Alle Artikel in: Kirchengeschichte

Tipp: Ein Leben im Einsatz

Es war der Wunsch von Pastor Wilhelm Busch, dass nach seinem Heimgang keine Biografie über ihn erscheint. Ich bedauere diesen Wunsch, und bin deshalb froh, dass es das Buch Plaudereien in seinem Studierzimmer aus seiner eigenen Feder gibt, und dass Ulrich Parzany einen Einblick in Buschs Leben und Wirken im Buch Ein Leben im Einsatz gegeben hat. Ein Leben im Einsatz ist zuerst vor einigen Jahrzehnten und jetzt in der 2. und 3. Auflage überarbeitet bei Christliche Buchhandlung Bühne erschienen. Ich will mich diesmal mit einigen gewonnenen Erkenntnissen und Zitaten begnügen. Busch war zunächst kein Pazifist im privaten Bereich. Erst durch das Lesen von Der französische Protestantismus von Joseph Chambon kam er zur Überzeugung, dass ein Christ sich nicht wehrt und Gewalt ausgeschlossen ist. In unserem Jugendkreis wurde dieses Buch studiert. Wir sahen auf einmal, was zu tun ist. (…) Wir begriffen auf einmal, was das heißt: Ich stelle mich hin und lass mich schlagen und beschimpfen. Und das ist der Weg Jesu, wie er nach Golgatha ging. S. 132 Busch gab sich Mühe, den immer mehr …

Buchbesprechung: The Reformers and Their Stepchildren

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sponserte die amerikanische Calvin Foundation eine Reihe von Beiträgen zum Thema „Die Reformatoren und ihre Stiefkinder“ (The Reformers and Their Stepchildren). Ziel dabei war die Auswertung der zahlreichen Quellen zur Beziehung zwischen den Reformatoren und dem „linken“ Flügel, den Radikalen der Reformation. Der Autor stellt sich klar auf die Seite des linken Flügels. Verduin bekennt (S. 276): In diesem Band bekommen die Radikalen der Reformation eine freundlichere Behandlung, als sie es insbesondere in der reformatorischen Tradition gewohnt sind. Es gibt zwei Gründe für diese sympathisierende Behandlung: Einer davon ist, dass viele Positionen der Stiefkinder der Reformation mit der Zeit in die reformierte Bewegung aufgenommen wurden. Zudem kann man sehr gut von ihnen reden, bis man ebenso eines Vorbehalts schuldig wird, wie diese, die böse von ihnen sprachen (eigene Zusammenfassung). Stiefkinder der Reformation, diesen Titel gibt der Autor den „ketzerischen“ und „schwärmerischen“ (hier sind die Anführungszeichen bewusst gesetzt, da beide Begriffe denunzierend verwendet wurden) Strömungen in der Reformationszeit. Kinder der Reformation waren diese insoweit, dass sie mit den Prinzipien …

Das Problem mit dem Kanon…

Die Problemstellung ist einfach: Offensichtlich schrieb der Bischof Athanasius 367 einen Osterbrief, in welchem er die 27 Bücher des NT definierte. Die Fragen liegen auf der Hand. War also fast 350 Jahre Unklarheit darüber, welche Bücher inspiriert waren und welche nicht? Konnte, als die Kirche bereits verstaatlicht wurde (313 wurde Konstantin der Große Oberhaupt der Kirche), mehrere arianische Kaiser geherrscht haben, und die Urkirche am Abklingen war, festgestellt werden, welche Schriften inspiriert sind? Wer gibt dann Gewähr, dass Athanasius in diesem Punkt recht hatte. Selbst wenn man auf den Konzil von Nizäa verweisen möchte, wird die Angelegenheit nicht besser. Und im Ernst, schon der Titel „Bischof“ macht einen skeptisch. Im Übrigen nutzt die katholische Kirche genau diese These, um zu untermauern, dass kirchliche Autorität und Schrift gemeinsam Hand in Hand gehen. Die Größere Hand hat dabei natürlich die Kirche. Siehe hier einen zugegebenermaßen wirren Artikel der Piusbrüder. Lange blieb es für mich ein Rätsel, wie man diesen Knoten löst. Nicht das Zweifel an der Autorität des Wortes aufkamen, aber ein seltsames Gefühl, seine ganze Hoffnung …

