Monate: November 2019

„Hinter ihm hergehen, das ist etwas schlechthin Inhaltloses“

Im ers­ten Kapi­tel sei­nes 1937 erschie­nen Wer­kes „Nach­fol­ge“ hält D. Bon­hoef­fer zum „Ruf in die Nach­fol­ge“ am Bei­spiel des Zöll­ners Levi fest: Der Ruf ergeht, und ohne jede wei­te­re Ver­mitt­lung folgt die gehor­sa­me Tat des Geru­fe­nen. Die Ant­wort des Jün­gers ist nicht ein gespro­che­nes Bekennt­nis des Glau­bens an Jesus, son­dern das gehor­sa­me Tun. Wie ist die­ses unmit­tel­ba­re Gegen­über von Ruf und Gehor­sam mög­lich? Es ist der natür­li­chen Ver­nunft über­aus anstö­ßig, sie muß sich bemü­hen, die­ses har­te Auf­ein­an­der zu tren­nen, es muß etwas dazwi­schen­tre­ten, es muß etwas erklärt wer­den. Es muß unter allen Umstän­den eine Ver­mitt­lung gefun­den wer­den, eine psy­cho­lo­gi­sche, eine his­to­ri­sche. Man stellt die törich­te Fra­ge, ob nicht der Zöll­ner Jesus schon vor­her gekannt habe und daher bereit gewe­sen sei, auf sei­nen Ruf hin zu fol­gen. Eben hier­über aber schweigt der Text hart­nä­ckig, es liegt ihm ja gera­de alles an dem gänz­lich unver­mit­tel­ten Gegen­über von Ruf und Tat. Psy­cho­lo­gi­sche Begrün­dun­gen für die from­men Ent­schei­dun­gen eines Men­schen inter­es­sie­ren ihn nicht. War­um nicht? Weil es nur eine ein­zi­ge gül­ti­ge Begrün­dung für die­ses Gegen­über von Ruf und Tat gibt: …

„Das Wort hat es alles gewirkt und ausgerichtet“

Sum­ma sum­ma­rum: pre­di­gen will ichs, sagen will ichs, schrei­ben will ichs. Aber zwin­gen, mit Gewalt drin­gen will ich nie­mand, denn der Glau­be will wil­lig, unge­nö­tigt ange­nom­men wer­den. Nehmt (Euch) ein Bei­spiel an mir. Ich bin dem Ablaß und allen Papis­ten ent­ge­gen gewe­sen, aber mit kei­ner Gewalt, ich habe allein Got­tes Wort getrie­ben, gepre­digt und geschrie­ben, sonst habe ich nichts getan. Das hat, wenn ich geschla­fen habe, wenn ich Wit­ten­ber­gisch Bier mit mei­nem Phil­ipp (Melan­chthon) und Ams­dorff getrun­ken habe, so viel getan, daß das Papst­tum so schwach gewor­den ist, daß ihm noch nie ein Fürst noch Kai­ser so viel Abbruch getan hat. Ich hab nichts getan, das Wort hat es alles gewirkt und aus­ge­rich­tet. [Mar­tin Luther: Acht Ser­mo­ne gepre­digt zu Wit­ten­berg in der Fas­ten­zeit. Mar­tin Luther: Gesam­mel­te Wer­ke, S. 2474 (vgl. Luther‑W Bd. 4, S. 69) © Van­den­hoeck und Ruprecht http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

Verteidigung der Trinität, der Wahrheit, des Denkens und der Tollheit

2019 war für mich durch das Lesen (und Hören) der Wer­ke von Carl R. Tru­e­man geprägt. Es ist ein neu­es Ereig­nis, sich aus­führ­li­cher mit ein und dem sel­ben Autor zu beschäf­ti­gen (viel­leicht müss­te man Mar­tin Luther aus­neh­men, in dem Fall mei­ne ich ein und den sel­ben zeit­ge­nös­si­schen Autor). Moti­viert haben mich die Autoren­pro­fi­le von Han­ni­el, mit dem Ziel, sich durch ein Gesamt­werk durch­zu­ar­bei­ten. Doch an das umfang­rei­che Werk von z.B. Car­son wag­te ich mich zunächst nicht. Somit ein Quick-Review über den Autor, Dozen­ten, Pas­tor, Pre­di­ger und Blog­ger Trueman:

„In der Gewissheit, dass unsere Sünden durch Sein Opfer vergeben sind, finden wir Ruhe und Heilssicherheit.“

Nach dem Tode Hein­rich VIII 1547 wur­de Edu­ard VI, als ein­zi­ger Sohn Hein­richs bereits mit 9 Jah­ren König von Eng­land und Irland. In die­sem Alter hat­te er natür­lich nur reprä­sen­ta­ti­ve Funk­tio­nen, die eigent­li­che Macht hat­te in den ers­ten 2,5 Jah­ren sei­ner Herr­schaft Edu­ard Sey­mor, Duke (in etwa Her­zog) of Somerset, in der Funk­ti­on eines Lord­pro­tec­tors mit erwei­ter­ten Befug­nis­sen. Die­se nutz­te er zur Freu­de der „Evan­ge­li­cals“ im Land, um die Refor­ma­ti­on inten­si­ver vor­an­zu­trei­ben. Kein Wun­der, dass den Duke auch ein Schrei­ben von Jean Cal­vin erreich­te, ver­fasst am 22. Okto­ber 1548.  Der Cal­­vin-Bio­­­graph Her­man J. Sel­der­huis hält fest: „Cal­vin war uner­schüt­ter­lich, opfer­be­reit und kom­pro­miss­los. Sei­ne Leh­re wies alle Merk­ma­le auf, die zur dama­li­gen Zeit erfolgs­ver­spre­chend waren: Sie war unkom­pli­ziert, biblisch begrün­det und klar for­mu­liert und des­halb allen Men­schen zugäng­lich. (…) Was Cal­vin im Jahr 1548 an den Her­zog von Somerset schrieb, war tat­säch­lich schon 1536 (Anm. von mir: In die­sem Jahr erschien die ers­te Auf­la­ge sei­ner berühm­ten Insti­tu­tio) sei­ne Leh­re gewe­sen und soll­te auch 1564 noch sei­ne Leh­re sein (Anm. von mir: Todes­jahr Cal­vins) (…) Zwar schrieb Calvin …