Monate: Dezember 2020

Tertullian: Verteidigung

„Wenn der Tiber bis in die Stadt­mau­ern steigt, wenn der Nil nicht bis über die Feld­flu­ren steigt, wenn die Wit­te­rung nicht umschla­gen will, wenn die Erde bebt, wenn es eine Hun­gers­not, wenn es eine Seu­che gibt, sogleich wird das Geschrei gehört: „Die Chris­ten vor den Löwen!“ So vie­le vor einen?! Ich bit­te euch, wie vie­le Kala­mi­tä­ten haben nicht schon vor Tibe­ri­us, d.h. vor der Ankunft Chris­ti, den Erd­kreis und die Stadt betrof­fen?“ — Ter­tul­li­an in „Ver­tei­di­gung“. Es gibt vie­le Grün­de, war­um man Ter­tul­li­an lesen soll­te. Da wäre erst ein­mal die gene­rell anti- oder zumin­dest unchrist­li­che Atmo­sphä­re des zwei­ten Jahr­hun­derts, die unse­rer nicht unähn­lich ist. C. Tru­e­man bemerk­te mei­nes Erach­tens  zurecht, dass wir vor allem aus dem zwei­ten und drit­ten Jahr­hun­dert am meis­ten für unse­re Zeit schöp­fen kön­nen. Ähn­lich wie vor fast zwei­tau­send Jah­ren, wird das Chris­ten­tum nicht nur abge­lehnt, es gilt als unäs­the­tisch und wider­lich. Vom Markt­platz der zuläs­si­gen Mei­nun­gen ist es schon lan­ge aus­ge­schlo­ßen. Doch es liegt auch an Ter­tul­li­an per­sön­lich, war­um sei­ne „Ver­tei­di­gung des Chris­ten­tums“ ein guter Start­punkt ist, um die Lite­ra­tur der Kir­chen­vä­ter kennenzulernen. …

Stille Nacht — Heilige Nacht

Weih­nach­ten ist längst nicht mehr nur ein christ­li­ches Fest – es ist auch ein säku­la­rer Fei­er­tag: Je nach Glau­bens­über­zeu­gung fei­ern die einen die Geburt Jesu Chris­ti, die ande­ren das Fest der Lie­be, des Frie­dens und der Fami­lie. Man kann Weih­nach­ten in der säku­la­ren Gesell­schaft ohne Got­tes­dienst, ohne christ­li­che Lie­der und ohne Chris­tus fei­ern. Mit die­ser Beob­ach­tung beginnt Timo­thy Kel­ler sein Buch Stil­le Nacht – Hei­li­ge Nacht. War­um wir Weih­nach­ten heu­te noch fei­ern. Nach sei­ner Wahr­neh­mung ist die wah­re Weih­nachts­bot­schaft vie­ler­orts ver­lo­ren gegan­gen – und zwar auch in christ­li­chen Krei­sen: „Im säku­la­ren wie im christ­li­chen Weih­nachts­fest geht es fast nur um Frie­den, Freu­de und Licht“ (S. 110). Dass Weih­nach­ten einen viel tie­fe­ren Sinn hat, ent­fal­tet der Autor in acht Kapi­teln zu klas­si­schen Weih­nachts­tex­ten aus dem Pro­phe­ten Jesa­ja, dem Mat­t­hä­us- und dem Lukas­evan­ge­li­um sowie 1. Johan­nes 1,1 – 4. Zwar spricht auch Kel­ler in den acht Kapi­teln sei­nes Buchs viel von Got­tes Lie­be, sei­nem Frie­den und sei­nem Licht, die­se Begrif­fe wir­ken bei ihm jedoch kräf­ti­ger als in so man­cher Weih­nachts­pre­digt, da er sie in den Kon­trast zur Fins­ter­nis, zum Krieg (in dieser …

Lexikas zu unterschiedlichen Bereichen

Dank Logos, grei­fe ich ver­mehrt auf Bibel­le­xi­kas und theo­lo­gi­sche Wör­ter­bü­cher zurück. Eine Aus­wahl der Most-Reads 2020: Der Klas­si­ker Ich glau­be das von Rien­ecker ins Leben geru­fe­ne Lexi­kon, das von G. Mai­er, Lan­des­bi­schof a.D. wei­ter­ge­führt wur­de, dürf­te schon seit Jahr­zehn­ten ein Klas­si­ker sein. Der Umfang die­ses Lexi­kons ist immer noch für jeden Lai­en zugäng­lich, dabei bril­lie­ren die Arti­kel durch zahl­rei­che Bibel­stel­len­an­ga­ben. Tipp: „Leben­di­ge Begrif­fe“ (Wie Ver­söh­nung, See­le, Schlaf, Spra­che…) lesen und alle Bibel­stel­len dazu betrach­ten. Ein Tur­boboost, um anzu­fan­gen, Begrif­fe biblisch zu den­ken und anzu­wen­den.   Der Digi­ta­le Viel zu spät und eher zufäl­lig habe ich wibilex ent­deckt. Im Grun­de wie Maier/Rienecker, aber deut­lich umfang­rei­cher, aber lei­der auch weni­ger bibel­treu. Ansons­ten bril­lie­ren die Arti­kel durch zumeist wis­sen­schaft­li­che Qua­li­tät und schlie­ßen auch theo­lo­gi­sche Begrif­fe und geschicht­li­che Ent­wick­lun­gen mit ein, die außer­halb des bibli­schen Tex­tes ste­hen. Im Grun­de genom­men so etwas, wie ein reli­giö­ses Wikipedia.

