Alle Artikel in: Zitate

Wilhelm Busch berichtet über seinen Dienst als Prediger in Bielefeld
Aus „Plaudereien in meinem Studierzimmer“

Über sei­ne ers­ten Jah­re als Pre­di­ger, damals noch in einem Arbei­ter­vier­tel von Bie­le­feld berich­tet Wil­helm Busch in „Plau­de­rei­en in mei­nem Stu­dier­zim­mer“, (2. Auf­la­ge, S. 44f, hier neu Auf­ge­legt und auch frei als .pdf erhält­lich), und gewährt so einen Blick in sei­ne Arbeits­wei­se, sei­nen Eifer (Beach­te die regel­mä­ßi­gen Haus­be­su­che und wie er auf Kri­tik wei­se reagiert), aber auch sei­ne Ana­ly­se­fä­hig­kei­ten. Ich glau­be, das was Busch in den Zwan­zi­gern des 20ten Jahr­hun­derts beob­ach­ten hat, wird durch Twit­ter, Hash­tag & Co in den Zwan­zi­gern des 21ten Jahr­hun­derts mul­ti­pli­ziert. „In die­sem Bezirk nun schenk­te es mir Gott, dass ich die Kraft des Evan­ge­li­ums herr­lich erfah­ren durf­te. Zuerst fing ich an damit, jeden Vor­mit­tag und Nach­mit­tag von Haus zu Haus Besu­che zu machen. Bald aber hör­te ich, dass die Män­ner spot­te­ten: „Der Pfaf­fe kommt nur zu unse­ren Frau­en, wenn die Män­ner nicht da sind!“ Von da an ver­leg­te ich mei­ne Besu­che auf den Abend. Da traf ich die Män­ner und kam mit ihnen ins Gespräch.  Ich habe damals zum ers­ten Mal erlebt, wie die Men­schen weit­hin das eige­ne Den­ken auf­ge­ge­ben haben …

Wo ist Kirche?
Artikel 27 des niederländischen Bekenntnisses

Im 27ten Arti­kel des nie­der­län­di­schen Glau­bens­be­kennt­nis­ses fin­det sich ein bemer­kens­wer­ter Satz, umge­ben in einer gelun­ge­nen Zusam­men­fas­sung: „Wir glau­ben und beken­nen eine katho­li­sche oder all­ge­mei­ne Kir­che, wel­che ist eine hei­li­ge Ver­ei­ni­gung oder Gemein­schaft aller gläu­bi­gen Chris­ten, wel­che ihr gan­zes Heil von dem einen Jesus Chris­tus erwar­ten, gerei­nigt durch sein Blut und durch sei­nen Geist gehei­ligt und ver­sie­gelt. Die­se Kir­che fer­ner war vom Anfang der Welt und wird bis zu ihrem Ende blei­ben, wie dies auch dar­aus erhellt, dass Chris­tus ein ewi­ger König ist, der nie­mals ohne Unter­ta­nen sein kann. Übri­gens schützt Gott die­se hei­li­ge Kir­che gegen alle Wut und Angrif­fe der Welt, wenn sie auch für eini­ge Zeit nur sehr klein und fast ver­löscht in den Augen der Men­schen erscheint, wie Gott in jener sehr gefähr­li­chen Zeit des Ahab sich sie­ben­tau­send Män­ner bewahrt haben soll, die ihre Knie nicht vor dem Baal beug­ten. End­lich ist die­se hei­li­ge Kir­che an kei­nem bestimm­ten Ort gele­gen oder beschränkt oder irgend an bestimm­te Per­so­nen gebun­den oder geket­tet, son­dern sie ist über den gan­zen Erd­kreis zer­streut und ver­brei­tet, obgleich sie in …

Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!›
Aus „Bilder aus der Pilgerreise“

