug berührt werden.

Medienstapel im Sommer 2022

Im fol­gen­den ein paar Files“, die im Som­mer auf Ohren und Augen gin­gen: Weis­heit im Umgang mit den sozia­len Medi­en Vik­tor Mar­tens von der Bibel­ge­mein­de Bay­reuth, hält hier einen Vor­trag über Weis­heit im Umgang mit den sozia­len Medi­en. Sein Fazit ist, dass „Unse­re digi­ta­le Ernäh­rungs­py­ra­mi­de“ kor­ri­giert (oder umge­kehrt) wer­den muss. In sei­nem Vor­trag geht er auf ganz prak­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen ein, die uns im Umgang mit sozia­len Medi­en begeg­nen und ent­larvt ein „zu Viel“ und ein „zu Schnell“ am Kon­sum der Sozia­len Medi­en als Unwei­se. Unter ande­rem kann es pas­sie­ren, dass ich letzt­lich nur das höre, was ich hören möch­te, ja dass die ent­spre­chen­den Such­al­go­rith­men mir auch nur das auf­ti­schen, was ich hören möch­te. Ein viel­schich­ti­ger und gelun­ge­ner Vor­trag mit vie­len prak­ti­schen Situa­tio­nen, frisch und unauf­ge­regt vor­ge­tra­gen. Als exzel­lent wür­de ich den Vor­trag bezeich­nen, wenn er weni­ger in die Zeit der Coro­­na-Situa­­ti­on spre­chen wür­de: Der Ori­ent­zy­klus als Hör­spiel und als Film Ich woll­te (gegen­wär­tig ganz Gegen­kul­tur) Karl May den Kin­dern näher brin­gen. Also ver­such­ten wir uns an ein 10h Hör­spiel vom Hör­ver­lag. Dadurch das lan­ge Ein­blen­den aus dem …

Lesestapel im Sommer 2022

Ein Blick auf Bücher, die mei­ne Som­mer­fe­ri­en beglei­tet haben. „Die zwei Bücher an sei­ne Frau“ von Ter­tul­li­an. Eine ver­rück­te Schrift, die eigent­lich die radi­ka­le Aus­rich­tung Ter­tul­li­ans bezeugt. Er emp­fiehlt, ein wei­ses Vor­ge­hen für den Fall, dass er stirbt und sie als Wit­we da bleibt: Am bes­ten nicht wie­der­hei­ra­ten! Zitat Ter­tul­li­an: “ Man kann sagen: wofür man erst einer Erlaub­nis bedarf, das ist nicht gut. Wie­so denn? Für das, was erst erlaubt wird, gibt es immer eine Ver­an­las­sung zur Ertei­lung der Erlaub­nis, wel­che ver­däch­tig ist. Das Vor­züg­li­che­re aber braucht nicht erst von jemand erlaubt zu wer­den — weil es unbe­denk­lich und wegen sei­ner Ein­fach­heit an sich klar ist.“ Man erahnt in die­sem Buch den auf­kei­men­den Monas­ti­zis­mus der frü­hen Kir­che „Grie­che sucht Grie­chin“ von Fried­rich Dür­ren­matt. Ein ele­gan­ter Anfang, ein viel­ver­spre­chen­der Mit­tel­teil, und wie so oft bei Dür­ren­matt ein eher schwa­cher Abgang. Tat­säch­lich wur­de das Werk nie been­det, und hat nur eine vom Autor bei­gefüg­te Schluß­skiz­ze. Ein gro­tes­kes Werk, dass den Men­schen immer das Cha­os vor Augen stellt. Da es um die Ver­mäh­lung eines streng­gläu­bi­gen Grie­chen (er ist tat­säch­lich „Alt­neu­pres­by­te­ra­ner“) mit …

„Eine Predigt für den schlechtesten Menschen auf Erden“
Spurgeons Verkündigung des Evangeliums

