Monate: Dezember 2017

J. Gresham Machen

Mein Herz jubelte, als ich im Buch „Christentum und Liberalismus“ diese Zeilen fand. Ich bewundere Machens Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erkennen und einfach zusammenzufassen: Eine zweite Meinungsverschiedenheit, die inmitten der christlichen Gemeinschaft existieren kann, betrifft die Wirksamkeit der Sakramente. Die hier bestehenden Unterschiede sind tatsächlich von ernster Natur, und die Wichtigkeit dieses Problems zu leugnen, wäre weit schlimmer, als die falsche Seite in dieser Debatte einzunehmen. Es wird oft gesagt, dass der geteilte Zustand der Christenheit ein Übel darstellt, und das stimmt auch. Das Übel besteht jedoch in der Existenz der Irrtümer, die diese Trennung hervorrufen, nicht etwa in der Wahrnehmung dieser Irrtümer. Es war tragisch, dass Luther während des Marburger Religionsgesprächs zwischen ihm und dem Schweizer Zweig der Reformation im Zusammenhang mit dem Abendmahl auf einen Tisch „Das ist mein Leib“ schrieb und zu Zwingli und Oekolampad sagte: „Ihr habt einen anderen Geist.“ Diese Differenz führte zur endgültigen Trennung zwischen dem lutherischen und dem reformierten Zweig der Kirche und war dafür verantwortlich, dass der Protestantismus viel an Boden verlor, den er sonst hätte halten …

Ist Jesus unsere ganze Leidenschaft?

Viele Christen fühlten sich sehr betroffen, als Billy Graham den folgenden Brief verlas, den ein amerikanischer Student geschrieben hatte, der sich in Mexiko dem Kommunismus zuwandte. Der Zweck des Schreibens war, seiner Verlobten zu erklären, warum er das Verhältnis lösen müsse: »Wir Kommunisten haben eine verhältnismäßig hohe Unfallrate. Wir sind diejenigen, die erschossen, erhängt, gelyncht, geteert, gefedert, eingesperrt, verleumdet und verhöhnt und aus unserer Stellung geworfen werden, denen man auf alle erdenkliche Weise das Leben schwer macht. Ein bestimmter Prozentsatz von uns wird getötet. Wir leben buchstäblich in Armut. Wir übermitteln jeden Pfennig unserer Partei, außer dem Allernotwendigsten, das wir brauchen, um uns am Leben zu erhalten. Wir Kommunisten haben weder Zeit noch Geld für viele Kino- oder Konzertbesuche, für große Koteletts oder ein anständiges Heim und neue Wagen. Wir werden als Fanatiker beschrieben. Wir sind es! Unser Leben wird regiert von einem großen, alles überschattenden Faktor: Dem Kampf für den Weltkommunismus. Wir Kommunisten haben eine Lebensphilosophie, die mit keiner noch so großen Geldsumme zu erkaufen ist. Wir haben eine gerechte Sache, für die wir kämpfen, …

Vorschau 2018: Mein Jahr in Büchern

Im letzten Beitrag habe ich Bücher genannt, die ich im letzten Jahr gelesen habe. Bisher bin ich dabei wenig systematisch vorgegangen. Für 2018 habe ich einige Themenschwerpunkte gesammelt, mit denen ich ich mich eingehender beschäftigen will. Ehe und Familie Kinderherzen lehren, Lou Priolo, Betanien Die Familie aus biblischer Sicht, Gene A.Getz, Dynamis Die Ehe aus biblischer Sicht, Gene A.Getz, Dynamis Werde Beziehungs-Weise, Dr. Chris Richards und Dr. Liz Jones, CLV Wie schützen wir unsere Kinder?, Axel Volk, Daniel Pastor Wilhelm Busch Wilhelm-Busch-Bibliothek, Wilhelm Busch, CLV Plaudereien in meinem Studierzimmer, Wilhelm Busch, CLV Biografien Das Glück des verlorenen Lebens, Biografie von N. P. Chrapow, Friedensstimme Bimmel-Bolle, Ein christlicher Unternehmern in Berlin, Frank Pauli, Wichern Ole Hallesby – Der Fels aus Norwegen, J. und M. Rieger (Hrsg.), SCM Hänssler Glaube und Wissenschaft Die Bibel – absolut glaubwürdig!, Roger Liebi, CLV Evolution – Kritik unerwünscht!, Matti Leisola, SCM Hänssler Mission und Evangelisation Der vergessene Auftrag, Thomas Lange, CMD Was du im Himmel nicht mehr tun kannst, Mark Cahill, Daniel Die verlorene Kunst des Jüngermachens, LeRoy Eims, Betanien Erwählung …

