Jahr: 2009

Welches Buch ist dir sehr ans Herz gewachsen?

Alberto Manguel beginnt sein Buch „Tagebuch eines Leser“ mit folgenden Worten: Manche Bücher durchqueren wir wie im Fluge. Schon beim Umblättern vergessen wir, was auf der vorigen Seite stand. Andere lesen wir mit Ehrfurcht, ohne Widerspruch oder Zustimmung zu wagen. Wieder andere dienen lediglich der Information und bleiben ohne Kommentar. Dann gibt es Bücher, die uns in vielen Jahren so sehr ans Herz gewachsen sind, dass wir sie nur Wort für Wort wiederholen können, denn wir kennen sie längst auswendig. Bei den Büchern, die ihm ans Herz gewachsen sind, findet man leider nicht die Bibel, das Buch der Bücher. Aber wünschte es für mich, dass mir die Bibel wie kein anderes Buch ans Herz und ins Herz wachsen würde, so dass ich sie Wort für Wort rezipieren, auswendig zitieren und vollständig leben könnte, so wie es Gustave Flaubert sagte: „Lies, um zu leben.“

Wohin mit den vielen Büchern?

Wir haben gestern im IKEA-Restaurant nach einer anstrengenden und regnerischen Autobahnfahrt Kaffee getruken. Nebenbei habe ich der IKEA-Family Zeitschrift geblättert und folgenden Tipp gefunden: „Je voller der Gefrierschark, desto sparsamer läuft er. Ungenutzen Platz kannst du mit Büchern füllen.“ (IKEA Umweltkämpfer Charlie Browne) Das man auf diese Weise Energie sparen kann, sehe ich ein. Aber ob das für meine Bücher ein sicherer Aufbewahrungsort ist, bin ich mir nicht ganz sicher. Dann stelle ich sie doch lieber in mein Billy Regal von IKEA. Ich habe zwar gehört, dass man feucht Bücher durch Gefriertrocknen retten kann, bezweifle aber, dass das mit einem normalen Gefrierschark auch funktioniert.

Zur Größe gebeugt (Ravi Zacharias)

Folgenden Auszug aus dem Buch von Ravi Zacharias „Kann man ohne Gott leben?“ (S. 186-188) fand ich sehr tiefgehend und überführend. —- Im Alten Testament steht in 1. Mose 32 ein Abschnitt, dessen Kern­punkt häufig auch von sorgfältigen Lesern übersehen wird. Es ist die erzählende Beschreibung von Jakobs Heimkehr nach langer Abwe­senheit. Jahre zuvor war er von Zuhause geflohen, weil er den Segen gestohlen hatte, der seinem älteren Bruder Esau zugestanden hätte. Während Esau auf der Jagd war, verkleidete sich Jakob in einem ge­meinen Akt als Esau, kniete sich vor seinen blinden Vater Isaak und bat Isaak, ihn mit dem Erstgeburtsrecht zu segnen, das rechtmäßig Esau zustand. Der Vater war ernstlich verwirrt, denn die Stimme klang wie Jakobs; daher sagte er: „Du bist nicht Esau – wie kann ich dir den Segen erteilen?“ Jakob reichte ihm etwas Wildbret und behauptete, er habe das Tier gerade erlegt. Zögernd segnete Isaak Jakob in dem Glauben, es sei Esau, und gab ihm das Vorrecht der Erstgeburt, das ihm nicht zustand. Daraufhin wurde sein Bruder Esau so zornig, dass …

Ist das der neue Atheismus?

Ich lese gerade das Buch „Kann man ohne Gott leben“ von Ravi Zacharias. Er versucht mit einer apologetisch-philosophischen Herangehensweise in der Tradition Francis Schaeffers den christlichen Glauben zu verteidigen. Im 1. Teil „Der Atheismus ist lebendig – und tödlich“ zitiert er folgendes satirisches Gedicht von dem englischen Journalisten Steve Turner: Wir glauben an Marxfreundunddarwin. Wir glauben, alles ist OK, solange du keinem wehtust, nach bestem Wissen über deine Definitionen von wehtun, überhaupt nach deinem besten Wissen. Wir glauben an Sex vor, während und nach der Ehe. Wir glauben an die Therapie der Sünde. Wir glauben, Ehebruch macht Spaß. Wir glauben Sodomie ist OK. Wir glauben, Tabus sind tabu. Wir glauben, alles wird besser, trotz der Beweise des Gegenteils. Der Beweis muss erforscht werden und alles lässt sich durch Beweise belegen. Wir glauben, es ist etwas dran an Horoskopen, UFOs und verbogenen Löffeln; Jesus war ein guter Mensch, genau wie Buddha, Mohammed und wir selber. Er war ein guter Moralprediger, wenngleich wir meinen, dass seine guten Sitten schlecht waren. Wir glauben, alle Religionen sind im Grunde …

