Monate: April 2020

„Deshalb könnt ihr kühn zum Vater treten und getrost bitten“

„Es gibt außer­dem noch eini­ges ande­re, das anschei­nend zu den Sakra­men­ten gerech­net wer­den könn­te, näm­lich all das, dem eine Ver­hei­ßung Got­tes zuteil gewor­den ist: dazu gehö­ren das Gebet, das Wort, das Kreuz. Denn Chris­tus hat den Beten­den an vie­len Stel­len (der Schrift) Erhö­rung zuge­sagt, beson­ders Luk. 11, 5 ff., wo er uns mit vie­len Gleich­nis­sen zum Beten ein­lädt.“(Von der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft der Kir­che 1520). War­um sol­len wir beten? Weil Gott es befoh­len hat. So führt es Luther in sei­nem gro­ßen Kate­chis­mus in der Bespre­chung des Vater Unsers aus: „Dar­um bit­ten wir und ver­mah­nen aufs flei­ßigs­te jeder­mann, daß man sol­ches zu Her­zen neh­me und auf kei­ne Wei­se unse­re Gebe­te ver­ach­te. Denn man hat bis­her ins Teu­fels Namen so geleh­ret, daß nie­mand sol­ches geach­tet und gemei­net hat, es wäre genug, daß das Werk getan wäre, Gott erhö­rets oder höret es nicht. Das heißt das Gebet auf gut Glück ver­sucht und ins Blaue hin­ein gemur­ret; dar­um ist es ein ver­lo­re­nes Gebet. Denn wir las­sen uns durch sol­che Gedan­ken beir­ren und abschre­cken: ich bin nicht hei­lig noch wür­dig genug; wenn ich …

Corona und Christus

„Der Grund, war­um wir es alle ver­die­nen, umzu­kom­men, ist nicht eine Lis­te von Regel­ver­stö­ßen, son­dern der unend­li­che Wert, den wir ver­ach­tet haben – der unend­li­che Wert all des­sen, was Gott für uns in Jesus Chris­tus bedeu­tet“ (J. Piper in Coro­na und Chris­tus, S 64f.)  John Piper hat unmit­tel­bar nach Aus­bruch der Coro­­na-Kri­­se ein Buch über die­ses alles beherr­schen­de The­ma ver­fasst. Gera­de weil wir lang­sam anfan­gen, uns auf ein Leben mit dem Virus ein­zu­stel­len, freue ich mich auf die deut­sche Über­set­zung des Buches, die von E21 der­art schnell rea­li­siert wur­de. Hut ab! Pipers Ant­wort ist in vie­ler­lei Wei­se befrei­end: Er ver­weist immer wie­der dar­auf, dass es sich lohnt, Gott zu ver­trau­en. Gott ist ein uner­schüt­ter­li­cher Fels, des­sen Wort abso­lut zuver­läs­sig ist. Hier zei­gen 50 Jah­re Pas­to­ren­dienst ihre fei­nen und sen­si­blen Früch­te. Damit unter­schei­det sich Pipers Ansatz mei­nes Erach­tens deut­lich von dem Ansatz des evan­ge­li­ka­len Fun­da­men­ta­lis­mus hier­zu­lan­de, der kei­ne Ant­wort auf die Pan­de­mie geben kann und ich wür­de hin­zu­fü­gen, auch kei­ne Ant­wort geben will. Ein Bei­spiel: Bereits am 22.03.2020 ver­öf­fent­lich­te die EFK Ried­lin­gen auf You­tube eine Pre­digt, die sich …

Right in Their Own Eyes

Mit Freu­den habe ich Geor­ge Schwabs muti­gen Kom­men­tar über das Buch der Rich­ter gele­sen. Der Kom­men­tar besitzt eine span­nen­de Eröff­nung über Sim­son: Wie­so befällt der Geist Got­tes Sim­son gera­de dann, als er gegen ein Löwen­jun­ges kämpft. Wenn man bedenkt wie sel­ten im Alten Tes­ta­ment der Geist Got­tes auf Men­schen fällt, fin­det hier etwas außer­ge­wöhn­li­ches statt und ist dabei doch so tri­vi­al. Schwab öff­ne­te mir die Augen für die Kom­pe­xi­tät und die Kunst­fer­tig­keit des Buches Rich­ters. Der Autor berich­tet zuver­läs­si­ge Geschich­te, aber er berich­tet sie nicht so, wie wir das als West­ler gewöhnt sind. So ist die Chro­no­lo­gie der Ereig­nis­se unwe­sent­lich, wäh­rend die Rich­ter selbst nach den Stäm­men (12 an der Zahl, von jedem Stamm einer), und dann auch eher geo­gra­phisch sor­tiert, bespro­chen wer­den. Den vor allem unge­wöhn­li­chen und pro­ble­ma­ti­schen Kan­di­da­ten gilt dabei der beson­de­re Augen­merk. Dass es mehr als unna­tür­lich ist, dass Bie­nen in einem toten Kada­ver leben ist nur ein Hin­weis dar­auf, dass das Volk Got­tes im Land wo Honig fließt, umge­ben von toten Hei­den­völ­kern lebt. 

