Monate: Februar 2021

Die verändernde Macht der Rechtfertigung aus Gnaden

„Vor kur­zem ging ich durch die Stra­ßen von Sand­town. Es fühl­te sich für mich wie das vom Krieg zer­stör­te Vuko­var an, nur dass die­se Zer­stö­rung nicht durch Krieg, son­dern durch ras­si­sche Span­nun­gen, Ver­bre­chen und wirt­schaft­li­chen Nie­der­gang ver­ur­sacht wur­den. Es gab aber auch einen wei­te­ren wich­ti­gen Unter­schied. Zwölf Blö­cke der Stadt wur­den durch die New Song Com­mu­ni­ty zu einem Bereich der Lie­be Got­tes her­aus­ge­schnitzt. Tote Stra­ßen aufs neue mit Leben erfüllt. Mark Gor­nik, Pas­tor der Gemein­de mach­te die Bemer­kung bei­na­he bei­läu­fig. Als er die Ver­nich­tung der Wohn­ge­bie­te erklär­te, mein­te er, dass die Leh­re von der Recht­fer­ti­gung aus Gna­den die not­wen­di­gen Res­sour­cen für Hei­lung ent­hält. Er muss es wohl wis­sen, dach­te ich, schließ­lich lebt und arbei­tet er hier in Sand­town schon seit mehr als zehn Jah­ren (…). Doch für die meis­ten Theo­lo­gen ist die Recht­fer­ti­gung aus Gna­den eine lee­re Dok­trin. Man­che haben sie ver­las­sen und las­sen sie auf dem theo­lo­gi­schen Mist­hau­fen dahin­ros­ten; sie hal­ten sie im All­ge­mei­nen für nutz­los, ja selbst für deut­lich gerin­ge­re sozia­le Patho­lo­gien als wenig hilf­reich, geschwei­ge denn in Fra­gen von Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. …

Von der ewigen Vorherbestimmung Gottes

Cal­vin wid­me­te die­se Schrif­te, deren Tei­le spä­ter auch in die 1559- Auf­la­ge der Insti­tu­tio bil­de­ten, der Stadt Genf. Die Schrift wur­de Anfang 1552 als gemein­sa­me Erklä­rung der Gen­fer Pas­to­ren. Cal­vin setzt sich mit die­ser Schrift mit zwei katho­li­schen Wider­sa­chern, Pig­hi­us und Sicu­lus aus­ein­an­der, aber er stellt sich auch der Ableh­nung der dop­pel­ten Prä­de­sti­na­ti­on im pro­tes­tan­ti­schen Lager. Die Schrift, ist in 47 klei­ne­re Abschnit­te ein­ge­teilt, die immer wie­der für ein „Deja-Vu“ gesorgt haben. Immer wie­der ernüch­ternd fest­zu­stel­len, wie uralt „moder­ne“ Ein­wän­de gegen die Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re sind. Das Buch ist sicher­lich eines der anspruchs­volls­ten Bücher, die ich in letz­ter Zeit gele­sen habe, das aber weni­ger durch das gewähl­te The­ma zurück­zu­füh­ren ist, als dar­auf, dass Cal­vin stän­dig Bezug auf die The­sen sei­ner Kri­ti­ker Pig­hi­us und Sicu­lus nimmt. Man müss­te eigent­lich ihre Wer­ke eben­falls zur Hand haben. Aus die­sem Grun­de muss­te ich regel­mä­ßig Abschnit­te wie­der­holt durch­le­sen und kam rela­tiv lang­sam durch das Werk vor­an. Den­noch emp­fin­de ich das Buch in mehr­fa­cher Hin­sicht als Berei­che­rung: 1.Wenn Cal­vin davon spricht, dass „Augus­ti­nus totus nos­ter“ (Augus­ti­nus völ­lig unser) sei, dann ist das weni­ger ein Schmücken …