Rückblick 2017: Mein Jahr in Büchern

Das Jahr 2017 beende ich mit einer übersichtlichen Zahl gelesener Bücher. Es gab Jahre, in denen ich weit mehr Bücher las, manchmal auch weniger. Die besprochenen Bücher habe ich hier verlinkt. Großmama packt aus – ein biografischer Roman – empfand ich als Zeitverschwendung und habe es irgendwann abgebrochen. Besonders gern habe ich Im Einsatz für Jesus, Pastor Wilhelm Busch von Ulrich Parzany gelesen. Achtung: Freudenräuber, Thomas Lange Das Brot der frühen Jahre, Heinrich Böll Die Arche Noah – Mythos oder Wahrheit?, Dr. Stefan Drüeke Du Deutsch?, Bernt Engelmann Elon Musk: Wie Elon Musk die Welt verändert – Die Biografie, A. Vance, E. Musk Gedanken über den Ehealltag, John Grant Gedanken über die Ehe, John Grant Gott leben – „Lehre trennt, Liebe eint“?, Benedikt Peters Großmama packt aus, Irene Dische Im Einsatz für Jesus, Pastor Wilhelm Busch, Ulrich Parzany Kennen Sie Hömpel?, Wilhelm Busch Luther für Eilige, Fabian Vogt Näher am Original?, Karl-Heinz Vanheiden Nein, wir schaffen das nicht!, Torsten Heinrich Was lernen unsere Kinder?, Axel Volk Zerstörerisches Wachstum, Rudolf Ebertshäuser Für das Jahr 2018 werde …

Tipp: Ein Leben im Einsatz

Es war der Wunsch von Pastor Wilhelm Busch, dass nach seinem Heimgang keine Biografie über ihn erscheint. Ich bedauere diesen Wunsch, und bin deshalb froh, dass es das Buch Plaudereien in seinem Studierzimmer aus seiner eigenen Feder gibt, und dass Ulrich Parzany einen Einblick in Buschs Leben und Wirken im Buch Ein Leben im Einsatz gegeben hat. Ein Leben im Einsatz ist zuerst vor einigen Jahrzehnten und jetzt in der 2. und 3. Auflage überarbeitet bei Christliche Buchhandlung Bühne erschienen. Ich will mich diesmal mit einigen gewonnenen Erkenntnissen und Zitaten begnügen. Busch war zunächst kein Pazifist im privaten Bereich. Erst durch das Lesen von Der französische Protestantismus von Joseph Chambon kam er zur Überzeugung, dass ein Christ sich nicht wehrt und Gewalt ausgeschlossen ist. In unserem Jugendkreis wurde dieses Buch studiert. Wir sahen auf einmal, was zu tun ist. (…) Wir begriffen auf einmal, was das heißt: Ich stelle mich hin und lass mich schlagen und beschimpfen. Und das ist der Weg Jesu, wie er nach Golgatha ging. S. 132 Busch gab sich Mühe, den immer mehr …

Ein technisches Gleichnis

„Bevor ich das Evangelium kannte, sammelte ich die unterschiedlichsten Kenntnisse aller Arten von Wissenschaften – mal hiervon, mal davon, ein wenig Chemie, ein wenig Botanik, ein wenig Astronomie, ein wenig dies, ein wenig das. Es war ein chaotisches Durcheinander. Seit ich das Evangelium kenne, entsteht in meinem Gehirn Ordnung: Alles bekommt seinen Platz. Mir scheint, daß ich, als ich Christus entdeckte und ihn als gekreuzigt, den Mittelpunkt des Systems gefunden hatte, so dass ich nun jede wissenschaftliche Erkenntnis einordnen kann. Von der Erde aus gesehen, bewegen sich die Planeten völlig ungeordnet. Erst die Kenntnis des Sonnensystems gibt ihnen Konstanz und Ordnung. So ist es mit dem Wissen. Beginne mit welcher Disziplin du willst – du hast immer nur die halbe Wahrheit. Beginnst du mit dem Wissen von dem gekreuzigten Christus, dann hast du die Sonne, um die alle anderen Wissenschaften sich in vollkommener Harmonie bewegen. Christus ist für mich die Weisheit Gottes. Seit ich Christus, den Gekreuzigten kenne, kann ich alles lernen.“ (C.H. Spurgeon; Alles zur Ehre Gottes, Autobiographie S. 63) An keiner Stelle seiner …