„Ich füh­le mich stets geneigt, Evan­ge­list für das Miss­be­ha­gen, das der arme Christ im Sump­fe­der Ver­zagt­heit lei­den muss­te, zu tadeln. So sehr ich John Bun­y­an auch schät­ze, hal­te ich ihn­doch nicht für unfehl­bar, und jüngst hör­te ich eine Geschich­te über ihn, die ich für eine sehr gute hal­te:Da war in Edin­burg ein jun­ger Mann, der ger­ne Mis­sio­nar wer­den woll­te. Er war ein ver­stän­di­ger jun­ger Mann, daher über­leg­te er: «Wenn ich Mis­sio­nar wer­den will, ist es gar nicht nötig, dass man mich weit von hier fort­sen­de; ich kann ja in Edin­burg eben­so gut Mis­sio­nar sein.» Hier ist ein Wink für sol­che Schwes­tern, die in ihren Bezir­ken Trak­ta­te ver­brei­ten, aber ihrem eige­nen Dienst­mäd­chen kei­nen geben. Nun, die­ser jun­ge Mann woll­te sogleich mit dem Mis­sio­nie­ren begin­nen und mit der ers­ten Per­son spre­chen, die ihm begeg­ne­te. Die­se war eine alte Fisch-hän­d­­le­­rin. Wer die­se Art ein­mal ken­nen gelernt hat, ver­gisst sie sobald nicht wie­der; es sind ganz außer­or­dent­li­che Frau­en. Er trat auf sie zu und sag­te: «Lie­be Frau, Sie haben da eine gro­ße Last auf Ihrem Rücken zu tra­gen; ich …

Das Gebet eines Arminianers
polemische Apologetik von C.H. Spurgeon

In sei­ner Pre­digt „Free Will — a slave“ denkt Spur­ge­on dar­über nach, wie wohl ein armi­nia­ni­sches Gebet klin­gen wür­de: „Ihr habt bestimmt schon vie­le armi­nia­ni­sche Pre­dig­ten gehört, aber ihr habt noch nie ein armi­nia­ni­sches Gebet gehört — denn im Gebet sind die Hei­li­gen eins in Wort, Tat und Geist.Ein Armi­nia­ner wür­de auf den Knien ver­zwei­felt beten wie ein Cal­vi­nist. Er kann nicht über den frei­en Wil­len beten: das ist schlicht­weg unmög­lich. Stellt euch vor, er wür­de beten: „Herr, ich dan­ke dir, dass ich nicht wie die­se armen, anma­ßen­den Cal­vi­nis­ten bin. Herr, ich wur­de mit einem herr­li­chen frei­en Wil­len gebo­ren; ich wur­de mit einer Kraft gebo­ren, durch die ich mich dir von selbst zuwen­den kann; ich habe mei­ne Gna­de ver­bes­sert. Wenn jeder mit sei­ner Gna­de das­sel­be getan hät­te wie ich, wären sie alle geret­tet wor­den. Herr, ich weiß, du machst uns nicht wil­lig, wenn wir nicht selbst wil­lig sind. Du gibst jedem Men­schen Gna­de; man­che ver­bes­sern sie nicht, aber ich schon. Es gibt vie­le, die in die Höl­le gehen wer­den, die genau­so mit dem Blut Chris­ti erkauft wur­den wie ich; sie hat­ten genauso …

Das ausgetauschte Leben
Ein Brief von Hudson Taylor an seine Schwester

In einem sehr per­sön­li­chen Brief schil­dert Hud­son Tay­lor, wie er im Kampf um die Hei­li­gung Chris­tus neu als Erret­ter erlebt hat (Voll­stän­dig hier zu fin­den): „Ich fühl­te, dass ich für mich per­sön­lich wie für die gan­ze Mis­si­on mehr Hei­lig­keit, mehr Leben, mehr Kraft bedür­fe. Ich emp­fand, wel­che Undank­bar­keit, Gefahr und Sün­de dar­in lag, dass ich nicht ganz nahe bei Gott leb­te. Ich bete­te, fas­te­te, rang, fass­te Ent­schlüs­se, las das Wort Got­tes flei­ßi­ger, such­te mir mehr Stil­le zu neh­men, um über die gött­li­chen Din­ge nach­zu­den­ken? alles war wir­kungs­los. Jeden Tag, ja jede Stun­de stand ich unter dem Druck der Sün­de. Ich wuss­te, dass alles gut sein wür­de, wenn ich nur in Jesus blie­be; aber ich konn­te nicht. Ich begann den Tag mit Gebet und war ent­schlos­sen, mei­ne Augen nicht einen Augen­blick von ihm abzu­wen­den.“ Tay­lor fühlt sich als Ver­sa­ger, weil das nicht gelingt:

Wann bin ich gesetzlich? — Ein Einblick von John Colquhoun

Wenn ein Mensch zu Taten des Gehor­sams gedrängt ist, weil er den Zorn Got­tes fürch­tet, der sich im Gesetz offen­bart und nicht weil er an Sei­ne Lie­be glaubt, die sich im Evan­ge­li­um offen­bart… Wenn er Gott wegen Sei­ner Macht und Gerech­tig­keit fürch­tet und nicht auf­grund Sei­ner Güte, wenn er in Gott viel eher einen rächen­den Rich­ter, als einen lei­den­schaft­li­chen Freund und Vater sieht, und und wenn er Gott als fürch­ter­li­che Majes­tät vor sich sieht, statt unend­lich gnä­dig und barm­her­zig wird dadurch sicht­bar, dass er unter der Herr­schaft eines gesetz­li­chen Geis­tes ist, oder zumin­dest dar­an lei­det… Er zeigt, dass er unter dem Ein­fluss die­ses hass­erfüll­ten Ver­su­chers steht … wenn sein Ver­trau­en auf gött­li­ches Erbar­men durch die Leben­dig­keit sei­ner Pflich­ten und nicht durch die Ent­de­ckun­gen der Frei­heit und der Reich­tü­mer erlö­sen­der Gna­de geprägt sind, die ihm im Evan­ge­li­um ange­bo­ten wer­den, oder wenn er das ewi­ge Leben nicht als Gabe Got­tes durch Jesus Chris­tus erwar­tet, son­dern als Got­tes Rekom­pen­sa­ti­on für sei­nen Gehor­sam und sein Lei­den, wird schmerz­haft deut­lich, dass er sich unter der Macht eines gesetz­li­chen Geis­tes befindet. …

Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Gefun­den in Luthers Tisch­re­den: 214. Das Gesetz und Evan­ge­li­um recht zu unter­schei­den, ist kei­nes Men­schen Kunst Kein Mensch lebt auf Erden, der das Evan­ge­li­um und Gesetz recht zu unter­schei­den weiß. Wir las­sen es uns wohl dün­ken, wenn wir pre­di­gen hören, wir ver­ste­hens; aber es fehlt weit, allein der hei­li­ge Geist kann die­se Kunst. Dem Men­schen Chris­tus hats auch gefehlt am Ölber­ge, so daß ihn ein Engel trös­ten muß­te; der war doch ein Dok­tor vom Him­mel, den­noch wur­de er durch den Engel gestärkt. Ich hät­te auch gemeint, ich könn­te es, weil ich so lan­ge und so so viel davon geschrie­ben habe; aber, wenn es ans Tref­fen geht, so sehe ich wohl, daß mirs weit, weit fehlt! So soll und muß allein Gott der hei­ligs­te Meis­ter sein. 212: Was Gesetz und Evan­ge­li­um sei Das Gesetz ist das, was wir tun sol­len; das Evan­ge­li­um aber han­delt von Gott, von dem, was Gott geben will. Das ers­te kön­nen wir nicht tun; das zwei­te kön­nen wir anneh­men, und zwar mit dem Glau­ben. Aber sie­he, wie die Men­schen sind: das ers­te, was sie nicht …