Stories with Intent

Gegrif­fen habe ich zu die­sem Buch, weil mir auf­fiel, wie häu­fig Jona­than Edwards über Gleich­nis­se pre­dig­te und ich mich hier zunächst sel­ber damit aus­ein­an­der­set­zen woll­te. Das Buch ist Teil mei­ner Logos Biblio­thek und so ist mir womög­lich nicht gleich auf­ge­fal­len, was für ein dicker Wäl­zer das ist. Das ist aber bereits mein ers­tes Lob für die­ses Werk: Es ist wirk­lich com­pre­hen­si­ve, also ver­ständ­lich und leicht zu lesen. Bereits nach weni­gen Tagen habe ich einen Groß­teil des Ein­lei­tungs­ka­pi­tels durch­ge­le­sen sowie die Bespre­chung meh­re­rer Gleich­nis­se. Das Buch besteht aus vier Tei­len: In der Ein­füh­rung bespricht der Autor die Aus­le­gungs­ge­schich­te der Gleich­nis­se, die von zwei Extre­men geprägt ist Einer­seits ein rigo­ro­ses Alle­go­ri­sie­ren aller ein­zel­nen Ele­men­te in einem Gleich­nis. Berühmt dürf­te hier Augus­ti­nus Aus­le­gung des Gleich­nis­ses vom Barm­her­zi­gen Sama­ri­ter sein: Jeri­cho (= Mond) steht für unse­re Sterb­lich­keit und Jeru­sa­lem ist die himm­li­sche Stadt. Der Über­fal­le­ne ist Adam und die Räu­ber sind der Satan und sei­ne Dämo­nen. Der gute Sama­ri­ter ist Chris­tus und der Wirt Apos­tel Pau­lus. (Übri­gens: Snod­grass weist dar­auf hin, dass das Alle­go­ri­sie­ren der Kir­chen­vä­ter im Rah­men der …

„Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.“

Blog­ger Vik­tor (ich emp­feh­le sei­nen exzel­len­ten Arti­kel über die Petrus­schlüs­sel) hat mich auf den exak­ten Wort­laut der zwei Para­gra­phen zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen gemacht. Ich stau­ne über den uner­war­te­ten Pro-Life Wort­laut. So heißt es in §219, Absatz 1: “ Die Bera­tung dient dem Schutz des unge­bo­re­nen Lebens. Sie hat sich von dem Bemü­hen lei­ten zu las­sen, die Frau zur Fort­set­zung der Schwan­ger­schaft zu ermu­ti­gen und ihr Per­spek­ti­ven für ein Leben mit dem Kind zu eröff­nen; sie soll ihr hel­fen, eine ver­ant­wort­li­che und gewis­sen­haf­te Ent­schei­dung zu tref­fen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Unge­bo­re­ne in jedem Sta­di­um der Schwan­ger­schaft auch ihr gegen­über ein eige­nes Recht auf Leben hat und daß des­halb nach der Rechts­ord­nung ein Schwan­ger­schafts­ab­bruch nur in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen in Betracht kom­men kann, wenn der Frau durch das Aus­tra­gen des Kin­des eine Belas­tung erwächst, die so schwer und außer­ge­wöhn­lich ist, daß sie die zumut­ba­re Opfer­gren­ze über­steigt. Die Bera­tung soll durch Rat und Hil­fe dazu bei­tra­gen, die in Zusam­men­hang mit der Schwan­ger­schaft bestehen­de Kon­flikt­la­ge zu bewäl­ti­gen und einer Not­la­ge abzu­hel­fen. Das Nähe­re regelt das Schwan­ger­schafts­kon­flikt­ge­setz.“ Zur Gegenüberstellung: …

„Groß sind die Werke des Herrn“

Wir wur­den mehr­fach gebe­ten, die Spu­ren­su­che, das Video­pro­gramm des Kin­der­le­se­bunds zu bespre­chen. Die­sem möch­te ich hier­mit nach­kom­men. Zunächst die Punk­te, die unbe­dingt posi­tiv her­vor­ge­ho­ben wer­den müs­sen: Nach einer kos­ten­lo­sen Regis­trie­rung bekommt man Zugang zu mitt­ler­wei­le weit mehr als 30 abend­fül­len­den Filmen.Diese bestechen durch her­vor­ra­gen­de Qua­li­tät, aber auch durch die durch­gän­gig hoch­wer­ti­ge Mode­ra­ti­on. Vor allem ist es eine Wohl­tat für die Ohren, einen Tier­film anzu­schau­en, in dem nicht jeder zwei­te Satz mit „Die Evo­lu­ti­on hat XX in XX Mil­lio­nen Jah­ren ent­wi­ckelt.“ „Die Natur hat sich dabei etwas gedacht…“ Wie macht doch die­ser grau­sig unauf­rich­ti­ge Natu­ra­lis­mus die ansons­ten hohe Qua­li­tät von z.b. den Doku­men­ta­tio­nen der BBC zunich­te. Wirk­lich, wenn ich von Wohl­tat spre­che, dann mei­ne ich es so: Ich lie­be es, die Wun­der in der Natur und Schöp­fung Got­tes zu betrach­ten. Eine Doku, die mit „Am Anfang war das Wort“ anfängt, hat sich ein­fach schon einen Plus­punkt extra ver­dient. Man muss dabei im Blick haben, dass die Leu­te das alles ehren­amt­lich machen und unglaub­lich viel Zeit, Mühe, Geduld und Arbeit rein­ste­cken. Was dann ensteht, ist ein 50-minutiges …

Not a Fan!

