Monate: Mai 2019

Ein aufrichtiger Zweifler

Bei der Glaubensstimme fand ich diese Predigt Fritz Bindes zu Joh 1,43-51, der ersten Begegnung Jesu mit seinen späteren Jüngern Philippus und Nathanael. Mit der Überschrift hat Binde bereits sein Anliegen dieser Predigt umrissen: Die Wandlung des Nathanael vom Zweifel zum Glauben. Binde arbeitet gut den inneren Konflikt Nathanaels heraus, der ja durchaus auf „Argumenten“ baut: Seine Zweifel sind ihm nie wertvoller Besitz, dessen er sich freut und rühmt. Nimmermehr scheinen sie ihm Ziel seines Denkens und Suchens, sondern immer nur bedauerliches Hindernis auf dem Wege (Kindle Position 69) Nein, nein, der aufrichtige Zweifler zweifelt nicht, um zu zweifeln! Es geht ihm nicht um seine Zweifel, sondern um die zu findende Wahrheit! (87) Und kühl antwortet der aufrichtige Zweifler Nathanael: „Was kann von Nazareth Gutes kommen?“ Mag sein, daß Nathanael damit sagen wollte: „Was kann aus solch einem verborgenen, kleinen Nest kommen?“ Sicherer aber ist, daß er kühl in Schriftnüchternheit meinte: „Nazareth besitzt keine Verheißung, uns den Messias zu bringen!“ Dieser Einwand war völlig berechtigt, dieser Zweifel biblisch begründet. Nazareth wird im Alten Testament nicht …

Der scharlachrote Buchstabe

In der Zeit der Gründerväter wird die Ehebrecherin Hester Prynne dazu verurteilt inmitten von Puritanern sich ein rotes A (wahrscheinlich für Adultery o.Ä = Ehebruch ) auf die Brust zu nähen. Bei der Verurteilung murmeln einige ältere Damen auch was von Todesstrafe, während der bleiche Pfarrer Arthur Dimmesdale den Verhör leitet. Hester verweigert es, den Namen des beteiligten Parts zu nennen, doch dem Leser wird schon bald klar, dass es niemand anderes ist, als der Pfarrer selbst, der hier eine Schuld verschweigt. Auch eine klarere Predigt über seine Sünde als eine Art anonyme Beichte führt zu keiner Gewissenserleichterung. Bald kehrt der bis dahin als verschollen gegoltene Ehemann Hester Prynnes, ein Arzt zurück und erkennt schon bald im Pfarrer den Ehebrecher. Das nützt er genüsslich aus, um mit vielen Tricks den Pfarrer in den nahen Wahnsinn zu treiben. Schließlich aber in der größten Seelennot ringt sich Dimmesdale zu einem öffentlichen Bekenntnis durch und bekennt seine Schuld, worauf er endlich in Ruhe sterben kann. Roger Chillingworth, der Ehemann Hesters hat nun keinen Lebenszweck mehr und stirbt nach …

Ein kleines Jubiläum…

Etwas verspätet, aber besser als nie:Ein Artikel zu einem mehrfachen Jubiläum meinerseits für NIMM-LIES (7 Jahre, 30-er Geburtstag & 200-er Artikel). Ich möchte der Frage nachgehen, wie meine Beziehung zur (christlichen) Literatur ist. Ausgangslage Zunächst die Frage: Warum lese ich? In den letzten Jahren, bin ich von einem rein pragmatischen Lesen – Gott sei Dank- immer mehr, wenn auch nicht vollständig abgekommen. Damit meine ich, dass man ein Buch nur ließt, weil gerade eine Themenvorbereitung für eine Bibelstunde ansteht, oder man Illustrationen für eine Predigt sucht. Immer mehr wird es zu meiner Motivation, den biblischen Text, oder sogar vielmehr das Wesen und das Handeln Gottes besser zu verstehen. Und es gibt hier vieles, was mich irritiert, wo mich die Bibel vollständig überfordert, ja schockiert, vieles scheint super verwirrend zu sein. Ich habe mich persönlich auch bei zu vielen illegitimen Verkürzungen im Zugang zum Wort Gottes erwischt! Das Motto „die konservativst-möglichste Auslegung wird schon die echte sein“ ist einfach nicht ausreichend und wird der Bibel nicht gerecht. Somit ergibt sich für mich auch die Literaturwahl: Historisches Material, …

