Monate: Juni 2021

„Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt.“
Die Heidelberger Disputation 1518

Durch Carl Tru­e­man (z.B. in sei­ner Vor­le­sung zur Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te, in der Essay-Sam­m­­lung des Autors  „Refor­ma­ti­on — heu­te noch aktu­ell“ im kürz­lich erschie­nen Buch „Luther on the chris­ti­an life“ geht er jeweils sehr aus­führ­lich auf Luthers Unter­schei­dung zwi­schen Theo­lo­gen der Herr­lich­keit und Theo­lo­gen des Kreu­zes ein). wur­de ich auf ein Ereig­nis in Luthers Lauf­bahn auf­merk­sam, dass in vie­len Dar­stel­lun­gen des Refor­ma­tors schnell unter­geht.  Im April 1518 (und noch deut­lich vor der Eröff­nung des Ver­fah­rens durch die römi­sche Kurie  im Juli 1518) fand unter Lei­tung Luthers eine Dis­pu­ta­ti­on in der Ver­samm­lung der Augus­ti­ner statt, die sei­ne The­sen zum Ablass dis­ku­tie­ren soll­te. Luther berei­te­te The­sen vor, die wohl eini­ge über­rascht haben dürf­ten. Sehr ent­schie­den ent­schei­det sich Luther für eine augus­ti­ni­sche Dar­stel­lung des Heils. Eini­ge der 28 The­sen (hier samt Begrün­dung voll­stän­dig zu fin­den) im Wort­laut: Die Wer­ke der Men­schen, wenn sie auch noch so sehr in die Augen fal­len und gut zu sein schei­nen, müs­sen doch als Tod­sün­den gel­ten. Der Mensch, der da meint, er wol­le dadurch zur Gna­de gelan­gen, dass er tut, soviel ihm mög­lich ist, häuft Sün­de auf …

Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie? — eine Artikelreihe von Hanniel Strebel

Han­ni­el Stre­bel hat eine prä­gnan­te Arti­kel­rei­he für E21 erstellt, in der er der Fra­ge nach­geht, was refor­ma­to­ri­sche Theo­lo­gie sei! Ich bin sehr dank­bar für den Arti­kel, da ich die letz­ten Mona­te vor­nehm­lich mit der Fra­ge ver­bracht habe, wie ich selbst mei­nen Glau­ben defi­nie­ren soll­te. Beson­ders posi­tiv möch­te ich sei­nen Ansatz her­vor­he­ben, weder eine kon­fes­si­ons­ge­bun­de­ne noch eine all­zu all­ge­mei­ne Stel­lung zu wäh­len (Han­ni­el schreibt selbst dar­über). Ich kann inner­halb mei­ner theo­lo­gi­schen Bub­ble nicht mit dem West­mins­ter Bekennt­nis in der Hand argu­men­tie­ren, und sehe nur die Mög­lich­keit zurück zur Schrift zu gehen und Got­tes Wort spre­chen las­sen. Im wesent­li­chen Stau­ne ich dar­über, dass ich sowohl unab­hän­gig und ziem­lich anders geprägt, ja gar aus einem völ­lig ande­ren Kul­tur­kreis, genau die­se Ent­de­ckun­gen im Erbe der Refor­ma­ti­on gemacht habe, von denen Han­ni­el schwärmt (auch wenn ich wei­ter­hin den Begriff „refor­miert“ ver­wen­den wür­de) Ich möch­te fünf Filet-Stü­­cke sei­ner Rei­he hervorheben:

Wann bin ich gesetzlich? — Ein Einblick von John Colquhoun

Wenn ein Mensch zu Taten des Gehor­sams gedrängt ist, weil er den Zorn Got­tes fürch­tet, der sich im Gesetz offen­bart und nicht weil er an Sei­ne Lie­be glaubt, die sich im Evan­ge­li­um offen­bart… Wenn er Gott wegen Sei­ner Macht und Gerech­tig­keit fürch­tet und nicht auf­grund Sei­ner Güte, wenn er in Gott viel eher einen rächen­den Rich­ter, als einen lei­den­schaft­li­chen Freund und Vater sieht, und und wenn er Gott als fürch­ter­li­che Majes­tät vor sich sieht, statt unend­lich gnä­dig und barm­her­zig wird dadurch sicht­bar, dass er unter der Herr­schaft eines gesetz­li­chen Geis­tes ist, oder zumin­dest dar­an lei­det… Er zeigt, dass er unter dem Ein­fluss die­ses hass­erfüll­ten Ver­su­chers steht … wenn sein Ver­trau­en auf gött­li­ches Erbar­men durch die Leben­dig­keit sei­ner Pflich­ten und nicht durch die Ent­de­ckun­gen der Frei­heit und der Reich­tü­mer erlö­sen­der Gna­de geprägt sind, die ihm im Evan­ge­li­um ange­bo­ten wer­den, oder wenn er das ewi­ge Leben nicht als Gabe Got­tes durch Jesus Chris­tus erwar­tet, son­dern als Got­tes Rekom­pen­sa­ti­on für sei­nen Gehor­sam und sein Lei­den, wird schmerz­haft deut­lich, dass er sich unter der Macht eines gesetz­li­chen Geis­tes befindet. …

Sag mal — wer ist Jesus?

Sin­c­lair B. Fer­gu­son ist wahr­schein­lich so etwas wie ein Uni­­ver­­­sal-Theo­­lo­­ge, sein Werk umfasst Kom­men­ta­re (Jako­­bus-Brief, Mar­­kus-Evan­­ge­­li­um), dog­ma­ti­sche Wer­ke (The Holy Spi­rit in der CoCT-Rei­he, The Chris­ti­an Life, eine Ein­füh­rung in Dog­ma­tik), his­­to­­risch-theo­­lo­­gi­­sche Stu­di­en (The Who­le Christ, Ein Werk, dass die Mar­row-Kon­­tro­­ver­­­se ana­ly­siert). Der Schot­te ist Mit­her­aus­ge­ber eines theo­lo­gi­schen Lexi­kons, Dozent am West­mins­ter Theo­lo­gi­cal Semi­na­ry und reger Pre­di­ger (auf sermonaudio.com fin­den sich immer­hin über 680 Pre­dig­ten von ihm, wenn man bereit ist, sich auf den hef­ti­gen schot­ti­schen Akzent ein­zu­las­sen). Ent­spre­chend habe ich auch gleich zuge­grif­fen, als ich erfuhr, dass es von Fer­gu­son ein Kin­der­buch gibt. Die 33 Lek­tio­nen des Buches sind grob in 6 Tei­le unter­teilt, von denen die ers­ten drei wei­test­ge­hend chro­no­lo­gisch das Leben Jesu durch­ge­hen. Hier zeigt sich die Inter­dis­zi­pli­na­ri­tät des Autors gro­ße Vor­tei­le. So geht er zunächst von all­ge­mei­nen Fra­gen aus: „Was bedeu­tet der Name Jesus?“ ‚„Wie konn­te Jesus wis­sen, was Gott von ihm erwar­te­te?“ oder „Wie ver­hielt sich Jesus als Kind und als Jugend­li­cher?“ Anschlie­ßend geht er die Sta­tio­nen der Tau­fe, der Ver­su­chung, der Beru­fung der Jün­ger, der Lehr­tä­tig­keit, der Wun­der und schließ­lich des …