Alle Artikel in: Sachbücher

Sharon James: „Der, die, was?“

Eine Gast­re­zen­si­on von Caro­lin Schmitt: Mitt­ler­wei­le ist es kaum zu ver­mei­den, dass man mit der gen­der­ge­rech­ten Spra­che kon­fron­tiert wird und in immer mehr Tex­ten Schreib­wei­sen wie Kund:innen oder Verkäufer:innen liest. Ich ver­mu­te, dass vie­len Eltern – egal ob Chris­ten oder Nicht-Chris­­ten – über­haupt nicht bewusst ist, wie gezielt wir und vor allem die nächs­te Genera­ti­on mit die­ser Ideo­lo­gie indok­tri­niert wer­den. Sharon James gibt auf den 172 Sei­ten einen sehr guten Über­blick über die Ursprün­ge und Hin­ter­grün­de sowie die Inhal­te der Gen­­der-Ideo­­lo­­gie. Sie argu­men­tiert klar und fun­diert, dass es beim Gen­­der-Main­stre­a­­ming um eine Ideo­lo­gie geht, da die Theo­rie mit wis­sen­schaft­li­chen Argu­men­ten nicht beleg­bar ist. Die Theo­rie, die besagt, dass es zwi­schen dem bio­lo­gi­schen Geschlecht (eng­lisch sex) und einem gesell­schaft­li­chen bzw. aner­zo­ge­nen Geschlecht (eng­lisch gen­der) einen Unter­schied gibt, lässt sich in kei­ner Wei­se durch eine wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge bewei­sen, schreibt die Autorin. Dar­über hin­aus spre­chen für den ideo­lo­gi­schen Cha­rak­ter zahl­rei­che Bei­spie­le, die in dem Buch auf­ge­führt wer­den. Immer wie­der wer­den Fak­ten in der Öffent­lich­keit und in den Medi­en geleug­net. Berich­te von Men­schen, die nach Jah­ren eines Lebens im …

Kierkegaards Sprung

Heu­te berich­tet Udo Schmitt dar­über, wie er durch das Werk Kier­ke­gaar­ds zur Schrift und zum Glau­ben geführt wur­de: Durch die Rezen­si­on einer neu­en Bio­gra­phie über den däni­schen Phi­lo­so­phen Sören Kier­ke­gaard (Buch­hin­weis: Der alte Freund Kier­ke­gaard – Han­ni­el bloggt.) wur­de ich dar­an erin­nert, wel­che bedeu­ten­de Rol­le die­ser Mann in mei­nem Leben gespielt hat. Vie­le klu­ge Köp­fe haben schon wis­sen­schaft­li­che, theo­lo­gi­sche oder phi­lo­so­phi­sche Abhand­lun­gen über ihn geschrie­ben. Mein kur­zer Bei­trag ist dage­gen ledig­lich eine Beschrei­bung mei­nes per­sön­li­chen Erle­bens eines klei­nen Aspekts sei­ner Gedan­ken über den Glau­ben. Gleich im ers­ten Semes­ter mei­nes Phi­­lo­­so­­phie-Stu­­di­ums begeg­ne­te ich dem Werk Kier­ke­gaar­ds. Da er in sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen immer wie­der auf die Bibel Bezug nahm, muss­te ich mich wohl oder übel mit die­sem Buch beschäf­ti­gen. Also las ich die Bibel inner­halb weni­ger Tage vom Anfang bis zum Ende.  Als ich nach den letz­ten Zei­len der Offen­ba­rung das Buch zuschlug, war ich sicher, dass dies das Wort Got­tes ist. Nur wenig spä­ter wur­de ich durch das Wun­der der Wie­der­ge­burt geret­tet. Aus­sa­gen Kier­ke­gaar­ds wie „Der Glau­be beginnt gera­de da, wo das Den­ken auf­hört“ erwe­cken den …

„Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.“

Blog­ger Vik­tor (ich emp­feh­le sei­nen exzel­len­ten Arti­kel über die Petrus­schlüs­sel) hat mich auf den exak­ten Wort­laut der zwei Para­gra­phen zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen gemacht. Ich stau­ne über den uner­war­te­ten Pro-Life Wort­laut. So heißt es in §219, Absatz 1: “ Die Bera­tung dient dem Schutz des unge­bo­re­nen Lebens. Sie hat sich von dem Bemü­hen lei­ten zu las­sen, die Frau zur Fort­set­zung der Schwan­ger­schaft zu ermu­ti­gen und ihr Per­spek­ti­ven für ein Leben mit dem Kind zu eröff­nen; sie soll ihr hel­fen, eine ver­ant­wort­li­che und gewis­sen­haf­te Ent­schei­dung zu tref­fen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Unge­bo­re­ne in jedem Sta­di­um der Schwan­ger­schaft auch ihr gegen­über ein eige­nes Recht auf Leben hat und daß des­halb nach der Rechts­ord­nung ein Schwan­ger­schafts­ab­bruch nur in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen in Betracht kom­men kann, wenn der Frau durch das Aus­tra­gen des Kin­des eine Belas­tung erwächst, die so schwer und außer­ge­wöhn­lich ist, daß sie die zumut­ba­re Opfer­gren­ze über­steigt. Die Bera­tung soll durch Rat und Hil­fe dazu bei­tra­gen, die in Zusam­men­hang mit der Schwan­ger­schaft bestehen­de Kon­flikt­la­ge zu bewäl­ti­gen und einer Not­la­ge abzu­hel­fen. Das Nähe­re regelt das Schwan­ger­schafts­kon­flikt­ge­setz.“ Zur Gegenüberstellung: …

Meine Real Life Story (und die Sache mit Gott) 

Phil­ipp Micken­be­cker ist 23 Jah­re alt; mit sei­nem Bru­der Johan­nes und Freun­den betreibt er einen You­Tube Kanal mit Mil­lio­nen­reich­wei­te (The Real Life Guys). Auf ihrem Kanal bau­en sie ein U‑Boot, brin­gen eine Bade­wan­ne zum Flie­gen, oder kon­stru­ie­ren eine Ach­ter­bahn in einem Bau­markt. Dabei wol­len sie Jugend­li­che dazu moti­vie­ren, statt ihre Zeit vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, sich zurück ins rea­le Leben zu bege­ben, und sel­ber Din­ge zu unter­neh­men. Ihr Mot­to: «Do Some­thing». Phil­ipp bekam Mit­te 2020 sei­ne drit­te Krebs­dia­gno­se. Kurz davor ver­öf­fent­lich­te er sei­ne per­sön­li­che Real Life Sto­ry. Ich habe das Hör­buch dazu auf Spoti­fy ange­hört, dass der Autor sel­ber vor­liest.   Phil­ipp wuchs in einem christ­li­chen Eltern­haus auf und wur­de anfangs zu Hau­se unter­rich­tet. Doch ab der vier­ten Klas­se muss­ten er und sei­ne Geschwis­ter (neben sei­nem Zwil­lings­bru­der Johan­nes hat­te er noch eine Schwes­ter) an eine offi­zi­el­le Schu­le wech­seln, weil Home­schoo­ling in Deutsch­land nicht erlaubt ist. Zuhau­se lern­ten sie aus Inter­es­se. An der neu­en Schu­le wur­de die­ses Prin­zip umge­kehrt: die Leh­rer ver­ord­ne­ten den Lern­stoff. Die Schu­le wur­de, wie er schreibt, für sie zum Gefäng­nis. Aus Lan­ge­wei­le gestal­te­ten sie sich den Schul­all­tag selbst spannender, …

Demokratie, Freiheit und christliche Werte: Liebe heilt die Gesellschaft

Rezen­si­on Hans­jürg Stü­ckel­ber­ger: Demo­kra­tie, Frei­heit und christ­li­che Wer­te: Lie­be heilt die Gesell­schaft Hans­jürg Stü­ckel­ber­ger war von 1956 bis 1995 Lan­des­kir­chen­pfar­rer an drei Orten in der Schweiz. Am 07.12.2020 hat er sei­nen 90. Geburts­tag gefei­ert. Im Ver­lauf sei­nes Lebens hat er meh­re­re Mis­­si­ons- und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen gegrün­det. Dafür hat er alle fünf Kon­ti­nen­te bereist und mit vie­len Men­schen gespro­chen. Er stell­te sich die Fra­ge: War­um leben eini­ge Gesell­schaf­ten in Demo­kra­tie, Wohl­stand, Frie­den und Frei­heit und ande­re nicht? Sein neu­es Buch lie­fert Ant­wor­ten. Es trägt den Titel: „Demo­kra­tie, Frei­heit und christ­li­che Wer­te: Lie­be heilt die Gesell­schaft“ (Esras.net 2020). Das Buch bie­tet eine tref­fen­de Zusam­men­fas­sung der Kir­chen­ge­schich­te, wie Jesus Chris­tus mit der Bibel die Welt geprägt hat. Das Titel­bild nimmt den Inhalt des Kapi­tels über die bibli­schen Wer­te gleich vor­weg: es zeigt einen Baum mit tie­fen Wur­zeln, einen dicken Stamm und saf­ti­ge Früch­te. Das Bild ist aus Psalm 1 ent­lehnt: Wer Got­tes Wort beach­tet, „ist wie ein Baum, gepflanzt an den Was­ser­bä­chen, der sei­ne Frucht bringt zu sei­ner Zeit, und sei­ne Blät­ter ver­wel­ken nicht“ (Ps 1,3). Das Wur­zel­werk sym­bo­li­siert das …