Ich habe mir schon län­ger über­legt über die­ses The­ma einen Arti­kel zu schrei­ben. Der Skan­dal um Ravi Zacha­ri­as macht mir deut­lich, dass ich eher unnö­tig lang gezö­gert habe: Und sollt nie­mand Vater hei­ßen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Him­mel ist. (Mt. 23,9) Was kann aus Naza­reth schon Gutes kom­men? (Joh. 1,46) Manch­mal fra­ge ich mich, ob gera­de die Abwe­sen­heit eines for­mel­len Papst­tums uns Evan­ge­li­ka­le der­art anfäl­lig für den Per­so­nen­kult macht? Bevor ich hier über­haupt wage, auf jemand ande­ren mit dem Fin­ger zu zei­gen, wird mir mein göt­zen­die­ne­ri­sches Herz auf beschä­men­de Wei­se bewusst. Mir ist es neu­lich beim Lesen von„Schmeckt und Seht“ auf­ge­fal­len, dass John Piper völ­lig über­flüs­si­ge und unnö­ti­ge Hin­wei­se auf C.S. Lewis gibt. Auf S. 76 und 78 z.B. fin­det sich zuerst ein Ver­weis dar­über, wie wich­tig es ist über die „gewöhn­li­che all­täg­li­che Schöp­fung“, wie Bäu­me zu stau­nen, und im zwei­ten Fall, wie wich­tig es ist, gute Bücher zu lesen. In bei­den Fäl­len hielt Piper einen Ver­weis auf Lewis für not­wen­dig, obwohl der Arti­kel expli­zit über das Leben eines völ­lig anderen …

Know the Heretics

Wer hat nicht schon mal die­ses Bild gehört, wenn man von der Drei­ei­nig­keit spricht: Die­se kön­ne man mit Was­ser ver­glei­chen, da die­ses eben­falls drei For­men (fest, flüs­sig, gas­för­mig) annimmt. Obwohl ich lie­ber eine schlech­te Ana­lo­gie für die Drei­ei­nig­keit begrüs­sen wür­de, als voll­stän­di­ges Schwei­gen dar­über, fal­len die Schwä­chen die­ses Models schnell ins Auge: In der Drei­ei­nig­keit sind Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist immer gleich­zei­tig gegen­wär­tig und erfreu­en sich an der Gegen­sei­ti­gen Gemein­schaft. Alle sind zudem glei­cher­wei­se Gott, ohne Abstri­che an der „Gött­lich­keit“. Dabei ist das Was­­ser-Model eines, dass in der Kir­chen­ge­schich­te schon ein­mal dis­ku­tiert und von der Kir­che ver­dammt wur­de, näm­lich dass des Moda­lis­mus: Gott ist immer einer, der unter­schied­li­che For­men annimmt: Im AT wäre es der Vater in den Evan­ge­li­um Jesus der Sohn und nun im Leben der Gläu­bi­gen der Hei­li­ge Geist. Moda­lis­mus , aber auch der Doke­tis­mus (der lehrt, dass Jesu Mensch­lich­keit nur eine Schein­ba­re sei) sind Bei­spie­le für irri­ge Lehr­mei­nun­gen, die auch bis heu­te all­zu schnell in unser Den­ken und Spre­chen über die bibli­schen Wahr­hei­ten hin­ein­schlei­chen. Dabei — so die The­se des Autors — dürf­te gera­de eine …

Meine Real Life Story (und die Sache mit Gott) 

