Monate: Oktober 2017

Über 4600 Texte von Spurgeon auf Deutsch

Mit gro­ßer Freu­de bin ich seit vie­len Jah­ren ein Nutz­nie­ßer von Spur­ge­ons Pre­dig­ten. Ich habe vie­le auf Deutsch erhält­li­chen Bücher von Spur­ge­on gele­sen. Zusätz­lich habe ich immer wie­der auf sei­ne eng­li­schen Pre­dig­ten bei spurgeongems.org  zurück­ge­grif­fen. Hier im Blog haben wir schon seit 2012 eine umfang­rei­che Biblio­gra­fie zu C.H. Spur­ge­on mit meist deut­schen Wer­ken, die von Ser­gej Pau­li erstellt wur­de und gepflegt wird. Doch gibt es noch ande­re Spur­­ge­on-Lie­b­ha­­ber, die in ihrem Kata­log über 4600 Pre­dig­ten und ande­re Buch­aus­zü­ge von Spur­ge­on digi­ta­li­siert und kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt haben. Ich kann nur erah­nen, wie viel Arbeit dahin­ter steckt. Es ist auf jeden Fall eine sehr wert­vol­le „Schatz­kam­mer“ aus Spur­ge­ons Feder. Und das in deut­scher Spra­che. Wenn ich das rich­tig sehe, dann stammt in die­sem Archiv die ers­te Pre­digt von Spur­ge­on aus dem Jahr 2007. Das sind also 10 Jah­re flei­ßi­ger Arbeit. An die­ser Stel­le einen herz­li­chen Glück­wunsch und vie­len Dank für die­se über­aus wert­vol­le Arbeit.

Calwer Luther Ausgabe in 10 Bänden

Auf die­se nur noch anti­qua­risch erhält­li­che Aus­wahl der Wer­ke Luthers bin ich lei­der erst vor kur­zem auf­merk­sam gewor­den. Wahr­schein­lich soll­te ich anfan­gen öfter mal ein paar Ver­lags­ka­ta­lo­ge durch­zu­schau­en. Um sich einen Ein­blick in das Werk Luthers zu ver­schaf­fen, scheint mir die Aus­wahl recht gelun­gen zu sein. Es folgt ein kur­zer Über­blick über die ein­zel­nen Bän­de. Band 1 fängt mit der klas­sisch luthe­ri­schen Leh­re mit dem gro­ßen Kate­chis­mus an. Die­ser ist neben dem klei­nen Kate­chis­mus eine der bei­den Gele­gen­hei­ten, die Luther wahr­nahm um ein Über­blick über die pro­tes­tan­ti­sche Leh­re zu geben. Im Grun­de liegt hier eine klei­ne Dog­ma­tik vor. In vie­len Punk­ten ein­fach gehal­ten, waren doch auch Geist­li­che jener Zeit oft­mals nicht für star­ke Spei­se reif. Die Schmal­kal­di­schen Arti­kel wie­der­spie­geln das­sel­be The­ma, aber eher aus einem apo­lo­ge­ti­schen Anlie­gen, näm­lich in der Abgren­zung gegen­über Schwär­mern und Katho­li­ken. Die Anfän­ge der Refor­ma­ti­on rei­ßen einen Pre­di­ger mit­ten aus der Lehr­stu­be und von der Kan­zel hin­ein in das Welt­ge­sche­hen. Ent­spre­chend beinhal­tet Band 2 Pre­dig­ten und Aus­le­gun­gen Luthers. Zen­tral an die­sem Band ist die Wucht­schrift “ Von der Frei­heit eines Chris­ten­men­schen“. Die Aus­le­gung des …

Das Problem mit dem Kanon…

Die Pro­blem­stel­lung ist ein­fach: Offen­sicht­lich schrieb der Bischof Atha­na­si­us 367 einen Oster­brief, in wel­chem er die 27 Bücher des NT defi­nier­te. Die Fra­gen lie­gen auf der Hand. War also fast 350 Jah­re Unklar­heit dar­über, wel­che Bücher inspi­riert waren und wel­che nicht? Konn­te, als die Kir­che bereits ver­staat­licht wur­de (313 wur­de Kon­stan­tin der Gro­ße Ober­haupt der Kir­che), meh­re­re aria­ni­sche Kai­ser geherrscht haben, und die Urkir­che am Abklin­gen war, fest­ge­stellt wer­den, wel­che Schrif­ten inspi­riert sind? Wer gibt dann Gewähr, dass Atha­na­si­us in die­sem Punkt recht hat­te. Selbst wenn man auf den Kon­zil von Nizäa ver­wei­sen möch­te, wird die Ange­le­gen­heit nicht bes­ser. Und im Ernst, schon der Titel „Bischof“ macht einen skep­tisch. Im Übri­gen nutzt die katho­li­sche Kir­che genau die­se The­se, um zu unter­mau­ern, dass kirch­li­che Auto­ri­tät und Schrift gemein­sam Hand in Hand gehen. Die Grö­ße­re Hand hat dabei natür­lich die Kir­che. Sie­he hier einen zuge­ge­be­ner­ma­ßen wir­ren Arti­kel der Pius­brü­der. Lan­ge blieb es für mich ein Rät­sel, wie man die­sen Kno­ten löst. Nicht das Zwei­fel an der Auto­ri­tät des Wor­tes auf­ka­men, aber ein selt­sa­mes Gefühl, sei­ne gan­ze Hoff­nung doch nicht …

