Monate: März 2021

„Der Gott des Alten Testaments ist der gleiche wie der Gott des Neuen Testaments“

Dr. T. Desmond Alexander ist wohl der Experte für das Alte Testament schlechthin. Er ist Author und Herausgeber von Enzyklopädien zum Pentateuch und zur Biblischen Theologie, schrieb Kommentare zum Buch Jona und zum zweiten Buch Mose (Wissenschaftlich und Pastoral). Neben thematischen Studien zum Neuen und Alten Testament ist vor allem seine Einführung zum Pentateuch besonders  (zur Buchbesprechung) hervorzuheben. S.P.: Dr. Alexander, vielen Dank dafür, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen nehmen.    Woher kommt Ihre Leidenschaft für das Alte Testament? T.D.A.: Meine Leidenschaft für das Alte Testament fing an, als ich im Grundstudium semitische Sprachen an der Queens University in Belfast studiert habe. Ich sollte dabei erwähnen, dass ich als Teenager zum persönlichen Glauben an Jesus Christus gekommen bin. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich eine Berufung zum christlichen Dienst. Durch eine ungewöhnliche Reihe an Ereignissen brachte mich Gott in Kontakt mit einer Gruppe von christlichen Universitätsdozenten: David Payne, Gordon Wenham und David Gooding. Alle stammten aus England, unterrichteten jedoch in Nord-Irland. Damals waren wir gerade mal drei Studierende im Kurs und so besaß ich …

Sehnsucht nach Pastor Latzel

Mal wieder war es Viktor von Christusallein der hier der auslösende Trigger war. Er hat mich auf eine Predigt von Latzel aufmerksam gemacht (und was für eine, höre hier). Bis dahin habe ich weitestgehend nur amerikanische Predigten angehört (vornehmlich Tim Keller, siehe hier für meine Lieblingsauswahl an Kellers Predigten), und wollte vor allem deswegen etwas daran ändern, damit wir als Familie auch gemeinsam Predigten hören können. Mir ist es wichtig, bei so etwas Kontinuität zu besitzen und ich habe nur wenige Prediger auf meiner Liste, dafür diese dann möglichst umfassend. Olaf Latzel  haben wir gleich gerne angehört und es war das gegeben, was mir wichtig ist: Reformierte Lehre, einfache und verständliche Verkündigung, sowohl Gemeinde wie Weltmenschen im Blick. Schon bald wurde Latzel zum Haus und Hof-Prediger, als im ersten Corona-Lockdown keine Gottesdienste möglich waren. Ein Höhepunkt dabei war auch das digitale Abendmahl irgendwann im April 2020. Auf jeden Fall haben wir sehr profitiert, nicht nur von den Predigten Latzels, sondern auch von denen von Koch, Bierbaum und den anderen Predigern der Martini-Gemeinde.

„Bedingter Gehorsam? Unbedingt“

In der aktuellsten Fest und Treu (Ausgabe 173, soweit ich verstehe, noch nicht digital erhältlich) ist ein äußerst herausfordernder „Kommentar zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Christ und Staat“ von Fürchtegott Christlieb (Pseudonym) erschienen. Das durch führende Größen in der Brüderbewegung vor allem durch den Kanal der KfG immer wieder und aktuell verstärkt darauf hingewiesen wird, dass man dem Staat unbedingt gehorsam sein muss, ist auch mir, der ich das Geschehen in den Brüdergemeinden höchstens am Rande mitverfolge, sauer aufgestoßen. Aufgefallen sind mir aber die Früchte. So bringt man sich ja auch in der Causa Latzel (ein weiterer Artikel dazu wird meinerseits folgen) schon sehr auffällig in Sicherheit. Freunde und Verwandte die der KfG nahestehen beklagen sich vor allem über das Fehlverhalten der Martini-Gemeinde und seines Pastors, weniger darüber, dass es hier angebracht sein müsste, als Christen enger zusammenzurücken und zusammen zu halten. Entsprechend begrüße ich den sehr deutlichen Kommentar in der FuT. Ich möchte mir die Freiheit nehmen etwas ausführlicher zu zitieren: „…und das deckt sich mit vielen persönlichen Gesprächen in der letzten …