Was die Reformatoren nicht zu Ende dachten

Die Fünfhundert-Jahr-Feier zur Reformation habe ich persönlich genutzt, um mich ausführlicher mit verschiedenen Positionen Luthers und auch anderer Reformatoren zu befassen. Luther ist in der Tat in vielen Fragen als Pionier zu sehen, andererseits jedoch sind von anderen Streitgenossen noch weniger Schriften verfügbar. Generell will unsere Zeit sich nicht allzu viel von den Reformatoren reinreden lassen. Nun habe ich mich auch lange genug vor einer intensiven Befassung mit der Reformation gescheut, da man tief in seinem Inneren eine Angst spürt, Antworten zu hören, die einem nicht gefallen könnten. Positionen, die einem nicht gefallen könnten, hat man ja an Luther genug, der (angebliche) Antisemitismus Luthers wurde ja in den Medien passend zur Jahrhunderfeier oft genug erwähnt. Vielleicht ist auch eine typisch freikirchliche Haltung in mir tief schlummernd, die generell sich hütet, allzu vielen Fragen nachzugehen. Eine Haltung übrigens, die ich natürlich immer verwerfen würde, die aber doch im Stillen mitklingt, auch in Gesprächen mit anderen. Jedoch halte ich an einem fest, nämlich dem, dass es keine Frage geben kann, die nicht in einen Bezug oder Zusammenhang …

Martin Luther: Von dem Papsttum zu Rom, wider den hochberühmten Romanisten zu Leipzig

Wieder ein kleiner erläuternder Ausschnitt aus einer Werkseinführung von Pierre Bühler: „Die Bezeichnung „Romanist“ meint hier (…) Römling, Romanhänger, Verfechter des römischen Papsttum. Ein solcher war der Franziskanermönch Augustin Alfeld (…). Er schrieb im April 1520 eine lateinische Schrift gegen Luther, mit der Absicht, aus der Bibel zu beweisen, dass das Papsttum zu Rom auf göttlichem Recht beruhe. Luther hielt sie nicht einer Erwiderung wert und beauftragte Lonicer mit einer Antwort, die ungefähr zeitgleich mit einer weiteren Erwiderung, durch Bernhardi, erschien. Allfelds Schrift hatte denn auch durch ihre Mängel in den eigenen Reihen Entsetzen gestiftet.

Tipp: Das Evangelium nach Rom

Vorerst muss ich mich wohl für die lange Auszeit entschuldigen. Tatsächlich habe ich aufgrund diverser persönlicher Projekte letztes Jahr kaum geschafft neben der Bibel weitere Bücher zu lesen. Im Übrigen ist manchmal etwas Distanz zu den ganzen Schriften durchaus heilsam. Vor einigen Wochen hatte ich einen meiner Freunde zu Besuch, der ein überzeugter Katholik ist und zudem auch in früher Kirchengeschichte promoviert. Zwar nahm ich diese Tatsache immer als Grund um ihn darauf hinzuweisen, dass z. B. die Didache ganz klar von einer Erwachsenentaufe spricht, aber ansonsten habe ich bisher von Maßnahmen abgesehen auf die Fehler der katholische Kirche hinzuweisen. Tatsächlich habe ich hierin wohl zu viel Gleichgültigkeit gehabt, gemäß dem Motto, seriöse Katholiken gäbe es ja eh kaum im Freundeskreis. Nun musste ich eingestehen, dass ich zu wenig über den Katholizismus weiß, um einen überzeugten Katholiken auf Missstände in der Lehre Roms hinweisen zu können.

CD: Der Meister ist da und ruft dich

Im Gegensatz zum Reformator Martin Luther sind Veröffentlichungen zu den Vertretern der Täuferbewegung eher spärlich gesät. Daher bin ich dem Verlag Hirtenstimme dankbar, der die vorliegende Erzählung über die prägende Gestalt Menno Simons veröffentlicht hat. Als Baptist und somit konfessionsverwandt mit Mennoniten, interessiert mich das Leben Menno Simons mehr als oberflächlich und so bestellte ich die CD bald nach Erscheinen. Eine Bekannte war die erste Hörerin und ich war etwas überrascht über ihre Reaktion. Sie hört gerne und viele Hörbücher, beendete dieses jedoch nach wenigen Minuten und gab es mir zurück. Ich konnte ihre Reaktion nachvollziehen. Der Sprecher Gerhard Wölk – ein geschätzter Gemeindediener – hat einen starken russisch-plattdeutschen Akzent, an den man sich gewöhnen muss. Wenn man sich die Mühe macht, den Epilog konzentriert durchzuhören, und die an einigen Stellen etwas umständlichen Formulierungen meistert, eignet sich dieses Hörbuch sehr schön, um einige Episoden aus dem Leben Menno Simons und der Geschichte der Täuferbewegung zu erfahren. Simons wird nicht als unfehlbar dargestellt, eine Beweihräucherung liegt dem Autor des Hörbuchs merklich fern. Sehr wohltuend ist, dass …

Gesichter und Geschichten der Reformation (Roland Werner und Johannes Nehlsen (Hrsg.))

