Alle Artikel in: Gedichte/Lyrik

Ein Gedicht von Kurt Tucholsky
Augen in der Großstadt

Seit vor einigen Tagen die Maskenpflicht in einem Großteil der Innenräume gefallen ist, habe ich mich  wiederholt gefragt, wie ich das so einfach zulassen konnte, mit so einer Übermenge an irren und unmenschlichen Maßnahmen mitzumachen. Ich beobachte, wie ich gierig die Gesichter meines Gegenüber lesen will und wie sehr mir das die letzten zwei Jahre gefehlt hat. – Gefehlt hat? Ist es nicht ein Stückweit die anonyme Individualität der Verstädterung die in der Gesichtsvermummung vollendet wird? Ich auf jeden Fall, entdecke die Freiheit aufs Neue, auch dem hässlichen, unangenehmen, böse drein blickenden Bürger frisch entgegenzublicken und zu rufen: „Grüß Gott“, „Das Leben ist schön“, „Hallo“, „Jesus lebt“ oder was auch immer. Wie sehr hat mir das gefehlt! Ein Grund Freiheit radikal neu zu entdecken! Das wiederum erinnert mich besonders an das Gedicht „Augen in der Großstadt“. Unter den vielen prägnanten und ausdrucksvollen Gedichten und Prosatexten Tucholskys (eine gute Auswahl findet sich hier), passt das heute besonders gut.. Kurt Tucholsky, der die Katastrophe des Nationalsozialismus nahezu prophetisch bevorsah, überlebte seine Enttäuschung am Untergang seines Vaterlandes nicht, …

Ein christliches Lied, das Deutschland zur Buße ermahnt

Es ist schon einige Jahrhunderte her, es war im Jahr 1561, da verfasste Johann Walter im Rückblick auf die damals gerade von Gott geschenkte Reformation das folgende Gedicht:  1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land! Du hast genug geschlafen, bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen. Bedenk, was Gott dir hat gesandt und dir vertraut sein höchstes Pfand, drum magst du wohl aufwachen. 2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt mit seinem Wort der Gnaden. Ein großes Licht dir auch beschert und hat dich lassen laden zu seinem Reich, welchs ewig ist, dazu du denn geladen bist, will heilen deinen Schaden. 3. Gott hat dir Christus, seinen Sohn, die Wahrheit und das Leben, sein liebes Evangelium aus lauter Gnad gegeben; denn Christus ist allein der Mann, der für der Welt Sünd gnug getan, kein Werk hilft sonst daneben.

Brief an einen Dauerzocker

Lieber Zocker Vielleicht wird dich dieser Brief ärgern. Das wünsche ich mir eigentlich. Weil mir Unwille und Widerstand lieber sind als passives Hinnehmen. Passivität deutet nämlich auf Enttäuschung hin. Könnte es sein, dass du zu einem bestimmten Zeitpunkt resigniert hast? Für Jungs ist die Schule ein Ort für solche Enttäuschungen. Sie ist öde. Die Inhalte gefallen nur Mädchen, die brav Vokabeln büffeln. Dabei hättest du es wahrscheinlich faustdick hinter den Ohren, ich meine damit (auch) im Kopf. Nur ist dein Kopf nicht gleichermassen trainiert wie deine Finger. Ich frage mich, was wohl geschehen würde, wenn du konsequent dein Hirn trainieren würdest! Zugegeben, das braucht einige Jährchen. Doch jetzt sitzt du die beste Zeit deines Lebens ab, als ob es nichts Spannenderes geben würde als auf eine kleine Glastafel zu gucken (oder auf das Tablet bzw. den PC). Und ich befürchte, dass es tatsächlich nichts Spannenderes gibt. Sonst würdest du es nicht ständig tun. Ein gescheiter Mann hat gesagt: Wer ein Wozu hat, erträgt fast jedes Wie. Und ich füge hinzu: Wer kein Wozu hat, testet fast …

Mein Volk, das in vergang’nen Tagen

Vor einigen Jahren bin ich auf dieses Lied gestoßen, dass ich gerne mit euch teilen würde, da der Inhalt doch ungewöhnlich ist im Vergleich zu vielen der anderen alten Glaubenslieder: 1. Mein Volk, das in vergangnen Tagen des Herren Banner fröhlich schwang, dazu, von hohem Geist getragen, so himmlisch schöne Lieder sang, wo ist denn deiner Väter Glauben, ihr‘ feste Burg, ihr‘ Waff und Wehr? Du ließt dein höchstes Gut dir rauben von einem ganzen Höllenheer! 2. Mein Volk, das in verfloss’nen Zeiten mit einer heiligen Geduld, verfolgt, erträgt die schwersten Leiden, gestützt auf Gottes Vaterhuld, kaum sah’n wir dich dem Leid entrinnen, so warfst du dich zum Herrscher auf, um schnell am Faden fortzuspinnen, wo Rom verlor den blut’gen Lauf! 3. Mein Volk, das einstens protestierte voll Kühnheit wider Trug und Wahn, dass schnell dein Geist, der lang‘ verirrte, betrat der Wahrheit lichte Bahn. Ist jener Kampf denn schon beendet, im Geist besiegt der Lügner Rott‘? Weh‘ dir, du hast dein Herz gewendet, bekämpfst das Licht nun selbst mit Spott! 4. Mein Volk, erwach aus …

Sarah und die Verheißung

Sie waren hochbetagt und alt, Die Füße langsam, die Hände kalt, Doch als Gott sie erwählte vor der Welt, Da folgten sie treu, es hielt sie kein Geld. Gott sagte nicht viel, doch deutlich sein Wort Abram, du musst ziehen an einen anderen Ort Überhäuft wirst mit Segen du in der fremden Au, Dein ganzes Geschlecht und auch deine Frau. Abraham glaubte dem was Gott hier sagte, Der Weg war weit, doch keiner klagte, Auch Sarah folgte Schritt um Schritt Durch Nacht und Wüste ging ihr Ritt. Wie sieht er aus, dieser neue Segen? Sarah fühlte eine neue Hoffnung sich regen. Gott sprach: ich werde euch mehren, Die Frau konnte kaum dem Zweifel wehren. Und als sie nach langer Reise Last Fanden in Kanaan ihre Rast, Wo blieb da bloß der Verheißung Brot, Im Lande herrschte Hunger, sogar der Tod. Bei Abraham wurden die Sorgen groß In Ägypten, dacht er, da finden wir Trost, Sara sah die Schwäche des Gatten Doch würde sie ihn niemals verraten. An den sie sich lehnte, der Mann, Der floh …