Monate: August 2021

Das bleibende Erbe des (frühen) Thomas Schirrmacher
Der Wert von „Ethik“ und „Der Römerbrief“

Es gibt so vie­le Grün­de, um sowohl über die mehr­bän­di­ge Ethik wie den zwei­bän­di­gen Römer­­brief-Kom­­men­­tar von Tho­mas Schirr­ma­cher begeis­tert zu sein.  Zunächst wäre zu bemer­ken, dass Schirr­ma­cher ein­fach das Wort Got­tes reden lässt. Es kommt regel­mä­ßig vor, dass die Wer­ke durch Sei­ten­wei­sen Auf­lis­ten von Bibel­ver­sen zu bestimm­ten The­men durch­zo­gen sind. So wer­den alle Ver­se des Neu­en Tes­ta­ments auf­ge­lis­tet, die das Wort syn­ei­de­sis („Mit­wis­ser, Gewis­sen“) auf­füh­ren. Es gelingt Schirr­ma­cher dabei immer, die The­men zu tref­fen, die debat­tiert wer­den, und so sei­ne eige­ne Posi­ti­on zu ver­tei­di­gen. In die­sem Fall z.B. dar­um, um dar­zu­stel­len, dass „das Gewis­sen jedoch nicht auto­nom, son­dern „the­o­nom, nicht dem eige­nen, son­dern dem gött­li­chen Gesetz unter­stellt (ist)“ (Ethik, 2.32).  Oder man ver­glei­che die sei­ten­wei­se auf­ge­lis­te­ten Bibel­ver­se, die zum The­ma Prä­de­sti­na­ti­on und Ver­ant­wor­tung zusam­men­ge­tra­gen wer­den (frei zugäng­lich hier). Ich glau­be, das kann einem manch­mal kin­disch, viel­leicht auch töricht vor­kom­men, so als ken­nen wir Got­tes Wort nicht. Aber wer sich wirk­lich auf Got­tes Wort ein­lässt, und es spre­chen lässt, wird immer bemer­ken, wie es nicht frucht­los blei­ben wird. Vor allem bei sei­ner Ethik wird zudem die muti­ge Verteidigung …

Das Gebet eines Arminianers
polemische Apologetik von C.H. Spurgeon

In sei­ner Pre­digt „Free Will — a slave“ denkt Spur­ge­on dar­über nach, wie wohl ein armi­nia­ni­sches Gebet klin­gen wür­de: „Ihr habt bestimmt schon vie­le armi­nia­ni­sche Pre­dig­ten gehört, aber ihr habt noch nie ein armi­nia­ni­sches Gebet gehört — denn im Gebet sind die Hei­li­gen eins in Wort, Tat und Geist.Ein Armi­nia­ner wür­de auf den Knien ver­zwei­felt beten wie ein Cal­vi­nist. Er kann nicht über den frei­en Wil­len beten: das ist schlicht­weg unmög­lich. Stellt euch vor, er wür­de beten: „Herr, ich dan­ke dir, dass ich nicht wie die­se armen, anma­ßen­den Cal­vi­nis­ten bin. Herr, ich wur­de mit einem herr­li­chen frei­en Wil­len gebo­ren; ich wur­de mit einer Kraft gebo­ren, durch die ich mich dir von selbst zuwen­den kann; ich habe mei­ne Gna­de ver­bes­sert. Wenn jeder mit sei­ner Gna­de das­sel­be getan hät­te wie ich, wären sie alle geret­tet wor­den. Herr, ich weiß, du machst uns nicht wil­lig, wenn wir nicht selbst wil­lig sind. Du gibst jedem Men­schen Gna­de; man­che ver­bes­sern sie nicht, aber ich schon. Es gibt vie­le, die in die Höl­le gehen wer­den, die genau­so mit dem Blut Chris­ti erkauft wur­den wie ich; sie hat­ten genauso …

Das ausgetauschte Leben
Ein Brief von Hudson Taylor an seine Schwester

In einem sehr per­sön­li­chen Brief schil­dert Hud­son Tay­lor, wie er im Kampf um die Hei­li­gung Chris­tus neu als Erret­ter erlebt hat (Voll­stän­dig hier zu fin­den): „Ich fühl­te, dass ich für mich per­sön­lich wie für die gan­ze Mis­si­on mehr Hei­lig­keit, mehr Leben, mehr Kraft bedür­fe. Ich emp­fand, wel­che Undank­bar­keit, Gefahr und Sün­de dar­in lag, dass ich nicht ganz nahe bei Gott leb­te. Ich bete­te, fas­te­te, rang, fass­te Ent­schlüs­se, las das Wort Got­tes flei­ßi­ger, such­te mir mehr Stil­le zu neh­men, um über die gött­li­chen Din­ge nach­zu­den­ken? alles war wir­kungs­los. Jeden Tag, ja jede Stun­de stand ich unter dem Druck der Sün­de. Ich wuss­te, dass alles gut sein wür­de, wenn ich nur in Jesus blie­be; aber ich konn­te nicht. Ich begann den Tag mit Gebet und war ent­schlos­sen, mei­ne Augen nicht einen Augen­blick von ihm abzu­wen­den.“ Tay­lor fühlt sich als Ver­sa­ger, weil das nicht gelingt:

The Whole Christ von Sinclair Ferguson
Persönliche Neuentdeckung 2021

Sin­c­lair Fer­gu­son ist mit „The Who­le Christ“ in mehr­fa­cher Hin­sicht ein Spa­gat gelun­gen. Einer­seits gelingt es ihm, eine tro­cken wir­ken­de Debat­te der schot­ti­schen Pres­by­te­ria­ner im 18ten Jahr­hun­dert in unse­re Zeit zu holen. Dabei erweist er sich als Exper­te in den Lebens­läu­fen vie­ler Puri­ta­ner und der Gläu­bi­gen Schott­lands. Sei­ne Detail­an­ga­ben erleich­tern dabei den Lese­fluss und öff­nen mit die­sen Dar­stel­lun­gen eine wei­te Tür in das bun­te und leben­di­ge Werk der Puri­ta­ner (Ich den­ke per­sön­lich, dass ihm das sogar viel bes­ser gelingt als z.B. Bee­ke in der „Puri­tan Theo­lo­gy“). Doch wor­um ging es bei die­ser Debat­te, die als „the Mar­row Con­tro­ver­sy“ bis heu­te fast jeden Theo­lo­gie­stu­den­ten Schott­lands beschäf­tigt? Fer­gu­son arbei­tet die Rele­vanz der dahin­ter­ste­hen­den Fra­ge her­aus: Gibt es eine Bedin­gung, um zu Jesus zu kom­men bzw. von sei­nen Seg­nun­gen zu pro­fi­tie­ren. Wir ken­nen die­se Fra­ge oft im Rah­men der Fra­ge: „Kann ich jedem sagen, dass Chris­tus für ihn gestor­ben ist?“ Wer bis dahin dach­te, dass es bloß ein cal­vi­nis­ti­sches Pro­blem ist, wird von den Aus­füh­run­gen Fer­gu­sons über­rascht:  „Lei­der sind Cal­vi­nis­ten und Armi­nia­ner (his­to­risch gese­hen, defor­mier­te Cal­vi­nis­ten in ihrer …