Lexikas zu unterschiedlichen Bereichen

Dank Logos, grei­fe ich ver­mehrt auf Bibel­le­xi­kas und theo­lo­gi­sche Wör­ter­bü­cher zurück. Eine Aus­wahl der Most-Reads 2020: Der Klas­si­ker Ich glau­be das von Rien­ecker ins Leben geru­fe­ne Lexi­kon, das von G. Mai­er, Lan­des­bi­schof a.D. wei­ter­ge­führt wur­de, dürf­te schon seit Jahr­zehn­ten ein Klas­si­ker sein. Der Umfang die­ses Lexi­kons ist immer noch für jeden Lai­en zugäng­lich, dabei bril­lie­ren die Arti­kel durch zahl­rei­che Bibel­stel­len­an­ga­ben. Tipp: „Leben­di­ge Begrif­fe“ (Wie Ver­söh­nung, See­le, Schlaf, Spra­che…) lesen und alle Bibel­stel­len dazu betrach­ten. Ein Tur­boboost, um anzu­fan­gen, Begrif­fe biblisch zu den­ken und anzu­wen­den.   Der Digi­ta­le Viel zu spät und eher zufäl­lig habe ich wibilex ent­deckt. Im Grun­de wie Maier/Rienecker, aber deut­lich umfang­rei­cher, aber lei­der auch weni­ger bibel­treu. Ansons­ten bril­lie­ren die Arti­kel durch zumeist wis­sen­schaft­li­che Qua­li­tät und schlie­ßen auch theo­lo­gi­sche Begrif­fe und geschicht­li­che Ent­wick­lun­gen mit ein, die außer­halb des bibli­schen Tex­tes ste­hen. Im Grun­de genom­men so etwas, wie ein reli­giö­ses Wikipedia.

Wie können wir denn lesen? — Folge 2

Die­ser Arti­kel besitzt einen Vor­läu­fer. Lese hier. Es sind der Pre­dig­ten unzäh­li­ge, die nach unab­än­der­li­chem Mus­ter ablau­fen: Aus­ge­hend von einem Text wie z.B. Joh.10, der über die Zuver­läs­sig­keit und Ver­trau­ens­wür­dig­keit des guten Hir­ten Jesus spricht, kon­zen­trier­te sich der Pre­di­ger die zwan­zig bis drei­ßig Minu­ten sei­ner Pre­digt nahe­zu aus­schließ­lich dar­auf, zu erläu­tern, dass die­se Ver­hei­ßung uns nicht leicht­fer­tig machen soll, es vor allem dar­um geh, den guten Hir­ten zu hören und mit ewi­ger Heils­ge­wiss­heit hat die­ser Text sowie­so erst ein­mal nichts zu tun. An die­ser Stel­le möch­te man jedes Mal fra­gen: Wie­so steht nicht genau das im Text. Was nützt das Gere­de vom Sko­pus, wenn er dich über­haupt nicht inter­es­siert? Wie­so sagt Jesus, oder zumin­dest die Apos­tel an einer ande­ren Stel­le, als Dis­kus­si­on die­ser Bege­ben­heit, etwas dar­über, dass die Zuhö­rer doch bit­te mit all die­sen Ver­hei­ßun­gen nicht über­trei­ben sol­len. Das man die­sen Text schnell miss­brau­chen kann und dass man jetzt unbe­dingt hin­zu­fü­gen muss, dass es vor allem dar­um geht, aus­zu­hal­ten (und eben nicht um die Ver­trau­ens­wür­dig­keit des Hir­ten). Im Übri­gen, pas­siert das auf der ande­ren Seite …