Buchrezension: Geborgen in Ihm

Gerne wünscht man es sich als Christ, in allen Lebenslagen stark zu sein und auch dann nicht einzuknicken, wenn wirklich alles schief läuft. Andererseits begegnet man immer wieder Christen, die mutlos, enttäuscht und manchmal sogar frustriert die Hoffnung aufzugeben scheinen, weil sie kraftlos geworden sind. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: eigenes Verschulden und eigene Sünde, Enttäuschung, Krankheiten, Burn-Out oder Depressionen. Wo findet man in solchen Situationen für sich selbst und für Andere Hilfe, die wirksam aus der Not führt? Richard Sibbes hatte wohl solche Situationen vor Augen, als er das Buch „Geborgen in ihm“ schrieb. Der englische Titel „The Bruised Reed“ (Das geknickte Rohr) verrät mehr über den Inhalt, vorausgesetzt man erkennt in dem Titel ein Bibelzitat. Denn es geht in diesem Buch tatsächlich im Wesentlichen nur um den einen Vers aus Matthäus 12,20 (zitiert aus Jes 42,3): „Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausführe zum Sieg.“ Der erste Gedanke, der mir kam, als ich erfuhr, dass das gesamte Buch eine …

Matthew Henry: Leben voller Freude

Mit großem Gewinn lese ich regelmäßig Matthew Henry’s Hauptwerk Exposition of the Old and New Testament (Kommentar zum Alten und Neuen Testament). Und so wartete ich gespannt auf das erste deutsche Buch von Matthew Henry: Leben voller Freude. Dieses Buch ist das Letzte von Matthew Henry und wurde 1714, seinem Todesjahr, gedruckt. Es ist also gleichsam sein Vermächtnis und wenn man so will, seine letzten Worte, die bis in unsere Zeit hineinklingen. Das Buch basiert auf 6 Predigten, die der Autor 1713 hielt und auf Wunsch seiner Zuhörer für die Veröffentlichung überarbeitete. Dieser Neuausgabe wurde zusätzlich ein Vorwort von James I. Paker beigefügt, in dem er in Kürze in das Buch und das Leben des Autors einführt und außerdem dem Leser Hinweise gibt, wie er das Beste aus dem Buch herauszuholen hat.

Mark Dever: Was ist eine gesunde Gemeinde?

Als geborener Mennonit (falls es so etwas gibt), der seine theologischen und ekklesiologischen Wurzeln nicht verachtet, sondern studiert und viel darüber nachdenkt und überprüft, ist es mir immer wichtig gewesen, den Wert und die Bedeutung der Gemeinde hochzuhalten und in der Gemeinde aktiv mitzuarbeiten. Und so freue ich mich immer, wenn ich anderen Christen begegne, denen es ähnlich geht. Ich freu mich auch über jedes Buch, welches auf biblische Weise die Bedeutung und die Aufgabe der Gemeinde betont. So war es für mich eine Pflicht, das Buch „Was ist eine gesunde Gemeinde? Gemeinde auf biblischem Weg“ von Mark Dever zu lesen. Ich kannte Mark Dever bereits von einigen seiner Vorträge bzw. Predigten, die er auf Konferenzen und in seiner Gemeinde hielt und war deshalb gespannt, sein Buch zu lesen. Dever schreibt sein Buch in erster Linie nicht für Theologen, Pastoren oder Gemeindemitarbeiter, sondern zuerst für den „einfachen“ Christ. Er schreibt für Menschen, die in der Gemeinde sind, die eine Gemeinde suchen und für Christen, die ihre Gemeinde aus welchen Gründen auch immer wechseln wollen. Aus …