Matthew Henry

Allan Harman hat eine Biographie über Matthew Henry verfasst, die dank des 3L-Verlag auch deutschsprachig erhältlich ist. Das Buch ist gut übersetzt und lässt sich durch seine Kürze relativ schnell durchlesen. Einige Lektionen, die ich mitgenommen habe: Matthew Henry hat fast alles bei seinem Vater Philip Henry gelernt: Als Nonkonformisten war es ihm verwehrt, Theologie zu studieren. Es blieb nur der Weg über Jura, der ihm den Zugang zu den antiken Sprachen ermöglichte (obwohl er griechisch schon als Kind gelernt hat) Es gab zwar wohl ein illegales theologisches Seminar der Nonkonformisten. Doch kaum hat Matthew mit dem Studium angefangen, wurden fast alle Studierende krank an der Grippe (sie wohnten auf engstem Raum) und einige verstarben gar. Für Matthew bedeutete es erst einmal das Ende seiner theologischen Laufbahn Er wird Pastor einer presbyterianischen Gemeinde und sucht ständig Kontakt mit anderen Gemeinden, ja schreibt darüber sogar ein Buch. Dennoch wird ihm die Annahme durch die offizielle Kirche erst nach seinem Tode gewährt (er wird in einer anglikanischen Kirche bestattet) Er arbeitet ungemein viel, predigt äußerst systematisch und …

4 Blogs über den Tellerrand

Es ist mir ja fast peinlich, aber ich habe erst vor kurzem angefangen Blog-Artikel zu lesen. Sie ersetzen zunehmend meine Frustration der täglichen Nachrichtenschau. Entsprechend möchte ich 4 meiner Neu-Entdeckungen vorstellen, die allesamt über meinen Teller als Evangeliums-Christ hinausgehen: 1. Lutherisches Lärmen Es gibt viele Gründe, warum man diesen sehr ungewöhnlichen Blog lesen sollte: Zunächst wird der Freikirchliche Leser damit konfrontiert, dass Luther in einigen Punkten nicht so „evangelikal“ war, wie wir es hoffen würden (z.B. dieser Artikel über das Übergabegebet) und ich habe eine gewisse Freude am Zerlegen von Worthaus, (z.b. hier). Überhaupt ist es der Blog zu dem ich greife, wenn ich wissen möchte, wie eigentlich Lutheraner das erklären würden. Trotz der generellen Leseempfehlung bleibt zumindest für mich immer eine gewisse Irritation darüber, dass es ja eigentlich überhaupt keine Bedeutung hätte, den Autoren völlig recht zu geben. Fast bei jedem Artikel frage ich mich: Ok, und jetzt? Ich wüsste nicht wie es möglich sein sollte, in Deutschland auf diese Weise lutherisch orthodox zu werden, wie die Autoren es schildern. Wenn es sowohl die EKD, …

A House for My Name

Peter Leithart war mir bisher vor allem als Autor von FirstThings bekannt. Gerne möchte ich an dieser Stelle auch auf einen Artikel von Leithart verweisen, der vor einigen Wochen bei E21 übersetzt erschienen ist: Wie man Kindern die Bibel nahe bringt. Der Artikel und mein Interesse an „Biblischen Theologien“ führte mich zu diesem Buch. Für knapp 250 Seiten äußerst kurz, ist Leithart dennoch ein gut ausgearbeitetes und lesenswertes Werk gelungen. Leithart gelingt es, zahlreiche thematische Linien, die sich im alten Testament zunehmend weiterentwickeln auf sehr verständliche Weise darzustellen, ohne langweilig oder wiederholend zu werden. Ob nun die Entwicklung der messianischen Verheißungen, die dichterische Wiederholung der Themen wie Stadt Gottes, Tempel, Opfer (die Einprägsamste Erklärung der ersten Kapitel Levitikus, die ich je gelesen habe), Priestertum oder die Chronologie der Bibel, –  sauber arbeitet der Autor an der Heilsgeschichte weiter. Fast auf jeder Seite habe ich eine wertvolle Markierung hinterlegt.