„Ruhm dem Luther! Ewiger Ruhm dem teuren Manne…“

Durch Hei­ko A. Ober­mans Bio­gra­phie über Mar­tin Luther bin ich auf ein unge­wöhn­li­ches Werk Hein­rich Hei­nes auf­merk­sam gewor­den: Zur Geschich­te der Reli­gi­on und Phi­lo­so­phie in Deutsch­land. Das Werk ist in drei Tei­le auf­ge­teilt, des­sen ers­ter Teil die Reli­gi­ons­ge­schich­te in Deutsch­land bis ein­schließ­lich Luther beschreibt. Hier schil­dert Hei­ne Luther als einen Natio­nal­held, der das Chris­ten­tum über­haupt nach Deutsch­land brach­te. Gleich­zei­tig möch­te er (da er der­zeit als Flücht­ling in Frank­reich lebt) zei­gen, dass die radi­ka­len ratio­na­lis­ti­schen Frei­heits-bewe­­gun­­­gen Frank­reichs bei wei­tem nicht so viel „Frei­heit“ errei­chen wer­den, weil sie nur alter Katho­li­zis­mus im säku­la­ren Gewand blei­ben: „Jene Per­si­fla­ge aber, nament­lich die Vol­taire­sche,  hat in Frank­reich ihre Mis­si­on erfüllt, und wer sie  wei­ter fort­set­zen woll­te, han­del­te eben­so unzeit­ge­mäß wie unklug. Denn wenn man die letz­ten sicht­ba­ren Res­te des Katho­li­zis­mus ver­til­gen wür­de, könn­te es  sich leicht ereig­nen, daß die Idee des­sel­ben sich in  eine neue Form, gleich­sam in einen neu­en Leib flüch­tet und, sogar den Namen Chris­ten­tum able­gend, in  die­ser Umwand­lung uns noch weit ver­drieß­li­cher beläs­ti­gen könn­te als in ihrer jet­zi­gen gebro­che­nen, rui­nier­ten und all­ge­mein dis­kre­di­tier­ten Gestalt. Ja, es hat …

„Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Maria Schoß“

Luther hat das Magni­fi­kat Mari­as (gemeint ist Luk. 1,46−55) mit­ten im hef­tigs­ten Bruch mit der Katho­li­schen Kir­che, noch von der Wart­burg aus ver­öf­fent­licht. R. Frie­den­thal schreibt dazu in sei­ner Bio­gra­phie über Luther (S. 366): „Noch ist er Mönch, die Mari­en­ver­eh­rung ist ihm sehr leben­dig geblie­ben. Mit­ten unter dem Tumult der Vor­la­dung nach Worms hat­te er bereits begon­nen, das Magni­fi­kat, den Lob­ge­sang der Mut­ter Got­tes, aus­zu­le­gen. Jetzt voll­endet er das Werk. Das ist ein völ­lig ande­rer Luther. Er don­nert und tobt nicht. (…) Er sieht Maria in der Tracht und Umge­bung sei­ner Zeit, ein „gerin­ges, armes Dirn­lein“, nicht bes­ser als eine Haus­magd, und auch als der Engel ihr die Ver­kün­di­gung über­bracht hat, bleibt sie demü­tig, „ruft nicht aus, wie sie Got­tes Mut­ter gewor­den wäre, for­dert kei­ne Ehre, geht hin und schafft im Haus wie vor­hin, melkt die Kühe, kocht, wäscht Schüs­sel, keh­ret, tut wie eine Haus­magd oder Haus­mut­ter tun soll in gerin­gen, ver­ach­te­ten Wer­ken.““. Frie­den­thal weist zurecht dar­auf­hin, dass die­ser „Respekt“ vor Maria noch bis in die Zeit Bachs wirk­te, der das Magni­fi­kat ver­ton­te. Tat­säch­lich ist …

„Jeder tat, was ihn recht dünkte“

Da man der­zeit auch Kin­der­stun­de von zu Hau­se machen muss, habe ich mir über­legt, die Lek­tio­nen aus dem Buch Rich­ter mit den Kin­dern zu bespre­chen. Ich bin dar­über gestol­pert, da das Buch Rich­ter ein­fach als his­to­ri­sche Tat­sa­che wahr­ge­nom­men wird. Geist­li­che Lek­ti­on?- zumeist Fehl­an­zei­ge! Oder mal eine Pre­digt außer­halb der übli­chen Zyklen Gide­on und Sim­son gehört? Eine Ursa­che dürf­te unse­re mora­lis­ti­sche Les­art sein: Die meis­ten Rich­ter tau­gen höchs­tens als nega­ti­ves Bei­spiel. Der Ansatz von Kel­ler ist eine Wohl­tat. Rich­ter ist hoch­ak­tu­ell für unse­re Zeit: „Trotz der Lücke von mehr als drei Tau­send Jah­ren, gibt es vie­le Par­al­le­len zwi­schen unse­rer Situa­ti­on und der Zeit des Buches der Rich­ter (…) Es war eine Zeit des geist­li­chen Plu­ra­lis­mus“.  Eine düs­te­re Geschich­te — wo blei­ben da die Hel­den? Das Buch der Rich­ter erzählt das Evan­ge­li­um, die Bibel ist kein „Buch der Wer­te“: „Sie ist nicht voll inspi­rie­ren­der Erzäh­lun­gen. War­um? Weil die Bibel (im Gegen­satz zu den Büchern auf die sich ande­re Reli­gio­nen beru­fen) nicht dar­über han­delt, wie man mora­li­schen Bei­spie­len nach­folgt. Sie han­delt über einen Gott der Gna­de und Lang­mut, der fortschreitend …