Christentum und Gesellschaft

Ist die Fra­ge, ob Gott exis­tiert von Bedeu­tung? Heut­zu­ta­ge darf doch jeder nach sei­ner Façon glück­lich wer­den. Jochen Klein, Autor und Leh­rer, ist der Ansicht, „dass die Fra­ge nach Gott für einen Men­schen eine gro­ße Rol­le spielt. Des­halb legt er mit „Chris­ten­tum und Gesell­schaft“ eine knap­pe Über­blicks­dar­stel­lung vor. In den sechs Kapi­teln nimmt Klein sei­ne Leser mit auf einen Schnell­durch­lauf durch Kirchen‑, Phi­lo­so­phie und Gesell­schafts­ge­schich­te. Er möch­te auf­zei­gen, „wie und auf wel­chem Weg man Gott fin­den kann und wie Men­schen ihn im Lauf der Jahr­hun­der­te gefun­den haben“. Im ers­ten Kapi­tel stellt er die rasche Aus­brei­tung des Chris­ten­tums dar. Anschlie­ßend fokus­siert sich der Autor auf die Bedeu­tung der Bibel für das Volk. Bevor Mar­tin Luther sei­ne Bibel­über­set­zung auf den Markt brach­te, gab es bereits 18 gedruck­te deut­sche Bibeln und nach­weis­lich 60 Teil­bi­bel­ab­dru­cke. Doch dem Got­tes Wort stell­te sich das ein­zel­ne Indi­vi­du­um in den Weg… (wei­ter­le­sen auf lesendglauben.de)

Rezension: „Preaching?“ von Alec Motyer

Alec Moty­er mau­sert sich zuneh­mend zu mei­nem Lieb­lings­an­gli­ka­ner. Auf den 2016 ver­stor­be­nen Theo­lo­gen bin ich übri­gens durch Tim Kel­ler auf­merk­sam gewor­den, der Moty­er nebst Clow­ney zu den Men­schen lis­tet, die ihn als Pre­di­ger am meis­ten geprägt haben. Moty­er dürf­te mit Sott und Packer zu den bedeu­tends­ten Evan­ge­li­ka­len Angli­ka­nern des 20ten Jahr­hun­derts zäh­len, ist aber offen­sicht­lich in Deutsch­land nur wenig bekannt. Auf jeden Fall ist die­ses kur­ze Werk (mit dem lei­der wenig anspre­chen­den Cover) eine wert­vol­le Hil­fe nicht nur für ange­hen­de Pre­di­ger, son­dern für jeden, der nach Wegen sucht, sei­nen Nächs­ten bibli­sche Tex­te bes­ser zu erklä­ren. Trotz sei­ner Kür­ze bleibt das Werk sehr umfas­send. Moty­er legt sich nicht auf einen bestimm­ten Pre­digtstil fest und befür­wor­tet sowohl Pre­dig­ten über gan­ze Bibel­bü­cher, über the­ma­ti­sche Wort­stu­di­en oder über bibli­sche Per­so­nen. Dabei bespricht er sechs Metho­den, wie er vom Bibel­text zur Pre­digt kommt. Was er auf jeden Fall ablehnt ist, das man bloß nach einem bibli­schen Text sucht, der als „Sprungram­pe“ für ein The­ma dient, wel­ches man sich eigent­lich schon längst aus­ge­sucht hat, und das meis­tens nur wenig mit dem …

Monatliche Auslese

Jakob Had­dick ist Pas­tor und äußerst flei­ßi­ger Leser. Monat­lich ver­öf­fent­licht er Kurz-Rezen­­si­o­­nen auf gele­se­ne Bücher. Eine gute Quel­le um Impul­se für neu­es Lese­ma­te­ri­al zu fin­den. In Zukunft wol­len wir auf NIMM-LIES regel­mä­ßig auf sei­ne Hin­wei­se ver­wei­sen. Im Juli 2020 bestand sei­ne Lek­tü­re aus: Bern­hard Ott: Hand­buch Theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung John Lennox: Vor­her bestimmt? Lau­ra Van­der­kam: Juliet’s School of Pos­si­bli­ties Bar­ba­ra Oak­ley: Minds­hift Zum Arti­kel geht es hier lang.