Monate: Oktober 2019

Tal der Liebe

Gün­ther wird mit gro­ßen kör­per­li­chen Pro­ble­men in der Zeit des ers­ten Welt­krie­ges gebo­ren. Das ist eine Zeit, in der man kaum Zeit und Muße für die Schwächs­ten der Gesell­schaft besitzt. Das Urteil der Mit­men­schen, auch derer, die ihm hel­fen soll­ten, steht somit fest: „Der taugt zu nichts“. Die Mut­ter ist mit ihm über­for­dert und der Vater hat für ihn kei­ne Zeit. Die Oma „küm­mert“ sich um sei­ne Betreu­ung. Aber sie schämt sich sei­ner der­art, dass sie ihn in ein Zim­mer sperrt. Somit kann Gün­ther auch mit 6 Jah­ren noch kei­nen Laut von sich geben. Man schreibt ihn, nicht nur als kör­per­li­chen Krüp­pel, ab.  Als es Oma zu viel wird, lan­det der Jun­ge in Bethel. Hier erfährt Gün­ther zum ers­ten Mal Zuwen­dung, die uner­war­tet und zügig Früch­te bringt. Bald schon stellt sich her­aus, dass er ‚im Kopf“ völ­lig gesund ist, ja gera­de zu über­eif­rig dabei ist, etwas Neu­es zu ler­nen. Zunächst im Heim für Geis­­tig-Behin­­der­­te unter­ge­bracht, hört Gün­ther zum ers­ten Mal das Evan­ge­li­um. Bodel­schwingh und sei­ne Mit­ar­bei­ter schä­men sich nicht der vie­len kör­per­lich und geis­tig Behin­der­ten und …

„Ich finde, du solltest nicht so viel Theologie lesen“

Was liest man, wenn man in West­eng­land unter­wegs ist? Nun ich emp­fand Lord Peter Death Bre­don Wim­sey als die rich­ti­ge Wahl. Doro­thy L. Say­ers  (vgl. auch zahl­rei­che Bei­trä­ge von hanniel.ch zu Say­ers Werk) aller ers­ter Roman „Der Tote in der Bade­wan­ne“ (auch „Ein Toter zu wenig“) hat mir beson­ders gut gefal­len. Say­ers lässt Detek­tiv Par­ker zur Ent­span­nung einen Kom­men­tar zum Gala­ter­brief lesen. Fan­tas­tisch! Tat­säch­lich hat Say­ers ihr christ­li­ches Bekennt­nis nie ver­schwie­gen, was man in ihrem Werk regel­mä­ßig sieht. Ihr Werk lebt von einer ehr­li­chen aber auch selbst iro­ni­schen Ana­ly­se Britta­ni­ens zwi­schen den  zwei Welt­krie­gen. Eini­ge Zita­te: Wim­sey hat offen­sicht­lich Geld­res­sour­cen ohne Ende für sein Hob­by, und einen Die­ner, der aber eher wie ein väter­li­cher Freund agiert: „„Hier bin ich, Mylord“, ant­wor­te­te Mr. Bun­ter mit respekt­vol­lem Tadel, „aber wenn Sie mir die Bemer­kung gestat­ten…““ Dass der bri­ti­sche Adel oft mehr Schein als Sein bot, ver­schweigt Say­ers nicht: „Die Unter­hal­tung schlepp­te sich müh­sam dahin, bis der Ehren­wer­te Fred­dy eine Grä­te im See­zun­gen­fi­let ent­deck­te und den Ober­kell­ner kom­men ließ, um sich ihr Vor­han­den­sein erklä­ren zu las­sen.“ So argumentiert …

Mit Lyndal Roper im Gespräch

Lyn­dal Roper ist eine aus­tra­li­sche His­to­ri­ke­rin, die in Groß­bri­tan­ni­en lehrt.  Ihr For­schungs­schwer­punkt ist die deut­sche Kultur‑, Reli­­­gi­ons- und Sozi­al­ge­schich­te der frü­hen Neu­zeit mit beson­de­rer Hin­sicht auf Geschlech­ter­rol­len, Kör­per­ge­schich­te, Sexua­li­tät und Hexen­ver­fol­gung. (aus Wiki­pe­dia). Ich las ihre Luther-Bio­­­gra­­phie und war sehr ange­tan von der Prä­zi­si­on und Tief­grün­dig­keit der Dar­stel­lung ange­tan. Somit war ich dank­bar für die Mög­lich­keit des Inter­views. Roper ver­öf­fent­lich­te 2017 eine tief­grün­di­ge Bio­gra­phie über die kom­ple­xe Per­sön­lich­keit Luthers: Mar­tin Luther — Rene­ga­de and Pro­phet (wört­lich: Abtrün­ni­ger und Pro­phet). Roper nahm sich Zeit um auf mei­ne Fra­gen ein­zu­ge­hen.    S.P.: Prof. Roper, vie­le Ihrer Bücher han­deln über Hexen und ihre Ver­fol­gung. Gibt es eine ech­te Ver­bin­dung zwi­schen Hexen und Luther? L.R.: Ich emp­fand es als sehr erfri­schend an Luther zu arbei­ten, nach dem ich nun so lan­ge so viel Zeit in Hexen und ihre Ver­fol­gung inves­tiert habe. Natür­lich glaub­te Luther dar­an, dass Hexen wirk­lich exis­tier­ten, jedoch besaß er kei­ne „Hexen-Jäger“- Men­ta­li­tät. Wenn er krank war und an Kopf­schmer­zen oder Ver­stop­fung litt, gab er nicht den Hexen die Schuld, son­dern dem Teu­fel. Tat­säch­lich bestand er dar­auf, dass die­se Atta­cken bewei­sen, dass er auf …