Phil­ipp Micken­be­cker ist 23 Jah­re alt; mit sei­nem Bru­der Johan­nes und Freun­den betreibt er einen You­Tube Kanal mit Mil­lio­nen­reich­wei­te (The Real Life Guys). Auf ihrem Kanal bau­en sie ein U‑Boot, brin­gen eine Bade­wan­ne zum Flie­gen, oder kon­stru­ie­ren eine Ach­ter­bahn in einem Bau­markt. Dabei wol­len sie Jugend­li­che dazu moti­vie­ren, statt ihre Zeit vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, sich zurück ins rea­le Leben zu bege­ben, und sel­ber Din­ge zu unter­neh­men. Ihr Mot­to: «Do Some­thing». Phil­ipp bekam Mit­te 2020 sei­ne drit­te Krebs­dia­gno­se. Kurz davor ver­öf­fent­lich­te er sei­ne per­sön­li­che Real Life Sto­ry. Ich habe das Hör­buch dazu auf Spoti­fy ange­hört, dass der Autor sel­ber vor­liest.   Phil­ipp wuchs in einem christ­li­chen Eltern­haus auf und wur­de anfangs zu Hau­se unter­rich­tet. Doch ab der vier­ten Klas­se muss­ten er und sei­ne Geschwis­ter (neben sei­nem Zwil­lings­bru­der Johan­nes hat­te er noch eine Schwes­ter) an eine offi­zi­el­le Schu­le wech­seln, weil Home­schoo­ling in Deutsch­land nicht erlaubt ist. Zuhau­se lern­ten sie aus Inter­es­se. An der neu­en Schu­le wur­de die­ses Prin­zip umge­kehrt: die Leh­rer ver­ord­ne­ten den Lern­stoff. Die Schu­le wur­de, wie er schreibt, für sie zum Gefäng­nis. Aus Lan­ge­wei­le gestal­te­ten sie sich den Schul­all­tag selbst spannender, …

Ist der Glaube ein Geschenk von Gott?

Es ist immer wie­der berei­chernd, manch­mal aber auch ernüch­ternd kon­fes­sio­nel­le Schrif­ten zu stu­die­ren. So bin ich erst jetzt dazu gekom­men, die fünf Punk­te der Remons­tran­ten von 1610 zu lesen und habe doch etwas uner­war­tet Über­ra­schen­des ent­deckt. Ich über­setz­te aus der latei­ni­schen und hol­län­di­schen Ver­si­on, die ich von P. Schaff besit­ze: Dass der Men­sche den selig machen­den Glau­ben nicht aus sich sel­ber besitzt, noch aus Kraft sei­nes frei­en Wil­lens, da er im Zustand der Auf­leh­nung und der Sün­de nichts Gutes (was ja ins­be­son­de­re der selig­ma­chen­de Glau­be ist) aus sich her­aus den­ken, wol­len oder tun kann. Es ist aber not­wen­dig, dass er von Gott, in Chris­tus durch sei­nen Hei­li­gen Geist wie­der­ge­bo­ren und in der Wie­der­ge­burt, in Ver­nunft, den Affek­ten, des Wil­len und allen Kräf­ten neu belebt wird, damit er nach dem Wort Chris­ti rich­tig ver­ste­hen, den­ken, wol­len und das wah­re Gute voll­brin­gen kann. Wie auch Joh. 13,5 sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ Bei der Recher­che ist mir auf­ge­fal­len, dass die eng­li­sche Über­set­zung von Schaff, die auch im Weg Grund­la­ge für zahl­rei­che ver­öf­fent­lich­te Ver­sio­nen ist, das …

Bis zum Bodensatz

Auf Sieg­fried Kett­ling bin ich durch Vik­tor von Christusallein.com gesto­ßen. Kett­ling, luthe­ri­scher Theo­lo­ge, besitzt eine unge­wöhn­li­che Aus­drucks­wei­se, wahr­schein­lich wohl etwas, das Luthe­ra­ner häu­fig aus­zeich­net. Hilf­reich emp­fand ich sei­ne Aus­füh­run­gen zum Beten. Es ist ein grö­ße­rer Abschnitt, denn ich unver­än­dert wie­der­ge­ben möch­te. Gefun­den in: „Und der sag­te ja“, ein nur noch anti­qua­risch erhält­li­ches Werk: Kürz­lich habe ich ein Gebet gele­sen. Es lau­te­te etwa so: “ Gott, ich will dir sagen, wer du bist und wie du dich mir gegen­über benom­men hast. Ich sage es dir mit­ten ins Gesicht, neh­me kein Blatt vor den Mund. Mit glat­ten Wor­ten bist du auf mich zuge­kom­men wie ein jun­ger Mann, der schön tut, wenn er ein ahnungs­lo­ses Mäd­chen beschwat­zen will. Schließ­lich habe ich mich betö­ren las­sen, bin mir dir gegan­gen. Übel hast du mein Ver­trau­en miss­braucht, mich bru­tal ver­ge­wal­tigt und anschlie­ßend sit­zen­ge­las­sen. Nun ste­hen die Leu­te rings­um, hal­ten sich den Bauch vor Lachen: „Schön dumm von Dir, auf den rein­zu­fal­len.“ Gott, ich sage es dir ins Gesicht — ein Ver­füh­rer bist du!“ Ist das — ein Gebet? Nicht eher eine Gotteslästerung?‚Sollten wir nicht nach der …