Diese Stellungnahme war wirklich nicht geplant. Zunächst freute ich mich über diese „dicke“ Weihnachtsgabe Gesichter und Geschichten der Reformation, Fontis – Brunnen Basel. Dieses umfangreiche Werk enthält der Anzahl der Tage eines Jahres entsprechend 366 Kurzbiographien chronologisch zusammengestellt, die unter dem obigen Titel subsumiert sind. Das Buch ist lesefreundlich aufgemacht und täglich vermag man dem Umfang ca. einer Seite entsprechend etwas über Männer und Frauen sowie herausragende Persönlichkeiten der Kirchengeschichte zu erfahren. Das ist eine empfehlenswerte Idee. Es sind viele Beiträge inspirierend und glaubensstärkend. Es ist ermutigend, wenn man liest, wie unser großer Gott und Heiland Jesus Christus sich oft genug durch schwache Werkzeuge verherrlicht hat. Doch je mehr ich hineinschaute und erkennen musste, wer hier aller als Vorbild und Beispiel porträtiert wurde, desto frustrierter, um nicht zu sagen entsetzter, wurde ich. Es finden sich in dieser Zusammenstellung nicht nur die klassischen Reformatoren und so begnadete Missionare und geistliche Vorbilder wie Adoniram Judson, Hudson Taylor, David Livingstone, Georg Müller usw., sondern auch Mystiker, Schwärmer und Bibelkritiker. So habe ich mir nun schweren Herzens vorgenommen, auf …

Buchbesprechung: Geschichte und Gott

Ich bin fest davon überzeugt, dass zwar jedermann davon redet, wie wichtig und hilfreich solide Geschichtskenntnisse sind, doch gleichzeitig sich kaum einer um solche bemüht. Das zeigt ein Blick auf das Angebot christlicher Bücher zum Thema Kirchengeschichte. Betrachtet man das Thema Geschichte allgemein ist eine Deutung aus christlicher Sicht noch seltener zu finden. Am ehesten findet man hier noch Material aus dem Mittelalter (z. B. die Weltchronik oder die Geschichte der zwei Staaten von O. v. Freising von 1146) oder von den Pietisten des vorletzten Jahrhunderts. Nun wurde diese wichtige Lücke geschlossen und ein grundlegendes Werk zur Interpretation der Weltgeschichte erschien vor einigen Wochen bei CV Dillenburg. Geschichtsdichtung unterliegt immer der Interpretation durch den Betrachter. Dies bedeutet für den Christen, dass ein Forschen in der Schrift und eine Grundhaltung des Vertrauens gegenüber Gott ihm helfen können, die Geschehnisse vergangener Zeiten besser deuten zu können.

Tipp: Paläste und Katakomben

In einem Gebrauchtwarenladen bin ich auf zahlreiche hochwertige Bücher gestoßen, darunter eine 21-bändige Reihe zur Weltgeschichte, zwar nicht vollständig erhalten, dafür umso günstiger. Diesen Kauf sollte ich nicht bereuen. Zwar 1951 erschienen, zeichnen sich diese Werke durch hohe Genauigkeit und zahlreiche Quelltexte aus. Ich griff zu dem Band, der die Zeit beschreibt, die mir am wenigsten bekannt zu sein scheint, was zumindest die Geschichte Europas angeht: Das Zeitalter, das der Apostolischen Zeit folgt. Da es sich um ein säkulares Werk handelt, wird vor allem das Leben, die Bildung, die Kunst und natürlich vor allem die Herrscher im römischen Reich erläutert. Dies geschieht in einer bildlichen und erzählenden Sprache. Somit müsste man dieses Werk als nicht mehr zeitgemäß bezeichnen, da zeitgenössische Historiker Geschichte dynamisch und als Objekt kühler und kritischer Interpretation sehen. Moralische Schlussfolgerungen bleiben zweitrangig (interessanterweise spielt die ethische Anwendung der Geschichte heutzutage nur beim Thema „drittes Reich“ eine relevante Rolle).