„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schildbürger sind ursprünglich für ihre Klugheit weithin bekannt und werden überall in der Welt gefragt um mit ihrer Klugheit die Dinge zu regeln. Doch Schilda, ihr Heimatort geht dadurch den Bach runter. Also muss etwas unternommen werden. Die Schildbürger nehmen sich nun vor, sich besonders dumm zu stellen. Allen sagt der Plan zu, außer dem Lehrer, der einwendet: „Wer klug tut, wir davon noch lange nicht klug.Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“. Die anderen lachten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, meinte der Schmied neugierig. „Eure Dummheit“, rief der Lehrer. Da lachten sie ihn alle aus. Als erste Dummheit beschließt man den Bau eines dreieckigen Rathauses ohne Fenster. Dieser wird bald eine weltbekannte Kuriosität und spült Geld in die Stadtkasse: >„So wurden die Schildbürger zwar nicht wegen ihres dreieckigen Rathauses, sondern vielmehr wegen ihrer vergessenen Fenster berühmt. Es dauerte nicht lange, so kamen auch schon die ersten Reisenden nach Schilda, bestaunten die Einwohner, übernachteten und ließen überhaupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, …

Die Predigt des Reverend Sprague aus St. Petersburg

In die Abenteuer von Tom Sawyer hat Reverend Sprague zwei Mal die Gelegenheit für eine Predigt. Das eine Mal spricht er über dies und das und das andere Mal ist er ein Tausendsassa um die Realität in den gewünschten Farben leuchten zu lassen. Nichts neues im Westen also.  Ganz zu Beginn des Buches erleben wir einen Sonntag von Tom (Hervorhebungen von mir): „Und jetzt kam die Predigt. Es war eine gute, leutselige Predigt und ging bis ins einzelne. Sie beschäftigte sich mit der Kirche und mit den Kindern der Kirche; mit den anderen Kirchen des Dorfes; mit dem Dorfe selbst; mit dem Lande; mit dem Staat; mit den Behörden der einzelnen Staaten; mit den Vereinigten Staaten; mit dem Kongreß; mit dem Präsidenten; mit den Staatsdienern; mit den armen, sturmumtosten Seefahrern; mit den unter dem Joch ihrer Monarchen seufzenden Millionen Europas und des Orients; mit den Glücklichen und Reichen, die nicht Augen haben, zu sehen und Ohren, zu hören; mit den armen Seelen auf fernen Inseln; und schloß mit der Bitte, daß seine Worte auf guten …

Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein, als ein langlebiger verschlafener Planet

„Ich will lieber Asche sein, als Staub! Ich will lieber, dass mein Lebensfunke sich ausbrennt in einer hellen Flamme, als dass er in Fäulnis erstickt. Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein der in all seinen Atomen zugleich verglüht, als ein langlebiger verschlafener Planet. Der Mensch ist gemacht, damit er lebt; nicht damit er existiert. Ich werde meine Tage nicht damit vergeuden, dass ich sie zu verlängern suche. Ich werde meine Zeit gebrauchen.“ In den nächsten Artikeln möchte ich vermehrt Klassiker der Literatur vorstellen und mir scheint Jack London ein guter Anfang zu sein. Ich liebe das oben genannte Zitat (hier original). Aber ich glaube, dass wir London unrecht tun, wenn wir in ihm einen Autor von Jugendliteratur sehen. Das hat meist die negative Folge, dass man die Erzählungen und Romane Londons nur in stark bearbeiteten „jugendlichen“ Varianten kennt. Dabei ist natürlich z.b. Alaska Kid ein gutes teenagergerechtes Einstiegswerk. Bei Ruf der Wildnis und Wolflblut mag dies durch das sehr stark positive „paradiesische“ Ende ebenfalls zutreffen. Es wird aber schon deutlich düsterer, wenn man „den …