Das höchste Gut des Menschen

„Gott und Gott allein ist das höchs­te Gut des Men­schen. In einem all­ge­mei­nen Sin­ne kön­nen wir sagen, dass Gott das höchs­te Gut all sei­ner Krea­tu­ren ist. Denn Gott ist der Schöp­fer und Erhal­ter aller Din­ge, die Quel­le allen Seins und jeg­li­chen Lebens und die über­flie­ßen­de Quel­le allen Gutes. Jede Krea­tur schul­det jeden ein­zel­nen Augen­blick sei­ne gan­ze Exis­tenz ein­zig Ihm, der das Eine, Ewi­ge und All­ge­gen­wär­ti­ge Wesen ist. Doch das Kon­zept des höchs­ten Guts schließt übli­cher­wei­se auch den Gedan­ken mit ein, dass die­ses Gut von den Krea­tu­ren selbst erkannt und genos­sen wird. Und das kann natür­lich nicht der Fall für die leb­lo­se oder nicht-rati­o­­na­­le Schöp­fung sein. Die leb­lo­se Schöp­fung exis­tiert bloß und besitzt über­haupt kein Lebens­prin­zip. Die ande­ren Geschöp­fe, so wie die Pflan­zen besit­zen zwar ein Lebens­prin­zip, haben aber kei­ner­lei Emp­fin­den. Die Tie­re besit­zen zwar zusätz­lich zu ihrer Exis­tenz und ihrem Leben eine Art des Bewusst­seins, doch es ist ein Bewusst­sein, dass die Din­ge um sich durch Sin­nes­rei­ze wahr­nimmt. Sie sind sich der irdi­schen, aber nicht der himm­li­schen Din­ge bewusst. Sie sind sich der tat­säch­li­chen, der freudigen, …

Wie soll eine Predigt nicht sein…

Der Blog „Bibel­kreis Mün­chen“ ver­linkt spo­ra­disch auch Arti­kel von NIMM-LIES. Heu­te wie­der­um bin ich auf einen sehr span­nen­den Arti­kel gesto­ßen, ein (grö­ße­res) Zitat von Hel­ge Sta­del­mann: „Lie­be Gemein­de! Den Text für unse­re heu­ti­ge Pre­digt fin­den wir in unse­rem Volks­lie­der­buch: »Häns­chen klein ging allein in die wei­te Welt hin­ein. Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohl­ge­mut. Aber Mut­ter wei­net sehr, hat ja nun kein Häns­chen mehr: Da besinnt sich das Kind, läuft nach Haus geschwind.« Soweit unser Text! Wie wir sehen, geht es hier um einen Men­schen wie du und ich. Es geht um »Häns­chen«. Die­ses Wort »Häns­chen« kommt von »Hans«, und »Hans« kommt von »Johan­nes« – und wenn wir noch etwas wei­ter gra­ben, mer­ken wir, dass »Johan­nes« vom hebräi­schen Grund­text her »Jochanan« heißt – und das bedeu­tet: »Gott ist gnä­dig«! Dies eine steht also von Anfang an über dem Leben unse­res »Häns­chen«: Gott ist gnä­dig. Und genau­so steht die Ver­hei­ßung über dem Leben eines jeden Men­schen, der auf die­se Welt kommt, und damit auch über uns: Gott ist gnä­dig! Die­ses Häns­chen ist noch »klein«. …

Spurgeon  — wie ihn keiner kennt?

Ich möch­te auf zwei Zita­te auf­merk­sam machen, die man von Spur­ge­on wahr­schein­lich nicht erwar­ten wür­de: Das ers­te habe ich in der 7ten von ihm über­haupt schrift­lich ver­öf­fent­lich­ten Pre­digt zum The­ma „The Church of Christ“ gefun­den. Gera­de­zu pro­phe­tisch sieht Spur­ge­on die Zukunft Isra­els vor Augen. Neben einem offen­sicht­lich phy­si­schen Isra­el, das Spur­ge­on im Blick hat, fällt auch die posi­ti­ve Escha­to­lo­gie auf. Die Hoff­nung, dass schon bald die gan­ze Welt „evan­ge­li­ka­li­siert“ wird, erwies sich bekannt­lich als Trug­schluss und aus der über­aus posi­tiv enthu­si­as­ti­schen Pha­se, die sicher bis in den Anfang des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts unter Evan­ge­li­ka­len anhielt, folg­te spä­tes­tens nach dem ers­ten Welt­krieg eine frus­trie­ren­de Ernüch­te­rung. Das wäre sicher­lich eine inter­es­san­te Stu­die, in wie weit auch die Eupho­rie um Spur­ge­on zu die­ser Ent­wick­lung bei­getra­gen hat: „Not long shall it be ere they shall come-shall come from distant lands wher’er they rest or roam; and she who has been the off­s­cou­ring of all things, who­se name has been a pro­verb and a byword, shall beco­me the glo­ry of all lands. Dejec­ted Zion shall rai­se her head, shaking herself from dust, and darkness, and …