Ich soll­te häu­fi­ger zu den Pre­dig­ten von Spur­ge­on grei­fen. Sei­ne einer­seits ein­fa­che und nach­sich­te, aber gleich­zei­tig ent­schie­de­ne und sau­be­re Art der Evan­ge­li­ums­ver­kün­di­gung ist eine Ermu­ti­gung für jeden Chris­ten, aber auch Vor­bild für jeden, der im Ver­kü­di­gungs­dienst steht. Spur­ge­ons Pre­digt über Lukas 18,13 (Das Gebet des Zöll­ners) ist mit dem Titel „Eine Pre­digt für den schlech­tes­ten Men­schen auf Erden“ über­schrie­ben. Die voll­stän­di­ge Pre­digt fin­det sich kos­ten­frei in The Spur­ge­on Libra­ry oder in über­setz­ter Fas­sung im Band 7 der Spur­ge­on­pre­dig­ten vom 3l-Ver­lag. Spur­ge­on zieht aus Lukas 18,13 vier Leh­ren:  Die Wirk­lich­keit der Sünd­haf­tig­keit ist kein Grund zur Ver­zweif­lung;  Ein Gefühl von Sünd­haf­tig­keit ver­leiht kein Recht auf Gna­de;  Das Wis­sen ihrer eige­nen Sünd­haf­tig­keit führ die Men­schen zu den rech­ten Taten;  Das Glau­bens­vol­le Beken­nen der Sünd­haf­tig­keit ist der Weg des Frie­dens. Gera­de das, was Spur­ge­on im zwei­ten Kapi­tel aus­führt, fand ich wert­voll und einer Neu­ent­de­ckung in unse­rer Zeit wert. Ich zitie­re ausführlich:

„Evangelischer Glaube Kompakt“ von Thomas Schirrmacher
Darüber wie es ist, als Nicht-Presbyterianer das Westminster Bekenntnis zu lesen

Das hat mich zunächst in die­ser Ver­si­on des West­mins­ter Glau­bens­be­kennt­nis­ses von 1647 (Im fol­gen­den mit WB abge­kürzt) von Tho­mas Schirr­ma­cher irri­tiert, dass er das Werk mit einem zusätz­li­chen Titel ver­sieht: „evan­ge­li­scher Glau­be kom­pakt“. Je mehr ich aber auf die­se Bekennt­nis­schrift zurück­grei­fe, des­to eher sehe ich es als eine Art „Cheat-Buch“ für dog­ma­ti­sche Fra­gen.  Als ich vor eini­ger Zeit z.B. für eine Jugend­grup­pe einen Vor­trag über das The­ma Heils­ge­wiss­heit vor­be­rei­tet habe, griff ich voll­stän­dig auf die Struk­tur zurück, wie es das WB In Kapi­tel 18 dar­stellt: Behut­sam ent­wi­ckelt das Bekennt­nis an die­ser Stel­le, dass es vor allem um den Wachs­tum im Glau­ben geht, dass Heils­ge­wiss­heit mög­lich, aber nicht heils­not­wen­dig sei, erstre­bens­wert, aber nicht auf eine zu ver­zwei­feln­de Wei­se, son­dern im Gott­ver­trau­en anzu­eig­nen. Oder neh­men wir Kapi­tel 9: Vom frei­en Wil­len. Das Bekennt­nis hat hier die augus­ti­ni­sche Struk­tur im Hin­ter­grund, so dass es die Wil­lens­frei­heit vor dem Fall, nach dem Fall, nach der Wie­der­ge­burt und in der Herr­lich­keit betrach­tet. Somit fällt die Ant­wort nicht ein­fach plump mit „ja oder nein“  aus, son­dern führt ziel­stre­big zur Fra­ge nach …

Wie auf Perelandra über Gottes Willen im Bösen diskutiert wurde
„O felix culpa“ auf der Venus

End­lich habe ich mich gewagt die Sci­ence-Fic­­ti­on Tri­lo­gie von C.S.Lewis zu lesen. Sie ist als Gegen­ent­wurf zu der zu sei­ner Zeit auf­kei­men­den Sci­ence-Fic­­ti­on-Lite­ra­­tur zu ver­ste­hen. Ent­ge­gen den zahl­rei­chen Wer­ken von H.G.Wells (auch heu­te noch durch Krieg der Wel­ten bekannt) geht in C.S.Lewis Space-Tri­­lo­­gie die Gefahr nicht vom Außer­ir­di­schen Leben, son­dern vom Men­schen aus. Im ers­ten Band wird der Lin­gu­ist Ran­som von zwei Wis­sen­schaft­lern auf den Mars (im Buch Mala­kan­dra genannt) ent­führt, die hof­fen, die gro­ßen Gold­vor­kom­men dort im Aus­tausch für ein Men­schen­op­fer Ran­soms erwer­ben und aus­beu­ten zu kön­nen. Nur durch das Ein­grei­fen der Eldi­la, einer Art Boten Got­tes (auf einem Pla­net ohne Sün­den­fall leben alle ein Leben vor Gott), kann die schlimms­te Kata­stro­phe ver­hin­dert wer­den, und die Mensch­lin­ge wer­den wie­der zurück­ge­schickt. Ran­soms Blick auf das Leben wird durch die­se Begeg­nung ver­än­dert und er wird von den Eldi­la auf eine wei­te­re Mis­si­on nun auf den Pla­ne­ten Venus (von den Bewoh­nern dort Pere­lan­dra genannt) geschickt. Er weiß nur, dass er eine gro­ße Gefahr unter­bin­den soll, aber nicht genau wel­che. Bald begeg­net er einer Köni­gin auf die­sem Planeten, …

