Monate: Mai 2020

Hinweis: Gnade für dich

Ganz frisch auf deutsch ist ein kurzes evangelistisches Büchlein von John MacArthur aufgelegt worden: Gnade für dich erklärt anhand der Geschichte vom verlorenen Sohn (Lk. 15,11-32) das Evangelium. MacArthur gelingt es in Kürze aufzuzeigen, wie unverschämt Sünde ist, ohne den Kontext des Geschehens und der Situation von Christus zu verlieren: „Um das Gleichnis jedoch richtig zu verstehen, müssen wir es mit den Augen eines Menschen in der Kultur des Judentums des ersten Jahrhunderts sehen. In einem solchen Umfeld war die Idee, dass Gott reuigen Sündern (einschließlich der schlimmsten von ihnen) uneingeschränkt entgegenkommt und ihnen vergibt, ein schockierendes und revolutionäres Konzept.Kaum einer in dieser Gesellschaft konnte sich Gott als einen solchen vorstellen, der Seine Hand Sündern ausstreckt.“ „Ein solcher Ausfall an Dreistigkeit hätte in jener Kultur zumindest einen kräftigen Schlag über das Gesicht als normale Reaktion des Vaters bedeutet. Das wäre üblicherweise in aller Öffentlichkeit gemacht worden, um den Sohn zu beschämen, der seinem Vater eine solche Verachtung erwiesen hatte. Somit konnte ein Sohn, der sich der Entehrung seines Vaters in diesem Schweregrad schuldig gemacht hatte, …

Die kleine Seelsorgereihe

Wer das CCEF auch nur oberflächlich verfolgt, erfährt welch großartige Arbeit Welch, Tripp und bis zu seinem viel zu frühen Tod Powlison im Bereich der Seelsorge geleistet haben. Gott gab ihnen Gnade, dass Seelsorge wieder zum Dienst der Gemeinde an ihren Gliedern, zur Hilfe von Christ am Mitchrist wird. Vor allem, die Neuentdeckung des Kampfplatz des Herzens dürfte reformierte Theologie in einer feinfühligen Anwendung sein. Praktisch bedeutet es, dass man Leidende, Trauernde, Depressive, Schizophrene, Pornosüchtige, Menschen mit Wahnvorstellungen, Ängsten, Zwängen und aller Nöte, die es sonst geben kann, zum Kreuz Christi führt und nicht einfach nur mit bloßen Plattitüden abspeist oder was noch schlimmer wäre, denke, dass ein Verweis auf einen Nervenarzt bereits der vollständige Akt christlicher Nächstenliebe sei. Tatsache ist: Wird man mit Leiden unserer Geschwister und Freunde konfrontiert, dann liegt zwar tatsächlich ein schneller Rat auf der Zunge, im Sinne von: „Stell dich nicht so an!“, „Oh, du Arme!“, „Mach doch einfach das und das….“, „So schlimm ist das nicht, habe ich auch gehabt“. Doch genau solche Ratschläge erteilt dir schließlich auch jeder …

Neuanfang – von David Powlison

– Im Folgenden eine Rezension von meinem Freund und Bruder Viktor, der mir die Genehmigung erteilt hat, diese Besprechung auch hier zu veröffentlichen. Wie Viktor richtig hinweist, hat das Buch eine weitaus größere Zielgruppe als Opfer sexueller Übergriffe. Für mich persönlich war es in vielen Bereichen eine Hilfestellung –  Ich möchte in diesem Artikel ein Buch von David Powlison empfehlen, in dem es sowohl um sexuelle Übertretung als auch um das dadurch entstandene Leid geht: Manche Bücher sind mit der Absicht geschrieben worden, Menschen im Kampf gegen ihre unmoralischen sexuellen Impulse zu helfen. Andere Bücher verfolgen das Ziel, Menschen in ihrem Kampf gegen die Auswirkungen von sexueller Untreue, Belästigung und Gewalt zu helfen. Doch dieses Buch soll bewusst in beide Richtungen blicken. Sünde und Leid sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge. Was Sie tun und was Ihnen geschieht, könnte nicht unterschiedlicher sein. Doch beides vermischt sich in der DNA der menschlichen Natur. Alle menschliche Erfahrung ist von einer Doppelhelix der Finsternis durchzogen. Die meisten Bücher über sexuelle Heiligung behandeln das Problem der Sünde und widmen sich höchstens am …

„Wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht…“

„Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert“ („2. Kor 4,16). Das lesen der Bücher von Welch oder Powlison erinnert mich regelmäßig an die Puritaner. Warum? Ähnlich wie die Puritaner kreisen diese sehr lange und intensiv um einzelne wenige Bibelabschnitte. Etwas was ich zunächst als lästig und überflüssig empfand, empfinde ich nun zunehmend als hilfreich. Warum? Weil es mir hilft in ersten überwältigenden Situationen den Überblick zu behalten und einen Startpunkt zu haben: Es kommt jemand auf dich zu und überschüttet dich mit einer Notsituation, z.B. den Bericht über ADHS. In Kürze kommen eine Menge vielschichtiger Probleme auf einen zu, so dass man kaum noch klar sehen kann. Sich in einer solchen Situation an eine Schriftstelle festhalten zu können, ist wie die Eroberung eines Stückchen „Linsenfeld“ (2. Sam. 23,11) in all dem Chaos. Dabei bietet das Buch von Welch weitreichende Hilfe für sehr unterschiedliche Situationen. Vor allem seine konsequente Verteidigung der biblischen Dichotomie dürfte eine notwendige Handreichung sein. Die Unterscheidung …

