Monate: Dezember 2019

„Aber wenn es um Gottes Urteil ginge, habe jeder freilich eine Ausrede…“

„Calvin nämlich äußerte sehr heftige Kritik an seiner Hörerschaft. Er fragte sich, ob sie wohl überhaupt zuhörten. Gewiss, in Genf werde das Evangelium gepredigt, „aber was hat man davon, wenn niemand was damit anfängt“(1)? Die Menschen gingen einzig zur Kirche, weil sie es so gewohnt seien. Es sei ein Ritual geworden, und daher  „kommen sie so wieder heraus, wie sie hineingegangen sind“ (2). Calvin zufolge ging man mit den Predigten um, als ob es Märchen wären (3). Daher seien die Menschen auch unwissend. Sollte man beispielsweise um Weihnachten herum fragen, „wisst ihr, was es bedeutet, dass Gott sich im Fleisch offenbart hat, dann dürfte man mit großer Mühe einen unter zehn finden, der zu wiederholen imstande ist, was er als kleines Kind bezüglich seines Glaubens gelernt hat“ (4). Sie seien gerade wie die Tiere, die gewohnheitsmäßig zur Fütterung liefen. „Denn sobald sie zum Abendmahl, zur Taufe oder einer Hochzeit wegen zur Kirche gehen, wissen sie eigentlich nicht einmal, worum sie bitten müssen“ (5). Die Glocke läute jeden Tag, aber man reagiere nicht darauf. Am Sonntag …

Mit Vern Sheridan Poythress im Gespräch

Sergej Pauli (S.P.): Sehr geehrter Herr Prof. Vern S. Poythress. Sie besitzen zahlreiche Abschlüsse. Einen Doktor der Mathematik und einen Magister in Apologetik. Zwischendurch studierten Sie auch Linguistik. Welches Ihrer Fachbereiche lieben Sie am meisten? Vern S. Poythress (V.S.P): Mein Bereich am Westminster Theological Seminary ist die Forschung des Neuen Testaments, da ich einen Doktor der Theologie besitze. Das ist der Bereich, den ich am meisten liebe. Doch ich mag auch die anderen Bereiche, die du nanntest. S.P.: Sie schrieben Bücher zu sehr unterschiedlichen Themen (Angefangen vom Dispensationalismus und Logik, bis hin zur Mathematik und dem Buch der Offenbarung). Gibt es einen roten Faden in Ihren Büchern? V.S.P.: Was in meinem Leben geschah, entwickelte sich Stück für Stück. Zunächst besaß ich kein bestimmtes Ziel. Von Zeit zu Zeit spürte ich, dass der Herr mir Ideen gab, die es wert waren, dass man sie zum Nutzen anderer aufschrieb. So schrieb ich das, was mir der Herr zum Schreiben gab. Doch wenn ich zurückschaue, denke ich, dass der rote Faden der Bücher die Hermeneutik, also das Prinzip …

„Gottes Wort wird ohne Anfechtung nicht gelernt“

In den letzten Wochen befielen mich Anfechtungen, die ich in dieser Intensität schon viele Jahre nicht erlebt habe. In C.S. Lewis‘ Dienstanweisung an den Unterteufel wird der Unterteufel letzten Endes für sein Versagen vom Oberteufel aufgefressen. Das Bild eines Teufels, der einen samt Haut und Haar fressen will, schwebt mir häufig in meinen Anfechtungen. Man ist mit einem Gegner konfrontiert, der einem zu stark ist. Zum Glück dürfen wir als Christen zu dem EINEN rennen, der den Satan in die Flucht jagt. Ein Lehrmeister der Anfechtung, dürfte Martin Luther sein. Die Auswahl Kurt Alands, die ich als digitale Bibliothek besitze, liefert mehr als 315 Suchergebnisse für die Begriffe Anfechtung. In seiner Vorrede zum 1 Band der deutschen Schriften (1939), redet Luther über die „rechte Weise, Theologie zu studieren“. Man solle sich an Psalm 19 orientieren: Da wirst du drei Regeln drin finden, die den ganzen Psalm hindurch reichlich vorgetragen werden. Sie heißen: Gebet, Meditation, Anfechtung. Dass man Gottes Wort nicht ohne Anfechtung lernen kann,  bezeugte Luther regelmäßig in seinen Tischreden, so z.B. TR 15: Meine …