Thomas Watson: Die Lehre der Buße

Was bewegt mich 341 Jahre nach Erscheinen des Buches „Die Lehre der Buße“, dieses Buch zu lesen, hier vorzustellen und wärmstens zu empfehlen? Was motiviert den Verlag dieses Buch von Thomas Watson nach 338 Jahren in deutscher Sprache herauszubringen? Es muss etwas in dem Inhalt verborgen liegen, was sich lohnt, wieder aufgedeckt zu werden. Der Autor Thomas Watson (1620-1686) ist mir beim Lesen verschiedener englischsprachiger Blogs begegnet. Und ich war sehr gespannt endlich ein Buch von ihm in deutscher Sprache zu lesen. Um sich ein Bild vom Autor zu machen, beinhaltet das Buch eine achtseitige „kurze Erinnerung an Thomas Watson“, zusammengestellt von C.H. Spurgeon. Spurgeon schreibt: „Watson war einer der bündigsten, tiefsten, beispielhaftesten und gehaltvollsten jener vortrefflichen Theologen, welche die Zeit der Puritaner zum Augusteischen Zeitalter der evangelischen Literatur machen“ (S. 11). Diese Superlative sind berechtigt und beschreiben treffend dieses kompakte Buch. Watson beginnt sein Buch mit einleitenden Bemerkungen über die Buße und wirft die Frage auf, ob zuerst die Buße oder ob der Glaube zuerst kommt. Diese Frage beantwortet er nicht, weist jedoch darauf hin, …

Die Puritaner im 3L Verlag

In der Puritaner-Serie im 3L Verlag ist mittlerweile der fünfte Band erschienen. Das nehme ich zum Anlass alle fünf Bände und das Andachtsbuch kurz vorzustellen. Über den ersten Band habe ich bereits geschrieben. Also folgt ab nächste Woche im wöchentlichen Rhythmus jeweils ein Buch. Beginnen werde ich mit „Die Lehre der Buße“ von Thomas Watson. Der Verlag hat mit der Herausgabe dieser Bände folgendes Ziel: „Mit dieser neuen Reihe sollen die wertvollen Lehren der Puritaner wieder in Erinnerung gebracht werden.“ Denn: „Die Schriften der Puritaner haben nachhaltig die Christen in den folgenden Jahrhunderten durch ihren glühenden Glauben an das unverfälschte Wort der Bibel beeinflusst. Sie sind auch heute noch ein „Festschmaus“ für Gottes Kinder.“ Die Puritaner zu lesen, ist für mich wirklich ein „Festessen“. Es ist nicht unbedingt leicht verdaulich, man muss für das Festessen Zeit mitbringen, um auch wirklich alles auszukosten. Und ein Festessen vergisst man nicht so schnell, ebensowenig das Lesen der Puritaner. Im dem Andachtsbuch „Die Englischen Puritaner. 365 Tage lebendiges Wasser“ heißt es zum heutigen Tag (S. 231): Oh, Freunde, gewinnen …

L’Abri – Die Geschichte und die Ursprünge von L’Abri

Es gibt Bücher, die erst im Bücherregal „reifen“ müssen, bis sie der Besitzer in die Hand nimmt und in den Genuss des Lesens kommt. Manchmal muss auch der Leser für bestimmte Bücher reifen, um sie dann gewinnbringend zu lesen. Beides war bei mir der Fall, als mich jemand auf die Bücher von Francis Schaeffer hinwies. Seit ca. 4 Jahren steht in meinem Bücherregal das Buch von Francis Schaeffer „Wie sollen wir denn leben? Aufstieg und Niedergang der westlichen Kultur“. Doch bevor ich mich an dieses höchst intellektuelle Buch wagte, entschied ich mich zuerst ein Buch von seiner Frau, Edith Schaeffer, L’Abri – Ursprünge und Geschichte von L’Abri zu lesen. Kurz nach dem 2. Weltkrieg sind die Schaeffers aus Amerika in die Schweiz gezogen, um dort missionarisch tätig zu sein. Was sie in der Schweiz tun sollten, war ihnen zunächst auch nicht bekannt, jedoch vertrauten sie Gott, dass er ihnen den richtigen Ort und die entsprechenden Aufgaben zuführen würde. In den recht turbulenten Anfangsjahren mit einigen Wohnortwechsel und nach der Rückkehr aus dem Heimaturlaub wurde die …