Rezension: Dein Wort war mir zu mächtig — Die Bekenntnisse des Propheten Jeremia

Hel­mut Lam­par­ter (1912−1991) war ein evan­­ge­­lisch-luthe­­ri­­scher Theo­lo­ge der Nach­kriegs­zeit. Neben sei­nem Jere­­mia-Kom­­men­­tar „Pro­phet wider Wil­len“ in der Rei­he „Die Bot­schaft des Alten Tes­ta­ments“ beleuch­tet er mit die­sem Buch auf knap­pen 79 Sei­ten in all­ge­mein­ver­ständ­li­cher Spra­che die soge­nann­ten Bekennt­nis­se oder Kla­gen des Pro­phe­ten Jere­mia. Die ver­schrift­lich­ten Aus­le­gun­gen der Bekennt­nis­se wur­den ursprüng­lich auf einer Stu­di­en­ta­gung für Vika­re der Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­kir­che als Andacht gehal­ten und sind als Buch ein Jahr spä­ter her­aus­ge­ge­ben wor­den, mit dem Ziel, die­je­ni­gen, „die als Pre­di­ger in ihrem Amt ver­za­gen, eine Ermu­ti­gung und Hil­fe“ (S. 6) zu sein. Außer­dem will der Autor anhand der Bekennt­nis­se zei­gen, dass „zum Boten- und Zeu­gen­dienst für den leben­di­gen Gott die Anfech­tung wesens­mä­ßig hin­zu­ge­hört und wie schwer die­se Anfech­tung wer­den kann“ (S. 16). Das Buch ist in neu­en Kapi­tel geglie­dert, wobei die ers­ten bei­den Kapi­tel auf die Beru­fung des Pro­phe­ten ein­ge­hen und die wei­te­ren sie­ben Kapi­tel die Bekennt­nis­se aus­le­gen. Die Kapi­tel wer­den mit einer Anwen­dung auf heu­ti­ge Pre­di­ger abge­run­det und enden jeweils mit einem Lied­vers aus dem evang. Kir­chen­ge­sang­buch. Lam­par­ter nimmt in sei­nen Aus­füh­run­gen zu den sonst übli­chen fünf Bekenntnissen, …

Was die Reformatoren nicht zu Ende dachten

Die Fünf­­hun­­­dert-Jahr-Fei­er zur Refor­ma­ti­on habe ich per­sön­lich genutzt, um mich aus­führ­li­cher mit ver­schie­de­nen Posi­tio­nen Luthers und auch ande­rer Refor­ma­to­ren zu befas­sen. Luther ist in der Tat in vie­len Fra­gen als Pio­nier zu sehen, ande­rer­seits jedoch sind von ande­ren Streit­ge­nos­sen noch weni­ger Schrif­ten ver­füg­bar. Gene­rell will unse­re Zeit sich nicht all­zu viel von den Refor­ma­to­ren rein­re­den las­sen. Nun habe ich mich auch lan­ge genug vor einer inten­si­ven Befas­sung mit der Refor­ma­ti­on gescheut, da man tief in sei­nem Inne­ren eine Angst spürt, Ant­wor­ten zu hören, die einem nicht gefal­len könn­ten. Posi­tio­nen, die einem nicht gefal­len könn­ten, hat man ja an Luther genug, der (angeb­li­che) Anti­se­mi­tis­mus Luthers wur­de ja in den Medi­en pas­send zur Jahr­hun­d­er­fei­er oft genug erwähnt. Viel­leicht ist auch eine typisch frei­kirch­li­che Hal­tung in mir tief schlum­mernd, die gene­rell sich hütet, all­zu vie­len Fra­gen nach­zu­ge­hen. Eine Hal­tung übri­gens, die ich natür­lich immer ver­wer­fen wür­de, die aber doch im Stil­len mit­klingt, auch in Gesprä­chen mit ande­ren. Jedoch hal­te ich an einem fest, näm­lich dem, dass es kei­ne Fra­ge geben kann, die nicht in einen Bezug oder Zusammenhang …