„O felix culpa“
Aus der römisch-katholischen Osternachtsliturgie

Manch­mal stößt man über ein Zitat in unter­schied­li­chem Kon­text mehr­fach. So ging es mir mit einem Aus­schnitt aus der Oster­nachts­lit­ur­gie, der min­des­tens pro­vo­zie­rend for­mu­liert ist. Da heißt es (latei­ni­sche und deut­sche Fas­sung von hier): O cer­te necessa­ri­um Adae pec­ca­tum, quod Chris­ti mor­te dele­tum est! O felix cul­pa, quae talem ac tan­tum meruit habe­re Redemp­to­rem! Oh wahr­haft heil­brin­gen­de Sün­de des Adam, du wur­dest uns zum Segen, da Chris­ti Tod dich ver­nich­tet hat. O glück­li­che Schuld, welch gro­ßen Erlö­ser hast du gefun­den! Der Aus­ruf „O glück­li­che Schuld“ hat es sogar zu einem Wiki­­pe­­dia-Arti­­kel geschafft. Kost­bar ist der dahin­ter­lie­gen­de Gedan­ke, dass die Wie­der­her­stel­lung des Sün­ders in der Erlö­sung in in einen höhe­ren Stand bringt, als den er vor dem Fall besaß. Vor allem Augus­ti­nus inves­tier­te in die­se Über­le­gun­gen eini­ge Zeit und Hirn­schmalz. Dar­un­ter im Enchi­ri­dion (Dem Buch vom Glau­ben, der Hoff­nung und der Lie­be). Da heißt es unter ande­rem: Meli­us enim iudi­ca­vit de malis bene­fa­ce­re, quam mala nul­la esse per­mit­te­re — Gott hielt es für bes­ser aus dem Bösen das Gute zu wir­ken, als gar kein Böses zuzu­las­sen). Ent­spre­chend ist der Zustand des Men­schen in …

Christus in der ganzen Schrift erkennen und verkündigen
Literaturhinweise für ein Bibelstudium mit Christus im Zentrum

Mei­ne Rei­se in ein Bibel­le­sen mit Chris­tus im Zen­trum fing mit Edmund Clow­ney an. Zuerst bin ich auf die von Clow­ney mit Tim Kel­ler gemein­sam gehal­te­ne Vor­le­sung „Preaching Christ in a Post­mo­dern World gesto­ßen“.  Die­se war ein gewis­ser Start­punkt und spä­ter griff ich zur Vor­le­sung zur bibli­schen Theo­lo­gy von Clow­ney, die eben­falls kos­ten­frei zugäng­lich ist. Sei­ne Stra­te­gie stellt Clow­ney in Kür­ze auch in einem Essay vor, der das Ein­lei­tungs­ka­pi­tel zu einem Pre­digt­sam­mel­band von ihm dar­stellt: Preaching Christ in All of Scrip­tu­re — Chris­tus aus der gan­zen Schrift pre­di­gen. Durch Clow­ney habe ich auch uner­war­te­te Fähr­ten der Schrift ent­deckt, die zu Chris­tus füh­ren. In sei­ner Vor­le­sung führt Clow­ney aus, wie z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehe­bre­chen“ auf Chris­tus zeigt: Gott nimmt nicht eine bereits vor­han­de­ne Insti­tu­ti­on der Ehe, um die­se als Meta­pher für die Lie­be Chris­ti zu sei­ner Gemein­de zu ver­wen­den, son­dern die Ehe ist ein Abbild einer längst, ja vor Grund­le­gung der Welt vor­han­de­nen Rea­li­tät, der die­nen­den Lie­be Chris­ti. Unse­re Ehen wer­den an die­sem Anspruch, der im Sohn Got­tes zu sehen ist, gemes­sen. Des­we­gen ist Ehe­bruch und Hurerei …