Rahda-Station

„Seit Oktober 2013 leben wir mit unsern drei Kindern in einer kleinen Stadt im Norden von Albanien. Wir leiten ein Team, das sich zum Ziel gesetzt hat, in dieser Stadt Gemeinde Jesu zu gründen.  Was uns antreibt ist das, was Jesus seinen Jüngern als Auftrag hinterlassen hat:  „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern.“ (Matthäus 28,18-19) Dieser Aufforderung sind wir gefolgt, als wir uns auf den Weg gemacht haben. Und jeden Tag wollen wir diesen Auftrag neu ins Auge fassen. Neben diesem überragenden Anliegen, Gemeinde zu gründen und Jünger zu machen, wollen wir als Team den Menschen natürlich auch praktisch helfen.“ – Rahel und Danny von Rahda-Station Das ist doch mal eine schöne Webseite! Aber das Material hat mir viel mehr gefallen. Wo findet sich sonst noch eine Webseite, welche die missionarische Arbeit einer Familie, möchte sagen Großfamilie, in Albanien schildert. Da finden sich zunächst zahlreiche Predigten von Danny. Was hier beeindruckt ist der Wunsch am biblischen Text entlang zu predigen. …

Calvins Urteile über Luther

„Luther schreibt irgendwo selbst über sich so: ob ich wollte oder nicht wollte, es zwangen mich meine Feinde, täglich weiser zu werden. Sehr wahr sagt er das. Wie ein Stein so haben sie seinen Geist geschärft. Noch versunken in jenen tiefen Finsternissen, von welchen fast der ganze Erdkreis verschlungen war, als er einen Funken aus enger Ritze hervorglänzen sah, wagte er es, ihm zu nahen.“ (Calvin an Pighius, S.5)) Neben all dem sorgfältig aufbereiteten Material, dass Licht und Recht liefert, findet sich auch eine Ausarbeitung über Calvins Aussagen und Stellungnahmen über Luther von Dr. A. Zahn. Aus diesem Werk habe ich auch erfahren, dass Calvin tatsächlich einen Brief an Luther richtete, mit der Bitte französicher Pfarrer, bei einer Gewissensentscheidung zu vermitteln. Immer wieder überrascht die hohe Ehrerbietung die Calvin gegenüber Luther bringt. Leider hat Luther jedoch diesen Brief nie erhalten, da Calvin einen weiteren an Melanchton mit der Bitte richtete, er möge entscheiden ob Luther gerade für den Brief empfänglich sei. Wie zu erwarten, handelte Melanchton vorsichtig. Überschwängliche „Lutherfans“ meinten „Luther „wäre der letzte Elias, von dem …

Alle meine Lieben – und mein „Liebstes“

Ein Gastartikel von Peter Engler Eigentlich komme ich mehr von der analogen Schiene her. Das gedruckte Wort und der beständige Umgang mit ihm sind mir sehr wichtig. Dennoch habe ich Bibelstudium durch die Jahre hindurch auch digital betrieben. Und ich habe die Logos Bible Software gekauft, um meine digitalen Bibelstudien zu vereinheitlichen. Aber ich stelle fest: Sie sind immer noch da – die anderen Bibelprogramme, die sich im Lauf der Jahre auf meiner Festplatte angesammelt haben. Einige davon wollte ich endlich loswerden und löschen – konnte mich  aber – aus Nostalgie- und anderen Gründen – doch noch nicht so recht dazu durchringen. Doch was unterscheidet diese Programme von Logos? Und warum kann ich problemlos zugeben, dass Logos mit weitem Abstand vor allen diesen Programmen liegt? Dazu hier etwas mehr. Doch der Reihe nach – dabei das Neueste zuerst: