Alle Artikel in: Episoden aus Spurgeons Leben

„Der Fürst der Prediger“ in einer Biographie für Kinder und Teens

Der Lebens­lauf Spur­ge­ons wird regel­mä­ßig neu auf­ge­ar­bei­tet, was bei einem Pre­di­ger durch­aus über­ra­schend sein kann, da ein Pre­di­ger nun mal etwas nach­geht, dass jedem bekannt sein dürf­te, näm­lich der Pre­digt. Nichts im Ver­gleich zu den zahl­rei­chen Prü­fun­gen und Aben­teu­ern eines Mis­sio­nars, oder? Den­noch haben wir uns als Fami­lie an die­se Bio­gra­phie Spur­ge­ons in kinds­ge­rech­ter Spra­che gewagt und haben die Kapi­tel als mor­gend­li­che Früh­stücks­lek­tü­re genos­sen. Jedes der zehn Kapi­tel des Buches, das den ers­ten Band einer bereits vier­tei­li­gen Rei­he dar­stellt, liess sich dabei gut auf meis­tens zwei Lesun­gen auf­tei­len. Dadurch, dass gezielt Sta­tio­nen des Lebens Spur­ge­ons her­aus­ge­sucht wer­den (Bekeh­rung, ers­te Pre­digt, Hei­rat, Brand in der Music Hall etc…) wer­den die Kin­der nicht mit zahl­rei­chen Infor­ma­tio­nen über­häuft und kön­nen den­noch eine rote Linie in der Ent­wick­lung Spur­ge­ons ver­fol­gen. Sehr posi­tiv her­aus­zu­he­ben ist, dass kei­ne Hagio­gra­phie betrie­ben wird, son­dern ein Mensch aus Fleisch und Blut dar­ge­stellt wird, der eben­falls mit Zwei­feln, Ver­un­si­che­run­gen und Anfäch­tun­gen kämpft. Dadurch lässt sich gut ver­mit­teln, dass hier ein Stück Heils­ge­chich­te statt­fin­det, da Gott eingreift,rettet und dafür einen Men­schen mit sei­nen Schwä­chen benutzt. Dadurch …

Ein technisches Gleichnis

„Bevor ich das Evan­ge­li­um kann­te, sam­mel­te ich die unter­schied­lichs­ten Kennt­nis­se aller Arten von Wis­sen­schaf­ten – mal hier­von, mal davon, ein wenig Che­mie, ein wenig Bota­nik, ein wenig Astro­no­mie, ein wenig dies, ein wenig das. Es war ein chao­ti­sches Durch­ein­an­der. Seit ich das Evan­ge­li­um ken­ne, ent­steht in mei­nem Gehirn Ord­nung: Alles bekommt sei­nen Platz. Mir scheint, daß ich, als ich Chris­tus ent­deck­te und ihn als gekreu­zigt, den Mit­tel­punkt des Sys­tems gefun­den hat­te, so dass ich nun jede wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis ein­ord­nen kann. Von der Erde aus gese­hen, bewe­gen sich die Pla­ne­ten völ­lig unge­ord­net. Erst die Kennt­nis des Son­nen­sys­tems gibt ihnen Kon­stanz und Ord­nung. So ist es mit dem Wis­sen. Begin­ne mit wel­cher Dis­zi­plin du willst – du hast immer nur die hal­be Wahr­heit. Beginnst du mit dem Wis­sen von dem gekreu­zig­ten Chris­tus, dann hast du die Son­ne, um die alle ande­ren Wis­sen­schaf­ten sich in voll­kom­me­ner Har­mo­nie bewe­gen. Chris­tus ist für mich die Weis­heit Got­tes. Seit ich Chris­tus, den Gekreu­zig­ten ken­ne, kann ich alles ler­nen.“ (C.H. Spur­ge­on; Alles zur Ehre Got­tes, Auto­bio­gra­phie S. 63) An kei­ner Stel­le sei­ner Autobiographie …

Durch viel Trübsal

Spur­ge­on berich­tet immer wie­der von den tie­fen Gewis­sens­bis­sen, die ihn als Teen­ager und Jugend­li­chen plag­ten: Mein Herz war Brach­land, mit Unkraut bedeckt, aber eines Tages kam der gro­ße Bräu­ti­gam und begann, mei­ne See­le zu pflü­gen. Er kam mit zehn schwar­zen Pfer­den, er benutz­te eine schar­fe Pflug­schar und zog tie­fe Fur­chen. Die schwar­zen Pfer­de, das waren die zehn Gebo­te, und es war die Gerech­tig­keit Got­tes, die mei­nen Geist wie eine Pflug­schar auf­riss. Ich war ver­dammt — hoff­nungs­los, hilf­los — ich dach­te, ich stün­de direkt vor der Höl­le. Dann kam eine neue Zeit des Pflü­gens in eine ande­re Rich­tung. Denn als ich das Evan­ge­li­um zu hören begann, trös­te­te es mich nicht. Ich wünsch­te wohl, dar­an Teil zu haben, aber ich fürch­te­te, eine sol­che Gna­de kom­me für mich nicht in Fra­ge.  Die aus­er­wähl­tes­ten Ver­hei­ßun­gen Got­tes blick­ten mich fins­ter an, und sei­ne Dro­hun­gen don­ner­ten auf mich her­ab. Ich bete­te, fand aber kei­ne Ant­wort des Frie­dens. Die­ser Zustand hielt lan­ge an. Es quäl­te Spur­ge­on zutiefst, dass er kei­nen Frie­den mit Gott fin­den konn­te. Sei­ne tie­fen Erfah­run­gen waren für sein geist­li­ches Leben von gro­ßer Bedeu­tung. Denn …

Eine Plauderei über Kommentare

In Lec­tures to my Stu­dents, — einer Samm­lung von Vor­le­sun­gen, die Spur­ge­on an sei­ner Bibel­schu­le hielt — stellt er im letz­ten Kapi­tel des Buches die Bibel­kom­men­ta­re vor, die er am nütz­lichs­ten fand. Da ers­tens alte Kom­men­ta­re wie­der neu auf­ge­legt wer­den, zwei­tens immer mehr Tex­te online zugäng­lich wer­den und drit­tens, es auch umfang­rei­che Modu­le für the­Word gibt, möch­te ich sei­ne Emp­feh­lun­gen vor­stel­len, die er sel­ber in die­ser Rei­hen­fol­ge emp­foh­len hat. Zuvor jedoch noch eini­ge Zita­te von Spur­ge­on über Bibel­kom­men­ta­re im All­ge­mei­nen: Wenn man fähig sein möch­te, die Hei­li­ge Schrift zu erklä­ren (…) wird es euch not­wen­dig wer­den, mit eini­gen Kom­men­ta­to­ren der Bibel bekannt zu wer­den: Sicher­lich seit ihr nicht sol­che Bes­ser­wis­ser, die den­ken und sagen, dass man die Hei­li­ge Schrift erklä­ren kann, ohne auf die Arbeit von Theo­lo­gen und Gelehr­ten zurück­zu­grei­fen, die vor euch in dem Feld der Aus­le­gung gear­bei­tet haben. Wenn ihr doch sol­cher Mei­nung seit, dann bleibt auch dar­in, denn ihr seit der Mühe einer Wider­le­gung nicht wert: Denn es scheint doch recht selt­sam, dass die Men­schen, die stän­dig davon reden, was der Hei­li­ge Geist ihnen offen­bart hat, …

C.H. Spurgeon und die Taufe

Spur­ge­on kam aus einem Hau­se, in dem er von sei­nem Groß­va­ter, der ein unab­hän­gi­ger Pas­tor war, als Kind getauft wur­de. Den­noch nahm er als 16-jäh­­ri­­ger noch­mals die Glau­bens­tau­fe an. Vie­le Ursa­chen führ­ten zu die­ser Ent­schei­dung. Eine davon liegt in einem Gespräch Spur­ge­ons mit einem angli­ka­ni­schen Pries­ter (man beach­te, dass Charles zu die­sem Zeit­punkt erst 11 Jah­re alt war): Geist­li­cher: Wie ist dein Vor­na­me? Spur­ge­on: Charles. G: Wer gab dir die­sen Namen? S: Das weiß ich lei­der nicht so genau. Ich ken­ne kei­ne Tauf­pa­ten, die jemals etwas für mich getan hät­ten, denn ich habe kei­ne. Ver­mut­lich haben mir mei­ne Eltern die­sen Namen gege­ben (…). G: Du bist also nie rich­tig getauft wor­den? S: O doch, Sir, ich bin getauft! Mein Groß­va­ter hat mich in dem klei­nen Zim­mer getauft, und er ist doch ein Pas­tor. Also weiß ich, dass er es rich­tig gemacht hat. G: Aber du hat­test damals weder Glau­ben noch Buße und hät­test folg­lich nicht getauft wer­den dür­fen! S: War­um, das hat doch damit nichts zu tun! Alle Kin­der soll­ten doch getauft wer­den. G: Woher weißt du da? Sagt …

Der steinerne Apfel und andere Geschichten

Wie bereits letz­te Woche ange­kün­digt, soll hier bei nimm-lies.de eine wöchent­li­che Kolum­ne zu Charles H. Spur­ge­on ent­ste­hen. Chro­no­lo­gisch sinn­voll, haben wir letz­tes Mal ein Kind­heits­er­leb­nis von Spur­ge­on ver­ar­bei­tet und wol­len auch dies­mal eini­ge Erleb­nis­se aus sei­ner Kind­heit ver­öf­fent­li­chen. Obwohl ich mich vor allem an der Auto­bio­gra­phie Spur­ge­ons ori­en­tie­re, ver­su­che ich doch mög­lichst viel­fäl­ti­ge Quel­len zu ver­wen­den. Das fol­gen­de Erleb­nis zeigt auf anschau­li­che Wei­se, wie Spur­ge­on in jedem Erleb­nis eine Leh­re für das Leben sah (Auto­bio­gra­phie, S.26): Ich erin­ne­re mich an einen stei­ner­nen Apfel, den ich als Kind auf dem Kamin­sims ent­deck­te — er war einem Apfel herr­lich ähn­lich und auch sehr gut ange­malt. Ich beob­ach­te­te die­sen Apfel Jahr um Jahr, und er wur­de nicht rei­fer. Er faul­te auch nicht. Er war in einer her­vor­ra­gen­den Umge­bung, um weich und süß zu wer­den; wenn er doch nur ein­mal aus­rei­fen wür­de! Aber ich den­ke, dass nicht ein­mal die Son­ne des Äqua­tors oder der Tau des Her­mon ihn tafel­fer­tig gemacht hät­ten. Sei­ne har­te, mar­mor­ne Art hät­te selbst die Zäh­ne eines Rie­sen zer­bre­chen las­sen. Er war ein schein­hei­li­ger Pro­fes­sor, ein hart­her­zi­ger Spötter …

Meine erste und letzte Geldschuld

Als ganz klei­ner Jun­ge besuch­te ich eine Mäd­chen­schu­le. Eines Tages brauch­te ich einen neu­en Schie­fer­grif­fel, hat­te aber kein Geld dabei. Ich war wirk­lich ein unacht­sa­mer klei­ner Kerl und hat­te Angst, zu Hau­se geta­delt zu wer­den, weil ich mei­ne Grif­fel so oft ver­lor. Was also tun? In unse­rem Ort gab es ein klei­nes Geschäft, wo die alte Frau Pear­son Nüs­se, Krei­sel, Kuchen und Bäl­le ver­kauf­te, und ich hat­te schon des öfte­ren gese­hen, wie Jun­gen und Mäd­chen dort hat­ten anschrei­ben las­sen. Ich dach­te dar­an, dass ja bald Weih­nach­ten sein wür­de, und sicher wür­de mir jemand dann einen Pen­ny oder viel­leicht sogar ein gan­zes Six­­pence-Stück schen­ken. Also wür­de ich die­sen Grif­fel dort auf Pump kau­fen und das Geld dann kurz nach Weih­nach­ten zurück­zah­len. Dies fiel mir nicht leicht, aber ich nahm all mei­nen Mut zusam­men und ging in den Laden hin­ein. Der Grif­fel kos­te­te einen Hel­ler, und da ich bis­her noch nie Schul­den gemacht hat­te, war mein Kre­dit gut, und ich erhielt den Grif­fel. Die net­te alte Dame gab ihn mir, und plötz­lich war ich ver­schul­det. Mir gefiel …