Schlechtes Gesetz versus gutes Gesetz

Robert­son McQuil­kin schreibt in sei­ner „Bibli­schen Ethik“ im Rah­men der Bespre­chung von Bestra­fun­gen von Ver­bre­chen: „Im All­ge­mei­nen ver­stär­ken gute Geset­ze mora­li­sche Stan­dards, und schlech­te Geset­ze schwä­chen mora­li­sche Stan­dards. Es gibt vie­le Arten, schlech­te Geset­ze oder Jus­tiz­sys­te­me zu ent­wi­ckeln. Nicht durch­setz­ba­re Geset­ze, wel­che die Gesell­schaft nicht durch­set­zen will, so wie die ame­ri­ka­ni­sche Pro­hi­bi­ti­on) sind schlecht, weil sie den Respekt für das Gesetz unter­gra­ben, wenn sie nicht durch­ge­setzt wer­den und Kor­rup­ti­on unter den Bür­gern und den ver­ant­wort­li­chen Beam­ten för­dern.  Unge­rech­te Geset­ze gibt es auf unter­schied­li­che Arten. Es ist unge­recht, Bewei­se vom Hören­sa­gen anzu­er­ken­nen oder jeman­den ohne ange­mes­se­ne Bewei­se zu ver­ur­tei­len. Es ist unge­recht, ein Opfer von sexu­el­ler Gewalt oder von Kin­des­miss­brauch wie­der­hol­ten emo­tio­na­len und men­ta­len Angrif­fen, Scham und Ein­schüch­te­rung im Gerichts­saal aus­zu­set­zen. Eine vor­herr­schen­de Art der Unge­rech­tig­keit in unse­rem gegen­wär­ti­gen Sys­tem ist, dass die Armen ohne Bezie­hun­gen und die Unge­bil­de­ten pro­por­tio­nal wesent­lich häu­fi­ger ver­ur­teilt wer­den als jene, die sich die Ver­tre­tung durch einen Rechts­an­walt leis­ten kön­nen, die Freun­de in hohen Posi­tio­nen haben und wis­sen, wie man das Sys­tem „bear­bei­tet“. Es ist unge­recht, jeman­den zu einer Gefäng­nis­stra­fe zu …

„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schild­bür­ger sind ursprüng­lich für ihre Klug­heit weit­hin bekannt und wer­den über­all in der Welt gefragt um mit ihrer Klug­heit die Din­ge zu regeln. Doch Schil­da, ihr Hei­mat­ort geht dadurch den Bach run­ter. Also muss etwas unter­nom­men wer­den. Die Schild­bür­ger neh­men sich nun vor, sich beson­ders dumm zu stel­len. Allen sagt der Plan zu, außer dem Leh­rer, der ein­wen­det: „Wer klug tut, wir davon noch lan­ge nicht klug.Aber wer sich lan­ge dumm stellt, wird viel­leicht eines Tages wirk­lich dumm“. Die ande­ren lach­ten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, mein­te der Schmied neu­gie­rig. „Eure Dumm­heit“, rief der Leh­rer. Da lach­ten sie ihn alle aus. Als ers­te Dumm­heit beschließt man den Bau eines drei­ecki­gen Rat­hau­ses ohne Fens­ter. Die­ser wird bald eine welt­be­kann­te Kurio­si­tät und spült Geld in die Stadt­kas­se: >„So wur­den die Schild­bür­ger zwar nicht wegen ihres drei­ecki­gen Rat­hau­ses, son­dern viel­mehr wegen ihrer ver­ges­se­nen Fens­ter berühmt. Es dau­er­te nicht lan­ge, so kamen auch schon die ers­ten Rei­sen­den nach Schil­da, bestaun­ten die Ein­woh­ner, über­nach­te­ten und lie­ßen über­haupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte …

Die Predigt des Reverend Sprague aus St. Petersburg

In die Aben­teu­er von Tom Sawy­er hat Rever­end Spra­gue zwei Mal die Gele­gen­heit für eine Pre­digt. Das eine Mal spricht er über dies und das und das ande­re Mal ist er ein Tau­send­sas­sa um die Rea­li­tät in den gewünsch­ten Far­ben leuch­ten zu las­sen. Nichts neu­es im Wes­ten also.  Ganz zu Beginn des Buches erle­ben wir einen Sonn­tag von Tom (Her­vor­he­bun­gen von mir): „Und jetzt kam die Pre­digt. Es war eine gute, leut­se­li­ge Pre­digt und ging bis ins ein­zel­ne. Sie beschäf­tig­te sich mit der Kir­che und mit den Kin­dern der Kir­che; mit den ande­ren Kir­chen des Dor­fes; mit dem Dor­fe selbst; mit dem Lan­de; mit dem Staat; mit den Behör­den der ein­zel­nen Staa­ten; mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten; mit dem Kon­greß; mit dem Prä­si­den­ten; mit den Staats­die­nern; mit den armen, sturmum­tos­ten See­fah­rern; mit den unter dem Joch ihrer Mon­ar­chen seuf­zen­den Mil­lio­nen Euro­pas und des Ori­ents; mit den Glück­li­chen und Rei­chen, die nicht Augen haben, zu sehen und Ohren, zu hören; mit den armen See­len auf fer­nen Inseln; und schloß mit der Bit­te, daß sei­ne Wor­te auf guten Boden …