“ Welch süsser Tausch, welch unerforschliches Walten, welch unverhoffte Wohltat…“

Ich höre derzeit mit Genuss Thomas R. Schreiners Werk (von ihm selbst vorgelesen übrigens): Faith Alone, welches ich via Audible erwerben konnte. Schreiner fängt sein Werk mit einer Betrachtung der historischen Entwicklung der Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben an. Für einen Protestanten ist es hierbei immer spannend, wie die Kirchenväter zu diesem Thema standen. Fasziniert hat mich diese Aussage aus dem Brief des Mathetes an Diognetus. Der Verweis auf den süßen (oder fröhlichen) Tausch erinnert an Martin Luther. Hier findet sich dieses Werk in der Bibliothek der Kirchenväter. Insgesamt ist dieses Schreiben als eine sehr frühe christliche Schriftdes 2 Jh. zu werten. Die Idee dieses Zitat zu strukturieren habe ich von Justin Taylor von TGC. Als aber das Mass unserer Ungerechtigkeit voll und es völlig klar geworden war, dass als ihr Lohn Strafe und Tod uns erwarte, und als der Zeitpunkt gekommen war, den Gott vorausbestimmt hatte, um fortan seine Güte und Macht zu offenbaren, – o überschwengliche Menschenfreundlichkeit und Liebe Gottes – da hasste und verstiess er uns nicht und gedachte nicht …

Grand Theft Logos

Aufgrund der Corona-Situation gibt es aktuell (aber wohl nicht mehr lange) 30% auf alle Logos-Basis Pakete (englisch / deutsch). Das dürfte ein recht guter Zeitpunkt sein, um meine Erfahrungen mit Logos zu teilen. Warum nicht CLeVer? Kurz: CLeVer ist wirklich toll. Für knapp 20€ bekommt man Einiges geboten. Nur man bleibt dann entsprechend im dispensationalistischen Umfang von CLeVer „gefangen“ (nicht wertend gemeint). In etwa ein vergleichbarer Umfang dürfte bei Logos das „Fundamentals“ Paket sein, welches aktuell für 50$ zu haben ist. Natürlich besitzt Logos viele großartige Softwarefunktionen, die viele andere Programme nicht in dieser Art bieten können. Mein persönliches Kaufkriterium war und bleibt aber die umfangreiche Bibliothek. Taugt die Bibliothek was? Im Laufe von knapp 1,5 Jahren ist meine Logos Bibliothek auf knapp 2000 Bände gewachsen. In der Tat ist es so, das von den 2000 Werken jetzt nicht jedes Werk ein großartiges Meisterwerk ist. Manche der Bücher hätte man z.B. auf CCEL oder Monergism als e-book kostenlos laden können. Als Bestandteil einer durchsuchbaren Datenbank ist aber auch jedes lizenzfreie Buch Gold wert. Nun kann …

Eine komplexe und vielfältige Geschichte

Je mehr ich mich mit dem Buch Richter befasse, desto mehr staune ich über die literarische Komplexität dieses Geniestreichs hebräischer Geschichtsschreibung. Ein Hinweis von A.E. Cundall, den ich mit euch teilen möchte: „Wir sollten darauf achten, dass wir nicht auf leichtfertige Weise unsere westlichen Beobachtungs- und Analyse-Methoden in das Studium antiker Nahöstlicher Dokumente importieren. Zum Beispiel werden im Buch Richter nicht weniger als fünf Gründe dafür angegeben, warum Israel daran scheitert, das Land Kanaan einzunehmen. Es lag an den überlegenen Waffen und Befestigungsanlagen der Kanaaniter (1,19), es lag an Israels Neigung, mit den Einwohnern des Landes Bündnisse zu schließen (2,1-5). Ein Grund lag in der Sünde Israels und der notwendigen Bestrafung dafür (2,20-21). Auch wollte Gott Israels Treue testen (2,22-23; 3,4). Schließlich sollte Israel auch Kriegstechnik erlernen. (3,1-3). Anzunehmen, dass hierin eine Inkonsistenz vorliegt, würde bedeuten, dass man den grundlegenden hebräischen Entwurf des Lebens verwirft, der ein hoch entwickeltes Konzept der Souveräntität Gottes besaß. Israel versagte bei der Eroberung aus sehr klaren Gründen und so blieben die ursprünglichen Eiwnohner im Land, doch Gott „übersteuerte“ selbst …