Besprechung: Luther für Eilige

Das Reformationsjahr 2017 hat unzählige Bücher über Luther und die Reformation in die Buchhandlungen und Onlineshops befördert. Der Pfarrer Fabian Vogt hat für Wenigleser und Eilige das gleichnamige Buch geschrieben. Nach einem kurzen Abriss über Martin Luthers Leben stellt der Autor aus dem umfangreichen Werk Luthers zwölf wichtige Texte vor. Vogt zitiert Luther in vielen überwiegend einzelnen Sätzen und ordnet sie ein. Manchmal wird nicht eindeutig klar, ob Luthers Aussagen zusammengefasst werden, oder es sich um Gedanken des Autoren handelt. Ein Register ermöglicht das Nachschlagen von bestimmten Begriffen. Was ich bedauere, ist die eher bibelkritische Haltung des Autors, die sich an einigen wenigen Stellen niederschlägt. Dass Luther zum Beispiel lehrte, dass nur ein Mann und eine Frau heiraten könnten, ordnet Vogt dahingehend ein, dass er nun einmal ein Kind seiner Zeit war (S 103). Besonders im „Ausblick“ am Ende des Buches vermisse ich „Allein die Schrift“ als Schwerpunkt in Luthers Leben und Werk. Stattdessen trifft der Leser auf typisch modern-evangelisch-kirchliche Sätze wie „Was von dem, was unsere Gemeinden und Kirchenleitungen tun, bringt Jesu Botschaft von …

Tipp: Das fremde Vogelbaby

Ungefähr 1 % aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland befinden sich in Pflegeverhältnissen. Das bedeutet, dass über 120.000 Minderjährige nicht bei ihren eigentlichen Eltern sondern in Einrichtungen oder in Pflegefamilien aufwachsen. Die Autorin Nelli Suckau hat bereits mehrfach mit ihrem Mann Pflegekinder aus schwierigen Verhältnissen für eine befristete Zeit aufgenommen. Zusammen mit Natalie Schmidt entstand die Idee zu dem vorliegenden Buch, in dem es um eine Vogelbaby in einem fremden Nest geht. Kinder ab 3 Jahren erfahren hier auf eine kindgerechte Weise, wie es dazu kommt, dass ein Kind nicht mehr bei den ursprünglichen Eltern sein kann, und von Pflegeeltern aufgenommen wird. „Das fremde Vogelbaby“ hat ein mittelgroßes Bilderbuchformat (21 x 21 cm), in dem die liebevoll und natürlich gestalteten Illustrationen von Swetlana Machleit gut zur Geltung kommen. Das Buch ist 22 feste Seiten dick und verfügt über ein Hardcover. Es kostet 7,95 EUR und ist bei Lichtzeichen erschienen.

Lange: Achtung: Freudenräuber!

Wie kommt es, dass Christen oft als wenig fröhlich und „freudevoll“ wahrgenommen werden? Oder wie Friedrich Nietzsche über Christen geurteilt hat: „Christen müssten erlöster aussehen.“ Da es seine Zeitgenossen ebenfalls oft nicht waren, waren sie ihm wenig glaubwürdig. Thomas Lange führt in seinem gerade einmal 72 Seiten knappen Büchlein 14 mögliche Gründe an, die er als „Freudenräuber“ bezeichnet. Von fehlender Heilsgewissheit, über unbereinigte Sünde bis mangelnde Opferbereitschaft. Alle angeführten Gründe haben gemein, dass sie durch mangelnde Liebe zu Christus entstehen und Christen die Freude rauben. Thomas Lange betont, dass bei der Freude sowohl die Verantwortung des Menschen als auch die Souveränität Gottes eine Rolle spielen. Die Freude ist zwar als Frucht des Geistes von Gott gewirkt und in unser Herz gepflanzt, trotzdem muss sie unsererseits im Wachstum gefördert werden, damit sie nicht verkümmert. Somit zeigen sich auch hier die Souveränität Gottes einerseits, als auch die menschliche Verantwortung andererseits. S. 45 Die mit zahlreichen Zitaten gespickten Kapitel sind knapp und schnell gelesen. Ein Anhang mit Kapiteln „Freude“ und „Warum sind so viele Christen unglücklich?“ von John …